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Dittloff: METAMORPHOSEN - aus dem graphischen Zyklus METROPOLIS BERLIN; Berlin

17.10.2009 - 10:00
20.10.2010 - 18:00

Veranstalterinfo:

„METAMORPHOSEN - aus dem graphischen Zyklus METROPOLIS BERLIN"

Eine Ausstellung an zwei Ausstellungsorten - Kulminationspunkten der City, am Alexanderplatz (“art place berlin“ im Park Inn Berlin-Alexanderplatz – bis 08.01.2010) und in der Friedrichstraße ( Art Center Berlin – bis 20.10.2010).

Die künstlerische Photographie gesellte sich – als man sie noch mit “Ph” schrieb – in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der bildenden Kunst hinzu, also den traditionellen Feldern Malerei, Skulptur, Zeichnung und Grafik. Immerhin hat es nach ihrer Erfindung fast ein Jahrhundert gedauert, bis sich die ersten Künstler mit ihrem fotografischen Oeuvre einen Namen machten. Insbesondere wären hier die Russen Alexander Rodtschenko und El Lissitzky, der Amerikaner Man Ray und der Ungar Laszlo Maholy-Nagy zu nennen. Dennoch trugen die Museen dieser Entwicklung erst Ende der 1950er Jahre Rechnung. Zu danken war dies vor allem Künstlern wie Andy Warhol oder Robert Rauschenberg, die die Medien, die Werbung und die Fotografie für ihre Arbeit entdeckten und das Medium Fotografie zu einem festen Bestandteil ihrer künstlerischen Arbeit machten. So gesehen befindet sich Johannes J. Dittloff in bester Gesellschaft, was die Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten und die innovative Nutzung des Mediums Fotografie betrifft.

 Johannes J. Dittloff

Die Basis bildete ein sechsjähriges Grafik-Studium an der Krakauer Kunstakademie; und die polnischen Hochschulen sind ja bekannt für die Qualität ihrer Ausbildung. Er hat also das gesamte grafische Gestaltungsrepertoire “von Grund auf”, wie Paul Klee so etwas nannte, studiert und dies nach allen Regeln der Kunst. Diesen hohen Grad grafischer Professionalität wendet er selbstverständlich auch auf seine fotografische Arbeit an. In den letzten zwei Jahren hat er sich nun die deutsche Hauptstadt vorgenommen. Aus dem grafischen Zyklus “Metropolis Berlin” zeigt er hier “Berliner Metamorphosen”.

Bei seinen Streifzügen durch die Stadt an der Spree entstanden weit über 2000 Fotografien, die das Ausgangsmaterial für die in zwei Formaten vorliegenden Grafiken bildeten. Die mit Akribie zusammengetragene Fülle weitgehend ungewohnter stadtlandschaftlicher Motive verblüfft. Mir fällt dabei Ansel Adams ein, der Meister der Landschaftsfotografie, mit seiner Feststellung: “Landschaftsfotos waren immer der entscheidende Prüfstein für den Fotografen – und oft die entscheidende Enttäuschung.” Erforderlich sind Neugierverhalten, Spürsinn für die beeinflussenden Faktoren, handwerkliches Geschick, Geduld und Ausdauer, und sehr viel Erfahrung. Und: Dittloff konzentriert sich fotografisch ausschließlich auf den Schwarz-Weiß-Bereich, setzt aber zur Akzentuierung bei den Grafiken immer dasselbe dunkle Rot ein.

Ich erinnere mich, dass die Pop-Artisten in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Serigrafie nutzten, um fotografische Sujets auf das Wesentliche konzentriert und stark farbig zu veröffentlichen. Eine Vorgehensweise, die auch die Edition Olympia 1972 in München für eine plakative Sportserie eingesetzt hat. Unser Künstler kommt, wenn auch auf gänzlich anderen Wegen, zu ähnlich starken Ergebnissen. Nach dem sorgfältigen Selektieren und der thematischen Zusammenstellung der Motive widmet er sich mit großer Meisterschaft am Computer der Generierung neuer, ausdrucksstarker Bildwelten, die weit jenseits der zuvor aufgefundenen fotografischen Realität liegen. Damit schafft er expressive, inspirierende und oft geheimnisvolle Bilder, die neue Zusammenhänge bilden und ungewohnte Deutungen provozieren.

“Was ich spüre”, hat er einmal formuliert, “soll in eine ästhetische Erfahrung umgesetzt und mit anderen Medien vervollkommnet werden.” Ampelmännchen, Logos im Stadtbild, Piktogramme auf dem Asphalt oder Sehenswürdigkeiten dienen unserem visuellen Fährtengänger nur als Material für seine Metamorphosen und nicht dem Tourismusbüro für seine Glanzprospekte. Nicht die abgebildete Realität ist sein Thema, sondern die virtuelle, die scheinbare Realität. Er erfindet spannende Bildwelten, die der Anmutung entsprechen, die wir haben, wenn wir an das öffentliche bildnerische Vokabular dieser Metropole denken. Beim Betrachten tauchen immer wieder Versatzstücke der aktuellen visuellen Kultur in unserer Erinnerung auf, die Dittloff zu seinen ungewöhnlich eindrucksvollen Grafiken verarbeitet hat. Prof. Bernhard Schwichtenberg

Der Autor, Prof. Bernhard Schwichtenberg, lehrte bis zu seiner Emeritierung an der heutigen Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Er war bis 2005 zwölf Jahre Vorsitzender des BBK in Schleswig-Holstein.

www.art-place-berlin.com

Der zweite Teil der Ausstellung ist bis zum 20. Oktober im Art Center Berlin, Friedrichstraße 134 (gegenüber dem Friedrichstadtpalast) zu sehen. Das Art Center Berlin ist ein Forum für internationale Kunstausstellungen. Auf 2000 m² werden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt.

www.art-center-berlin.de

Siehe auch: www.photoscala.de/Artikel/Expressive-poetische-Bilder-des-Alltaeglichen