Vom Gipfel des Nebelhorns bis ins Herz von Oberstdorf – der 13. Fotogipfel begeisterte mit Ausstellungen, Workshops und echten Begegnungen. Ein Festivalbericht zwischen Natur, Kunst und Technik.

Ein Erlebnisfestival auf 2.224 Metern Höhe

Vom 2. bis 6. Juli 2025 wurde Oberstdorf erneut zur Bühne für ein der Fotografie gewidmetes Ereignis: Der 13. Fotogipfel stand unter dem Motto „Wasser“ – und erstmals unter dem Zusatz „Erlebnisfestival“. Von Mittwoch bis Sonntag lang trafen sich Profis, Amateure und Neugierige, um Fotografie in all ihren Facetten zu erleben.

Das höchstgelegene Fotofestival Europas – mit Ausstellungen bis auf 2.224 m – zog erneut zahlreiche Fotobegeisterte aus dem In- und Ausland an und gilt inzwischen als größtes Fotospektakel Süddeutschlands.

Fotogipfel Oberstdorf 2025: Claudia Roth und Christian Popkes. Foto: Benjamin Lorenz

Fotogipfel Oberstdorf 2025: Claudia Roth und Christian Popkes. Foto: Benjamin Lorenz

Stimmungsvolle Eröffnung mit prominenter Unterstützung

Bereits die offizielle Eröffnung im Oberstdorf Haus (das für die Festivalwoche als „CEWE Haus der Fotografie“ firmierte) setzte Akzente: Claudia Roth, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien a.D., war ebenso anwesend wie die Schirmherren Christian Neureuther und Bernd Ritschel.

Letzterer prägte das Festival durch seine Ausstellung „Das Wasser der Alpen“ an der Nebelhorn-Gipfelstation und seinen Vortrag „Von den Alpengletschern zum Bergwasser“. Für Ritschel gab es keinen spektakuläreren Ausstellungsort als das 2.200 Meter hohe Nebelhorn. Seine riesigen, drei Meter hohen Foto-Drucke entwickelten dort eine ganz eigene Energie – ob in gleißender Sonne oder inmitten brodelnder Bergwolken.

Fotogipfel Oberstdorf 2025: Claudia Roth und Bernd Ritschel. Foto: Benjamin Lorenz

Fotogipfel Oberstdorf 2025: Claudia Roth und Bernd Ritschel. Foto: Benjamin Lorenz

Kurator Christian Popkes: Impulsgeber und Möglichmacher

Hinter dem kuratierten Gesamterlebnis des Fotogipfels steht seit Jahren Christian Popkes, der als künstlerischer Leiter mit viel Feingefühl, Weitblick und Engagement das Festivalprogramm gestaltet. Seine Vision: Fotografie als Brücke zwischen Menschen, Generationen und Disziplinen erlebbar zu machen – und genau das wurde auch 2025 wieder eindrucksvoll umgesetzt.

Ob bei der Auswahl der Fotokünstler, der Zusammenstellung inspirierender Ausstellungen oder der Konzeption neuer Festivalformate – Popkes versteht es, Themen in Bilder und Begegnungen zu übersetzen. Sein kuratorischer Ansatz ist geprägt von inhaltlicher Tiefe, gesellschaftlicher Relevanz und einem feinen Gespür für das, was Fotografie heute leisten kann.

Der neue Leitgedanke „Erlebnisfestival“ trägt dabei nicht nur seine Handschrift, sondern ist auch das Ergebnis enger Zusammenarbeit mit Bea Fröhlich, Marketingleiterin von Tourismus Oberstdorf. Sie verantwortete die visuelle Neuausrichtung des Festivals, entwickelte das neue Logo und prägte maßgeblich den neuen Claim mit. Gemeinsam setzen sie auf Offenheit, Zugänglichkeit und emotionale Kraft – ein Konzept, das spürbar aufgeht.

Fotokunst zwischen Dorf und Gipfel

Oberstdorf verwandelte sich während des Fotogipfels in einen Mix aus Open-Air- und Indoor-Galerie. Die Allgäuer Alpen wurden zur natürlichen Ausstellungsfläche: Großformatige Werke internationaler Fotografen waren sowohl auf dem Gipfel als auch im Kurpark, Fuggerpark und Ortszentrum zu sehen. Einige Ausstellungen laufen sogar noch bis in den Herbst weiter.

Vielfalt der Ausstellungen

Highlights der diesjährigen Ausstellungen:

  • Bernd Ritschel: „Das Wasser der Alpen“ – Spektakuläre Naturfotografie an der Nebelhorn-Gipfelstation

  • Joachim Baldauf: „Unterwasserwelten“ – KI-inspirierte Modefotografie unter Wasser

  • Leica Akademie: „FOTOGRAFIE er-LEBEN“ – Poetische Leica-Welten im Oberstdorf Haus

  • GDT: „Unser blauer Planet“ – Prämierte Unterwasserfotos im Fuggerpark

  • Ulla Lohmann: „Taka Tuka Land“ – Abenteuer aus Papua-Neuguinea

  • DVF-Sonderschau „Wasser“ – Jurierte Werke aus dem DVF-Wettbewerb

GDT-Abend: Naturfotografie zum Miterleben

Ein besonderes Highlight war der GDT-Abend am Donnerstag, bei dem die Gesellschaft für Naturfotografie erstmals als offizieller Programmpartner auftrat. Die Gesellschaft präsentierte mit Beate Oswald, Karsten Mosebach, Karl Seidl und Stephan Fürnrohr starke Positionen der Naturfotografie. Vom nächtlichen Leben der Eulen bis zur Wildnis der Mongolei – die Vortragenden erzählten leidenschaftlich und bildgewaltig. In einer mitreißenden Vortrags-Session zeigten sie, wie berührend, technisch anspruchsvoll und zugleich politisch engagiert Naturfotografie sein kann. Die Kooperation mit der GDT brachte eine neue inhaltliche Tiefe ins Programm und machte Naturfotografie sinnlich erfahrbar. Gerade die Begeisterung, mit der die Referenten von ihren Begegnungen mit Tieren und Landschaften berichteten, riss das Publikum zu Zwischenapplaus hin. Die Verbundenheit von Naturschutz und Fotografie war an diesem Abend förmlich zu spüren.

Die GDT als offizieller Programmpartner brachte Tiefe ins Festival – Fotografie wurde hier nicht nur gezeigt, sondern gefühlt.

Gespräch mit Bernd Ritschel: Reduktion als Stärke

Ein persönlicher Höhepunkt war das Interview mit Bernd Ritschel auf der Festivalbühne. Der renommierte Alpin- und Landschaftsfotograf sprach photoscala-Chefredakteur Benjamin Lorenz mit ruhiger Präsenz über seine klare, reduzierte Bildsprache – eine Ästhetik, die nicht auf Spektakel zielt, sondern auf Tiefe. Seine Motive: Wasser in all seinen Aggregatszuständen, Gletscher im Wandel, stille Bergseen in flüchtigem Licht. Immer wieder betonte Ritschel, wie sehr sich seine fotografische Haltung mit den Veränderungen in den Alpen verwebt – künstlerisch wie emotional.

Doch es war vor allem der abendliche Vortrag am Freitag, der nachhaltig wirkte. Was Ritschel präsentierte, war weit mehr als eine Bilderschau: Es war eine stille, eindringliche Meditation über Natur, Wahrnehmung und Vergänglichkeit. Seine Fotografien – groß, leise, sensibel – führten das Publikum von den Gletschern der Westalpen bis zu verborgenen Quellregionen. In zurückhaltender Sprache erzählte er von Momenten der Einsamkeit, von Ehrfurcht vor der Natur – und von der Verantwortung des Fotografen, nicht nur zu zeigen, sondern zu bewahren. Kaum ein Besucher verließ den Saal unberührt: Die Kombination aus visueller Kraft und leiser Nachdenklichkeit machte diesen Abend zu einem der bewegendsten des gesamten Festivals.

Im Anschluss an Bernd Ritschels Vortrag folgte ein eindrucksvoller Talk mit dem Meteorologen und Wetterexperten Sven Plöger. Gemeinsam sprachen sie über die Rolle des Wassers im Klimawandel, persönliche Naturerfahrungen und die Kraft visueller Aufklärung durch Fotografie.

Fotogipfel Oberstdorf 2025: Sven Plöger und Bernd Ritschel. Foto: Benjamin Lorenz

Fotogipfel Oberstdorf 2025: Sven Plöger und Bernd Ritschel. Foto: Benjamin Lorenz

Workshops für jedes Niveau

Mehr als 50 Workshops – nahezu alle ausgebucht – boten intensive Lerngelegenheiten für Einsteigern wie Fortgeschrittene. Ob Porträt, Makro, Reportage oder Foto-Walk: Das Angebot war vielseitig und praxisnah.

Viele Workshops fanden direkt unter freiem Himmel statt – andere im modernen Seminarbereich des CEWE Hauses. Fotoprofis wie Micha Pawlitzki und Ulla Lohmann teilten ihre Erfahrung mit viel Offenheit und Leidenschaft.

Fotogipfel Oberstdorf 2025. Foto: Benjamin Lorenz

Fotogipfel Oberstdorf 2025. Foto: Benjamin Lorenz

Fototechnik zum Anfassen

Auch Technikbegeisterte kamen auf ihre Kosten: Marken wie Canon, Leica, CEWE, Hahnemühle, Sigma und Tamron präsentierten Kameras, Objektive, Drucke und mehr. Sie boten Teststationen und luden zum Ausprobieren ein. Besucher konnten Kameras und Objektive direkt vor Ort testen – oder hochwertige Ausdrucke auf Fine-Art-Papier erleben.

Festival-Flair pur

Der neue Leitgedanke „Erlebnisfestival“ war überall spürbar. Das Programm verband Natur, Technik und Kunst zu einem offenen Forum für Austausch. Begegnungen entstanden unterwegs, auf Wanderungen, bei Kaffee und Brotzeit oder im CEWE Haus der Fotografie.

Am Samstagabend sorgte die Allgäuer Kultband Losamol für Festivalstimmung. Am Sonntag wurden Familien mit Kinderworkshops, Fotorallyes und Mitmachaktionen begeistert. Das gesamte Dorf war Teil des Geschehens.

Fotogipfel Oberstdorf 2025. Allgäuer Kultband Losamol Foto: Benjamin Lorenz

Fotogipfel Oberstdorf 2025. Allgäuer Kultband Losamol Foto: Benjamin Lorenz

 

Fotografie als verbindende Kraft

Der Fotogipfel Oberstdorf 2025 war weit mehr als ein Fotofestival – er war ein Ort der Begegnung, der Emotion und der Inspiration. Die Mischung aus hochwertigen Ausstellungen, lebendigen Workshops und einem offenen Austausch hat begeistert.

Für mich – und meine Tochter, die mich begleitete – war es eine Woche voller Eindrücke, Austausch und fotografischer Intensität. Wer Fotografie erleben will, zwischen Linse und Landschaft, ist hier genau richtig.