Fotografieren ist wie schreiben mit Licht, wie musizieren mit Farbtönen, wie malen mit Zeit und sehen mit Liebe.

— Almut Adler

Am 26.5.

  • 1895: * Dorothea Lange (+ 1965); amerikanische Dokumentarfotografin

BENUTZERANMELDUNG

Obwohl die Fotoindustrie selbst das digitale Zeitalter massivst

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 28. Juni 2009 - 19:49
Gast schrieb:

... Auf Luminous-landscape gibt es einen interessanten Artikel zum Thema Hasselblad, von jemandem, der seine Promotion zu deren Digitalschock und Beinah-Untergang geschrieben hat ... Sein Fazit war in etwa, dass man durchaus die Digitalisierung hat kommen sehen, aber einfach nicht die Kompetenz hatte, auf diesem Gebiet schritthalten zu können, während andererseits die vorhandenen Kompetenzen, nämlich im optischen und mechanischen Bereich, plötzlich massiv wertlos wurden. ...

herbei redete - was man auch musste, wenn man neue Felder beackern muss, weil die alten abgegrast sind, - war sie offensichtlich nicht in der Lage, die Wünsche der Kunden zu befriedigen, nachdem diese die neue Technik aus dem Stand heraus annahmen und die alte eben so schnell vergessen liess.

Erstaunlich bleibt dabei, dass man die neue Technik propagierte, aber offensichtlich nichts auf Lager hatte, um ad hoc in die Hufe zu kommen. Canon verschrieb sich dann konsequent der digitalen Welt und zog zunächst im Schweinsgalopp an den wie gelähmt wirkenden Mitbewerbern vorbei.

Lang dauerte es, bis dann Nikon erwachte und in Wallung kam. Alle anderen spielen bis heute nur eine mehr oder weniger grosse Nebenrolle.

Das digitale Mittelformat schoss sich gleich mit astronomischen Preisen für ihre digitalen Rückteile ins Aus. Hier hätten aber alle Bestände von Mamiya-, Hasselblad-, Rollei-, Contax-Mittelformat und Toyo-, Plaubel-, Linhof-, Gottschalt-, Sinar-, Wista-, Horseman-Grossformatkameras (u.a.) vorrangig bedient werden sollen. Statt dessen fotografieren die alle noch analog und scannen mit Mittelformat-Scannern, was beim status quo auch die beste und preiswerteste Lösung ist und ggf. für eine Übergangsphase auch bleibt. Die Fotoindustrie begab sich auf den steinigen und mordsteueren Weg, neue Digital-Mittelformatkameras zu produzieren, womit sich jetzt Rollei/F+H strangulierte.

Noch erstaunlicher ist, dass Objektivhersteller bis heute offensichtlich Schwierigkeiten haben, High-End-Augen für die digitalen Spiegelreflexkameras her zu stellen. Weiterhin macht man sich den Markt dadurch kaputt, dass man Mengen von Objektiven mit massiven und unakzeptablen Zentriefehlern auf Teufel komm raus auf den Markt wirft.

Panasonic ist aus dem Markt der DSLR ausgeschieden und hat sich den MFT-Kameras verschrieben, die durch Firmware keine Fremdakkus mehr zulassen. Damit ist man in diesem Bereich auch schon nicht mehr diskussionsfähig, zumal die Kameras auch nur elektronische Sucher haben, was die Mehrheit der User nach wie vor strikt ablehnt.

Leica propagiert eine S2, von der noch keiner weiss, wann sie kommt und wer sie zahlen kann und ob das Unternehmen das Erscheinen dieses Modells überhaupt noch selbst erlebt.

Olympus, Dritter im FT-Lager, hat gerade mal eine E-30, die mit Mühe und Not zu empfehlen ist, für die, die dem digitalen Pocket-Format unbedingt und oft wider besseren Wissens den Vorzug geben.

Samsung dümpelt mit einem Pentax-Abklatsch still vor sich hin. Aus Pentax selbst könnte ja vielleicht noch etwas werden, wenn man genug Kunden auf deren Seite ziehen könnte.

Sigma wäre besser bei den Objektiven geblieben. Die SD-14 sank zeitweise auf 199 Euronen VK und der Handgriff war zu dieser Zeit fast 25% teurer. Da werden sich die Kunden schon überlegen, ob sie ggf. zu einer hochpreisig positionierten SD-15 greifen, wenn sie denn je kommt, oder halt abwarten, bis diese dann auf 125 Euronen VK gesunken ist.

Canon profitiert nach wie vor von der richtigen unternehmerischen Entscheidung, bei den DSLRs Gas zu geben. Die Top-Modelle mussten allerdings beim Kunden reifen, wie grüne Bananen, und so mancher Hardcore Canonist träumt schon wieder von einer Nikon. Aber der Wechsel fällt nicht so leicht, wenn man mal in ein System investiert hat und die Mittel sowieso begrenzt sind und auf Dauer auch begrenzt bleiben werden.

Unter den Blinden ist der Einäugige König. Also Nikon. Mit der D90 (DX-Format) und der D700 (VF-Format) sind zwei DSLR-Kameras auf dem Markt, die im Moment ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen. Dazu kommt noch die D300, die im Moment als Schnäppchen gehandelt wird, was darauf hin deutet, dass sie ausläuft.

Im Mittelformat steht Mamiya mit Phase One ganz oben. Phase One könnte noch die Kurve kriegen, wenn man mal anfinge, die digitalen Rückteile zahlbar auf den Markt zu bringen. Für das geschlossene Hasselblad-System und Sinar lege ich meine Hand nicht ins Feuer. Die werden wohl über kurz oder lang abnippeln.

Langer Rede, kürzester Sinn: Der DSLR-Markt bleibt überschaubar und wird sich weiter lichten.

Die anderen - immerhin die Masse - fotografieren weiterhin vollkommen schmerzfrei mit Foto-Handys und 08/15-Plastik-Knipsen und sind - ebenfalls in der Masse - abgefrühstückt.

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