Das Nikon Nikkor Z 35 mm f/1,2 S macht im Labor- und Praxistest viel Freude und liefert Bilder mit künstlerischer Note. Wir waren mit der lichtstarken Festbrennweite in Köln unterwegs.
Nikon Nikkor Z 35 mm f/1,2 S
- Anschluss: Z-Mount
- Optischer Aufbau: 17 Elemente in 15 Gruppen
- Anzahl Blendenlamellen: 11
- Autofokus: ja
- Bildstabilisator: nein
- Gewicht: 1.060 g
- Preis: ca. 3.050 Euro
- www.nikon.de
Mit dem Nikkor Z 35 mm f/1,2 S hat Nikon nach 50 mm und 85 mm die dritte extrem lichtstarke Festbrennweite mit großer Blendenöffnung f/1,2 vorgestellt. Zielgruppe sind Profis in den Bereichen Reportage, Hochzeit und Event sowie Fotoenthusiasten, die häufig bei schwachem Umgebungslicht fotografieren oder sich für kreative Bilder ein schönes Bokeh mit weichem Schärfeverlauf wünschen. Was bietet das Profi-Objektiv zum stolzen Preis von rund 3.050 Euro (zum Zeitpunkt des Testberichts)? Wir haben das Nikkor Z 35 mm auf einer Fototour durch Köln und im CHIP Testlabor genauer unter die Lupe genommen.
Handhabung und erster Eindruck
Schon beim Auspacken lässt das Nikkor Z 35 mm f/1,2 S keinen Zweifel daran, dass hier eine aufwendige optische Konstruktion zum Einsatz kommt, um die hohe Lichtstärke zu erreichen. Mit einem Durchmesser von 90 Millimetern, einer Länge von 150 Millimetern und einem stattlichen Gewicht von rund einem Kilogramm ist das Z 35 mm für eine 35-mm-Festbrennweite recht groß und schwer, liegt aber dennoch gut in der Hand. Das hochwertig verarbeitete Gehäuse ist an den Bedienelementen und am Anschluss gegen Staub, Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet.

Das Nikon Nikkor Z 35 mm f/1,2 S ist mit einer Funktionstaste und einem Steuerring ausgestattet. Bild: Nikon
Der große Fokusring liegt sehr gut in der Hand und hat einen recht hohen Drehwiderstand. Dadurch sind auch bei geringer Schärfentiefe bei weit geöffneter Blende sehr feine manuelle Schärfeverlagerungen möglich. Ein schmaler Einstellring kann über das Kameramenü mit den Funktionen Blendenwahl, Belichtungskorrektur oder ISO-Empfindlichkeit belegt werden, um Fotografen einen schnellen Zugriff darauf zu ermöglichen. Wer zum Beispiel bei lichtstarken Festbrennweiten die Blende gerne direkt am Objektiv einstellt, kann den Einstellring als Blendenring nutzen. Der Einstellring lässt sich stufenlos drehen und hat wie der Fokusring einen relativ hohen Drehwiderstand.

Aufgenommen mit dem Nikon Nikkor Z 35 mm f/1,2 S an einer Nikon Z6II bei 35 mm (KB), ISO 100, f/8,0 und 1/320 Sekunde. Bild: Thomas Probst
Gut gefallen haben uns auch die beiden L-Fn-Tasten, die wahlweise als Fokushaltetasten oder Funktionstasten fungieren und so am Gehäuse positioniert sind, dass man bei Aufnahmen im Quer- oder Hochformat mit dem Daumen der linken Hand immer eine der beiden Tasten gut erreichen kann. Die Tasten lassen sich über das Kameramenü mit nützlichen Funktionen belegen. So kann man über die Tasten etwa die Motivverfolgung starten, Gitterlinien für die Bildkomposition einblenden oder die Lupenvergrößerung zum manuellen Fokussieren zuschalten.
Sehr gute Abbildungsleistung
Im CHIP Testlabor zeigt das Nikkor Z 35 mm f/1,2 S eine starke Leistung – und das bereits bei Blende f/1,2. In der Bildmitte kommt das Nikkor Z 35 mm f/1,2 S bei offener Blende auf 2.688 Linienpaare pro Bildhöhe (Lp/Bh). Das entspricht 92 Prozent der theoretisch möglichen Auflösung an der Messkamera Nikon Z7II. In den Ecken werden noch 69 Prozent erreicht. Wird zweifach abgeblendet, schrammt die Festbrennweite mit 2.878 Lp/Bh in der Bildmitte (99 Prozent) sogar nur knapp am Bestwert an der Nikon Z7II vorbei. Was typische Abbildungsfehler betrifft, zeigt das Nikkor Z 35 mm f/1,2 S im Testlabor eine sichtbare Vignettierung bei offener Blende f/1,2 mit einem Helligkeitsabfall von 1,1 Blendenstufen. Zweifach abgeblendet ist die Vignettierung dagegen kein Thema mehr.
Aus dem Testlabor
Vignettierung des Nikon Nikkor Z 35 mm f/1,2 S im Test
Die Vignettierung gibt an, wie stark die Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern hin abnimmt. In unseren Grafiken wird der Helligkeitsverlust in Blendenstufen farblich dargestellt. Die Legende zur Abstufung der Blendenstufen finden Sie direkt in der jeweiligen Grafik.
Unser Fazit: Nikon Nikkor Z 35 mm f/1,2 S im Test
Das Nikkor Z 35 mm f/1,2 S überzeugt im Test als erstklassiges Reportageobjektiv. Mit hochwertiger Verarbeitung, sehr guter Abbildungsleistung und kreativen Möglichkeiten dank Blende f/1,2 empfiehlt sich die vielseitige Festbrennweite für anspruchsvolle Aufnahmesituationen.
Was uns gefällt …
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Blende f/1,2
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Sehr scharf im Bildzentrum
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Weiches Bokeh
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Abgedichtet
… und was nicht so gut ist
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Sehr hochpreisig
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Recht groß und schwer
Technische Daten: Nikon Nikkor Z 35 mm f/1,2 S
| Konstruiert für Sensorgröße / Bajonett | Kleinbild / Nikon Z |
| Brennweite an APS-C-Kamera (umgerechnet auf Kleinbild) | 52,5 mm |
| Maximale Lichtstärke | 1.2 |
| Kleinste Blende | 16 |
| Konstruktion: Linsen / Gruppen | 17 / 15 |
| Blendenlamellen (Anzahl) | 11 |
| Naheinstellgrenze | 0,3 m |
| Filtergröße | 82 mm |
| Abmessungen / Gewicht | 90 x 150 mm / 1.060 g |
| AF-Motor / AF/MF-Schalter | ● / ● |
| Bildstabilisator / mit mehr als einem Modus | ━ / ━ |
| Innenfokus | ● |
| Funktionstaste (Fn) | ● |
| Steuerrungs-/Blendenring / De-Click-Schalter | ● / ━ |
| Fokusbereichsbegrenzer | ━ |
| Gummidichtung am Bajonett | ● |
| Streulichtblende / Schutzbeutel/-tuch mitgeliefert | ● / ● |



Das ist wohl nicht der große Wurf. Für ein Fünftel Preis gibt es das NIKKOR Z 35mm f/1.4. Komme keiner mit einer Blendenstufe. Maße, Gewichte, Abbildungsleistung und kleinere Filter, also preiswerter, zeigen, es gibt sehr gute Alternativen aus dem eigenen Haus.