Das Gütesiegel „Made in Germany“ sei in Gefahr, meinen viele Branchenverbände, darunter auch SPECTARIS für die optische Industrie. Hintergrund ist ein Vorstoß der EU, nur noch jenen Produkten das Qualitätssiegel zuzugestehen, die zu mindestens 45 % auch in Deutschland gefertigt wurden – dabei seien doch Entwicklung und Konzeption das Entscheidende:

Presseinformation von SPECTARIS vom 27.01.12:

„Made in Germany“ in Gefahr

Änderung an Kriterien für die Auszeichnung mit dem Qualitätslabel bedeutet Imageverlust und mehr Bürokratie

Der Branchenverband SPECTARIS warnt vor den massiven Auswirkungen einer Verschärfung der Kriterien für das „Made in Germany“-Label auf die Imaging- und Fotoindustrie. Bisher richtet sich die Auszeichnung mit dem Label nach dem letzten wesentlichen Be- oder Verarbeitungsort. Die Europäische Union plant nun, von diesem Vorgehen abzuweichen und einen in Deutschland gefertigten Anteil von mindestens 45 Prozent zu fordern. Dabei ist für das Label jedoch die Konzeption und Qualität des Gesamtproduktes und nicht die Herkunft der Einzelteile entscheidend. Die Änderung der so genannten Warenursprungsregelung hätte zudem einen erheblichen Bürokratie- und Kostenaufwand für die Unternehmen zur Folge.

Gerade für die klein- und mittelständischen Unternehmen aus der Imaging- und Fotobranche bietet die Ursprungsangabe „Made in Germany“, welches im Ausland für besondere Qualität steht, einen Wettbewerbsvorteil. „Der Großteil der SPECTARIS-Unternehmen lässt in Deutschland produzieren – dennoch gibt es Schlüsselkomponenten z.B. elektronische Bauteile, deren Beschaffung in Deutschland ausgeschlossen ist, da die Herstellung ausschließlich im Ausland stattfindet. Zudem bedingt der internationale Wettbewerb die Prüfung alternativer Produktionsstandorte, um diverse Wettbewerbskriterien wie Preise, Lieferzeit und -flexibilität erfüllen zu können. Gleichwohl stehen die Produkte für deutsche Qualität, da die Entwicklung des Gesamtkonzeptes, die Qualitätsstandards und Serviceleistungen aus Deutschland stammen“, so Tobias Weiler, Geschäftsführer des Industrieverbandes SPECTARIS. Dieser Aspekt darf bei der Definition von „Made in Germany“ nicht außer Acht gelassen werden.

Aktuell ist die Diskussion um das Label „Made in Germany“ entbrannt, da der so genannte Zollkodex modernisiert werden soll. In diesem Kodex legt die EU die zollrechtlichen Vorschriften fest, die für die Einfuhr und Ausfuhr von Waren zwischen der Gemeinschaft und Drittländern gelten. Um eine Gefährdung von „Made in Germany“ zu vermeiden, sind alle Dachverbände bereits auf breiter Front aktiv geworden – da das Thema neben der Fotobranche auch andere wichtige Industriezweige in Deutschland umfasst. Die Aktivitäten der Verbände waren bisher auf nationaler Ebene erfolgreich:

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat sich schriftlich an den zuständigen EU-Kommissar gewandt und eine Beibehaltung der aktuellen Reglung gefordert. Brüssel hat bisher eingelenkt und berichtet, dass die Änderungen nur auf importierte Waren abzielen sollen – eine Trennung wird jedoch schwer einzuhalten sein und die Folgen selbst einer solchen Änderung können Auswirkungen auf den Handel haben. Somit fordert SPECTARIS die Beibehaltung der aktuellen Regelung und wird sich im Interesse seiner Mitglieder weiter auf Bundes- und EU-Ebene dafür einsetzen, um „Made in Germany“ gerade für den Mittelstand erhalten zu können. Der Verband fordert ein gemeinsames Vorgehen und Kräftebündeln der gesamten Fotobranche, um gegen die geplante Regelung vorzugehen.
 
 
Kurzkommentar dazu: So verwässert man auf längere Sicht ein wertvolles Gütesiegel und beschädigt jene Hersteller, die tatsächlich in Deutschland produzieren, weil auch ihr „Made in Germany“ dann fragwürdig erscheint. Ich plädiere für ein „Engineered in Germany“ für jene, die nicht hier produzieren, deren Produkt aber auf maßgeblicher Entwicklungsarbeit hierzulande beruht.

Siehe auch: Made in Germany – Ursprungsbezeichnung und Qualitätsbegriff
 

(thoMas)