Lieber eine Kiev in der Hand als eine Leica im Geschäft.

— Unbekannt

Am 4.2.

  • 1902: * Manuel Álvarez Bravo (+ 2002); mexikanischer Fotograf

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Am Rande bemerkt: Der Paradigmenwechsel

In der Fotografie hat in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel stattgefunden, und kaum einer hat‘s bemerkt

Ein Paradigmenwechsel (Paradigma = Muster, Auffassung) liegt dann vor, wenn sich die herrschende Auffassung von etwas grundlegend ändert. Klar, werden Sie sagen, ich weiß schon, alter Hut: analog nach digital.

Richtig. Und falsch.

Beim Übergang von analog nach digital haben sich zugrunde liegende Technologien verändert, und manches muss neu gelernt und erprobt werden. Doch Optik und Physik sind geblieben, was sie waren: Berechenbar.

Grundlegend geändert haben sich erst einmal die Kameras bzw. deren Tauglichkeit und Güte. Und in dem Zuge auch die Tauglichkeit der Objektive, denn digital stellt ganz andere Anforderungen.

In den letzten Jahrzehnten des letzten Jahrtausends (klingt gut, oder?) erlebten analoge Kameras eine Hochblüte. Von preiswert bis teuer - praxistauglich und sehr, sehr brauchbar waren sie alle, von der preiswerten Einwegkamera bis zum teuren Profimodell. Ein beliebiges Spiegelreflexgehäuse (250 - 1500 Euro) und ein gutes Objektiv (250-1500 Euro; Billigzooms ausgenommen) dazu - und dem technisch perfekten Foto stand nichts mehr im Wege.

Digitalkameras dagegen... Na, Sie wissen schon.

(Falls Sie es nicht so recht wissen, hier ein paar Stichpunkte: Auflösung, Vollformat, Preis, Leistung, Bildfehler, Weitwinkelschwäche, digitaltaugliche Objektive, Farbmanagement, Langzeithaltbarkeit, ...)

Und nein, ich will jetzt nicht ausgewogen argumentieren. Will nicht auf die „variable“ Empfindlichkeit hinweisen, wo früher mehrere Filmtypen / Gehäuse benötigt wurden. Will nicht sagen, dass - Rauschen hin oder her - Digitalkameras qualitativ bessere Aufnahmen bei hoher Empfindlichkeit machen können als das mit Film möglich ist. Will nicht zugestehen, dass das Verwalten, Archivieren und Wiederfinden viel einfacher und übersichtlicher geworden ist. Will rein gar nichts pro Digitalfotografie in die Waagschale werfen.

Ich will kein Kroppzeug (1,6x, 1,5x, 1,3x oder was auch immer). Ich will eine taugliche Kamera samt tauglichen Objektiven kaufen können. Zu tauglichen Preisen.

Doch es besteht berechtigte Hoffnung, werden doch auch Digitalkameras immer besser. Und es wird wieder einen Paradigmenwechsel geben: Der Fotograf muss dann nicht mehr zwischen zwei Übeln das Kleinere wählen, sondern kann unter Gutem das für sich Beste aussuchen.

Mag aber auch sein, ich sehe einfach nur zu schwarz, und die Digitaltechnik ist schon längst ausgereift ...


Ihnen ein schönes Wochenende

thoMas


PS: Passt gut zum Thema:
Nikon Digital Imaging Technologies and the D200 (hier ist - auf Englisch - die Rede von den bereits erreichten Fortschritten und von den noch vorhandenen Beschränkungen der Digitaltechnik. Pro Nikon, natürlich, nichtsdestotrotz für alle interessant. Dank an General Consultant für den Hinweis).
The appeal of full frame CMOS sensors (englische Canon-Seite zu den Vorzügen des Vollformatsensors, wobei man nicht alles für bare Münze nehmen muss)

PPS: Passt auch:
Digitale Fotografie: Kunst oder künstlich?

Indiz für Paradigmenwechsel?

Bild von Rumpelstilzken
Eingetragen von
Rumpelstilzken
(Ehrengast)
am Freitag, 17. Februar 2006 - 16:31

Ist mit Paradigmenwechsel das Phänomen gemeint, das sich in Form immer dickerer Bedienungsanleitungen (100+ Seiten sind da gar nix) ausdrückt?
Was nützen die ganzen digitalen Feinstellschrauben bis in die 7. Menüebene, wenn man einen Pilotenschein oder Ingenieursstudium braucht, um die Topmodelle des Jahrgangs 2006 noch bedienen zu können?
Cartier-Bresson, Andreas Feininger und Robert Capa kamen mit Zeiten-, Blenden- und Fokussierring aus bei ihrer Arbeit, die bis heute Bestand hat.

Paradigmenwechsel? Wo?

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 17. Februar 2006 - 16:53

> Cartier-Bresson, Andreas Feininger und Robert Capa
> kamen mit Zeiten-, Blenden- und Fokussierring aus
> bei ihrer Arbeit, die bis heute Bestand hat.

Das ist richtig, aber auch so von der (Kamera)Industrie gewollt?

Einfacher ist doch, dem unbedarften User nicht eine Möglichkeit für Motive zu verkaufen, sondern viele Möglichkeiten um sich zu anderen abzuheben. Wenn dass dann schon , in Anbetracht der täglichen 08/15 Bilderflut im I-Net, mit den Motiven nicht gelingt, dann doch bitte schön, zumindest mit dem Equipment.

War zu analogen Zeiten aber auch schon so.

Ich bin mir nicht so sicher ob das hierher gehört...

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 18. Februar 2006 - 13:44

... aber mir ist auch ein Wechsel aufgefallen. Durch die "schöne neue digitale welt" machen viel mehr Menschen, viel mehr Bilder als bisher.Ich vermeide hier absichtlich das Wort fotografieren, denn dieses Wort hat für mich noch einen ernsthaften Hintergrund. Wir, die wir an der Fotografie interessiert sind, egal ob Hobbyfotograf oder Profi, wissen was ein gutes Foto ausmacht.
Aber plötzlich knipsen alle wie wild Bilder, auch diejenigen, die früher ihren Knipser nur bei Kindergeburtstagen hervorgeholt haben.
Es macht ihnen ja so viel Spass und ist so leicht und man kann am Computer alles mit den Bildern machen. Aber eigentlich ist das Fotografieren doch gar nicht leichter geworden. Die Technik hat sich verändert und lockt Computerspieler und Technik-Begeisterte an. Es fotografieren immer mehr, die keine Ahnung von Bildgestaltung haben. Ändert sich hier gerade die Auffassung über ein "gutes Foto"?
Läßt der Digital-Boom wieder nach, wenn die Menschen begreifen, das die Technik "Bilder" aber der Mensch "die gute Fotografie" macht?

Ich bin es jedenfalls leid zu erklären warum ich im Urlaub einen vollen Rucksack und ein Stativ mit mir herumschleppe, wo es doch schon so viele tolle digitalen Kameras gibt, welche in die Brusttasche passen.

Alfred

Paradigmenwechsel

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 19. Februar 2006 - 11:55

@ alfred

Digicams sind eine Modewelle, die z.Zt. über uns schwappt. Sie verläuft sich. Dann werden Mio. von Digicams nur noch zum Geburtstag und Weihnachten aus dem Schrank geholt. Denn wer will sich schon die Mühe machen und jahrelang lernen, um ansprechende Photos zu machen?

Klaus

Paradigmenwechsel

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 19. Februar 2006 - 15:22

Sie haben in der Aufzählung des Wandels den Wandel von der SW zur Farbfotografie "vergessen". Auch die Colorfotografie wurde von Künstlern bzw. Fotografen anfänglich verächtlich belächelt. Keine Kunst mehr, viel zu kompliziert...
Heute hat sie sich längst durchgesetzt, auch viele künstlerisch wertvolle SW-Fotografien, die nach wie vor ihre Berechtigung haben , werden auf Colormaterialien ausgegeben, mittels modernster Digitaltechnik (z.Bsp. Laserbelichtung oder Druck mit Ultrachrome K3 Tinten in beeindruckender Qualität).

Bezüglich der in allen Bereichen gewünschten hohen Qualität der Technikprodukte glaube ich jedoch nicht an Wunder.
Geiz ist Geil-Mentalität , hohes Profitstreben und daraus resultierende Massenproduktion mit ultraschnellen Modellwechseln verhindern erfolgreich eine behutsame Weiterentwicklung und Modellpflege. Das wird wohl auch noch lange so bleiben.
Und wer wirklich Qualität kaufen will, der muss sich sehr bedacht am Markt umschauen und nicht auf jeden "Schreihals" (Werbung) reinfallen und sicher auch einen hohen Preis bezahlen.
Solange Sparfüchse auf "Profi-Kameras", wie sie z.Bsp. für Billig-Geld auf ebay feilgeboten werden und auch manchmal zwischen Nudeln, Klopapier oder Kaffee liegen, hereinfallen, wird es diesen Schrott etc. geben - und das wird wohl immer so sein.

Und nicht zu vergessen, die beste und solideste Gerätetechnik und Technologie nützt nichts, wenn dann hinterher billigste Drogibilder über Massenproduktion in allenfalls Durchschnittsqualität und zweifelhafter Haltbarkeit geprintet werden.

Ich betreibe selbst ein Fujifilm Frontier Digilab und habe einen Epson 7800 , fotografiere auch selbst und sehe viel Mist, was die Leute so zeigen, was ich nicht verkaufen würde. Aber auch hier gilt , Qualität hat seinen Preis. Diese Technik und indiv. Verarbeitung ist teurer. ABER RICHTIG GUT !

Bei der Digitalfotografie können allerdings vom Anwender mehr Fehler und Einflußnahmen erfolgen, als früher im Filmzeitalter.

FM

Upps

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 19. Februar 2006 - 15:50

ich hab hier wohl bei meinem Kommentar zwei Artikel ineinandergeworfen, kommt davon , wenn man mehreres auf einmal liest und eilig ist und nicht aufpasst

Der Anfang war eher hierauf bezogen:
"Digitale Fotografie: Kunst oder künstlich?"

FM

Analogfotografie

Eingetragen von
Raphael
(Neuankömmling)
am Freitag, 24. Februar 2006 - 13:15

Hallo!
Ich bin durch Zufall auf dieser Seite gelandet, weil ich eigentlich etwas über Andreas Feininger gesucht habe. Dann hat mich der angebliche Paradigmenwechsel interessiert.

Ich kann den anderen Kommentarschreibern nur beipflichten: Ohne Pilotenschein und wöchentlichem Weiterbildungskurs kommt man digital nicht sehr weit. Für meine Fotos brauche ich aber nur ein gutes Objektiv, einen guten Film und ein stabiles Gehäuse. Also was soll der ganze Schnickschnack? Ich arbeite seit 20 Jahren mit den selben Geräten!

Raphael

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http://www.raphael-bolius.com
http://www.reportagenmanufaktur.com (derzeit in Aufbau)

Auch wieder so ein Quark...

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 31. Oktober 2006 - 10:21

...Paradigmenwechsel, wenn ich sowas schon höre. Es machen kaum wirklich mehr Menschen Bilder. Der Modewolle liegt eher darin, dass neuerdings eine große Menge glaubt, diese jedem um die Ohren schlagen zu müssen.

Wer in Markttrends meint einen Paradigmenwechsel beobachten zu können, vergißt, daß er nur den Mainstream beäugt.