Manchmal komme ich an einen Ort, wenn Gott gerade möchte, dass jemand den Auslöser drückt.

— Ansel Adams

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Nostalgiker

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 28. September 2007 - 14:45
Gast schrieb:

Übrigens war der digitale Fortschritt nicht immer ein Fortschritt, der das klassische Altbewährte verdrängt hat: In den 80'er Jahren waren Digitaluhren der größte Renner, jeder wollte eine, jeder hatte eine. Die haben auch so nett gepiept und man hatte so viele Knöpfchen zum rumdrücken, Wecker, beleuchtetes Display. Und per Knopfdruck konnte man auch zwischen der Ortszeit Deutschland und Burkina Faso wechseln. Obwohl diese Digitaluhren heutzutage so mit Technik vollgestopft sind und wirklich sinnvolle und nützliche High-End-Meßgeräte, sind Analoguhren ohne all diese features mit Ausnahme des Sportsektors mittlerweile wieder viel beliebter. Vermutlich sehen sie einfach stilvoller aus und haben mehr Charme. Im Falle der Uhr ist das Digitale auf jeden Fall unmodern geworden.

Der Mensch ist halt ein dummes Gewohnheitstier – und ein nostalgisches obendrein. Digitale Uhren sind definitiv ein Fortschritt. Man liest im "Klartext" wieviel Uhr es **genau** ist (Träger analoger Uhren geben nur ungefähre Angaben wie "es ist gleich Viertel vor Elf" von sich oder müssen ganz genau auf die Zeiger gucken um die genaue Zeit zu lesen) und geniesst tatsächlich über viele – mehr oder weniger nützliche – Zusatzfunktionen wie Chronometer/Timer, Weltzeit, Kontaktdatenbank usw.

Leider gibt es zuwenige Hersteller, die wirklich stilvolle Digitaluhren herstellen. Casio stellt nur hässliche Digitaluhren für Proleten her, aber nach langer Suche nach etwas stilvollerer Digitaluhren bin ich bei Marken wie Nixon, Zentra, Storm oder Junghans fündig geworden. Und ich bin mir sicher, dass man – wenn zur Zeit nicht ein Hype nach analogen Uhren bestehen würde - man noch viel schönere Digitaluhren bauen könnte. Bis dahin müssen wir in dieser z. T. rückwärtsgerichteten Gesellschaft leben, wo es zwar sehr schöne mechanische Uhren gibt (ich rede nicht von typischen Neureichen- bzw. Zuhälteruhren wie von Rolex, Breitling, Blancpain oder Glashütte), aber man uhrentechnisch definitiv noch in der Vergangenheit lebt. Aber mit Low-Tech kann man ja so schön protzen bzw. der Nostalgie frönen und das erklärt dann auch den Erfolg solcher Marken wie Rolex, Leica und Harley Davidson. Derselbe Nostalgiefaktor ist übrigens dafür verantwortlich, dass die Leute immer noch mit Bargeld statt mit Geldkarte, EC-Karte oder Kreditkarte bezahlen; Nostalgie und Gewohnheitsdenken sind halt IMO die schlimmsten Feinde des Fortschritts...

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