Die Fujifilm X-Half (X-HF1) kombiniert Retro-Elemente mit digitalen Funktionen und hebt sich durch ihr Hochformat-Konzept klar vom Mainstream ab. Wir haben die Fujifilm X-Half im umfangreichen Praxistest auf ihre Stärken und Schwächen geprüft.
Fujifilm X-Half
- Sensor: 17,7 MP, 1 Zoll, CMOS
- Brennweite (Objektiv): 10,8 mm (entspricht 32 mm KB)
- ISO-Bereich: 200 – 12.800
- Kürzeste Verschlusszeit: 1/2.000 s
- Bildstabilisierung: nein
- Video: Full HD/24p
- Display: 2,4 Zoll (4:3), 920.000 Bildpunkte
- Sucher: ja, optisch
- Speichermedien: 1x SDHC/SDXC (UHS-I)
- Gewicht: 240 g
- Preis: ca. 800 Euro
- www.fujifilm-x.com/de-de
Mit der X-Half schlägt Fujifilm eine außergewöhnliche Richtung ein: Die digitale Kompaktkamera mit fest verbautem, lichtstarkem Objektiv mit Offenblende f/2,8 nimmt Fotos und Videos standardmäßig nicht im üblichen Quer-, sondern im Hochformat auf, wie wir es von Smartphones gewohnt sind. Die Idee dahinter orientiert sich an analogen Halbformatkameras, die ihre Bilder im halben Kleinbildformat (18 x 24 mm) und somit im Seitenverhältnis 3:4 aufnahmen. Auch die Fujifilm X-Half nutzt dieses Seitenverhältnis, allerdings mit einem modernen 1-Zoll-CMOS-Sensor, der effektiv mit 18 Megapixeln auflöst. Der Bildwinkel der fest verbauten Festbrennweite entspricht umgerechnet dem eines Kleinbildobjektivs mit 32 mm. Damit ist die Kamera im Alltag, auf Reisen und für die Straßenfotografie vielseitig einsetzbar. Die Blende lässt sich über den Blendenring am Objektiv manuell in ganzen Blendenstufen zwischen f/2,8 und f/11 einstellen.
Dabei rastet der Blendenring mit recht hohem Drehwiderstand merklich und leise ein. Neben der manuellen Blendeneinstellung bietet der Blendenring eine „A“-Position, in der die Kamera die Blende je nach Aufnahmesituation automatisch anpasst.

Klein, leicht, handlich: Mit nur 240 Gramm und kompakten Abmessungen passt die X-Half in kleine Foto- und Jackentaschen – perfekt für unterwegs. Bild: Thomas Probst
Hochformat und Collagen
Die X-Half bietet ein zunächst ungewohntes Fotografie-Erlebnis. Während Smartphones und Kameras für Hochformataufnahmen üblicherweise vertikal gehalten werden, bleibt die X-Half für hochformatige Aufnahmen in horizontaler Position. Der Bildausschnitt wird über ein hochformatiges 2,4-Zoll-Display oder einen optischen Sucher mit einem ebenfalls hochformatigen 3:4-Sucherbild gewählt.
Neben Einzelaufnahmen bietet die X-Half die Möglichkeit, kreative Collagen zu speichern. Dabei lassen sich beispielsweise zwei Fotos direkt nacheinander aufnehmen und mit einem wahlweise schwarzen oder weißen Trennbalken in einem Bild kombinieren. Alternativ können Collagen auch nachträglich über die für Android und iOS verfügbare „X-Half Smartphone“-App erstellt werden. Collagen sind eine schöne Möglichkeit, um beispielsweise eine weitwinklige Totale einer Aufnahmesituation mit einer zusätzlichen Detailaufnahme zu kombinieren. Neben zwei Fotos können auch bewegte Videosequenzen mit einem stimmungsvollen Standbild oder zwei Videos verknüpft werden.

Collage: Beide Bilder aufgenommen mit der Fujifilm X-Half bei 32 mm (KB). Einstellungen für das linke Bild: ISO 200, f/5,6 und 1/800 Sekunde. Einstellungen für das rechte Bild: ISO 500, f/4 und 1/500 Sekunde. Bilder: Thomas Probst
Hommage an analoge Zeiten
Das Gehäusedesign der Fujifilm X-Half (X-HF1) orientiert sich bewusst an klassischen Filmkameras. Auffällig ist der Transporthebel an der oberen rechten Seite der Kamera. Er dient dazu, den zweiten Teil einer Collage auszulösen, vermittelt aber haptisch das Gefühl eines Filmtransporthebels älterer, analoger Filmkameras. Ein weiteres nettes Detail ist das schmale Display links vom Hauptdisplay. Es erinnert an das Sichtfenster analoger Kameras, mit dem sich der eingelegte Film kontrollieren ließ. Mit der digitalen Displayversion des klassischen Sichtfensters gelingt dem Hersteller eine schöne Hommage, da hier in der X-Half unter anderem Fujifilms bekannte Filmsimulationsmodi angezeigt werden, die den Look analoger Filme erzeugen sollen.

Film wechseln Am kleinen Display lassen sich Fujifilms Filmsimulationen mit dem Finger durchscrollen – schön gemacht und angenehm schnell. Bild: Thomas Probst
Darüber hinaus ist die Fujifilm X-Half mit einem speziellen „Filmkamera-Modus“ ausgestattet, der die Bedienung der Kamera so simuliert, als würde man mit einer analogen Filmkamera fotografieren. Das heißt: Es gibt kein Livebild am Display. Der Bildausschnitt wird ausschließlich über den kleinen optischen Sucher gewählt. Zudem muss nach jedem Bild der Transporthebel nach rechts gezogen werden, um das Weiterspulen der Filmrolle zu simulieren – sonst ist kein weiteres Fotografieren möglich. Auch das gefällt uns als liebevolle Referenz an die damalige Bedienung analoger Filmkameras.
Highlight-Funktion: Simulierter Filmkameramodus
Intuitive Wischsteuerung
Mit einem Gewicht von 240 Gramm inklusive Akku und SD-Speicherkarte sowie kompakten Abmessungen von 106 x 64 x 46 Millimetern ist die X-Half sehr klein und leicht. Allerdings wirkt das Gehäuse etwas kunststofflastig, wodurch die Kamera keinen allzu robusten Eindruck macht. Bei der Bedienung setzt Fujifilm auf ein zunächst gewöhnungsbedürftiges Konzept mit wenigen Bedienelementen und vielen Einstellungen, die sich ausschließlich über die beiden berührungsempfindlichen Displays ausführen lassen.
Das Hauptdisplay ist fest verbaut und lässt sich somit weder kippen noch schwenken. Das ist für die meisten Fotos grundsätzlich kein Problem, kann aber bei Aufnahmen aus der Hocke oder über Kopf hinderlich sein. Der Blickwinkel auf das Display wird dabei recht spitz, was die Bildkomposition erschwert. In der Sonne ließ sich das Display zudem oft nicht gut ablesen. Wir haben daraufhin die Displayhelligkeit auf das Maximum erhöht, was sich allerdings tendenziell auf die Akkulaufzeit auswirkt.

Aufgenommen mit der Fujifilm X-Half bei 32 mm (KB), ISO 640, f/4 und 1/200 Sekunde. Filmsimulation: „PROVIA/Standard“; Körnungseffekt: „Stark“. Bild: Thomas Probst
Das Hauptdisplay und das kleine, schmale Display links daneben arbeiten bei der Touchbedienung zusammen: Die Darstellung im kleinen Bildschirm verändert sich beispielsweise abhängig vom geöffneten Menü am Hauptdisplay. Viele Funktionen lassen sich über Wischgesten erreichen: Ein Wischen von unten nach oben auf dem Hauptdisplay öffnet das Schnellmenü, über das sich unter anderem der Belichtungsmodus, der Autofokus, der Weißabgleich, der Porträtmodus und andere Basisfunktionen direkt ansteuern lassen. Wischt man nach links, wird das Systemmenü auf dem Display angezeigt, während der kleine Screen gleichzeitig die dazugehörige, übergeordnete Menüstruktur visualisiert. Tippt man auf dem kleinen Display zum Beispiel auf das Foto- oder Videokamerasymbol, öffnet sich auf dem großen Display das entsprechende Systemmenü für Foto oder Video. Weitere Symbole gibt es für den Autofokus, die Bildqualitätseinstellungen, das Videomikrofon sowie für die Netzwerk- und USB-Einstellungen. Wischt man auf dem Hauptdisplay von oben nach unten, kann man die Smartphone-Kopplung via Bluetooth oder den Filmkamera-Modus aktivieren. Durch Wischen von links nach rechts kann man im Menü auswählen, ob man sich die Filmsimulationsmodi oder verschiedene Filtereffekte wie einen Miniatureffekt, Farbverschiebungen oder einen Weichzeichner auf das kleine linke Display legen möchte. Im Aufnahmemodus kann man anschließend schnell und einfach mit dem Finger durch die Filmsimulationen oder Farbeffekte wischen.
Menü-Features, die wir gut finden
Sucher mit Einschränkungen
Der kleine optische Sucher der X-Half verfügt nicht über einen Dioptrienausgleich für Brillenträger. Zudem lässt sich aufgrund des von der Brille verursachten Abstands zwischen Auge und Sucher nicht das gesamte Sucherbild erfassen. Bei Nahaufnahmen tritt außerdem der für optische Sucher typische Parallaxenfehler auf, da Sucherbild und Sensorachse voneinander abweichen. Das Sucherbild zeigt daher bei Nahaufnahmen einen etwas anderen Bildausschnitt als das Display. Wer nah an Motive herangehen möchte, arbeitet deshalb am besten mit dem Hauptdisplay, das exakt den Bildausschnitt anzeigt, den schließlich auch der Sensor aufnimmt. Für Landschaftsaufnahmen oder weiter entfernte Motive spielt die Parallaxe beim Sucher hingegen keine Rolle. In diesen Fällen kann das Motiv problemlos über den Sucher gewählt werden.
Unser Fazit: Fujifilm X-Half im Praxistest
Die Fujifilm X-Half (X-HF1) ist keine Kamera für alle, aber eine sehr spezielle für kreative Köpfe. Sie überzeugt mit einem ungewöhnlichen Bedienkonzept, kreativen Collagen, einer modernen Touchsteuerung und ihrer Konzentration auf das Wesentliche. Bedenkt man jedoch die geringe Displayauflösung, den Parallaxenfehler im Nahbereich und das plastiklastige Gehäuse, erscheint der Preis zu hoch.
Was uns gefällt …
- Kreative Collagen
- Intuitive Touchbedienung
- Klein und leicht
- Viele Bildeffekte
… und was nicht so gut ist
-
Plastiklastiges Gehäuse
-
Geringe Displayauflösung
-
Kleiner Sucher
-
Parallaxenfehler
Technische Daten: Fujifilm X-Half
| Maximale Auflösung | 3.648 x 4.864 Pixel |
| Effektive Pixel | 17,7 Millionen |
| Sensor (Typ / Größe) | CMOS / 1-Zoll |
| Bildstabilisator | ━ |
| Sucher / Blitz / Blitzschuh | optisch / ● (LED) / ● |
| Display (Größe / Auflösung) | 2,4 Zoll / 920.000 Subpixel |
| Touchscreen / beweglich | ● / ━ |
| Optisches Zoom | ━ |
| Brennweite (Kleinbild) | 32 mm |
| Lichtstärke Objektiv | f/2,8 - 11 |
| Belichtungsmodi P/A/S/M | ● / ● / ● / ● |
| Verschlusszeit / Bulb | 15 min - 1/2.000 s / ● |
| ISO-Bereich (ohne / mit Erweiterung) | 200 - 12.800 / ━ |
| Bildformate | JPEG |
| Video-Auflösung | 1.440/24p 1.440/48p |
| WLAN / NFC / GPS / Bluetooth | ● (a/b/g/n/ac) / ━ / ━ / ● |
| Speichermedium | SDXC |
| USB / HDMI | Typ-C / ━ |
| Via USB laden | ● |
| Mikrofon- / Kopfhörer-Klinke | ━ / ━ |
| Akku-Typ / Preis (ca.) | NP-W126S / 48 Euro |
| Abgedichtet / wasserdicht | ━ / ━ |
| Abmessungen / Gewicht | 106 x 64 x 46 mm / 240 g |















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