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Jeder kann knipsen. Auch ein Automat. Aber nicht jeder kann beobachten. Photographieren ist nur insofern Kunst, als sich seiner die Kunst des Beobachtens bedient. Beobachten ist ein elementar dichterischer Vorgang. Auch die Wirklichkeit muss geformt werden, will man sie zum Sprechen bringen.
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Gute Nacht LEICA!
Es mag zwar in der Form ein kleiner und von mir aus auch feiner Unterschied sein, ob man Verträge kündigt, oder eben nur auslaufende Verträge nicht weiter verlängert, aber es ist keinesfalls die feine Art, wenn ein Unternehmen seinen jahrzehntelangen Geschäftspartnern diesen Umstand erst kurz vorm Ablauf der Verträge mitteilt, wie es, laut Aussage eines Mitarbeiters von einem der betroffenen Händler, geschehen sein soll.
Auf jeden Fall ist die Firma LEICA doch einen wichtigen Schritt auf dem Weg vorangekommen, den der unsägliche Herr Cohn bereits im Jahr 2002 eingeschlagen hatte, als er die LEICA in einem Interview vom profanen Werkzeug zum Lifestyle-Artikel erhob und die Bobos (bourgeoise Bohémiens) als wichtigste zukünftige Zielgruppe benannte.
In der Theorie hört sich das neue Vertriebskonzept möglicherweise für manche Leute ganz toll an und man glaubt wohl, durch Exklusivität den Markenwert zu erhöhen, aber die Praxis sieht wohl eher anders aus. Eine LEICA (zumindest die echten, also M und R) ist zwar extrem teuer, taugt aber heutzutage nirgendwo zum Angeben und gilt in digitalen Zeiten eher als extrem uncool. Außerdem scheinen die neuen Verkaufstrategen nicht mal ihre Stammkundschaft zu kennen.
Ich kann mir schon richtig gut vorstellen, wie die auf den LEICA-Tagen beim Fachhändler bislang stets anzutreffende Popelinejacken-Connection im 60+ Alter aus der Wäsche guckt, wenn sie in den wenigen verbleibenden "LEICA-Tempeln" erst Einlaß finden, nachdem sie brav auf die Klingel gedrückt haben und durch die Gesichtskontrolle des in piekfeinen Zwirn gehüllten Türstehers gekommen sind, um dann vermutlich auf die in solchen Geschäftsmodellen üblichen Verkaufs-Schnösel zu treffen, deren herablassende Arroganz meist nur noch von ihrer Ahnungslosigkeit in Bezug auf die Technik der angebotenen Schätze (man unterhalte sich mal bei einem Edeljuwellier über die verwendeten Uhrwerke) übertroffen wird.
Diese neue Vertriebsform halte ich selbst im Hochpreissegment (M und R) für keine gute Idee, weil die Marke damit noch weiter in die Ecke "Spielzeug für reiche Spinner" gedrängt wird, aber wie man so neue Marktanteile im halbwegs bezahlbaren Bereich (also die umgelabelten Panasonic Fourthird- und Taschenknipsen) erzielen will, wissen wohl nur die superschlauen Jungs aus der LEICA-Marketingabteilung.
Gruß
1958