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Warum mähen die nicht den Rasen vorm Fotografieren? Ich werde mich jetzt nicht stundenlang hinsetzen und das digital nachholen!
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Wiederentdeckt: Ruth Jacobi
Im Jüdischen Museum Berlin ist noch bis zum 8. Februar 2009 eine Sonderausstellung zu sehen, die Fotografien von Ruth Jacobi vorstellt. Jacobi? Selbst Foto-Kennern fällt da üblicherweise nur Lotte ein: Lotte Jacobi, eine der Avantgarde-Fotografinnen der Weimarer Republik. Doch Lotte hatte eine jüngere Schwester, Ruth, deren Werk eine wirkliche Entdeckung ist. Jetzt kann man ihre Bilder erstmals umfassend bestaunen:


1899 in Posen geboren, lernte Ruth Jacobi (rechts im Bild) das fotografische Handwerk am Lette-Verein in Berlin. Einige wenige Jahre arbeitete sie in der Hauptstadt, dann ging sie nach New York und fertigte eine Reportage über jüdische Straßenverkäufer der Lower East Side an. Nach weiteren Berliner Jahren folgte 1935 nach der Stürmung ihres Ateliers durch die SA die endgültige Emigration nach New York. Bereits Ende der dreißiger Jahre beendete die jüdische Fotografin ihre kurze Karriere.
Es ist eine große Qualität in Ruth Jacobis Bildern. Die bekannteste Aufnahme der Unbekannten ist wohl die, welche auch den Umschlag des Buchs zur Ausstellung ziert: eine Spaziergängerin, die eine Gans an der Leine führt mitten in New York, im Jahr 1928. Das Schöne an diesem Bild ist: Man findet das vollkommen normal!

Jacobi beherrschte beinahe alle fotografischen Themen. Es entstanden Porträts, aber auch Stillleben, Reise-, Mode- oder Pflanzenfotografien, auch Reportage und Experimentelles, alles auf hohem Niveau, alles getragen von der Begeisterung für die Fotografie. „Jede Aufnahme, die ich machte“, so sagte die erst 1995 in Kalifornien verstorbene Ruth Jacobi einmal voller Euphorie, „wurde ein Ereignis für mich. Es schien mir, als würde ich erst jetzt anfangen zu sehen. Ich sah alles in einem neuen Licht.“

Das Jüdisches Museum Berlin, das Teile des Nachlasses von Ruth Jacobi besitzt und verwaltet, hat gut daran getan, dieses Werk nun wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nicht nur wegen der Fotografien. Auch, weil dem Buch ihre Lebenserinnerungen beigegeben sind, die sich wirklich ungemein spannend, intim und überaus sympathisch lesen. Und die auch verraten, wie schwer es ist, im Schatten einer berühmten Schwester zu stehen ...
(Marc Peschke)

Ausstellung:
Jüdisches Museum Berlin
Bis 8. Februar 2009
Täglich 10-20 Uhr, montags 10-22 Uhr
Buch:
Aubrey Pomerance im Auftrag des Jüdischen Museums Berlin (Hrsg.)
Ruth Jacobi. Fotografien (bei amazon.de)
Gebunden mit Schutzumschlag. 120 Seiten. 60 Abbildungen
Nicolai Verlag, Berlin 2008
ISBN 978-3-89479-509-2
24,90 Euro
(thoMas)
Zum Thema:
- Ruth Hallensleben. Italien, 1952; Köln
- Marianne Breslauer - Fotografien 1927-1936; Berlin
- Ruth Erdt - Die Lügner; Winterthur, Schweiz
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