In der Nikon-Leserstory erklärt uns Yasser Alaa Mobarak, wie ihm seine eindrucksvollen Architekturbilder gelingen. Er besucht denselben Ort. Wieder. Und wieder. Und wieder. Bis sich sein Wartespiel auszahlt.

Seit 14 Jahren bin ich leidenschaftlicher Reisefotograf. Eines Tages stieß ich auf das berühmte aserbaidschanische Heydar-Aliyev-Zentrum in Baku. Es wurde von Zaha Hadid entworfen, einer berühmten irakisch-britischen Architektin. Ich recherchierte viele Fotos, um die besten Blickwinkel zu finden, und während meiner Reise besuchte ich das Gebäude an vier Tagen mehrmals, um verschiedene Arten von Licht einzufangen. Aus Hunderten von Bildern habe ich dann nur zwei ausgewählt. Diese Bilder haben mein Leben verändert. Sie haben mehr als 40 Preise bei verschiedenen Fotowettbewerben gewonnen, darunter Travel Photographer of the Year 2020, International Photography Awards 2022 und National Geographic Traveller India. Durch die Fotos wurde ich in der aserbaidschanischen Fotocommunity bekannt und wurde eingeladen, dem aserbaidschanischen Team beizutreten, das an der FIAP-Farbbiennale teilnahm und den sechsten Platz belegte. Als ich eingeladen wurde, fühlte ich mich wie ein Fußballspieler, der gerade einen Profivertrag im Ausland unterschrieben hatte! Alle meine Bilder enthalten ein menschliches Element neben dem Gebäude, um ein Gefühl für den Maßstab zu vermitteln. Ich umrahme es mit architektonischen Linien und Kurven, um eine interessantere, minimalistischere Komposition zu schaff en. Es ist wichtig, nur eine Figur aufzunehmen und Menschenmengen zu vermeiden. Ich habe die Position, die Richtung und den Abstand des Menschen sorgfältig überlegt und mit Licht, Schatten und kontrastierenden Farben hervorgehoben.

Die gelbe Jacke wirkt als Kontrast zum blauen Himmel und bildet das Highlight des Bilds.

Die gelbe Jacke wirkt als Kontrast zum blauen Himmel und bildet das Highlight des Bilds. Foto: Yasser Alaa Mobarak

Wartespiel von Yasser Alaa Mobarak: Geduld und Wiederkehr

Durch das Heydar-Aliyev-Zentrum habe ich mich in die Architekturfotografie verliebt. Nach dem großen Erfolg meiner ersten Reise beschloss ich, den Gebäudekomplex einige Jahre später erneut zu besuchen. Ich verbrachte viel Zeit damit, Tausende von Fotos des Gebäudes zu studieren, um herauszufinden, wie andere Fotografen das Thema eingefangen hatten, und versuchte, verschiedene und einzigartige Blickwinkel zu finden. Mein erstes Foto entstand im November 2019, die anderen hier gezeigten Bilder wurden im Juni 2023 aufgenommen. Bei der nächsten Reise fotografierte ich zehn Tage lang das Zentrum und gab einen Meisterkurs für Reisefotografie mit der Azerbaijan Photographers Union (APU). Dabei lernte ich Fotofreunde kennen, von denen mich viele inspiriert haben und die ich vorher nur virtuell kannte. Was meine Ausrüstung betrifft, so fühle ich mich mit meiner Nikon D5600(News auf PhotoScala) und dem Nikon AF-P DX 18–55 mm f/3.5–5.6G VR sehr wohl. Ich benutze eine kleine APS-C Kamera, um nicht aufzufallen, wenn ich stundenlang von der gleichen Stelle aus fotografiere. Ich bringe meinen Schülern immer bei, dass eine kleine, unauffällige Kamera für Reisefotografen unerlässlich ist, da man so die Aufmerksamkeit der Leute vermeiden kann. Das ist sehr wichtig, wenn man ehrliche Reisefotos machen will.

Um die gigantische Struktur im Maßstab abzubilden, ist ein Mensch im Vordergrund ideal.

Um die gigantische Struktur im Maßstab abzubilden, ist ein Mensch im Vordergrund ideal. Foto: Yasser Alaa Mobarak

Alle Winkel abdecken

Ich warte oft sehr lange, bevor ich ein Foto mache, und ich mache nur ein Bild aus jedem Winkel. Bei dem Bild mit der Frau im roten Kleid musste ich lange warten, bis die Frau auftauchte. Das Kleid der Frau erzeugt einen Kontrast zwischen dem warmen Rot und den kühlen Blau- und Grüntönen. Ich habe sie absichtlich auf der linken Seite des Bilds – mit Blick nach rechts – aufgenommen, um auf der rechten Seite einen aktiven Raum zu schaffen. Das Besondere an dem Bild mit der gelben Jacke ist, dass ich den Ort mehrere Tage lang immer wieder besuchte, bis ich die Frau in Gelb eingefangen hatte. Ich wollte ein Gefühl für den Maßstab vermitteln und wartete, bis die Frau zwischen zwei Kurven hindurch war, bevor ich den Auslöser drückte, damit die Linien sie nicht kreuzten. Die Führungslinie ist das wichtigste visuelle Element in diese Bilder. Sie lenkt das Auge des Betrachters zum Mittelpunkt des Interesses. Die Richtung, in die sich die Figur bewegt, verwandelt den toten Raum in einen aktiven. Das Schwarz-Weiß-Bild gibt es, weil die Frau schwarz gekleidet ist und ich das Gefühl hatte, dass es sich gut in eins umwandeln lässt. Außerdem finde ich, dass die harten Schatten und Lichter in Schwarz-Weiß gut wirken. Ich habe die Drittelregel angewandt und den aktiven Raum genutzt, um eine dynamische Komposition zu schaffen. Ich mochte das Licht und die Schatten in dieser Szene, also wartete ich.

Das rote Kleid der Frau ergänzt den blauen Himmel und hebt sich von der ansonsten gedämpften Farbpalette ab.

Das rote Kleid der Frau ergänzt den blauen Himmel und hebt sich von der ansonsten gedämpften Farbpalette ab. Foto: Yasser Alaa Mobarak