Foto vom Nikon-1-SensorNun ist sie also aus dem Sack, die Katze: Nikon hat heute sein spiegelloses Kamerasystem Nikon 1 mit CX-Sensorformat (8,8×13,2 mm) vorgestellt. Wie sich Nikons neues System ins spiegellose Umfeld einreiht, dazu unsere Einschätzung:

Zunächst einmal: Mit der heutigen Vorstellung hat Nikon die Riege nahezu komplettiert. Nur noch ein Systemkamera-Hersteller hat derzeit noch kein Spiegellos-System zu bieten – Canon.
 

Foto Nikon 1 - Formen und Farben

Auch Nikon setzt jetzt auf viel Farbe; bei Kameras und Objektiven
 
 
Foto der Nikon 1 V1 offen

Die V1 offen; mit Blick auf den Sensor
 
 
Foto der Nikon 1 J1 offen

Die J1 offen; mit Blick auf den Sensor
 
 

Nikons Werbevideo zum System 1

 
Weitere Informationen zum Spiegellos-System Nikon 1 finden sich hier: Nikon 1 – Die Erste ihrer Art. Beispielaufnahmen in voller Auflösung gibt es zur V1 und zur J1 bei Nikon Japan.

Hier die aktuellen spiegellosen Systeme im Überblick:
 


Aktuelle Spiegellos-Systeme im Überblick

  Sensorfläche & Sensorgröße Formatfaktor
(gegenüber Kleinbild)
vorgestellt Megapixel eff.
(aktuelles Maximum)
MicroFourThirds

MFT-Sensorfläche

ca. 13×17 mm

2 August 2008 16 Megapixel
Kleinbild

Kleinbild-Sensorfläche

24×36 mm

1 September 2009
(Leica M9) *
18,5 Megapixel
Ricoh GXR

Minisensor-Fläche

Foto

je nach Modul von 1/1,7" bis APS-C

ca. 5 – 1,5
je nach Sensor-Modul
November 2009 12,3 Megapixel
Samsung NX

APS-C-Sensorfläche

APS-C, ca. 15,6×23,4 mm

1,5 Januar 2010 20,3 Megapixel
Sony NEX

APS-C-Sensorfläche

APS-C, ca. 15,6×23,4 mm

1,5 Mai 2010 24,3 Megapixel
Pentax Q-System

Minisensor-Fläche

1/2,3″, 4,6×6,1 mm

5,6 Juni 2011 12,4 Megapixel
Nikon 1

CX-Sensorfläche

CX, 8,8×13,2 mm

2,7 September 2011 10,1 Megapixel

 
Nun sind Megapixel und Sensorgröße sicherlich nicht alles; dennoch bleibt festzuhalten, dass Nikon unter den Spiegellosen einen der kleinsten Sensoren verwendet und der aktuelle Sensor die geringste Auflösung hat. 10 Megapixel reichen für eine ganze Menge (exakt für 22×33 cm ≈ A4 bei 300 dpi, und für 33×49 cm bei 200 dpi), aber mehr ist beispielsweise dann besser, wenn Großvergrößerungen und Ausschnittvergrößerungen anfallen.

Aber immerhin, damit setzt Nikon seine drei Digitalformate FX (24×36), DX (23,6×15,8 mm) und nun CX (8,8×13,2 mm) auch ganz deutlich gegeneinander ab. Wobei sich die Frage erhebt, ob das eine weise Entscheidung ist. Man mag argumentieren, dass Nikon ansonsten das Geschäft mit den Spiegelreflexkameras kannibalisiert hätte. Es hätte aber auch die Möglichkeit gegeben, statt klein ganz groß einzusteigen: Mit einer Spiegellosen mit Kleinbild-Vollformatsensor und der Möglichkeit, alle aktuellen Nikkore zu adaptieren, hätte Nikon den Platzhirschen geben können und könnte zudem ganz gelassen zusehen, welches System – Spiegelreflex oder Spiegellos – die Nikonians auf lange Sicht bevorzugen (Sony geht bei den NEX-Modellen in etwa diesen Weg). So besteht die Gefahr, dass all jene, die sich für ein spiegelloses System entscheiden, sich auch gleich für ein anderes System entscheiden, denn dort bekommen sie größere Sensoren, mehr Megapixel, und auch mehr (praktikable) Adaptionsmöglichkeiten.

Aber es kam anders. Kleinheit und Schnelligkeit – so sollen die beiden den weltschnellsten Autofokus haben und schaffen bis zu 60 B/s bei voller Auflösung – standen offensichtlich ganz oben auf Nikons Liste.
 

Foto vom Bajonettadapter FT1 von Nikon

Mit dem Bajonettadapter FT1 versucht Nikon, das neue 1-System ans alte F-Bajonett anzubinden. Um den Preis eines Verlängerungsfaktors von 2,7, womit extreme Weitwinkel zu leichten Teles mutieren (24 ≈ 65); Teleobjektive an einer 1er Kamera allerdings nochmals imposanter wirken (85 ≈ 230).

 
Abschließend sei noch auf folgende Artikel hingewiesen, die sich anschaulich den Auswirkungen der Sensorgröße (exakt: dem Zusammenhang von Brennweite, Aufnahmeentfernung und zulässigem Zerstreuungskreis) widmen:

Bildsensor und Bildgestaltung
Bildgestaltung: Eine Frage des Formats – Teil I
Bildgestaltung: Eine Frage des Formats – Teil II
 
 
* Anekdote am Rande: Leica hat es tatsächlich geschafft, zweimal das Kleinbildformat zu prägen. Einstmalen im Analogen im Jahr 1925 und dann wieder im Jahr 2009 mit der Leica M9, die unzweifelhaft eine spiegellose digitale Systemkamera ist. Sie schöpft zwar bei weitem nicht alle Vorteile aus, die eine moderne digitale Spiegellose auszeichnen (ihr fehlen Autofokus, Live-View, …) und sie ist auch eher zufällig digital-spiegellos, einfach weil das M-System das schon immer war. Aber eine Eigenschaft, auf die in letzter Zeit viele Hersteller großes Augenmerk zu legen scheinen, und die sie gerne ganz besonders hervorheben, hat sie auch: Kompaktheit. Ist sie doch der Welt kleinste Systemkamera mit Kleinbild-Vollformatsensor, und spiegellos dazu.
 

(thoMas)
 

 
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