In dieser Serie stellen wir die tollsten Städte, Länder und Regionen vor, in denen Fotografen voll auf ihre Kosten kommen. Dieses Mal zeigen wir euch Melilla, eine spanische Stadt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste, die ein ideales Reiseziel für Fotografen ist.
Manchmal sind es die kleinen Orte, die einen großen Eindruck hinterlassen. Melilla zum Beispiel – eine spanische Enklave im Nordosten Marokkos. Klein, unterschätzt und für viele noch ein weißer Fleck auf der fotografischen Landkarte. Gemeinsam mit TURESPAÑA hatte ich im März die Gelegenheit, diesen besonderen Ort zu erkunden. Und was soll ich sagen: Ich bin begeistert. Melilla fühlt sich an wie eine Zeitreise mit mediterranem Licht. Architekturfreunde finden hier nach Barcelona die größte Sammlung modernistischer Bauten in ganz Spanien. Die Epoche, in der sich verspielte Formen, florale Ornamente und künstlerisch gestaltete Fassaden entfalteten, prägt das Stadtbild bis heute.
Melilla – ein Reiseziel für Fotografen: Zwischen Festung, Felsen und Flaniermeilen
Doch Melilla kann noch mehr. Da ist zum Beispiel die Altstadt, eingebettet in eine imposante Festungsanlage mit direktem Blick aufs Mittelmeer. Hier findet man nicht nur Museen und kleine Galerien, sondern auch ein faszinierendes Höhlensystem. Einst Teil einer Klosteranlage, später Zufluchtsort für die Bevölkerung, erzählen die steinernen Gänge Geschichten aus Jahrhunderten. Wer den schmalen Weg bis ganz nach unten nimmt, wird belohnt: mit einer verschlungenen Felsentreppe, die zu einem versteckten Strand führt – ein Ort, wie aus einer Serie à la Game of Thrones. Trotz seiner überschaubaren zwölf Quadratkilometer bietet Melilla eine Vielfalt, die überrascht. Es gibt einen großen Stadtstrand mit weichem Sand, Felsküsten mit spektakulären Wellen, Parkanlagen zum Entspannen und Jugendgruppen, die an windstillen Tagen mutig von den Klippen springen. Fotomotive gibt es an jeder Ecke – von der weiten Meersicht bis zur Detailaufnahme der Jugendstilfassaden.
Architektur-Perle
Architekturfotografen kommen in Melilla definitiv auf ihre Kosten – Melilla ist nach Barcelona die Stadt mit den meisten Gebäuden im Modernismus- und Art-Déco-Stil Spaniens.
Hernandez-Park
Die große, schöne Parkanlage mit zahlreichen Pagoden, überwachsenen Durchgängen und einer Palmenallee in der Mitte ist ein absoluter Pflichtbesuch für Fotografen.
Authentisch, ruhig, fotogen
Dabei ist Melilla erstaunlich unaufgeregt. Die Stadt hat aktuell nur vier Hotels und knapp über 400 Gästezimmer. Man begegnet kaum Touristen, dafür umso mehr echtem Alltagsleben. Spanischkenntnisse sind von Vorteil – denn viele Hinweisschilder und Führungen gibt es bisher nur in der Landessprache. Doch an englischen Übersetzungen wird bereits gearbeitet, und man merkt, dass sich Melilla langsam für die Welt öffnet. Die Atmosphäre ist authentisch, die Küche hervorragend. Ob frischer Fisch oder Tapas: Wer gern genießt, wird hier genauso fündig wie Fotofans auf Motivsuche. Besonders schön ist der Kontrast zwischen den südlich-marokkanischen Farben und dem spanischen Lebensgefühl. Man ist in Nordafrika, ja – aber fühlt sich dennoch mitten in Spanien. In Spanien selbst gilt Melilla noch immer als echter Geheimtipp. Zwar reisen regelmäßig Sportler zu den Wettkämpfen an, für den klassischen Tourismus aber spielt die Stadt bisher kaum eine Rolle. Wer hierher kommt, erlebt eine authentische Enklave, fernab vom Trubel großer Reiseziele. Statt Gedränge und Gruppenführungen gibt es entspanntes Entdecken – mit viel Zeit für Details, Perspektiven und persönliche Eindrücke. Zauberhaft ist auch das Miteinander in Melilla.
Während unseres Aufenthalts besuchten wir die heiligen Stätten der Stadt – von Moschee und Synagoge über Kirche bis hin zum buddhistischen Tempel. Überall wurden wir herzlich empfangen. Besonders berührend: Alle erzählten mit Stolz, dass in Melilla Feste gemeinsam gefeiert werden – ganz gleich, ob Ramadan, Weihnachten oder das indische Holi-Fest. Zur Reisezeit hing gerade die festliche Ramadan-Beleuchtung über dem Stadtzentrum. Diese Offenheit und Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander machen Melilla nicht nur kulturell spannend, sondern auch menschlich besonders. Multikulti – wie es sein sollte. Wer also auf der Suche nach neuen Perspektiven ist – landschaftlich wie fotografisch –, sollte nicht zu lange zögern. Melilla ist ein Ort für Entdecker, für Feinsinnige, für alle, die lieber einmal öfter nach oben schauen. Jetzt ist der perfekte Moment dafür.
Noch ein paar Tipps
Anreise
Nach Melilla können Sie per kleiner Propeller-Maschine von mehreren spanischen Städten wie Madrid aus reisen. Zudem gibt es Fähren von Malaga und Almeria in die Stadt im Norden Marokkos.
Beste Reisezeit
Melilla besuchen Sie am besten im Frühjahr oder Herbst, um die warme Jahreszeit zu verlängern oder vorzuziehen. Wir waren dort im März, wobei schon alles grün war und blühte. Und bis in den November soll es dort Badetemperaturen geben.
Gut zu wissen
Badesachen einpacken! Melilla ist der perfekte Ort für alle, die einen Städtetrip mit einem Strandurlaub verbinden wollen. Ein langer, öffentlicher Sandstrand mit kleinen Beach-Bars lädt zum Verweilen ein. Und seine Ruhe hat man hier auch: Wandernden Verkäufern sind wir hier nicht begegnet.
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