Wenn man beginnt, seinem Passfoto ähnlich zu sehen, sollte man in Urlaub fahren.

— Ephraim Kishon

Am 24.5.

  • 1941: * Wolfgang Cullmann (Cullmann Foto Audio Video GmbH)

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Von der Agonie zum Exitus: Die Fotoabteilung von Arsenal

Logo von ArsenalDerzeit mehren sich die Zeichen, dass der fotografische Teil von Arsenal in Kiew weitgehend abgewickelt ist und nicht daran gedacht wird, die Fertigung nochmals aufzunehmen:

In der Fotoabteilung von Arsenal, die auf eine Unternehmensgründung im Jahre 1764 zurückblicken können, gehen jetzt wohl langsam die Lichter aus. Zwar ist die Arsenal-Seite noch erreichbar, im Bereich der Fotografie enthält sie jedoch praktisch nur noch historisch interessante Informationen.

Foto der Kiev 88 Vor dem Hintergrund, dass das Unternehmen Arsenal seinen wirtschaftlichen Schwerpunkt nach vorliegenden Informationen im Bereich der Rüstungstechnik hat und auf einem im Zentrum der Stadt Kiew liegenden Grundstück beheimatet ist, das in der Vergangenheit Arbeitsplätze für 55.000 Beschäftigte bot, ist es verständlich, wenn man sich von der kleinen fotografischen Nische verabschieden will. Auf telefonische Anfrage wurden die derzeit im Netz zirkulierenden Informationen hinsichtlich einer Abwicklung der Produktionskapazitäten in Kiew bislang weder bestätigt noch dementiert.

Mit dem Schrumpfen der analogen Fotografie auf eine mehr oder wenig stabile Nische, welche die aus der Vergangenheit rührenden Überkapazitäten eines auf Massenproduktion ausgerichteten Unternehmens nicht mehr finanzieren kann, wurde auch bei Arsenal der Fotobereich zunehmend marginalisiert. In Folge dieser Entwicklung, die auch zur massiven Freisetzung von Mitarbeitern führte, entwickelten sich zahlreiche kleine Manufakturen, die auf der Basis vorhandener Bauteile und Entwicklungen marktfähige Produkte bereitstellten, die dann unter eigenem Namen oder unter dem Namen einer Vertriebsorganisation auf den Markt kamen. Zu diesen Produkten zählen die Shift-Tilt-Objektive für Kleinbildkameras, wie sie von Brenner unter dem Namen BIG verkauft werden, oder auch die ursprünglichen Hartblei-Objektive. Derzeit sind zahlreiche Baugruppen noch verfügbar und die Lieferfähigkeit der meisten Anbieter dürfte vor dem Hintergrund des schrumpfenden Marktes auch noch eine ganze Weile vorhalten, wenn auch an manchen Teilen, die in Kiew eingelagert sind, inzwischen der Zahn der Zeit in Form von Korrosion sein degradierendes Werk verrichtet. Mit dem absehbaren Niedergang der Fertigung in der Ukraine haben sich die in Westeuropa angesiedelten Anbieter wie Hartblei jedoch schon vor geraumer Zeit von den ukrainischen Wurzeln gelöst. Hartblei etwa bezieht seine optischen Komponenten inzwischen vom deutschen Hersteller Carl Zeiss.

(CJ)
 

Tja also...

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 13. November 2009 - 23:17

60 Jahre die selben Modelle anbieten. Klar, das man da nicht überlebt, oder?

Ich hätte eh keine Ostkamera gekauft.

Mit dem Film stirbt der Bedarf nach billigen Fotofilmprodukten

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 14. November 2009 - 09:36
Gast schrieb:

60 Jahre die selben Modelle anbieten. Klar, das man da nicht überlebt, oder?

Technisch brilliant waren die Kameras und Objektive ja ohnehin nicht. Eben Hasselblad-Kopien und optische Standard-Designs mit größeren Fertigungstoleranzen und preiswerteren Materialien. Die technische Modellgüte war auch früher nicht das Argument, eine Kamera oder ein Objektiv von Arsenal zu kaufen. Sie waren halt günstig und trotzdem brauchbar. Mit dem Sterben der Fotografie auf Film fehlt den Fotoprodukten von Arsenal einfach die Basis. Für die digitale Fotografie reichen die Objektive qualitativ bei weitem nicht aus. Eine Kiew-Kamera sowieso nicht. Das das Überleben von Arsenal an dieser Produktsparte hängt, ist sehr unwahrscheinlich. Arsenal war ein sowjetisches Großunternehmen klassischer Prägung. Es wurde alles mögliche produziert, ohne das es irgendwelche wirtschaftlich rationalen Zusammenhänge gegeben hätte. Die Fotosparte hat da keine große Bedeutung gehabt.

Der Bedarf ist immer noch da!

Eingetragen von
DingDongDilli
(Ehrengast)
am Samstag, 14. November 2009 - 13:35
Gast schrieb:

Technisch brilliant waren die Kameras und Objektive ja ohnehin nicht. Eben Hasselblad-Kopien und optische Standard-Designs mit größeren Fertigungstoleranzen und preiswerteren Materialien.

Na ja. Viel hat sich nicht geändert. Das was Arsenal Kiew zu Zeiten der analogen Fotografie in der Kamerabranche war, sind heutzutage Premier-Foxconn & Co.! Der einzige Unterschied ist, dass die ihren Schrott nicht unter eigenem Namen verkaufen (zumindest nicht hier) sondern an Rollei, Minox, Agfa bzw. was von diesen Marken übrigbleibt...

Aus Ihrer Sicht...

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 15. November 2009 - 21:55

...mag das stimmen aber der Antrieb von zB. Foxconn ist ein anderer als dem mit der Entwicklung von Fotoapparaten zum UdSSR-Preis beauftragten Großunternehmen Arsenal.
Foxconn produziert für ein unteres Segment während Arsenal bewährte Technik aus dem Westen (zB. Hassi-Modelle) nachbaute um in der UdSSR überhaupt Fotoapprate in den Regalen zu haben die man sich als UdSSR-Bürger auch leisten konnte. In der UdSSR gab es praktisch nach dem Stile des Trabbis ein Modell mit und ohne Tankuhr. Bei Fotoapparate gab es ggf. ein Modell mit und ohne irgendein Feature für das man etwas tiefer in die Tasche greifen mußte.

Mit Namen bzw. Namensrechten läßt sich Geld verdienen und das erzeugt die Aufträge an Auftragsfertiger wie Foxconn. Mit Namen bzw. Namensrechten kann man va. im unteren Segment Geld verdienen und damit fertigt Foxconn eben das wonach der Auftrag bzw. Aufträge lauten. Je größer die Stückzahlen umso höher die Gewinn-Marge und somit wird einfach gelabelt: Agfa, Minox, Rollei, Ringfoto/Voigtländer, etc..

Es geht aber auch anders. Brillux-Farben bietet seine hochwertigen Farben unter Brillux an und die Qualität die man beim Bauhaus unter einem anderen Namen kaufen kann ist nicht minder hochwertig. Der Markt bestimmt die Produkte und in der ehem. UdSSR gabe es eben va. Fotoapparate von Arsenal die man sich leisten konnte. Das wäre bei einem Preis auf ehem. Level für die UdSSR auch ein Brillux gewesen, welcher meinetwegen in irgendeinem Sowjet-Staat unter anderem Namen aufgetreten wäre nur, weil es sich ggf. um eine Traditionsmarke gehandelt hätte.
Der Ansatz bei Foxconn ist ein anderer als bei Arsenal. Es geht um einen bereits durchaus gesättigten Markt den man nochmals mit Preiswert-Kameras ergänzen möchte.

Alles eine Frage des Preises.

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 15. November 2009 - 21:37

Was tut man, wenn man zuwenig Geld für Eigenentwicklungen hat? Man baut bewährtes nach.
Was war der Ansporn es zu tun? In der UdSSR konnten sich zuwenige die Technik aus dem Westen und Japan leisten.
Einfaches Beispiel die Autos in der ehem. UdSSR. Fiat 124 war ein in gewisser Weise einfach aufgebautes Auto jedoch als es am Markt war modern. Lada baute Fiat 124 in Lizens und noch heute läuft dieses Modell vom Band und kostet umgerechnet ca. 4.000 Euro mit einer Ausstattung die der Bevölkerung der UdSSR zuletzt keine Wünsche offen lies.
China will exportieren und va. Rußland auch. Von den Bodenschätzen alleine kann man in der ehem. UdSSR nicht weiterkommen.
China will va. chin. Industrie-Standards zum Level von Weltstandards bringen und zB. Rußland will eine moderne dem Westen ebenbürtig Industrie. Man beschränkt sich erstmal auf sog. russische Wertarbeit, welche zB. in Kaluga an Produktionsbändern von zB. Volkswagen und PSA-Peugeot-Citroen/Mitsubishi vom Band rollt.

Die Zeiten haben sich geändert. In der ehem. UdSSR kann man sich mehr leisten als das was man einst preiswert innerhalb der UdSSR fertigen mußte, so dass es in den Regalen etwas gab was man sich leisten konnte. Arsenal war eben das auserwählte Großunternehmen, welches sich um Fotoapparate kümmern sollte. Somit kann man den Einbruch des Absatzes der Fotosparte wesentlich gelassener sehen als bei Traditionsunternehmen im Westen die sehr stark spezialisiert sind oder waren. Es ging ja um Preisbrecher-Fotoapparate und zu dem anvisierte Preis von einst war eben nicht mehr drin.

Qualität für DSLR ausreichend - ja

Eingetragen von
ZoneV
(Hausfreund)
am Montag, 16. November 2009 - 07:56
Gast schrieb:

... Für die digitale Fotografie reichen die Objektive qualitativ bei weitem nicht aus...

Ich hab mir am Wochenende mal einen Adapter vom Pentacon Six / Kiev 60 Flansch auf meine Canon EF-Mount Kameras gebaut.
Primär eigentlich um das Zeiss Jena 180 / 2.8 mal an meine EOS 5D dranzuhängen.
Überrascht war ich aber dann von der Bildqualität des Volna 80 mm Kiev 60 Normalobjektives (für 6x6) - das taugt durchaus auch für eine KB-DSLR! Vor allem scheint mir das Bokeh (Unschärfeverhalten) besser zu sein als bei moderneren Objektivrechnungen.

Auch ein Helios-44 58mm/2.0 und Jupiter-9 85mm/2.0 russischer Fertigung habe ich noch zu genaueren Tests. Der erste Eindruck war ncith so schlecht.
Solange man nur maximale Schärfe als Kriterium für die Objektivgüte nutzt, mag die Aussage der geringen Eignung für Digital noch gelten. Dann kann man wohl auch dem einen oder anderen Superzoom oder Superweitwinkel dieses Eignung in Frage stellen, oder dem Billig-Tilt-Shift.

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www.4photos.de - Paar Bildchen und paar Links für Kamerabastler

Preisfrage

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 24. November 2009 - 10:57

der Anlass für viele Käufer war ein preiswerter Einstieg ins Mittelformat. Wenn ich z. B. Naturaufnamen mache, d. h. mit der Kamera im Freien herumlaufe, dann verhalte ich mich ganz anders, wenn ich eine Kamera für 500 Euro in der Hand habe als eine für 5000. Dabei kann keine Rede davon sein, dass die Ergebnisse mit der teuren Kamera auch wirklich 10fach besser wären.

Nicht veraltet, nur real existierender Sozialismusl

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 14. November 2009 - 18:17

Anfang der 80er Jahre hat Kiev eine neue Kamera im Format 6 x 4.5 cm herausgebracht, die der Zenza-Bronica recht ähnlich sah und anscheinend sogar Belichtungsautomatik etc. hatte. Ich habe diese Kamera damals am Kiev-Stand gesehen (noch vor der Wende) und nachgefragt; aber nichts erfahren, es gab keine Informationen und in die Hand nehmen war auch nicht. Ich habe in der Wikipedia einen Eintrag zu dem Thema erstellt "Kiev 90", mit Links zu Fotos und Artikeln.

Die Konstruktion war modern, aber die Fabrik konnte offensichtlich die Kameras nicht fehlerfrei herstellen. Basierrend auf der Kiev 90 hätte Kiev sicher besser Zukunftsaussichten gehabt. Vielleicht versuchts ja noch einer von den Kleinherstellern im Kiev-Umfeld mit den Werkzeugen und neuer Elektronik, wenn die Werkzeuge denn noch in irgendeinem Arsenal ;-) rumliegen.

Thyl

Das KIEV Mittelformathandbuch Band 1: Die Kameras

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 15. November 2009 - 17:09

Wer sich für die ARSENAL-Geschichte und der Mittelformat-Kameras interessiert, bei Wiese-Fototechnik in Hamburg, kann man das interessante Buch von Lothar A. Braas erwerben.

Real existierender Sozialismus?

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 15. November 2009 - 21:22

Die Fotoindustrie von Deutschland, Japan und der UdSSR kann man auch mit der Luftfahrt-Industrie vergleichen. Raumfahrt klammere ich hier einmal aus, denn hier gab es nicht wie in der Luftfahrt eine offizielle Kooperation von Deutschland und dem Zarenreich und dann der UdSSR bis Ende der 30-er bzw. Ende der 40-er.

Bei der Luftfahrt gab es in der UdSSR eine entsprechende Nachfrage um hier die Technologie weiter zu entwickeln. Va. die Militärjets der UdSSR sind alles andere als ein Beispiel für wie hier anhand der Fa. Kiev beleuchteten Industrie, welche Ihre Wurzeln in der UdSSR findet soweit man sich auf sog. "real existierenden Sozialismus" beschränkt.
Es gibt in Rußland und der ehem. UdSSR auch heute wohl keine nennenswerte Nachfragen nach Kameras aus der ehem. UdSSR.

Die jungen Russen stehen auf OPEL. Bei den Automobilen wird wohl am schnellsten modernisiert. Bisher war es eben so, dass die Fiat-124-Lizensbauten/-Weiterentwicklungen von Lada va. paßend für die Straßen in Rußland und der ehem. UdSSR waren.

Ich denke, dass man in Rußland und aus dem Gebiet der ehem. UdSSR einiges an HighTech in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erwarten kann.

Man muß immer eines betrachten. Je mehr ein Staat an Bodenschätzen-Vorhaben ermangelt umso mehr ist seine Wirtschaft und Industrie von dem Export und Erfindungen sowie Verfeinerungen der Technik dh. HighTech abhängig. Dasselbe gilt hinsichtlich Reichtum an Natur als Schatz, vgl. Albanien die Schatztruhe Europas was Naturschätze anbelangt. Schwer wirklich schwer alles auf sog. "real existenten Sozialismus" abzuwickeln.
Ausnahmen sind ehem. Bufferzonen zwischen den ehem. Blockbildungen wie zB. die DDR. Hier wurde tatsächlich über die Jahrzehnte die von West- und Ost-Deutschland gemeinsam erlebbare Situation des Mangels an Bodenschätzen, welche durch HighTech-Know-How beantwortet werden kann/konnte durch den sog. real existenten Sozialismus gedrosselt, während Prestigeprojekte im sog. real existenten Sozialismus die DDR teilweise sogar in die Poleposition gegenüber der BRD brachte.
Meiner Meinung nach können wir selbst anhand von BRD und DDR vor der Wiedervereinigung nicht festmachen ob eine vor der Trennung Deutschlands in Westen und Osten ähnlich gewachsene Industrie- und Know-How-Basis sich während der DDR-Zeit untersch. gut entwickeln konnte. Im Westen war es wohl breitbandiger und wirtschaftlich komplexer was die Kooperation und Globalisierung anbelangte. Wenn es um HighTech ging glänzte es in der DDR jedoch nicht minder als im Westen.

Was Kameras wie Rollei, ältere Hassis und Kiev-Modelle anbelangt betrachte ich dies als Pflege von Handwerk, welches aber nicht die Basis für eine Foto-Industrie sein wird. Fotoindustrie was Consumer-Elektronik anbelangt ist jetzt in Asien/Japan ähnlich wie es im Bereich der Consumer-Elektronik im Bereich Video, TV, Audio und Multimedia ist. Fotoindustrie betrachte ich als nochmals wesentlich stärker Richtung Asien/Japan lastig.
Ich betrachtes es als einfacher die Marke Grundig in Deutschland incl. einer nennenswerten Basis im Consumerbereich und Produktion wiederzubeleben als in Rußland/ehem. UdSSR tatsächlich eine Fotoindustrie aufzubauen mit der man sich mit Japan messen möchte.
Es steht aktuell eher alles auf Automobile und blickt man nach Polen arbeitet sich eine Immobilienwelle Richtung Osten.

Es wird sich ggf. jemand finden der die Namensrechte an Kiev kauft und Kameras anbietet. Die werden aber definitiv nicht mit den bisherigen Werkzeugen in den bisherigen Farbriken hergestellt werden.
Falls jemand mehr weiß als ich und es va. besser weiß, möchte ich mich hier bereits für mein Unwissen, über Details bereits bekannter Zukunftspläne für die Marke Kiev, entschuldigen. Es ist ein Ausblick basierend auf dem Entwicklungen in West-Europa und den aktuellen Schwerpunkten va. der russischen Regierung zur Modernisierung der russischen Industrie. In der ehem. UdSSR wird man sich eben an Rußland mit orientieren.

Was will uns der Künstler damit sagen

Eingetragen von
Gast
am Montag, 16. November 2009 - 02:17

???