Im Rahmen des China Pingyao International Photography Festival 2025 kuratiert der deutsche Fotokünstler Thomas Kellner vom 19. bis 23. September die Ausstellung Where Time’s Echoes Repeat. Die Schau versammelt sieben internationale künstlerische Positionen, die sich mit dem Thema Erinnerung auseinandersetzen. Mit dabei sind Galina Kurlat, Frauke Thielking, Ari Salomon, Jolana Havelková, Stig Marlon Weston, Litera sowie Falk von Traubenberg.
Die präsentierten Werke bewegen sich zwischen dokumentarischer Fotografie, kameralosen Verfahren, installativer Praxis und poetischer Erzählweise. Allen gemeinsam ist ein reflektierender Umgang mit Zeit und Erinnerung. Im Fokus stehen nicht nur persönliche oder gesellschaftliche Narrative, sondern auch atmosphärische Spuren, Materialität und die visuelle Übersetzung von Gedächtnisprozessen.
Thomas Kellner, der seit vielen Jahren internationale Ausstellungen konzipiert und als Fotograf mit eigenen Werkgruppen weltweit vertreten ist, bringt mit Where Time’s Echoes Repeat erneut eine vielschichtige Ausstellung nach China. Der langjährige Festivalteilnehmer und DGPh-Mitglied lebt und arbeitet in Siegen. Parallel entwickelt er derzeit das Langzeitprojekt Facetten der Großstadt, das anlässlich des 150. Geburtstags von August Sander 2026 erscheinen soll.
Pressemitteilung Thomas Kellner:
Where Time’s Echoes Repeat
2025. China Pingyao International Photography Festival, Pingyao, China. Teilnehmende Künstler*innen: Galina Kurlat, Frauke Thielking, Ari Salomon, Jolana Havelková, Stig Marlon Weston, Litera, Falk von Traubenberg. Kuratiert von: Thomas Kellner
Im Rahmen des renommierten Pingyao International Photography Festival zeigt der deutsche Fotokünstler und Kurator Thomas Kellner die Gruppenausstellung Where Time’s Echoes Repeat. Sie vereint sieben internationale Positionen, die sich aus unterschiedlichen künstlerischen Perspektiven mit der Frage auseinandersetzen, wie Erinnerung in Bildern fortwirkt. Die ausgewählten Werke verbindet kein vordergründiger thematischer Gleichklang, sondern eine feinsinnig komponierte innere Verwandtschaft. Ihre Resonanz entsteht nicht zuletzt aus dem Spannungsverhältnis zwischen individuellen Zugängen und kollektiven Erfahrungshorizonten.
Im Zentrum steht das Echo, jener Nachklang von Vergangenem, der gegenwärtiges Sehen prägt. Erinnerung erscheint hier nicht als abgeschlossenes Archiv, sondern als offenes Gefüge, in dem subjektive und gesellschaftliche Geschichte ebenso präsent sind wie atmosphärische Spuren, Materialitäten und Einschreibungen. Die ausgestellten Fotografien eröffnen Schwellenräume zwischen Dauer und Vergänglichkeit, zwischen Sichtbarkeit und Verborgenem, zwischen Mensch und Natur.
So untersuchen Galina Kurlat, Stig Marlon Weston und Falk von Traubenberg in ihren Arbeiten die Natur als erinnernden Raum. Kurlats Lumenprints entstehen durch das direkte Einwirken von Licht auf lichtempfindliches Papier. Dieser kameralose Prozess hält flüchtige Zustände fest, konserviert das Atmosphärische und schreibt die Zeit selbst in das Bild ein. Westons fotografischer Blick richtet sich auf den Amazonas, dessen fragile Ökosysteme vom Einfluss menschlicher Eingriffe gezeichnet sind. Seine Bilder dokumentieren langsame Prozesse der Veränderung, die sich nicht spektakulär, sondern in kleinen, oft übersehenen Spuren offenbaren. Von Traubenberg hingegen reflektiert die Landschaft als kulturelles Bildgedächtnis. Indem er auf die romantische Ikonografie Caspar David Friedrichs verweist und diese zugleich auflöst, öffnet er abstrakte Bildräume, in denen Natur als Projektionsfläche historischer Bedeutung lesbar wird. Auch die urbane und soziale Dimension von Erinnerung spielt eine zentrale Rolle. Ari Salomon widmet sich den Spuren der Corona-Pandemie im Stadtraum. Seine Fotografien zeigen verlassene Orte, improvisierte Barrieren und leere Durchblicke, die weniger Leere abbilden als eine Atmosphäre der Abwesenheit und Unsicherheit. Jolana Havelková greift auf Textilien zurück, die als Trägerinnen gelebter Erfahrung erscheinen. Ihre Stoffe sind mehr als Material: Sie werden zu berührbaren Archiven, die persönliche Geschichten und gesellschaftliche Einschreibungen sichtbar machen.
Eine spielerisch poetische Perspektive eröffnet Frauke Thielking. In ihren Fotografien wird das kindliche Weltaneignen zur ästhetischen Geste. Es sind flüchtige, improvisierte Momente des Staunens, die nicht auf Dauer zielen, sondern das Ephemere feiern. Erinnerung entsteht hier nicht im Monument, sondern im Augenblick des Spiels.
Litera reagiert auf gesellschaftliche Umbrüche, indem vertraute Alltagsobjekte in neue Kontexte überführt werden. Mit Materialien wie Carrera Rennbahnen, Gips und Fundstücken entstehen komplexe Installationen, die sich dem eindeutigen Zugriff entziehen. Literas Arbeiten spiegeln eine fragmentierte Gegenwart, in der sich Umbruch, Spiel und Kritik überlagern. Die Bildräume, die daraus hervorgehen, erscheinen als instabile Systeme, in denen Transformation selbst zum Thema wird.
Where Time’s Echoes Repeat entfaltet kein geschlossenes Narrativ, sondern ein vielschichtiges Beziehungsgeflecht. Die einzelnen Arbeiten begegnen einander nicht als isolierte Positionen, sondern treten in ein resonantes Miteinander. In ihrer Gesamtheit entsteht ein Raum, in dem sich Perspektiven überschneiden, Erinnerungen sich verdichten und neue Konstellationen sichtbar werden.
Fakten zur Ausstellung
Veranstaltungsort: China Pingyao International Photography Festival, Pingyao, China
Ausstellung: 19.23.9.2025
Teilnehmende KünstlerInnen:
Galina Kurlat, Frauke Thielking, Ari Salomon, Jolana Havelková, Stig Marlon Weston, Litera I, Falk von Traubenberg
Kuratiert von: Thomas Kellner
Über Thomas Kellner
Thomas Kellner, geboren 1966 in Bonn.
Er studierte 1989–1996 Kunst, Politik, Soziologie und Wirtschaft an der Universität Siegen.
Er erhielt 2009 den Kunstpreis des Kreises Düren.
Thomas Kellner zeigte seine Arbeiten in vier Einzelausstellungen in New York.
Beinahe 600 Ausstellungen zeigten seine Werke auf allen Kontinenten.
Es sind bereits 34 lesenswerte Monografien zu seiner künstlerischen Arbeit erschienen.
2020 und 2021 erhielt Thomas Kellner ein Stipendium Neustart Kultur der Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien durch die Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst
und ein Stipendium des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Er lebt und arbeitet seit 1989 in Siegen.
Aktuell arbeitet Thomas Kellner an einem Gesellschaftsportrait mit dem Titel Facetten der Großstadt nach August Sander zu seinem 150. Geburtstag 2026.
Thomas Kellner, DGPh, Bluecherstrasse 7, DE 57072 Siegen, Germany, T: +49 271 2383343, E: tk@thomaskellner.com
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