Die GFX100S II ist mit 883 Gramm die leichteste GFX-Mittelformat-Systemkamera mit Wechselobjektiven. Sie bietet die Top-Bildqualität des Flaggschiff-Modells GFX100 II und kostet im Vergleich 2.000 Euro weniger. Wir haben uns die Fujifilm GFX100S II im Test genauer angesehen.
Fujifilm GFX100S II
- Sensor: 102 MP Mittelformat, CMOS
- Serienbildrate: bis 7 Bilder pro Sekunde
- ISO-Bereich: 40 – 102.400
- Kürzeste Verschlusszeit: 1/16.000 s
- Bildstabilisierung: ja
- Video: 4K/30p
- Display: 3,2 Zoll, 2.360.000 Bildpunkte
- Sucher: ja, EVF
- Speichermedien: 2x SDXC (UHS II)
- Gewicht: 883 g
- Preis: ca. 5.500 Euro
- www.fujifilm-x.com
Die Fujifilm GFX100S II ist die zweite Version der etwas „abgespeckten“ Modellreihe im Vergleich zur GFX100 II ohne S. Wie die große Schwester GFX100 II bietet auch die S II einen mit 102 Megapixeln sehr hoch auflösenden Mittelformatsensor, der, wie die Messungen aus dem CHIP Testlabor ergaben, auf dem gleichen Top-Niveau glänzen kann. Das ist insofern erfreulich, weil die GFX100S II für 5.500 Euro gute 2.000 Euro günstiger ist als ihre große Schwester. Die Abstriche betreffen somit nicht die Bildqualität, sondern lediglich einige Ausstattungsmerkmale. Zudem ist es Fujifilm im Vergleich zur Vorgängerin GFX100S gelungen, das Gewicht bei gleicher Gehäusegröße auf 883 Gramm zu reduzieren. Damit ist die S II die aktuell leichteste GFX-Systemkamera. Die GFX100RF ist mit 735 Gramm zwar noch leicht, gehört aber mit einem fest verbauten Objektiv in die Klasse der Edel-Kompaktkameras.
Unterschiedliche Sensoren
Der Sensor der GFX100S II überzeugt im Labor mit einer hervorragenden Kantenschärfe mit bis zu 4.537 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh) bei ISO min – und liegt damit sogar leicht vor dem Flaggschiff GFX100 II mit maximal 4.371 Lp/Bh. Auch bei steigender ISO-Empfindlichkeit hat die S II bis einschließlich ISO 12.800 knapp die Nase vorn. In Sachen Detailtreue und Bildrauschen liegen beide Mittelformatkameras nahezu gleichauf. Sichtbares Bildrauschen ist erst ab ISO 3.200 am Monitor erkennbar.
Handelt es sich womöglich um die gleichen Sensoren? Dass dem nicht so ist, zeigt ein schneller Blick in die technischen Daten. Dem „GFX 102 Megapixel CMOS II“-Sensor der GFX100S II fehlt das zusätzliche Kürzel „HS“, wie es beim Sensor der großen Schwester zu finden ist. Hier zeigt sich ein entscheidender Unterschied, der dem günstigeren Preis der S II geschuldet ist. Das Kürzel HS wird bei Fujifilm für sehr schnelle Sensoren verwendet und führt beim Spitzenmodell GFX100 II in Verbindung mit dem X-Prozessor 5 zu einer sehr schnellen Signalverarbeitung und Serienaufnahmen mit bis zu acht RAW-Bildern pro Sekunde bei 302 RAWs in Folge. Dieses Tempo kann die im Vergleich günstigere GFX100S II nicht ganz mitgehen. Der Sensor der S II erreicht mit dem neuen X-Prozessor 5 zwar ebenfalls sehr gute sieben RAW-Bilder pro Sekunde – im Serienbildmodus ist aber bereits nach 24 RAWs Schluss. Das wird auch damit zusammenhängen, dass Fujifilm bei der günstigeren S-Serie nach wie vor auf zwei SD-UHS II-Kartenschächte setzt, während die GFX100 II auch mit den schnelleren CFexpress-Karten arbeiten kann. Doch auch wenn die GFX100S II bei der Geschwindigkeit nachvollziehbar hinter dem Flaggschiffmodell liegt, möchten wir an der Stelle positiv hervorheben, dass sich die Serienbildeigenschaften deutlich gegenüber der Vorgängerin verbessert haben. Die schaffte nämlich lediglich 4,5 RAWs pro Sekunden mit 18 RAWs in Folge. Auch wenn die GFX100S II nach wie vor keine Sportskanone ist, kann sich eine Aufnahmedauer von rund drei Sekunden mit sieben RAWs pro Sekunde für spontane Actionmotive absolut sehen lassen.

Das 3,2 Zoll große Touchdisplay lässt sich nach oben und nach unten sowie zusätzlich für Hochformatbilder nach rechts kippen. Bild: Fujifilm
Hilfreiche Bildstabilisierung und 400-Megapixel-Fotos
Neben der Geschwindigkeit hat die Fujifilm GFX100S II im Vergleich zur Vorgängerin auch bei der Effektivität der am Sensor verbauten Bildstabilisierungseinheit (IBIS) zugelegt. Ließen sich mit dem IBIS der GFX100S noch sechs Blendenstufen kompensieren, sind mit der optimierten IBIS-Einheit der GFX100S II um bis zu acht Blendenstufen längere Verschlusszeiten möglich. Im Praxistest hat das mit dem angesetzten Fujinon GF 63 mm f/2,8 R WR nicht ganz geklappt – wir finden es aber beachtlich, dass wir mit einem 102-Megapixel-Mittelformatsensor bei einer Belichtungszeit von 0,6 Sekunden noch scharfe Aufnahmen aus der Hand fotografieren konnten. Damit entspricht die von uns erreichte Kompensation etwa fünf Blendenstufen. Das bedeutet nicht, dass keine längere Kompensation möglich ist. Man benötigt dann nur extrem ruhige Hände und hält am besten den Atem an. Mit den laut Fujifilm acht Blendenstufen bietet der IBIS der GFX100S II übrigens die gleiche Kompensation wie der IBIS des Flaggschiffmodells GFX100 II.

Aufgenommen mit der Fujifilm GFX100S II und dem Fujinon GF 63 mm f/2,8 R WR bei 50 mm (KB), ISO 500, f/2,8 und 1/2.000 Sekunde. Bild: Thomas Probst
Durch die bewegliche Lagerung des Sensors sind darüber hinaus auch Pixel-Shift-Multi-Shot-Aufnahmen mit der GFX100S II möglich. Bei aktivierter Funktion nimmt die Kamera bis zu 16 RAW-Bilder hintereinander auf und bewegt nach jeder Aufnahme den Sensor um 0,5 Pixel. Die dabei entstehenden Einzelaufnahmen lassen sich später mit der Software „Pixel Shift Combiner“ zu einer extrem hochauflösenden Aufnahme mit satten 400 Megapixeln zusammensetzen.
Aus dem Testlabor
Rauschverhalten
Fujifilm ist es gelingen, das Bildrauschen trotz der enormen Auflösung von 102 Megapixeln sehr gering zu halten. Die GFX100S II zeigt bis einschließlich ISO 1.600 gar kein nennenswertes Rauschen am Monitor und beginnt erst ab ISO 3.200 leicht zu rauschen. Wer die Bilder im DIN-A3-Format drucken möchte, muss sich selbst bis ISO 12.600 keine Sorgen um Bildrauschen machen.

Aufgenommen mit der Fujifilm GFX100S II und dem Fujinon GF 32-64 mm f/4 R LM WR bei 28 mm (KB), ISO 250, f/8,0 und 1/1.000 Sekunde. Bild: Thomas Probst
Schärfe & Details
Der 102-Megapixel-Sensor im Mittelformat erreicht im Labor eine erstklassige Kantenschärfe mit maximal 4.537 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh) bei ISO min. Das sehr gute Niveau wird bis einschließlich ISO 1.600 mit immer noch 4.252 Lp/Bh gehalten. Die Detailwiedergabe macht bei der visuellen Kontrolle am Monitor bis ISO 6.400 einen sehr guten Eindruck.

Die Fujifilm GFX100S II arbeitet mit dem Lithium-Ionen-Akku des Typs NP-W235. Der ermöglicht bis zu 630 Fotos in voller Auflösung. Bild: Fujifilm
Weitere hilfreiche Verbesserungen
Die GFX100S II hat gegenüber ihrer Vorgängerin auch in weiteren Bereichen zugelegt. So löst zum Beispiel der elektronische Sucher mit jetzt 5.760.000 Subpixel nicht nur höher auf (3.690.000 Subpixel bei der GFX100S), sondern bietet auch eine von 0,77-fach auf nun 0,84-fach verbesserte Vergrößerung. Zu den weiteren Neuerungen gehören das HEIF-Bildformat und ein inzwischen wesentlich modernerer Autofokus, der, wie es aktuell üblich ist, auf einem KI-basierten Training via Deep-Learning basiert. Das ermöglicht eine schnellere und präzisere Objekterkennung und Objektverfolgung. Neben menschlichen Gesichtern und den Augen von Personen und Tieren erkennt das AF-System auch Autos, Motorräder, Fahrräder, Flugzeuge, Züge, Insekten und Drohnen. Beim Videomodus bleibt es nach wie vor bei einer DCI4K-Auflösung mit 30p. 8K ist nach wie vor der Flaggschiff-Reihe um die GFX100 II vorbehalten.
Unser Fazit: Fujifilm GFX100S II im Test
Die Fujifilm GFX100S II überzeugt als kompakte und leichte Mittelformat-DSLM, die neben vielen Verbesserungen gegenüber der Vorgängerin mit der Top-Bildqualität des GFX100-II-Flaggschiffs punktet. Wer auf das höhere Tempo und 8K-Videos des Spitzenmodells verzichtet, findet in der S II eine sehr gute und 2.000 Euro günstigere 102-Megapixel-Alternative mit Wechselobjektiven.
Was uns gefällt …
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Bildqualität der GFX100 II
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IBIS
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7 RAW-Bilder/s
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Verbesserter Sucher
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KI-Autofokus
… und was nicht so gut ist
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Nach wie vor nur 4K-Video mit 30p
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Höherer Stromverbrauch als die Vorgängerin
Technische Daten: Fujifilm GFX100S II
| Maximale Auflösung | 11.648 x 8.736 Pixel |
| Effektive Pixel | 102 Millionen |
| Sensor (Typ / Größe) | CMOS / 43,8 x 32,9 mm |
| Bajonett / Crop-Faktor | Fujifilm G / 0,79-fach |
| Bildstabilisator / Kompensation | ● / 8,0 EV |
| Sucher (Art) | elektronisch |
| Bildfeld-Abdeckung / Vergrößerung (auf KB) | 100 Prozent / 0,84-fach |
| Display (Größe / Auflösung) | 3,2 Zoll / 2.360.000 Subpixel |
| Touchscreen / beweglich | ● / ● |
| Verschlusszeiten / Bulb | 1/16.000–30 s / ● |
| Kürzeste Blitzsynchronisation | 1/125 s |
| ISO-Bereich (ohne / mit Erweiterung) | 80–12.800 / 40–102.400 |
| Bildformate | JPEG, RAW, RAW+JPEG, HEIF |
| Serienbildgeschwindigkeit (max. / mit AF-C / mit AF-S) | 7 / 7 / 7 Bilder pro Sekunde |
| Maximale Video-Auflösung / Zeitlupen | 2.160 (30p) / - |
| Video: manuelle Blende / ISO / Fokuspunkt wählbar / AF-C | ● / ● / ● / ● |
| Video: RAW / flaches Bildprofil / Bildstabilisierung | ● / F-Log, F-Log2 / am Sensor |
| Blitzschuh / Blitzsynchron-Anschluss | ● / ● |
| WLAN / Bluetooth / GPS | ● (b/g/n/ac) / ● / ━ |
| Speichermedium (Schacht 1 / 2) | SDXC (UHS II) / SDXC (UHS II) |
| USB / HDMI-Ausgang | 3.2 / micro-HDMI |
| Mikrofon- / Kopfhörerklinke | ● / ● |
| Akkutyp / Energie | NP-W235 / 15,8 Wh |
| Gehäuse abgedichtet | ● |
| Abmessungen (B x H x T) | 150 x 104 x 87,2 mm |
| Gewicht Body | 883 g |










Danke für den ausführlichen Vergleich der beiden Kameras. Hat mir bei der Kaufentscheidung geholfen.