Wenn ich mir Hammer und Meißel kaufe, schimpfe ich mich auch nicht Bildhauer!

— Unbekannt

Am 26.5.

  • 1895: * Dorothea Lange (+ 1965); amerikanische Dokumentarfotografin

BENUTZERANMELDUNG

Leicht gesalzene Gurken und Libellen in der flirrenden Luft

Foto: Andrej KrementschoukMit „No Direction Home“ beschert uns Andrej Krementschouk ein ergreifendes, melancholisches Bilderbuch seiner russischen Heimat:

Heimat. Was ist das? - Fragen immer wieder Fotoarbeiten, die in Erinnerung bleiben. So auch die Serie „No Direction Home“ von Andrej Krementschouk. Hier spürt der junge, in Deutschland lebende Fotograf seiner russischen Heimat nach. Jetzt ist die Fotoserie als Buch erschienen.

Die Heimat kann man verlassen. Physisch. Kann weggehen – zumindest topografisch. Doch im Herzen, da bleibt sie für immer. Das denken wir uns, wenn wir in dem Buch „No Direction Home“ von Andrej Krementschouk blättern. Es ist eine Erinnerungsbuch, wie Krementschouk selbst sagt: „Ich muss über diesen bescheidenen Ort, den keiner kennt, etwas erzählen, was mich betrifft ... Mein Haus. Ich bin 5 Jahre alt. Mein Opa, meine Oma und ich gehen einen Waldweg zu unserem Dorf entlang. Es ist heiß. Auf einer Waldwiese am Fluss legt meine Oma eine Zeitung aus: gekochte Eier, Salz, leicht gesalzene Gurken und Libellen in der flirrenden Luft.“
 

Foto: Andrej Krementschouk
 
 
Foto: Andrej Krementschouk
 
 
Foto: Andrej Krementschouk
 
 

 
Und es stimmt. Die Bilder des 1973 in Gorki geborenen Fotografen – der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert – riechen so. Nach heißen Sommern auf dem Land, nach Gurken und Libellen, nach flirrender Luft. Eine fotografische Kurzgeschichte über das heimatliche Dorf in Russland, eine sehr persönliche Arbeit, die wiederum zeigt, dass Fotografie Gefühle auszudrücken vermag, die anders nur schwer wiedergegeben werden können. „Ein Teil des Themas befindet sich in mir als für mich schwer beschreibbare Empfindungen, Gedanken und Gefühle, welche ich versucht habe, mit Hilfe von fotografischen Bildern zu vermitteln“, sagt Andrej Krementschouk.
 

Foto: Andrej Krementschouk

 
Es sind ganz unaufdringliche Bilder von Menschen und ihrem Alltag, die heute entstanden sind. Heute, wo das Dorf kein Zuhause mehr ist. Sie stellen wichtige Fragen. Wo komme ich her? Was bleibt von früher in mir? Warum bleiben manche Dinge so präsent – in der Erinnerung? Wie Libellen – in der flirrenden Luft. Ein ergreifendes, melancholisches Bilderbuch, das von einer kurzen Einführung des ukrainischen Fotokünstlers Boris Mikhailov begleitet wird.

(Marc Peschke)
 
 

Titelabbildung No Direction Home

Buch:
Andrej Krementschouk und Boris Mikhailov
No Direction Home (bei amazon.de)
Deutsch / Englisch / Russisch
Gebunden. 112 Seiten, 81 Farb- und 2 Schwarzweiß-Abbildungen
Kehrer Verlag. Heidelberg 2009
ISBN 978-3-86828-056-2
40 Euro

Ausstellung:
Kunstverein Recklinghausen
5. Dezember 2009 bis 31. Januar 2010

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