Wir haben den freiberuflichen Fotografen Andrew Ab im Gespräch gefragt, wie er zur Theaterfotografie kam und welche Höhepunkte seine Laufbahn bisher geprägt haben. Seine Antworten lesen Sie hier.
Andrew Ab im Gespräch: Wie werde ich Theaterfotograf
Wie sind Sie in dieses Genre eingestiegen?
Ich habe mich schon immer für Theater begeistert. Als ich die Fotografie für mich entdeckt habe, begann ich damit, das zu fotografieren, was ich bereits kannte. Wir hatten gerade unsere eigene Musicalgruppe gegründet – damit war ich automatisch für alle Fotos zuständig. Von da an habe ich jede Gelegenheit genutzt, Theaterproduktionen zu fotografieren, Kontakte geknüpft und mein Netzwerk aufgebaut. Ein Wendepunkt war, als ein Freund mich bat, seine Aufführung am Liverpool Institute for Performing Arts zu fotografieren. Seine Kommilitonen waren begeistert und luden mich zu weiteren Vorstellungen ein. Der Regisseur mochte meine Bilder und empfahl mich an die Schulleitung weiter.

Edward II inszeniert vom Liverpool Institute for Performing Arts (LIPA). Foto: Andrew Ab Photography, LIPA
Was macht ein Theaterfotograf?
Es gibt verschiedene Phasen: Werbeaufnahmen, Fotos der Proben und schließlich Bilder der Produktion. Bei den Generalproben hat man zwar wenig Einfluss auf das Geschehen, aber meist freie Bewegung im Zuschauerraum. Manchmal gibt es zum Schluss ein Fotocall, bei dem sich gezielt Szenen inszenieren lassen. Der Zeitdruck ist oft groß, da die Bilder schnell für Werbung benötigt werden – die Bearbeitung muss dann zügig gehen. Ziel ist es, sowohl spannende Bilder zur Bewerbung der Auff ührung zu liefern als auch die harte Arbeit und Kreativität aller Beteiligten zu dokumentieren.
Welche Produktion war bisher Ihr Highlight?
Ein großes Highlight war „Boys from the Blackstuff “ am Liverpool Royal Court – ein Stück mit hoher gesellschaftlicher Relevanz. Dass ich es später auch am National Theatre in London fotografieren durfte, war ein Meilenstein für mich. Besonders gern denke ich auch an SpitLip’s „Operation Mincemeat“ zurück – ich war beim Scratch-Abend dabei, als die ersten urkomischen Songs vorgestellt wurden. Und „ADHD The Musical“ von Dora Colquhoun hat mich stark berührt. Ich habe es in verschiedenen Phasen meiner Karriere begleitet – der Humor und die Energie des Stücks sind beeindruckend. Gleichzeitig hat es mir persönlich geholfen, meinen eigenen Weg im Umgang mit Neurodivergenz besser zu verstehen.

Boys From the Blackstuff . Liverpool Royal Court and National Theatre. Foto: Andrew Ab Photography, LIPA
Welche Herausforderungen bringt dieser Job mit sich?
Theater ist schnell, dunkel, kontrastreich. Man muss mit sich veränderndem Licht und viel Bewegung umgehen. Ich habe früher im AV-Modus mit Spotmessung fotografiert, arbeite aber heute fast ausschließlich manuell, um die volle Kontrolle zu haben. Wichtig ist es, das Tempo und die Energie der Produktion zu spüren und vorauszudenken. Ich arbeite mit zwei Kameras – eine mit Weitwinkel, die andere mit Teleobjektiv – und bin so flexibler, um im richtigen Moment reagieren zu können.

Tod in Venedig. Welsh National Opera (WNO), Cardiff. Foto: Andrew Ab Photography, LIPA
Welche Ausrüstung nutzen Sie?
Ich nutze die Canon EOS 5D Mark III und IV (News dazu auf PhotoScala) – großartige Kameras, aber ich plane, auf die Canon EOS R6 Mark II umzusteigen – vor allem wegen des lautlosen Auslösers. Als Objektive verwende ich das 24–70 mm f/2,8 und das 70–200 mm – dazu habe ich noch ein paar Festbrennweiten für besonders dunkle Bühnen. Mein 14–35 mm f/2,8 ist zwar selten im Einsatz, aber wenn ich es brauche, ist es Gold wert. Für den Komfort trage ich die beiden Kameras mit einem Blackrapid-Doppelschultergurt – damit kann ich mich frei bewegen.
Welchen Rat würden Sie angehenden Theaterfotografen geben?
Engagieren Sie sich! Der Einstieg gelingt oft über die lokale Theaterlandschaft. Wenn Sie früh in talentierte Leute investieren, begleiten Sie sie idealerweise auch später bei größeren Produktionen mit höherem Budget. Denken Sie daran: Nicht nur die Marketingabteilung braucht Bilder – auch Schauspieler, Regisseure, Licht-, Bühnen- und Kostümdesign möchten ihre Arbeit dokumentiert sehen. Und zuletzt: Suchen Sie aktiv den Austausch mit anderen Theaterfotografen. Man kann voneinander viel lernen, einander inspirieren – und bei großen Projekten unterstützen.
Mehr über Andrew Ab und seine Theaterfotografie erfahren Sie im Internet unter http://andrewab.photography/.
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