FotoSpiegellose Kamerasysteme mit geringem Auflagemaß eröffnen zahlreiche Möglichkeiten zur Adaption von Wechselobjektiven traditioneller Kamerasysteme. Bei über 200 Adaptertypen lässt sich nahezu jedes alte oder auch neue Objektiv an so ziemlich jeder Spiegellosen anschließen; der Nutzung optischer Schätzchen ist Tür und Tor geöffnet:

Nachdem Adaptionssysteme wie Tamrons Adaptall oder die auf Tokina zurückgehenden Systeme T4/TX (Soligor und Vivitar) mit dem Aufkommen der Autofokus-Objektive zunehmend obsolet wurden, hielten sich in erster Linie die einfachen T2-Adapter und die Anschlussadapter für Novoflex-Schnellschussobjektive und Balgengeräte am Markt. Mit der Digitalisierung der Kameratechnik rückten dann Adapter-Lösungen wieder stärker in den Blickwinkel vieler Fotografen.

Nach dem Ausstieg von Kyocera aus dem Kamerageschäft sahen Besitzer von Zeiss-Objektiven mit C/Y-Anschluss eine Weiterverwendungsmöglichkeit für ihre Objektive, wenn sie diese mittels Adapter an einer Canon-DSLR nutzten. In der Folge kamen zahlreiche Adapterlösungen auf den Markt, die für wenig Geld die mechanische Anpassung auch seltenerer Anschlüsse wie Rollei-QBM an Canon-Kameras ermöglichten. Manche dieser online über Versteigerungsportale angebotenen Adapter waren durchaus brauchbar, andere eher weniger.
 

Foto einiger Kipon-Adapter

Kipon-Adapter

 
Inzwischen kommen jedoch auch aus chinesischer Fertigung zahlreiche praktische Adapterlösungen auf den Markt. So kommt man heute an der Firma Shanghai Transvision Photographic aus Shanghai und ihrer Produktmarke Kipon (nicht zu verwechseln mit der ehemaligen japanischen Objektivmarke Kiron) kaum vorbei. Mit etwa 200 Adaptertypen dürfte das Unternehmen mit Fertigungsstätten in Shanghai und Suzhou derzeit über das umfangreichste Sortiment verfügen. Neben Exoten wie einem Adapter für Contax-G-Objektive an Nikon-1-Kameras oder für Alpa-Kleinbildobjektive an Leica-M-Kameras liefert das Unternehmen auch ein knappes Dutzend Adapter zum Objektivanschluss an das M-Modul des Ricoh-GXR-Systems.
 

Foto vom Tilt-Adapter Nikon auf Sony NEX von Kipon

 
Insgesamt 41 Adapter sind alleine für den Anschluss von Fremdobjektiven an Sony-Nex-Kameras vorgesehen, darunter auch Tilt-Adapter zum Anschluss von Objektiven mit M42-Gewinde, mit Nikon-, OM-, MD- und FD-Bajonett . Ob es Sinn macht, einen derartigen Tilt-Adapter mit einem Kleinbildobjektiv einzusetzen, oder ob man nicht besser gleich zu einem Mittelformatobjektiv greift, das mit einem Multi-Fokus-System–Adapter von Zörk adaptiert wird, muss jeder Nutzer selbst entscheiden. Zudem sind die Kalotten der Kipon-Tilt-Adapter gefettet, was Staub anzieht und auf Dauer die Schwenk-Funktion beeinträchtigen kann. Eher viel versprechend sind da Kipons L/M-NEX-Makro-Adapter mit eigener Einstellschnecke zum Anschluss von M-Objektiven an Sony-Nex-Kameras, oder die sich derzeit noch in der Entwicklung befindlichen Adapter für Canon-EF-Objektive an Nex-Kameras, die auch eine digitale Übertragung der Objektivdaten auf die Kamera ermöglichen sollen. Dass Kipon darüber hinaus beabsichtigt, insgesamt 42 verschiedene Adapter für die X-Pro1 von Fujifilm zu entwickeln, verwundert da nur wenig.

Dass es durchaus sinnvoll sein kann, für ein neues Kamera-System – mit zu Beginn noch reduziertem Objektivangebot – passende Adapter für Fremdobjektive bereitzustellen, hat nach Leica Camera inzwischen auch Fujifilm erkannt. Auf der CP+ 2012 in Yokohama stellte man für die neue spiegellose Systemkamera X-Pro1 einen M-Mount-Adpter vor, der schon im April in den Handel kommen soll (Fujifilm Previews X-Pro1 M Mount Adapter ).

Auch Voigtländer hat schon vor Jahren erkannt, dass man mit entsprechenden Adaptern für NEX- und MFT-Kameras seinem analogen Objektivsortiment ein zusätzliches Marktsegment öffnen kann. So gibt es entsprechende Adapter für Objektive mit Leica-M-, sowie Nikon-F-Bajonett.
 

Foto: Urs Tillmanns

Objektivadapter von Kowa

 
Auf der CP+ Anfang des Monats rückte mit Kowa ein weiterer, in der Kamerawelt fast vergessener Hersteller mit neuen Adaptern in den Blickpunkt. Nachdem man sich nach Aufgabe der Kleinbild- und Mittelformat-Sparte auf Industrieoptiken und Spektive konzentrierte, will man nun für die gerade in Japan zunehmend wichtiger werdenden spiegellosen Systemkameras die entsprechenden Adapter zum Anschluss von C-Mount-Objektiven liefern. Zahlreiche weitere Adapter-Varianten für Nikon-1, Pentax-Q, MFT-, und Nex-Kameras finden sich im japanischen Blog Monouri.
 

Foto Novoflex-Objektivadapter für das Nikon-1-System und die Pentax Q

Novoflex-Objektivadapter für das Nikon-1-System und die Pentax Q

 
Objektiv-Adapter kommen jedoch nicht nur aus fernöstlicher Produktion. So kann der Memminger Hersteller Novoflex wohl auf die längste Erfahrung bei der Fertigung von Objektivadaptern zurückgreifen. Schon vor vielen Jahrzehnten wurden Balgengeräte und die legendären Novoflex-Schnellschussobjektive (mit Ausnahme der zwei zusammen mit Tamron produzierten Objektive) mit entsprechenden Adaptern an die jeweiligen Kameras angepasst. Auch heute sind noch ein gutes Duzend dieser Anschlussringe lieferbar. Dazu kamen im Laufe der Jahre noch etwa 80 Adapter zum Anschluss fremder Objektive an Kameras mit kürzerem Auflagemaß. Alle Novoflexadapter verbinden die Objektive bislang rein mechanische und ohne elektronische Datenübertragung. Zu den aktuellen Erweiterungen des Sortiments zählen Adapter für das Nikon-1-System und die Pentax Q.

Sehr anschaulich schildert Novoflex die Voraussetzungen und Möglichkeiten der Objektivadaption im folgenden Filmchen:
 

 
(CJ)