Ohne Stativ knipst man - mit Stativ fotografiert man.

— Berenice Abbott

Am 24.5.

  • 1941: * Wolfgang Cullmann (Cullmann Foto Audio Video GmbH)

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That's Photography: Andreas-Feininger-Ausstellung in Bremen (aktualisiert)

Ausschnitt Route 66, Arizona, 1953; Foto Andreas Feininger, LIFE Magazine © Time Inc.Ein Klassiker: Andreas Feininger, geboren 1906 in Paris, verstorben 1999 in New York, gehört zu den ganz großen Fotografen des vergangenen Jahrhunderts. Jetzt stellt eine Retrospektive im Focke Museum in Bremen sein einflussreiches Schaffen vor. 271 Schwarzweiß-Arbeiten sind auf über 800 qm zu sehen:

 
 

Route 66, Arizona, 1953; Foto Andreas Feininger, LIFE Magazine © Time Inc.

Route 66, Arizona, 1953; Foto Andreas Feininger, LIFE Magazine © Time Inc.

 
Der Sohn des Malers Lyonel Feininger begann bereits in den zwanziger Jahren zu fotografieren. Vorher hatte er am Bauhaus in Weimar – sein Vater war hier Lehrer – eine Ausbildung zum Kunsttischler absolviert. Dann studierte er Architektur an den Bauschulen in Weimar und Zerbst. Feininger wurde Architekt, arbeitete in Hamburg und Dessau, später im Büro Le Corbusier in Paris. 1933 ging er mit seiner späteren Ehefrau Gertrud Hägg nach Stockholm, dann emigrierte die Familie in die USA – Feininger begann als Fotoreporter bei „Life“.
 

Dearborn Station, Chicago, 1941; Foto Andreas Feininger © AndreasFeiningerArchive.com

Dearborn Station, Chicago, 1941; Foto Andreas Feininger © AndreasFeiningerArchive.com

 
Schon in Hamburg, Dessau und Stockholm fotografierte Feininger – häufig einsame, verlassene, nächtliche Straßen –, doch es sind vor allem seine in New York entstandenen Bilder, die ihn bekannt machten. Mehr noch: die in den klassischen Kanon der Fotografie Eingang gefunden haben. Beim Blättern im Ausstellungskatalog bemerkt man, wie viele seiner Arbeiten man schon gesehen hat – und wie hervorragend sie komponiert, wie sorgfältig sie arrangiert sind.
 

Empire State Building, New York, 1940; Foto Andreas Feininger © AndreasFeiningerArchive.com

Empire State Building, New York, 1940; Foto Andreas Feininger © AndreasFeiningerArchive.com

 
Feininger fotografierte die Schiffe und Fähren im Hafen, wie etwa die „Queen Elizabeth“ im Jahr 1954, die Straßenschluchten seiner neuen Heimat New York, die Brooklyn Bridge, das Empire State Building, die Skyline, das pulsierende Leben, die faszinierende Architektur Manhattans, die turbulente Stunde der Rush Hour: Er hat unser New York-Bild, auch unser Bild Amerikas, mit seinen Schwarzweißaufnahmen stark geprägt. Ein Bild, das beinahe ohne Menschen auskommt: „Ich bin nicht an Menschen als Individuen interessiert“, hat er einmal gesagt. „Dagegen interessieren mich besonders Wirkung, Struktur und Form der Natur. Und Werke des Menschen, die sich als ein Teil eines größeren Ganzen offenbaren, also eine Stadt, Landschaft, Industrie und Umgebung.“ Darüber hinaus entstanden Naturstudien, faszinierende Detailaufnahmen von Insekten und Pflanzen, Steinen, Knochen und Muscheln.
 

Detail einer Muschel, 1977; Foto Andreas Feininger © AndreasFeiningerArchive.com

Detail einer Muschel, 1977; Foto Andreas Feininger © AndreasFeiningerArchive.com

 
Jochen Siemens hat einmal die wichtige Rolle Feiningers als Fotografie-Lehrer hervorgehoben: „Seine Bilder und seine Bücher bilden bis heute das umfassendste Lehrmaterial der Fototechnik, kaum ein Fotograf, auch im digitalen Zeitalter, hat die 'Große Fotolehre' und den 'Creative Photographer' von Feininger nicht studiert.“ Doch Feininger war noch mehr: Er war auch Wissenschaftler und Erfinder, ein Bastler, der sich, weil es so etwas noch nicht gab, ein besonders großes Teleobjektiv einfach selbst baute. Er konstruierte ein besonders robustes Stativ und einen schwenkbaren Vergrößerungsapparat – auch im Bereich der Fototechnik war Feininger seiner Zeit voraus. „Der Forscher unter den Fotografen“, so wurde er immer wieder genannt. Doch vor allem gelangen ihm, das zeigt die Bremer Ausstellung eindringlich, Bilder von zeitloser Schönheit.

(Marc Peschke)
 
 
Ausstellungen und Vortrag

Andreas Feininger – That’s Photography
Focke Museum, Bremen
20. Juli bis 28. September 2008
Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, dem 20. Juli 2008 um 11.30 Uhr
Di 10 bis 21 Uhr, Mi bis So 10 bis 17 Uhr

Vortrag am 26. August um 19 Uhr
Prof. Fritz Haase: Andreas Feininger – Eine späte Begegnung

Titelabbildung Andreas Feininger – That’s Photography

 
 
Begleitband

Thomas Buchsteiner und Otto Letze (Hrsg.)
Andreas Feininger. That's Photography (bei amzon.de)
Kartoniert. 320 Seiten. 210 Abbildungen
Deutsch und Englisch
Hatje Cantz Verlag. Ostfildern 2004
ISBN 3-7757-1429-4
29,80 Euro
 

Nachtrag (16.10.2008): Oben folgenden Satz gelöscht: Vom 18. Oktober bis 18. Januar 2009 ist die Ausstellung im Museum Würth in Künzelsau zu sehen. Obwohl in diversen Ausstellungsverzeichnissen gelistet, war und ist diese Information eine Ente. Nichts ist es mit der Feininger-Ausstellung in Künzelsau. Danke an MR für den Hinweis.
 

Wenn ich seine Bilder sehe

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 20. Juli 2008 - 10:48

Wenn ich seine Bilder sehe bekomme ich totale Dunkelkammer-Lust!

Eher Frust!

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 20. Juli 2008 - 15:40

Zumindest bei mir - weil da komm ich beim besten Willen nicht ran.
;-))

nun ja

Eingetragen von
Gast
am Montag, 21. Juli 2008 - 08:14

in der Feininger Ausstellung vo ein paar Jahren in Frankfurt in der Schirn Halle war bei den Abzügen des Meisters doch die eine oder andere Schwäche zu erkennen :-)

Will sagen - die Bilder sind grandios - doch die Ausarbeitung war zuweilen nicht besser als meine - hab zwar zwischenzeitlich meinen Grossformat Vergrösserer verkauft aber ein paar Baryth's hab ich auf mindestens dem selben Niveau (was die Laborarbeit anlangt)

Also keine falsche Bescheidenheit - die Herren Feininger und Adams hatten auch das eine oder andere Härchen im Bild.

Gruss jo-1

Härchen im Bild

Eingetragen von
Gast
am Montag, 11. August 2008 - 10:19

sind wohl ebenso schlimm wie solche im Süppchen.
Trotzdem empfehle ich keinem, fotografische Abzüge zu essen.

Die Ausstellung Feningers in Bremen hingegen ist jedem zu empfehlen, der in den Norden kommt.
Und sie ist extrem gut besucht.

Ich konnte sie mir gestern mit Frau und Sohn anschauen, beide waren beeindruckt. Mein Sohn noch jung, meine Frau und ich haben beide Bildende Kunst studiert, vor vielen Jahren. Unter Professoren, die Feininger persönlich kannten.
Leider habe ich 1980 die Gelegenheit in New York verpaßt, ihn persönlich kennenzulernen.

Interessant vor allem an den Bildern, neben aller bildnerischen und technischen Qualität, daß es ihm nicht nur darum ging, da er eine künstlerische Herzlichkeit und Ehrlichkeit besitzt, wie sie bei vielen Künstlern seiner Zeit nicht zu finden ist.
Feininger hat nicht irgendein künstlerisches Dogma geschaffen, sondern er fotografiert. Das mag in den Schriften wieder anders sein...

Dietmar Meisel

That's photography

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 20. Juli 2008 - 23:51

Diese Ausstellung habe ich seinerzeit in Stuttgart gesehen und war schwer beeindruckt.

Umso mehr freut es mich, daß sie jetzt auch in Bremen zu sehen ist und empfehle jedem an Photographie interessierten Mitmenschen den Besuch der Ausstellung.

Besonders beeindruckt war ich von seinen Schiffsaufnahmen: Feininger paddelte mit einer Nußschale und darin stehender Großformat-Kamera durch den Hafen und bekam mit damaligen Platten ganz ohne IS, VR oder Belichtungsautomatik und Autofokus gestochen scharfe, perfekt belichtete Aufnahmen hin.
Da geht das perfekte Handwerk nicht erst in der Dunkelkammer los, sondern schon bei der Aufnahme.

Derartig perfekte Negative ansprechend zu vergrößern ist dann erheblich einfacher als einen Amateur-Schnappschuß in der Duka oder im Photoshop passend zu bearbeiten.

Und nicht vergessen:

Bild von Max Rheub
Eingetragen von
Max Rheub
(Inventar)
am Montag, 11. August 2008 - 12:36

Wer nicht unbedingt nach Bremen reisen will:

Vom 18. Oktober bis 18. Januar 2009 ist die Ausstellung im Museum Würth in Künzelsau zu sehen.

Vielleicht trifft man sich - ich werde sicher mehr als nur einmal da sein.

Tja, doch besser vergessen!

Bild von Max Rheub
Eingetragen von
Max Rheub
(Inventar)
am Donnerstag, 16. Oktober 2008 - 15:01

Nachdem auf der Homepage des Museums die Ausstellung nicht verzeichnet war, habe ich angerufen:

Ja, man wisse, daß die Ausstellung an verschiedenen Stellen im Internet angekündigt sei,
Nein, man wisse nicht, wie diese Information ins Internet gekommen sei -
und nein - man habe auch keine solche Aussellung jemals geplant.

Dann trifft man sich wohl nicht.

...nein, nicht vergessen!

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 23. Oktober 2008 - 16:43

Die Würths in Künzelsau wissen tatsächlich nichts davon. Hier, in Freiburg, ist die Ausstellung jetzt aber definitiv gelandet:

http://www.freiburg.de/servlet/PB/menu/1183623_l1/index.html

allerdings in stark abgespeckter Grösse. Die Bremer hatten da einen deutlich grösseren Fundus zu bieten (ca. 300 Exponate), als Freiburg, wo "nur" etwa 100 Fotos gezeigt werden. Trotzdem: für alle Südlichter und Feininger-Fans und SW-Enthusiasten sicher eine Reise wert.

Typisch

Eingetragen von
DingDongDilli
(Ehrengast)
am Freitag, 17. Oktober 2008 - 09:45
Gast schrieb:

und bekam mit damaligen Platten ganz ohne IS, VR oder Belichtungsautomatik und Autofokus gestochen scharfe, perfekt belichtete Aufnahmen hin.

Mal wieder typisch. Da geht einer in ne Ausstellung und alles was ihm imponierend auffällt ist, dass die Aufnahmen gestochen scharf und perfekt belichtet sind! Als ob das alleine die Qualität der Bilder ausmachen würde! Was ist mit dem Bildinhalt? Was ist Ihnen da aufgefallen?!? Was sagen die Bilder aus? Mit welchem Material der Fotograf seine Aufnahmen gemacht hat, ist sowas von belanglos!