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Denken

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 30. September 2007 - 22:42

Der Vergleich mit den Oldtimern, Grammophonen, Super-8 und Heimcomputern hinkt ein wenig.

Im Originalartikel beklagt ein Künstler (bitte lassen wir das mal so stehen für einen Moment), daß ihm die technische Basis für seine künstlerische Ausübung wegbricht. Nach seinem Verständnis ist die technische Seite eine wesentliche Grundlage für seine künstlerische Auseinandersetzung und der Werkenstehung. Damit unterscheidet er sich zum Beispiel von der "Vollautomatik"-Position, weil er vorher schon weiß, was als Bild hinterher herauskommt. Der Vollautomatikfotograf kann erst hinterher nachschauen, ob es geklappt hat, ober ob etwas schönes dabei, mehr oder weniger zufällig, entstanden ist.

Der Herr Todd ist also ein ernsthaft Ausübender seiner "alten" Technik, und er ist darin ein Kreativer.
Das ist der Oldtimerfahrer, der Grammophonhörer und der Sinclair-Nutzer nicht. Er ist ein Tüftler im besten Falle, er erreicht jedoch keinen künstlerischen Ausdruck in seiner Tätigkeit. Er bleibt auf der Linie des Liebhabers, wie übrigens auch die meisten Vollautomatikfotografen.

Etwas komplizierter ist die Sache beim Super-8-Filmer. Schwer zu sagen, wie viele ernsthafte Super-8ler es gegeben hat, die nicht ohnehin auf 16mm, 35mm, 1-Zoll-Video etc. gewechselt sind. Und 35mm Analogfilm, als Beispiel, ist immer noch verfügbar. Insofern steht dem ernsthaften künstlerischen Streben noch die geeignete analogtechnische Plattform zur Verfügung. Was übrigens keineswegs bedeutet, die digitale Ausdruckweise sei weniger ernsthaft oder eröffne keine anderen oder neuen Möglichkeiten.

Der Herr Todd, und mit ihm viele andere, beklagt dagegen, daß ihm die technische Grundlage seiner Wahl entzogen wird. Nicht innerhalb eines Generationenwechsels in der Kunst, sprich der Künstler, sondern innerhalb seiner Schaffensphase. Und er verfügt nicht über die Möglichkeit der freien Entscheidung. Stellen wir uns vor, man hätte Michelangelo oder Bernini den Marmor weggenommen. Der Amateur verlegt sich ohne Klagen vielleicht auf's Töpfern. Er merkt den Verlust nicht einmal. Die beiden Meister ihres Materials werden das plötzliche und unfreiwillige Fehlen durchaus bemerken, und beklagen.

Warum ein höherer Anspruch, als der eigene, verdächtig sein soll, oder bekämpfenswert, mit verbaler Gülle zu bewerfen ist, wie die digitale Fraktion das hier zornentbrandt vorführt, ist eigentlich eine ganz andere Diskussion.
Bilder, die man nicht versteht, müsse man bekämpfen, oder so? Sind die Bilder denn so stark?

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