Bezeichne Dich nicht als „Kunst-Fotograf“ und fordere das Lachen von „Kunst-Malern“ und „Kunst-Bildhauern“ heraus. Nenne Dich Fotograf und warte, bis Künstler Dich Bruder nennen.

— Ralph Waldo Emerson

BENUTZERANMELDUNG

Farbmanagement: Wozu braucht die Bildbearbeitung das Monitor-Profil?

Eingetragen von
ddd
(Liebhaber)
am 15. Juli 2009 - 17:17

Mit geeigneter Hardware (Spyder, eye-one etc.) kann ich ein ICC-Profil für meinen Monitor anlegen. Das berücksichtigt die Eigenheiten meines Monitors und wird dem Grafikkartentreiber mitgeteilt, der dann die Farben passend umbiegen kann, so das die Farben, trotz etwaiger Fehler des Bildschirms, hoffentlich richtig angezeigt werden. Also so, wie in dem folgenden Bild dargestellt: (Quelle: http://www.filmscanner.info/Farbmanagement_Einfuehrung.html)
Soweit, so gut. Ich lese nun, dass auch die Bildverarbeitung das Monitorprofil kennen sollte und Bilder nur mit Farbmanagement-fähiger Software richtig angezeigt würden.
Dass ich für Dateien mit eingebetteten Farbprofilen, zum Beispiel Adobe-RGB, einem Scanner-Profil oder dem individuellen Kameraprofil entsprechend ausgestattete Bildbearbeitungssoftware brauche (oder die Bilder nach sRGB konvertiere, so dass jedes Programm damit klarkommt), ist klar.
Aber wozu braucht die Bildbearbeitung und der Bildbetrachter das Ausgabeprofil des Monitors? Die Druckerprofile für bestimmte Papier-Tinten-Profile überlasse ich doch auch dem Druckertreiber, so lange ich keinen Soft-Proof, also einen Vorschau auf das Druckergebnis auf dem Bildschirm, wünsche.

Farbmanagement

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 24. Juli 2009 - 15:28

Unter http://www.druckerei-duennbier.com/farb05.htm gibt es noch eine nette Beschreibung, die sich logisch und stimmig anhört. Ich fasse mal zusammen:

  • Farbmanagement ist auf Betriebssystemebene implementiert, hier gibt es das sognenannte Color-Matching-Modul (CMM) (Mac: ColorSync. Windows: ICM). Das kennt der der ICC-Profile den Farbraum und die Farbfehler der Ausgabegeräte (Drucker, Bildschirm) und erledigt die Umrechnung. Das CMM arbeitet im L*a*b*-Farbraum, der alle wahrnehmbaren Farben enthält, und der die Farbräume der einzelnen Geräte enthält.
  • Werden Farben in einen Farbraum übertragen, der diese nicht enthält, der also einen kleineren Gamut, einen kleineren Farbumfang hat, können verschiedene Methoden angewandt werden:
    • Bei er photographischen Methode werden die Farben so angepasst, dass alle in den Zielfarbraum passen. Es ändern sich also die Farben, allerdings bleiben die Farbverläufe erhalten.
    • Bei der farbmetrischen Methode werden nicht darstellbare Farben auf die nächste darstellbare Farbe abgebildet.
  • Wird das Bild auf dem Bildschirm angezeigt, wird es mit Hilfe des ICC-Profils des Bildschirms vom Lab-Farbraum in den RGB-Farbraum des Bildschirms transformiert.

Irgendwo kommt jetzt aber noch die Bildbearbeitungs- und betrachtungssoftware ins Spiel. Wo? Aus irgendeinem Grund muss Photoshop den Tonwertumfang, den Gamut, des Bildschirms kennen? Wozu, wenn für die Umrechnung das CMM und die Grafikkarte zuständig sind?

Beispielsweise Stefan Porteck und Jürgen Wirtgen schreiben unter www.heise.de/ct/Windows-Farbmanagement-im-Griff--/artikel/135881:

Zitat:

Deshalb muss jede Grafikanwendung – inklusive Bildbetrachter und Browser – für eine verbindliche Farbdarstellung wissen, welcher Farbton den 100 Prozent des Monitors entspricht.

Ohne das genauer zu erläutern. Es sollte doch reichen, wenn das CMM das weiß, was für die Umrechnung der Farben, die die Grafikanwendung liefert, zuständig ist, bzw. wenn der Grafikkartentreiber das weiß.

CMM

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 17. November 2009 - 10:53
Gast schrieb:

Irgendwo kommt jetzt aber noch die Bildbearbeitungs- und betrachtungssoftware ins Spiel. Wo? Aus irgendeinem Grund muss Photoshop den Tonwertumfang, den Gamut, des Bildschirms kennen? Wozu, wenn für die Umrechnung das CMM und die Grafikkarte zuständig sind?

Ich bin schon ein Weilchen aus der Materie raus, aber ich hoffe, dass ich das noch richtig zusammenbekomme: Die Anwendung selber kann ja auch eine CMM zur Verfügung stellen (wie zB Photoshop). Der Treiber reicht dann die von PS errechneten Farbwerte einfach durch, d.h. die Umrechnung von Dokumentprofil in Monitorprofil findet in PS statt. AFAIK findet ein Farbmanagement auf Betriebssystemebene unter XP nicht statt, es stellt nur die Ressourcen (CMM, ICC-Profile) zur Verfügung. Anwenden muss dass dann die Software selber. Und wenn ich mich weiter richtig erinnere, ist das unter Mac OS X anders, da dort direkt im OS das FM stattfindet.

-DL

Das Monitorprofil...

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 17. November 2009 - 10:44

...wird ja auf Betriebssystemebene zur Verfügung gestellt, d.h. eine FM-fähige Anwendung *kann* auch darauf zugreifen - wie auf alle anderen Profile auch. Das ganze hat aber IMHO eher akademischen Nutzen: Damit kann man anderen mitteilen, wie ein Bild auf seinem eigenen Monitor dargestellt wird. Das kann vielleicht nützlich sein, wenn man einem Fehler im FM auf der Spur ist, hat aber m.E. keinen weiteren praktischen Nutzen.

-DL

Farbmanagement

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 26. November 2009 - 17:22

Es könnte so einfach sein:
Der Bildschirm bekommt ein Profil, die Anwendung schickt die gewünschten - absoluten - Farben zum Betriebssystem, und dieses bzw. der Grafikkartentreiber rechnet mit Hilfe des Profils die Werte aus, mit denen der Bildschirm angesteuert wird. Die Anwendung bräuchte sich um das Monitor-Profil nicht zu kümmern, dafür gibt es ja das Betriebssystem. Die Anzeige auf zwei Bildschirmen gleichzeitig wäre kein Problem. Die Darstellung wäre auf jedem Monitor gleich - solange der Monitor die Farben darstellen kann, der Monitor-Gamut also ausreichend groß ist.
Wie aber umgehen mit dem unterschiedlichen Gamut der unterschiedlichen Monitore? Der eine Monitor kann zum Beispiel ein roteres Rot als der andere. Die Anwendungen könnten sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner beschränken. Zum Beispiel sRGB. Und damit auf die knalligen Farben eines Bildschirms mit großem Gamut verzichten. Oben wurden ja schon die „Rendering Intents“ wie „fotografisch“ oder „farbmetrisch“ angesprochen. Wenn das Betriebssystem das Mapping der Farben aufeinander übernimmt, müsste die Anwendung mit dem vom Betriebssystem gewählten globalen Gamut-Mapping leben. Was viele - zu viele - Kompromisse erfordern würde. Das Betriebssystem soll die Farben nicht für alle Flächen und nicht für alle Flächen gleich umrechnen.
Statt dessen überlässt das Betriebssystem das Farbmanagement jeder einzelnen Anwendung und stellt nur die Werkzeuge bereit, die für das Gamut-Mapping notwendig sind: Das Betriebssystem macht die Anwendung auf Wunsch mit dem Monitor-Profil bekannt. Die Textverarbeitung kann nach wie vor für blauen Text das knalligste Blau des Bildschirms nehmen und für den roten Knopf das knalligste Rot, ohne sich um das Farbmanagement zu kümmern. Ein brauchbarer Bildbetrachter oder eine vernünftige Bildbearbeitung dagegen erfragt vom Betriebssystem das Bildschirmprofil und übernimmt gemäß der gewünschten Rendering-Absicht die Umrechnung.