Die Qualität eines Fotos hängt nicht ursächlich mit der Qualität der Kamera zusammen.

— thoMas

Am 26.5.

  • 1895: * Dorothea Lange (+ 1965); amerikanische Dokumentarfotografin

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Deutsche Fotozeitschriften

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 25. Oktober 2008 - 13:47

Dass deutsche Fotozeitschriften so gut wie nichts mehr taugen, ist leider schon seit längerem so. Von objektivem Journalismus und Bereitschaft zu offener Produktkritik kann nur noch ansatzweise die Rede sein. Es gibt zwar noch Testreihen, die kritische Punkte, insbesondere bei Objektiven zu Tage führen (Prädikat "digital empfohlen" - oder auch nicht), aber das ist eher die Ausnahme. Es ist schon merkwürdig, dass alle neuen Kameras das Prädikat "exzellent" erhalten, so als wenn es kaum Unterschiede gäbe.

So ist heute klar, dass fast alle DSLRs sehr gute Bildqualität bringen. Daher muss der differenzierende Augenmerk darauf liegen, ob die neuen Features wirklich gut gemacht sind. Da wird eine Alpha 900 in Bausch und Bogen gelobt (Profimodell), leistet sich beim Rauschen jedoch grobe Patzer. Da gibt es immer noch Geräte, die Spiegelvorauslösung tief ins Menü verfrachten oder die im Semiprofimodell einen Platz für benutzereigene Einstellungen zugunsten eines "innovativen" Kreativmodus weglassen. Da gibt es in neuen Modellen sogenannte Vignettierungskorrekturen, die aber bei Raw-Format nur vom hauseigenen Raw-Konverter unterstützt werden. Was soll der Sch... ? Welches Organ drängt die Fotoindustrie durch Kritik endlich dazu, verstärkt (besser nur) auf interoperable Standards zu setzen und zusammenzuarbeiten?

Es ist ein Grauen, was mancher Druckerhersteller in neuen Produkten bietet (Reduzierung von Tintentankgrößen bei A3+Druckern, immer noch antiquiertes Austauschen von Tinten nur um von Matt auf Glanzpapier zu wechseln). Ich kenne nur eine Zeitschrift, die bei solchen Fehlentwicklungen deutlichst Stellung bezogen hat (Fineart Printer).

Der Foto-Softwaremarkt zeigt in zahllosen neuen Produkten ebenfalls gravierende Schwächen, die von Fotozeitschriften allenfalls randlich erwähnt, aber nicht zu massiven Abwertungen führen. Da führt Lightroom neue selektive Bearbeitungsfunktionen ein, die aber auf normaler Hardware so grottenlangsam sind, das man wirklich nur selten dazu greift. Da bringt DxO eine neue Version heraus, die selbst nach 9 Monaten funktional nicht wieder auf dem Stand der Vorgängerversion ist. Andere brauchen Monate, um in Bezug auf neue Kameramodelle nachzuziehen. Im deutschen Blätterwald ist hierzu selten Kritisches zu hören.

Es gibt nur wenige Fotozeitschriften, die heute noch lesenswert sind:

- Naturfoto (Themenfokus, Qualität der Reportagen, gute Praxisberichte)
- Fineart Printer (Themenfokus, Fähigkeit zur Kritik, hohe Qualität der Beiträge)
- d-pixx (Preiswert, ehrlich, manchmal humorvoll, schnörkellos und ohne großen Pomp, dabei doch mit orignellen, vermutlich unabhängigen Beiträgen)
- Fotoforum (hingt leider etwas hinterher bzgl. Kameratest, ansonsten Themenfokus auf Präsentation)

Der Rest ist Einerlei. Insbesondere die neue, angeblich so kritische "Spiegelreflex" war eine herbe Enttäuschung, zum Glück erscheint die nur zwei-monatlich. Es ist ohnehin auffällig, dass die originellen, guten Publikationen nur in größeren Abständen erscheinen (Ausnahme: Naturfoto) während das Einerlei meint, uns noch jeden Monat mit seinen "Advertorials" belästigen und durch sensationsheischende Titel zum Kauf verführen zu müssen. (Wie oft gab's schon auf der Titelseite ein großes Bild einer neuen Kamera mit noch größerem Text zu sehen, um dann innen auf gerademal eine halbe bis ganze Seite Gewäsch zu stoßen, am Ende mit der Ankündigung: "Test in einem der nächsten Hefte". Nee danke.

Dass es auch anders geht zeigt auf dem Markt der Computertechnik-Publikationen seit Jahrzehnten die c't. Trotz zum Teil vernichtender Produktkritik (aber auch Lob, wenn was wirklich gut ist) höchste Auflage am Markt bei sogar zwei-wöchiger Erscheinungsweise.

Viele Grüße

Thomas

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