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Mit der Fotografie wurde eine neue Sprache geschaffen. Jetzt ist es zum ersten Mal möglich, Realität durch Realität auszudrücken. Wir können einen Eindruck so lange wir möchten betrachten, können hineintauchen und können, sozusagen, vergangene Erlebnisse nach Belieben auffrischen.
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Fotografien pro Gerechtigkeit und kontra Mafia: Letizia Battaglia
Der Dr.-Erich-Salomon-Preis der DGPh geht dieses Jahr an die Fotografin Letizia Battaglia, die sich ganz dem Kampf gegen die Mafia verschrieben hat:
Die DGPh informiert:
August 2007
Salomon-Preis 2007 der DGPh für Letizia Battaglia
Kämpferische Photographin aus Italien für ihr engagiertes Werk geehrt
Der Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) wird in diesem Jahr der italienischen Photographin Letizia Battaglia verliehen. Der Festakt findet am 29. September im Rahmen des 2. Fotofestivals Mannheim/Ludwigshafen/Heidelberg im Ernst-Bloch-Centrum, Ludwigshafen statt. Die Laudatio wird Leoluca Orlando, der ehemalige Oberbürgermeister von Palermo, halten. Mit der Preisverleihung verbunden ist eine große Ausstellung mit Bildern von Letizia Battaglia.

Palermo, 1976. Er hieß Vincenzo Battaglia und wurde im Dunkel getötet, inmitten des Mülls. Die Frau wollte helfen, aber jetzt war es zu spät. © Letizia Battaglia
Mit dem diesjährigen Salomon-Preis ehrt die DGPh eine Frau, die ihr Leben als Photographin, Stadträtin und Verlegerin dem Kampf gegen die Mafia gewidmet hat und die gleichsam ein Symbol für zielstrebiges Bemühen um Gerechtigkeit und Freiheit ist. Dabei ist die Kamera ihre Waffe: Mit ihren Photos rüttelt sie auf, mit ihnen gibt sie der Mafia ein Gesicht, mit ihnen kämpft sie für die Freiheit und gegen Personen, die von Sizilien aus das gesamte System des Landes durchsetzen. Ihre Bilder sind Dokumente von Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder berichten von Trauer.

Palermo, 1976. Ermordet auf dem Weg zur Garage, um das Auto zu holen. © Letizia Battaglia
Letizia Battaglia (ital: Kampf, Schlacht, Streit) lebt mitten in Palermo. Zunächst arbeitete sie 16 Jahre lang für die Zeitschrift LOra. Für diese photographierte sie Szenen des Alltags - Modeschauen, Opfer von Verbrechen, Straßenszenen, Prozessionen, Striptease-Shows, politische Versammlungen und glänzende Empfänge in den Palästen der Aristokraten. Dann aber widmete sich Letizia Battaglia mit aller Kraft dem Kampf gegen die Mafia. Manche Photos sind unmittelbar nach der Tat entstanden. Sie sind Zeugnis einer Brutalität, wie sie in Sizilien an der Tagesordnung war und teilweise noch ist. Letizia Battaglia hat einen ausgeprägten Blick für die Frauen: Frauen von Opfern, Frauen von Tätern, Frauen, die starr vor Trauer und Entsetzen sind. Sie stehen geradezu ikonographisch für Sizilien und das blutige Treiben der Mafia: Ein Leichnam, der mit dem Gesicht in einer Blutlache bäuchlings in einer dunklen Gasse liegt, ein Junge mit einer Strumpfmaske und vorgehaltener Spielzeugpistole, eine Gruppe schwarz gekleideter Frauen, die anscheinend teilnahmslos auf ihren Stühlen sitzen, während auf dem Bürgersteig vor ihnen ein Ermordeter in seinem Blut liegt Photos, die nichts von ihrer Unmittelbarkeit und Eindringlichkeit verloren haben.

Isola delle Femmine, 1981. © Letizia Battaglia
Auf den ersten Blick verrät nichts Battaglias außergewöhnliche Konsequenz, ihre große innere Stärke und Kraft, die hinter ihrer geradezu überwältigenden Effektivität steckt. Franco Zecchin, der als Photograph viele Jahre kongenialer Partner Battaglias war und deren gemeinsames Ziel Freiheit und Gerechtigkeit ist, sagt über sie: Außergewöhnlich ist, mit welcher Energie sie ihre Überzeugungen vertritt, die ihr ganzes bisheriges Leben bestimmt haben und sie so vieles haben erreichen lassen.
Ihre Bilder zeigen nicht nur individuelle Momente, sie erzählen von einer gewalttätigen Welt und von oftmals ungerechten Verhältnissen. Die ganze Wirklichkeit dieser Welt von einem Extrem zum anderen und das, was die Gesichter ausdrücken, geht zu Herzen. Die Männer und Frauen dieser Erde mit ihrem unerfüllten Verlangen nach Menschlichkeit stehen im Mittelpunkt ihrer Bilder. Melissa Harris stellt dazu treffend fest: Inmitten einer erdrückenden Dunkelheit hat sich Letizia Battaglia ganz und gar dem Licht verschrieben.

Palermo, 1982. Nerina ging der Prostitution nach. Die Mafia tötete sie und ihre beiden Freunde, weil sie sich nicht an die Regeln hielt. © Letizia Battaglia
Letizia Battaglia wurde für ihre Arbeit vielfach international ausgezeichnet. Zuletzt war sie für Italien auf der Liste der 1.000 Welt-Friedens-Frauen, vorgeschlagen für den Friedensnobelpreis.
Der Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) wurde im Jahre 1971 zur Auszeichnung einer "vorbildlichen Anwendung der Photographie in der Publizistik" geschaffen. Er dient zugleich dem Andenken an den großen Photographen der Weimarer Republik, Dr. Erich Salomon, dem der moderne Bildjournalismus starke Anregungen verdankt.
Der Preis besteht aus einer Urkunde sowie einer Leica M-Kamera mit Namensgravur und wird - als neben dem Kulturpreis höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) - jährlich verliehen.
Weitere Fotografien von Letizia Battaglia finden sich hier: Bildmaterial der Dr.-Erich-Salomon-Preisträgerin 2007 Letizia Battaglia
(thoMas)
Zum Thema:
- Letizia Battaglia - Im Kampf gegen die Mafia; Berlin
- Leben und sterben in Palermo - Letizia Battaglia; Hannover
- Reality Crossings: Das deutsche Fotofestival
- Sylvia Plachy - Waiting; Berlin
- Salomon-Preis 2008 für Anders Petersen
- Dr.-Erich-Salomon-Preis 2009 geht an Sylvia Plachy
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- Heimat und Abstraktion: Drei neue Bücher im Kehrer-Verlag
- Alle zwei Jahre wieder: Otto-Steinert-Preis der DGPh
- DGPh-Kulturpreis geht an Digitalkamera-Erfinder
- Ausschreibung: Otto-Steinert-Preis 2009
- Otto-Steinert-Preis geht an Maziar Moradi



Mutige Frau!
Den Preis hat sie verdient.
Hoffentlich...
... lebt sie noch lange. Wäre nicht der erste Reporter, der plötzlich einen "Unfall" hat.
OhWeh
Schade, dass
die Fotos alle in Schwarz-Weiss sind.
senfi
s/w
Wie sollten solche Fotos denn sonst sein? Diese Wirkung in Farbe? Ignorant!
Und dann auch noch alle
Und dann auch noch alle analog geknipst. Und noch jahrealt. Pfui, wie unzeitgemäß!
Aber wie, wenn nicht mit deutlichem Filmkorn vom Trix und in SW käme der Bildgehalt so dermaßen deutlich rüber?
Manchmal wundere ich mich hier über die Kommentare. Es gibt nunmal Sujets, die sind in glattgespülter Beauty-Buntheit nicht abbildbar.