Es gibt nichts Schlimmeres als ein brillantes Bild eines schlechten Konzepts.

— Ansel Adams

Am 1.7.

  • 1919: Hanns Porst eröffnet sein erstes Fotogeschäft

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Konica Minolta - der Tag danach

Die Reaktionen auf Konica Minoltas Rückzug aus dem Fotogeschäft sind unterschiedlich, aber teils heftig: Wut, Trauer, Hoffnung, Enttäuschung, Wehmut, Aufbruchsstimmung - die ganze Bandbreite findet sich. Hier der Versuch einer Einordnung und Klärung, soweit das zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt möglich ist

Bei Verhandlungen, von denen letztlich beide Seiten Vorteile haben, sprechen der Engländer wie auch der anglophile Deutsche von einer klassischen Win-Win-Situation. Im Falle von Konica Minoltas Ausstieg aus dem Fotogeschäft hingegen haben wir es wohl mit einer nicht ganz so klassischen, dabei aber hochinteressanten, wenn auch nicht ganz eindeutigen, 3x-Win-, 1x-Loss-Situation zu tun.

Über die überraschende Entscheidung Konica Minoltas haben wir gestern bereits berichtet: Konica Minolta gibt Kamerageschäft auf - Sony übernimmt. Soweit man das zum jetzigen Zeitpunkt beurteilen kann, ist dabei Folgendes passiert:

Konica Minolta hat bekanntgegeben, dass sich das Unternehmen mit dem März 2006 aus dem Kamera- und Fotogeschäft zurückziehen wird. Von der Kameraproduktion war nicht die Rede, ganz im Gegenteil hält eine Fußnote eigens fest, dass die Verlautbarung die Produktion von Kameras und Objektiven für Sony nicht betrifft.

Sony wiederum hat bekanntgegeben, dass das Unternehmen ab 31. März 2006 „bestimmte Vermögenswerte“ von Konica Minolta erhalten wird, die für die „Entwicklung, Gestaltung, Produktion usw.“ digitaler Spiegelreflexkameras mit Minolta-Bajonett notwendig sind. Sony will danach die Entwicklung neuer digitaler Spiegelreflexkameras (DSLR - digital single lens reflex) in der Absicht beschleunigen, bereits im Sommer dieses Jahres neue DSLRs mit Minolta-Bajonett vorzustellen - will also (zunächst wohl ausschließlich und allein) digitale Spiegelreflexkameras mit Minolta-Bajonett verkaufen.

Sony hat augenscheinlich keine Sachwerte eingekauft; zumindest steht kein Wort davon in der Pressemeldung. Die etwas nebulöse Formulierung mit den „bestimmten Vermögenswerten“ kann bedeuten, dass sich faktisch wenig ändert, besitztechnisch aber sehr viel: Produktionsanlagen und Entwicklungsabteilung von Konica Minolta bleiben am alten Standort (und bleiben allem Anschein nach auch in Konica Minoltas Besitz), machen nach wie vor dasselbe (Kameras entwickeln und produzieren), das dort Geleistete und Produzierte gehört ab jetzt aber Sony.

Man kann es kurz so zusammenfassen: Seit der Kooperation konnte damit gerechnet werden, dass konkurrenzfähige Minolta-Kameras kommen. Seit der Übernahme kann davon ausgegangen werden, dass das auch schnell und ambitioniert vonstatten geht. Nur „Konica Minolta“ wird auf den DSLRs nicht stehen.

Was aber bedeutet das für die Beteiligten?

Sony: Gehört ganz klar zu den Gewinnern, denn die Firma, die die Sensorfertigung perfekt beherrscht, hat nun auch die für den Aufbruch ins Lager der engagierten Amateure und der Profis notwendige Spiegelreflextechnologie. Dazu eine recht große Basis bereits vorhandener Wechselobjekte (Konica Minolta spricht von 16 Millionen), die auf konkurrenzfähigere digitale Spiegelreflexkameras warten. Gegenüber der Mitte letzten Jahres verkündeten Kooperation hat die neue Regelung für Sony den Vorteil, dass Sony jetzt alleine bestimmen kann, wo es langgehen soll. Keine Abstimmung mit einem Partner ist mehr notwendig, was die Entscheidungsprozesse vereinfachen und beschleunigen dürfte.

Sony bleiben damit auch die mitunter etwas peinlichen umetikettierten Fremdkameras erspart, wie sie sich gerade zu Beginn einer Kooperation anbieten - siehe aktuell Samsungs GX-1S und GX-1L. Eine Spiegelreflexkamera von Sony wird von Anfang an das Original sein.

Es gibt da allerdings eine klitzekleine Unwägbarkeit: Sony tendiert schon einmal dazu, ganze Unternehmensbereiche urplötzlich einzustellen, wenn sie die Erwartungen nicht mehr erfüllen und der neue Konzernchef Howard Stringer steht unter Erfolgsdruck: Sony gibt unprofitablen Abteilungen Gnadenfrist.

Daraus allerdings zu schließen, Minolta-Kameras wären bei Konica Minolta besser aufgehoben gewesen, ist ein Trugschluss, wie die jüngste Entwicklung überdeutlich beweist.

Konica Minolta: Gewinnt letztlich auch. Nachdem die Firma konkurrenzfähige Spiegelreflextechnik (Blitzsystem, Anti-Shake, Handhabung etc.), aber wenig konkurrenzfähige Sensortechnik hatte, hätte eine Partnerschaft mit Sony viel bewirken können, wäre aber wohl auch ein etwas langwierigeres Unterfangen geworden: Konica Minolta, und das müssen auch Fans akzeptieren, gehörte aktuell nicht zu den technologischen Vorreitern bei DSLRs; die Produkte kamen zudem immer ein wenig spät. Dieses Image zu verändern, das ist so einfach nicht.

Jetzt kann Konica Minolta seine Produktionsanlagen weiter nutzen und verkauft Kameras und Objektive zwar nicht mehr direkt an Endkunden, wohl aber direkt an Sony. Das zumindest legen die Fußnoten der Presseerklärung zum Ausstieg nahe. Sorgen um die Sensortechnik ist das Unternehmen los; verdient aber - kalkulierbares - Geld mit der vorhandenen Spiegelreflextechnologie statt nicht kalkulierbare Risiken im DSLR-Geschäft einzugehen.

Kunden: Gewinnen aller Voraussicht nach, sofern sie akzeptieren können, dass ab jetzt ein anderer Name auf dem Kameragehäuse steht. Erst kürzlich hat Sony mit der Cyber-Shot R1 signalisiert, dass das Unternehmen Ambitionen im Kamerasektor hat (und auch bereit ist, dafür ganz neue und in dem Fall besonders große Sensoren zu entwickeln) und die Kooperation mit Konica Minolta bzw. jetzt die Übernahme von Teilen der Fotosparte legt nahe, dass diese Ambitionen nicht erloschen sind, sondern im Gegenteil intensiviert werden. Das verheißt interessante und auch wettbewerbsfähige Kameras. Wobei dem Kunden letztlich egal sein kann, ob die durch Kooperation oder Übernahme zustande kommen.

Auch für ihn könnte die Übernahme den Vorteil der schnellen Entscheidungswege haben: Bereits für den Sommer hat Sony die erste eigene DSLR angekündigt. Nun fällt die ganz sicher nicht vom Himmel, man kann vielmehr davon ausgehen, dass (nicht erst) seit den Kooperationsvereinbarungen schon einiges an Entwicklungsarbeit geleistet wurde. Dennoch: Just mit dieser Ankündigung werden auch Zukunftspläne konkreter formuliert.

In Zukunft darf der Anwender darauf hoffen, dass Sony im digitalen Spiegelreflexsektor ein gewichtiges Wort mitreden möchte und dementsprechend interessante DSLRs entwickelt (bzw. bei Konica Minolta entwickeln lässt). Jedenfalls kommt Dynamik in die Sache und für treue Minolta-Anhänger stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie für all ihre Objektive demnächst weitere - und dann absolut konkurrenzfähige - Gehäuse bekommen werden.

Die Mitarbeiter der Fotoabteilung: Das sind ganz klar die Verlierer; vor allem jene, die in den lokalen Niederlassungen arbeiten, denn Marketing und Vertrieb werden wohl zu Sony verlagert. Etwa in Deutschland: Kurz nachdem Konica Minolta von Langenhagen nach München umgezogen ist (das war erst im Jahr 2004 - siehe Konica Minolta zieht (wieder mal) um), was für alle, die mitgezogen sind, erhebliche Umstellungen bedeutete, kommt jetzt voraussichtlich für viele von ihnen das Aus. Es existieren zwar Sozialpläne, und das ist besser als der Hoffnungsschimmer für AgfaPhoto-Mitarbeiter, aber das ist nicht wirklich gut.

Die Mitbewerber: Hier sei noch einmal daran erinnert, dass die Gewinne zunehmend im boomenden Spiegelreflexgeschäft gemacht werden; siehe auch Kameramarkt: Gewinner und Verlierer von heute und morgen und Analoge Fotografie im freien Fall (insbesondere die letzten beiden Grafiken).

Dank eines Hinweises vom General Consultant wissen wir auch schon, was Sony vorhat, zumindest zahlenmäßig, und das ist sehr ambitioniert: Das Unternehmen will 20-25% des DSLR-Marktes besetzen.

So müssen sich die Konkurrenten darauf einstellen, dass sie in nächster Zeit einen neuen starken und sehr ehrgeizigen Mitbewerber bekommen und sie müssen sich anstrengen, konkurrenzfähige Produkte zu entwickeln und anzubieten. Und das ist schön für uns, denn wir haben dann die Wahl unter den besseren Produkten.


Wobei wir in bewegten Fotozeiten leben. Wie erst gestern wieder zu sehen, kann das heute Gesagte morgen bereits Schnee von gestern sein.

Ihnen ein schönes Wochenende.

(thoMas)

Kein Platz für Sentimentalitäten

Eingetragen von
General Consultant
(Hausfreund)
am Freitag, 20. Januar 2006 - 14:24

Tokio: Konica-Minolta gesucht

(Instock) Nach einem freundlichen Start schloß der Nikkei 225-Index nahezu unverändert mit 15.696 Punkten. Der Nebenwerte-Index Jasdaq gab 1,2 Prozent auf 128,5 Punkte nach. Sumitomo legte 1,7 Prozent auf 1.210.000 Yen zu. Dagegen gaben die Brokerfirmen Daiwa Securities (- 2,2 Prozent auf 1.206 Yen) und Nikko (- 1,9 Prozent auf 1.648 Yen) nach.

Im Automobilbereich zogen Honda (+ 2,6 Prozent auf 6.430 Yen) und Mazda (+ 2,1 Prozent auf 526 Yen) an. Mitsubishi Motors büßte 1,2 Prozent auf 242 Yen ein.

Positiv reagierten Anleger auf den Rückzug aus dem defizitären Photogeschäft durch Konica-Minolta. Der Kurs zog 5,6 Prozent auf 1.350 Yen an. 5,3 Prozent auf 16.000 Yen zog Nintendo an, Advantest verteuerte sich um 4,7 Prozent auf 12.630 Yen. Gewinnmitnahmen setzten Kenwood (- 2,5 Prozent auf 270 Yen) und Trend Micro (- 2,4 Prozent auf 3.720 Yen) zu. Softbank knickte 5 Prozent auf 3.650 Yen ein.

[20.01.2006 07:56:08]

weiterer Kommentar überflüssig.

Mangement

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 21. Januar 2006 - 13:59

Wie in vielen anderen Konzernen ( siehe VW , Daymler Chrysler, Kodak usw. ) , findet auch bei den japanischen ein radikaler Wechsel im Topmanagement statt. Mit Kameras gross- und altgewordene Vorsitzende werden durch andersdenkende jüngere ersetzt, denen die Kameratradition nicht gerade egal ist aber nur noch nostalgischen MARKENwert besitzt. Die Fokussierung auf zukunfts - und gewinnträchtige Märkte geht mehr oder weniger an der Fotografie vorbei. Der letzte Annual Report des Canon Gesamtkonzerns ist diesbezüglich sehr aufschlussreich ( Foto - Konzernanteil ) . Ähnliches ist auch bei Sony oder Matsushita/Panasonic zu finden. Hier, in diesem Liebhaberkreis, hat natürlich Foto eine überragende Bedeutung. In den Konzernen ist es aber oft ein lästiges Anhängsel – soweit es nicht noch ein wenig Profit bringt. Ein kleine Beispiel aus der "mittelständischen" japanischen Objektivlandschaft: Tamron ( Sony zweitgrösster Anteilseigner neben einer Finanzgruppe namens New Well Co. – wo kommen also Sony-Objektive her ? ) : Sage und schreibe 69,4 % macht Tamron mit OEM - Objektivmodulen (Still und Video /Digital ) für diverse Kunden an Umsatz. Einiges geht noch in andere fotofremde Bereiche. Was für Fotofreaks bleibt, sind ein paar Wechselobjektive mit den wenigen wichtigen Bajonettanschlüssen. Würde der wirtschaftliche Erfolg Tamrons durch deren Wegfall gefährdet ? Ich behaupte NEIN. Und insofern ist der Aufschwung Konicas an der Börse nicht verwunderlich.
L. S.