61 Megapixel im Taschenformat: Die Sony RX1R III liefert im Test eine sehr gute Bildqualität und eine präzise Objekterkennung. Doch der fehlende Bildstabilisator, das starre Display und die kurze Akkulaufzeit erfordern Kompromisse.
Sony RX1R III
- Sensor: 61 MP Vollformat, CMOS
- Brennweite (Objektiv): 35 mm (KB)
- ISO-Bereich: 50 – 102.400
- Kürzeste Verschlusszeit: 1/8.000 s
- Bildstabilisierung: nein
- Video: 4K/30p
- Display: 3,0 Zoll, 2.359.296 Bildpunkte
- Sucher: ja, elektronisch
- Speichermedien: 1x SDHC/SDXC (UHS-II)
- Gewicht: 498 g
- Preis: ca. 4.900 Euro
- www.sony.de
Als Sony 2012 die erste RX1 und 2013 die RX1R präsentierte, war das eine kleine Sensation: Erstmals ließ sich ein Vollformatsensor mit 24 Megapixeln in einem kompakten Kameragehäuse nutzen – kombiniert mit einem fest verbauten 35-mm-Objektiv von Zeiss und optionalem Aufstecksucher. Zwei Jahre später folgte 2015 mit der RX1R II die zweite Generation, die die Auflösung auf 42 Megapixel steigerte, ein klappbares Display einführte und einen ausfahrbaren Sucher bot. Nun, zehn Jahre danach, schickt Sony mit der RX1R III die dritte Auflage ins Rennen. Sie liefert eine nochmals gesteigerte Auflösung von 61 Megapixeln, kehrt beim Display jedoch zu einer festen Lösung zurück und verbaut den Sucher fest auf der Rückseite.
Am Zeiss-Objektiv Sonnar 35 mm f/2 hält Sony nach eigenen Worten „in Ehrung der langjährigen Partnerschaft“ mit Zeiss fest – eine durchaus mutige Entscheidung, wenn man die inzwischen enorme Sensorauflösung in Betracht zieht.
Mit einem Preis von knapp 4.900 Euro tritt die RX1R III zudem in ein Umfeld, in dem längst auch andere Hersteller mit kompakten Vollformat- oder gar Mittelformatkameras auftreten. So stellt sich die Frage: Kann die RX1R III den hohen Erwartungen gerecht werden?
Neuer Sensor, bekanntes Objektiv
Die Sony RX1R III präsentiert sich als handliche Edelkompaktkamera. Mit Abmessungen von rund 113 x 68 x 88 Millimetern ist das Gehäuse angenehm klein, wenn man bedenkt, dass im Inneren ein Vollformatsensor arbeitet. Das robuste Gehäuse mit Magnesiumlegierung wirkt hochwertig verarbeitet. Eine gummierte Oberfläche auf der rechten Seite sorgt dafür, dass die Kamera grundsätzlich gut in der Hand liegt – für längere Einsätze hätten wir uns dennoch einen ausgeprägten Handgriff gewünscht.
Das Herzstück der Kamera ist ein rückseitig belichteter Exmor-R-Vollformatsensor mit einer Auflösung von 61 Megapixeln, der für hohe Detailtreue und reichlich Spielraum für Zuschnitte bei der Nachbearbeitung sorgt. Unterstützt wird er vom leistungsstarken Bionz-XR-Bildprozessor, der auch in Sonys aktuellen Vollformat-DSLMs zum Einsatz kommt und für eine schnelle Signalverarbeitung sorgt. Die hohe 61-Megapixel-Auflösung ermöglicht eine praktische „Step Crop Shooting“-Funktion. Dabei können Fotografen den Bildwinkel einer 50- oder 70-mm-Kleinbildbrennweite direkt bei der Aufnahme simulieren. Technisch geschieht das, indem die Kamera nur einen zentralen Ausschnitt des Sensors nutzt. Im 50-mm-Crop bleiben 29 Megapixel und im 70-mm-Crop noch 15 Megapixel übrig – Auflösungen, die auch für Drucke oder Ausbelichtungen als Wandbilder oder in Fotobüchern ausreichen. Im Praxistest lag die Funktion auf der C1-Taste der Kamera und ließ sich somit schnell mit dem rechten Zeigefinger erreichen. Damit erlaubt „Step Crop Shooting“ eine große gestalterische Flexibilität, ganz ohne einen hier ohnehin nicht möglichen Objektivwechsel oder nachträgliche Zuschnitte am Rechner.
Wie gerade angesprochen, ist das Objektiv der Sony R1R III, das Zeiss Sonnar 35 mm f/2, fest im Gehäuse verbaut und verfügt über drei separate Einstellringe: einen Blendenring mit festen Raststufen von f/2 bis f/22, einen stufenlosen Fokusring sowie einen zusätzlichen Makroring. Letzterer erlaubt den Wechsel zwischen dem regulären Fokussierbereich von 0,3 Metern bis unendlich und einem Nahbereich von 0,2 bis 0,35 Metern. Damit eignet sich die RX1R III auch für Motive im Nahbereich, wenngleich der Makromodus nur in einem engen Entfernungsbereich arbeitet und für Entfernungen darüber wieder in den Normalbereich zurückgeschaltet werden muss.
Von Autofokus bis Ausdauer
Auch wenn Sony beim Objektiv weiterhin auf das bewährte Zeiss Sonnar 35 mm f/2 der ersten RX1R zurückgreift, hat sich in den vergangenen Jahren in Sachen Autofokus und Objekterkennung einiges getan. Hier zeigt die moderne Sony RX1R III, dass sie technisch auf der Höhe der Zeit ist.
Im Praxistest überzeugte die Kamera mit ihrer sehr präzisen und schnellen Objekterkennung. Sie erkannte Gesichter und Augen selbst dann noch zuverlässig, wenn Personen klein im Bild erschienen, sich bewegten oder nur teilweise sichtbar waren. Im kontinuierlichen AF-C-Betrieb blieb die Schärfenachführung selbst beim Wechsel von Quer- ins Hochformat zuverlässig auf dem Auge der Person. Die KI-gestützte Objekterkennung geht dabei deutlich über die klassische Gesichtserkennung hinaus, denn die Kamera identifiziert neben Menschen auch Tiere inkl. Vögel und Insekten, Fahrzeuge, Züge und Flugzeuge. Die Auswahl lässt sich im Menü gezielt steuern oder der Automatik überlassen, die im Test flexibel auf wechselnde Situationen reagierte. Auch bei schwachem Licht stellte der Autofokus verlässlich scharf, indem die Kamera das Bild kurzfristig aufhellte, um das Scharfstellen zu erleichtern.
Im CHIP Testlabor zeigte sich jedoch, dass die RX1R III keine Kamera für schnelle Action ist. Mit einer durchschnittlichen Auslöseverzögerung von 0,49 Sekunden und einer Einschaltzeit von 1,48 Sekunden reagiert sie vergleichsweise träge – spontane Schnappschüsse liegen ihr weniger. Bei der Serienbildgeschwindigkeit erreichte sie im Testlabor 5,01 Bilder pro Sekunde bei bis zu 120 JPEGs in voller Auflösung oder rund 20 verlustfrei komprimierten RAW-Dateien in Folge. Die RX1R III ist also weder besonders schnell, noch besonders ausdauernd.
Auch die Akkuleistung ist ausbaufähig. Sony verbaut den Akku NP-FW50 mit einer Kapazität von nur 1.020 mAh. Zum Vergleich: In den aktuellen Vollformat-DSLMs des Herstellers kommt der deutlich stärkere NP-FZ100 mit 2.280 mAh zum Einsatz. Entsprechend schafft die RX1R III mit einer Ladung nur rund 280 Bilder. Dieser Wert bestätigt unseren Praxiseindruck, dass der Akku recht schnell schlappmacht. Wer mit der Kamera unterwegs ist, sollte daher unbedingt einen Ersatzakku dabeihaben.
Bedienkonzept und Kompromisse
Um die RX1R III so kompakt wie möglich zu gestalten, hat Sony einige Abstriche gemacht. Das Bedienkonzept setzt zwar auf klassische Einstellräder mit klar definierten Rastpunkten und ermöglicht so eine präzise Steuerung, doch fehlen einige Komfortmerkmale, die man bei einer Kamera in dieser Preisklasse erwarten könnte.
Dazu zählt beispielsweise das fest verbaute Display. Während die Vorgängergeneration noch über einen nach hinten klappbaren Monitor verfügte, ist das Display nun, wie bei der ersten RX1R, wieder starr im Gehäuse integriert. Dadurch sind manche Perspektiven schwieriger umzusetzen und die Flexibilität ist geringer als bei vielen aktuellen Systemkameras. Der fest verbaute elektronische Sucher liefert zwar ein scharfes und helles Bild, für Brillenträger ist die Konstruktion mit der gummierten Augenmuschel jedoch leider wenig ideal. Durch den entstehenden Abstand zwischen Brillenglas und Sucher kann man nicht das gesamte Sucherfeld auf einen Blick erfassen.
Auch die Platzierung des Speicherkartenschachts direkt neben dem Akku an der Unterseite ist ein Kompromiss, der aus Platzgründen nachvollziehbar ist. Für den Alltagseinsatz und insbesondere für die Straßenfotografie, für die sich die Kamera mit ihrer 35-mm-Festbrennweite eignet, spielt das kaum eine Rolle, da in der Regel aus der Hand fotografiert wird. Wer jedoch häufig mit Stativ arbeitet – etwa in der Landschaftsfotografie –, muss damit rechnen, die Stativplatte für einen Akku- oder Kartenwechsel abzunehmen.
Ein weiterer Verzicht betrifft die Bildstabilisierung: Weder der Sensor noch das Objektiv sind stabilisiert. Das macht die Kamera zwar kompakter, verlangt aber vom Fotografen umso mehr Aufmerksamkeit bei der Wahl der Verschlusszeit.
Menü-Features der Sony RX1R III, die wir gut finden
Aus dem Testlabor
In puncto Bildqualität tritt die Sony RX1R III gegen starke Konkurrenz wie die Leica Q3 43 (ebenfalls mit Vollformatsensor und 60 Megapixeln) und die Fujifilm GFX100RF (mit Mittelformatsensor und 100 Megapixeln) an. Im CHIP-Testlabor erreicht die Sony bei kleinster ISO-Empfindlichkeit im Zentrum sehr gute 2.805 Linienpaare pro Bildhöhe (Lp/Bh). In den Bildecken sinkt die Schärfe um 477 Lp/Bh auf 2.328 Lp/Bh. Bei ISO 800 fällt die Schärfe mit -687 Lp/Bh stärker ab, stabilisiert sich bei ISO 1.600 jedoch wieder etwas (-437 Lp/Bh). Die Leica und die Fujifilm zeigen hier im Vergleich mit ihren Sensor-Objektiv-Kombinationen ein ausgewogeneres Schärfeniveau. Dafür überzeugt die RX1R III durch ihre exzellente Detailtreue: 99 und 98 Prozent bei ISO min und 400 sowie 92 Prozent bei ISO 1.600 – hier hat die Sony gegenüber der Leica und der Fujifilm die Nase vorn.
Auch das Bildrauschen der RX1R III bleibt mit einem VN1-Wert unter 2 bis ISO 1.600 sehr niedrig, während die Leica deutlich stärker rauscht. Hinzu kommt eine sehr gute Korrektur typischer Abbildungsfehler: Vignettierung nur 0,54 Blendenstufen, Verzeichnung -0,08 Prozent, Farbsäume 0,23 Pixel. Im Vergleich zeigt sich bei der Leica eine Farbsaumbreite von 0,54 und bei der Fujifilm von 0,73 Pixeln.
Unser Fazit: Sony RX1R III im Test
Die Sony RX1R III liefert mit ihrem 61-Megapixel-Vollformatsensor und einer sehr guten Korrektur typischer Abbildungsfehler eine Bildqualität auf Spitzenniveau. Auch die präzise Objekterkennung und die clevere Crop-Funktion gefallen uns gut. Für die Kompaktheit kommt man aber um Kompromisse nicht herum. Dazu gehören das fest verbaute Display, der fehlende Bildstabilisator, die mäßige Serienbildgeschwindigkeit und die kurze Akkulaufzeit.
Was uns gefällt …
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Hohe Detailtreue
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Schnelle Objekterkennung
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Sehr kompakt
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Blendenring
… und was nicht so gut ist
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Festes Display
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Schwacher Akku
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Keine Bildstabilisierung
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Schärfeabfall am Rand
Technische Daten: Sony RX1R III
| Maximale Auflösung | 9.504 x 6.336 Pixel |
| Effektive Pixel | 61 Millionen |
| Sensor (Typ / Größe) | CMOS / Kleinbild |
| Bildstabilisator | ━ |
| Sucher / Blitz / Blitzschuh | elektronisch / ━ / ● |
| Display (Größe / Auflösung) | 3,0 Zoll / 2.359.296 Subpixel |
| Touchscreen / beweglich | ● / ━ |
| Optisches Zoom | ━ |
| Brennweite (Kleinbild) | 35 mm |
| Lichtstärke Objektiv | f/2,0 |
| Belichtungsmodi P/A/S/M | ● / ● / ● / ● |
| Verschlusszeit / Bulb | 30 - 1/8.000 s / ● |
| ISO-Bereich (ohne / mit Erweiterung) | 100 - 32.000 / 50 - 102.400 |
| Bildformate | RAW+JPEG |
| Video-Auflösung | 2.160/30p 1.080/120p 720/120p |
| Video: manuelle Blende / ISO / AF-Punkt wählbar / AF-C / Zoom | ● / ● / ● / ● / ━ |
| WLAN / NFC / GPS / Bluetooth | ● (b/g/n/ac) / ━ / ━ / ● |
| Speichermedium | SDXC |
| USB / HDMI | Typ-C / micro-HDMI |
| Via USB laden | ● |
| Mikrofon- / Kopfhörer-Klinke | ━ / ━ |
| Akku-Typ / Preis (ca.) | NP-FW50 / 50 Euro |
| Abgedichtet / wasserdicht | ━ / ━ |
| Abmessungen / Gewicht | 113 x 68 x 88 mm / 498 g |





















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