Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera.

— Gisèle Freund

Am 28.7.

  • 1970: Gründung der deutschen Sony-Niederlassung

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Schneider-Kreuznach: Industrie-Optik und Präzisionsmechanik statt Foto-Objektive

Die Jos. Schneider Optische Werke reduzieren ihr Engagement in der Foto-Optik und stellen die Entwicklungsarbeiten an den vor drei Jahren angekündigten MFT-Objektiven ein. Das teilte die Geschäftsführung des Optik-Herstellers am Donnerstag im Rahmen ihrer jährlichen Bilanzpressekonferenz mit. Schneider-Kreuznach will sich in Zukunft wieder stärker auf die Industrie-Optik konzentrieren und hat hier speziell die Sensorik im Visier, die künftig für netzgesteuerte Fahrzeuge benötigt wird. Der Umsatz des Unternehmens ist im fünften Jahr in Folge rückläufig.

Anlässlich der Bilanzkonferenz 2015 teilte Schneider-Kreuznach mit, die lange angekündigten MFT-Objektive (dazu mehr hier auf photoscala) nicht auf den Markt zu bringen. Aus Sicht der Geschäftsführung würde die derzeitige Absatzentwicklung bei MFT-Systemkameras eine Produktionsaufnahme der Objektive nicht rechtfertigen. Zudem habe sich im Bereich der Industrie-Optik MFT bislang gegen den Nikon-Anschluss nicht durchsetzen können. Ungewiss ist auch, ob die auf der Photokina 2014 vorgestellten Vollformatobjektive (hier mehr auf photoscala) mit Anschluss für Nikon und Canon in Serie gehen werden. Hierzu führt Schneider-Kreuznach an, dass die entsprechenden Fertigungsanlagen mit der Produktion der offenbar stark nachgefragten FF-Xenon-Cine-Objektive ausgelastet seien. Damit beschränkt sich das Angebot an Foto-Objektive weiterhin auf Großbildobjektiven, die vorwiegend über Linhof, Alpa und Cambo vermarktet werden sowie auf ein Nischenprogramm von vier erklärungsintensiven Tilt-/Shift-Objektiven.

Schneider-Kreuznach: Drei Objektive

Ursprünglich sollten diese drei Objektive für Micro-Four-Thirds bereits Ende 2013 auf den Markt kommen.
Jetzt hat sich Schneider-Kreuznach endgültig von ihnen verabschiedet.

 

Im Bereich Foto und Film legt Schneider-Kreuznach somit seinen Schwerpunkt auf die FF-Xenon-Cine-Objektive. Die sind allerdings im deutschen Fotohandel nur schlecht vertreten. Möglicherweise fällt es zahlreichen Fotohändlern schwer, Objektive ohne Autofokus, wie sie im Cine-Bereich gebräuchlich sind, erfolgreich zu verkaufen. Die Cine-Objektive setzt Schneider daher im Wesentlichen über Fachhändler ab, die sich auf den Video-Markt spezialisiert haben sowie an Rent-Unternehmen, welche die Objektive in ihrem Verleihpark führen.

Insgesamt geht also die Bedeutung der Foto-Objektive bei Schneider-Kreuznach stark zurück. Kräftig ausgebaut werden soll dagegen die Entwicklung und Fertigung mechanischer Komponenten vor allem für die KFZ-Industrie; sie wird nun in einen eigenen Geschäftsbereich ausgelagert. Bereits in der Vergangenheit hat Schneider-Kreuznach die feinmechanische Kompetenz aus dem Objektivbau auch für die Produktion von Einspritzventilen für die Zulieferung an Motorenhersteller genutzt.

Der Umsatz der gesamten Schneider-Gruppe ist wie schon in den Vorjahren 2014 erneut zurückgegangen. Das Betriebsergebnis konnte dagegen im Vergleich zum Vorjahr leicht auf eine Million Euro erhöht werden.

Die Entwicklung der Unternehmenszahlen im Einzelnen:

Zahlen der Schneider-Gruppe
  2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Umsatz 93,7 84,5 77,5 86,6 85,5 78 71,8 67,2
Betriebsergebnis 6,0 1,9 2,5 3,6 4,1 0,6 0,6 1
Operativer Cashflow 0,9 0,7 11,4 3,7 4,2 1,6 2,9 3,5
Bilanzsumme 52,5 56,6 48 50,6 50,9 50,0 47,5 47,7
Investitionen 4,5 5,8 1,5 4,6 4,0 2,8 3,6 4,3
(Zahlen in Mio. Euro)
 
Eigenkapitalquote 47 % 41,9 % 49,6 % 49,4 % 49,2 % 45,8 % 53,6 % 53,70%
Mitarbeiter 556 642 620 660 660 637 630 620

 

Umsatz nach Konzernsparten (in Mio. Euro)
  2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Foto (Photo Imaging) 64,3 51,5 47,8 48,5 42,3 39,6 42,9 31
Kino (Entertainment Imaging) 11,1 12,2 14,2 12,0 9,0 9,1
Industrie (Industrial Solutions/Imaging Systems) 18,3 20,8 15,5 26,1 34,2 29,3 28,9 21,8
Precision Engineering   14,4

 

(Christoph Jehle/Martin Vieten)
 

das ist sicher

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 04. Juli 2015 - 09:24

eine sinnvolle Entscheidung, denn in dem anvisierten Brennweitenbereich gibt es bei mFT bereits sehr gute Objektive. Auch Sigma hat keine eigens für mFT konstruierten Objetive, sondern nur adaptierte Objektive und sagt selbst, der Grund ist die breite Palette, die bereits existiert. Was nach fehlt sind langbrennweitige und lichtstarke Teleobjektive, die in Kürze, sowohl von Olympus als auch Panasonic, kommen werden (sind bereits angekündigt)

Die Erklärung ist einfacher

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 04. Juli 2015 - 13:59

Schneider kann und will sich ein Geldverbrennen in einem anspruchslosen Umfeld nicht wirklich leisten ... 8-)

Wenn man sich eine sündhaft teuere System-/DSLR-Kamera

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 05. Juli 2015 - 14:24

mit AF zulegt, erwirbt man noch sündhaft teurere MF-Objektive wohl in letzter Konsequenz. Kameras/Objektive, die was taugen, dürfen durchaus mehr kosten als 08/15-Geräte, aber die Marktpreise für die spärlich gesähten Topgeräte sind allesamt überzogen. Dazu kommt, dass die schlaffe Fotoindustrie vorn und hinten nicht in der Lage ist, Handy-Fotografen für den Aufstieg auch nur annähernd zu begeistern. Da werden in naher Zukunft nicht gerade wenige das Handtuch hinschmeissen.

Schlaffe Fotoindustrie

Bild von chris h
Eingetragen von
chris h
(Inventar)
am Sonntag, 05. Juli 2015 - 19:21

Ja, das muss man wohl so sehen. Wobei ich das nicht so sehr an einzelnen Produkten festmache, sondern am Umstand, dass die Digitalfotografie sichtlich nur sehr eingeschränkt ihr wahres Potenzial zu entfalten vermag. Ein sich selbst beschränkendes Denken, ein Verharren in den alten Denkschemata der Analogfotografie, bereitet hier den unbestellten Boden, auf dem sich diese Industrie mit der Perpetuierung des Immergleichen absehbar ins Aus manövriert.

Optikindustrie

Bild von Sekundogenitur
Eingetragen von
Sekundogenitur
(Hausfreund)
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 19:47
chris h schrieb:

Ja, das muss man wohl so sehen. Wobei ich das nicht so sehr an einzelnen Produkten festmache, sondern am Umstand, dass die Digitalfotografie sichtlich nur sehr eingeschränkt ihr wahres Potenzial zu entfalten vermag. Ein sich selbst beschränkendes Denken, ein Verharren in den alten Denkschemata der Analogfotografie, bereitet hier den unbestellten Boden, auf dem sich diese Industrie mit der Perpetuierung des Immergleichen absehbar ins Aus manövriert.

Optikindustrie ist nur zu einem kleinen Bruchteil Fotoindustrie, ein Rückzug aus diesem Endkundengeschäft verringert vielleicht die Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit, wichtig ist aber ein rentables Geschäftsmodell.

Fotoindustrie

Eingetragen von
Gast
am Mittwoch, 08. Juli 2015 - 07:30

und Optikindustrie sind zwei paar Schuh ...

Richtige Entscheidung

Bild von OhWeh
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OhWeh
(Ehrengast)
am Samstag, 04. Juli 2015 - 14:14

Inzwischen hätte die mFT-Obis wohl niemand mehr gekauft. Viel zu spät. Außerdem gibt es ein 60er von Olympus, das bis 1:1 geht (Schneider nur bis 1:2) und optisch so gut ist - besser hätte es Schneider auch nicht gekonnt. Auch im 14er und 30er Bereich gibt es genug gute Optiken von Panasonic und Olympus.

OhWeh

der Markt ist zu schnelllebig geworden

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 04. Juli 2015 - 20:35

als dass sich Schneider hier etablieren könnte. Selbst Zeiss und Leica tun sich letztlich schwer, Leica nur durch einen Design-Hype und Zeiss nur durch japanische Produktion.

Das war von vorne herein ein rotgeborenes Kind, nur Objektive, die es noch nicht gibt wären wichtig und dann auch nur mit bestem AF...

Die Entscheidung für Cine-Objektive und den Ausbau der

Bild von Shitop
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Shitop
(Inventar)
am Sonntag, 05. Juli 2015 - 12:49

Industrieoptik macht mit Sicherheit Sinn. Inzwischen ist ja auch die Mehrheit der japanischen Optikhersteller aus dem Fotogeschäft weitgehend ausgestiegen und produziert Cine- und Industrieobjektive. Die Produktion von Objektiven für die Fotografie verlagert sich derzeit nach Birma und Laos. Danach wandert die Produktion nach Äthiopien und Ghana. nur diese Länder sind auf absehbare Zeit für die Ferigung von Consumerprodukten noch wettbewerbsfähig.

MFT

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 05. Juli 2015 - 21:41

Es ist für mich sowieso unverständlich, warum man sich gerade auf MFT festgelegt hat. Der Marktanteil ist, im Vergleich zu Canon, Nikon und Sony doch eher gering und genau so gering wären auch die Verkaufszahlen.

GW

Zahlen genauer ansehen

Eingetragen von
Gast
am Montag, 06. Juli 2015 - 18:38

CIPA:Quartalszahlen:
- DSLR weiterhin rückläufig (seit 2012)
- Mirrorless stagnierend
- Marktanteil Canon + Nikon >> alle Mirrorless-Anbieter zusammen.
Hinzu kommt der Zeiss-Effekt: Zeiss hat bereits die meisten Nischen belegt, die Schneider beliefern könnte.

Es gibt für Schneider einfach nicht mehr genügend lukrative Nischen auf diesem schrumpfenden Sektor.

Zeiss verdient sein Geld in der Rüstungsindustrie

Bild von Shitop
Eingetragen von
Shitop
(Inventar)
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 09:05

da kann man sich das Hobby Fotografie zur Imagepflege gut leisten, hat man doch Entwicklung und Produktion an Fremdfirmen vergeben und konzentriert sich auf díe Entwicklung schräger Objektivnamen. Der Absatz der ZM-Objektive liegt bei etwa einem Zehntel der Objektive von Leica. Und Leica hat einen Marktanteil von unter 0,5 %. Nur damit die Kirche mal im dorf bleiben kann.

Die ZM-Objektive

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 09:17

haben auch keinen unmittelbaren Anschluss an eine digitale Messsucherkamera. Nicht umsonst "erfindet" Zeiss aktuell eine, nein, mehrere Reihen von Objektiven, die auf diversen digitalen Plattformen Anschluss finden. Und: Leica verdient, ganz archaisch, mit Jägern und Sammlern ... 8-)

Schneider, Zeiss - bitte nicht!

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 10:08

Die Zeiss-Objektive konnte ich auf der Duisburger Fotomesse intensiv begutachten, der Demonstrator wollte sie unbedingt vorzeigen. Habe mich dann bequatschen lassen und so ein Otus auf meine edle Nikon gesetzt. Fünf Testfotos, dann dieses Teil schnell wieder abgenommen. Schreckliches Objektiv! Wenn Nikon - dann nur Original, da bin ich immer auf der sicheren Seite - und für das Otus-Geld erhalte ich bei Nikon ein AF-schnelles und präzises Top-Objektiv!

Shitop schrieb:

da kann man sich das Hobby Fotografie zur Imagepflege gut leisten, hat man doch Entwicklung und Produktion an Fremdfirmen vergeben und konzentriert sich auf díe Entwicklung schräger Objektivnamen. Der Absatz der ZM-Objektive liegt bei etwa einem Zehntel der Objektive von Leica. Und Leica hat einen Marktanteil von unter 0,5 %. Nur damit die Kirche mal im dorf bleiben kann.

Ja, bitte nicht

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 10:35

die sind zu gut für Sie ... vor allem das Otus. 8-)

Die Alternative!

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 15:29

Das Otus wäre mir keine 200 Euro wert! Für den Preis bekomme ich bereits ein sehr gutes und gebrauchtes AF-Nikkor!

Gast schrieb:

die sind zu gut für Sie ... vor allem das Otus. 8-)

Mein neues

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 16:10

1,8/50 zur Canon ist 120 Euro wert - das aber wirklich ... 8-)

Canon 1,8/50 mm

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 10. Juli 2015 - 14:26

Und das Canon ist bestimmt auch schärfer, als das Otus mit der Technik der Siebziger Jahre!

Gast schrieb:

1,8/50 zur Canon ist 120 Euro wert - das aber wirklich ... 8-)

Das Canon ist bestimmt nicht schärfer

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 10. Juli 2015 - 15:08

So wenig, wie das Otus auf 70er-Jahre-Technik baut ... aber das Canon ist sein Geld sicher zu mindestens 200% wert. 8-)

Stimmt

Bild von chris h
Eingetragen von
chris h
(Inventar)
am Samstag, 11. Juli 2015 - 08:26

Der Preis spiegelt die optische Leistung nicht annähernd. Wohltuende, unaufgeregte Simplizität, in Zeiten des großen Gegackers und der unverschämten Preise.

Ach Peter...

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 20:43

was war denn so schlimm am Otus? Komm schon, ein paar Details bist
Du uns schon schuldig! Wer gackert muss auch legen!

edee Nikon

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 20:49

Lach mich tot edle Nikon. Sie haben keine Ahnung von Qualität.

Wer Plastik eben mag

Eingetragen von
Falko Molitor
(Liebhaber)
am Mittwoch, 08. Juli 2015 - 08:52
Gast schrieb:

Lach mich tot edle Nikon. Sie haben keine Ahnung von Qualität.

Nun ja es gibt eben Liebhaber von Plastikmaterialien - so viel Toleranz muß sein! Irgendwann gibt es sicherlich auch Papiertextilien die bei entsprechender Marke für astronomische Summen verkauft werden können und nach einmal benutzen weggeworfen werden.
Hauptsache die Konformität und Uniformität stimmt und "ich" gehöre dazu.

"Aufgelöst jedwege Form, ein Dämmerlicht stumpfer Unsicherheit über einer gespenstischen Welt, tastet der Mensch, einem irrenden Kinde gleich, am Faden irgendeiner kurzatmigen Logik durch eine Traumlandschaft, die er Wirklichkeit nennt und die ihm doch nuur ein Alptraum ist" (Hermann Broch in "Die Schlafwandler")

Brrrr

Eingetragen von
Gast
am Mittwoch, 08. Juli 2015 - 20:21

Also bitte, die Nikon hat mich 5.800 Euro gekostet, eine Topkamera, die ist jeden Euro wert. Und daran soll ausgerechnet ein Otus-Wackeldackel? Brrrr

Gast schrieb:

Lach mich tot edle Nikon. Sie haben keine Ahnung von Qualität.

ZEISS

Bild von Sekundogenitur
Eingetragen von
Sekundogenitur
(Hausfreund)
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 19:42
Shitop schrieb:

Zeiss verdient sein Geld in der Rüstungsindustrie

ZEISS verdient sein Geld hauptsächlich mit Medizintechnik, Optik für die Halbleiter-Lithographie und industrieller Messtechnik.
Bitte nicht unrecherchiert unwahre Dinge behaupten.

Die Zahlen

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 07. Juli 2015 - 14:32

Wenn ich mir die Umsatzzahlen so ansehe, denke ich, das kann nur der weitgehende Wegfall der Groß- und Mittelformatschiene sein. Die "Ankündigungen" entpuppen sich damit eigentlich als 1. verzweifelte Versuche zur Erschließung neuer Bereiche, und 2. Versuchsballons zum Testen des Käuferinteresses.

Finde das alles etwas unflexibel. Schneider hatte eine umfangreiche Reihe von Objektiven für S16-Kinokameras, die -soweit überhaupt noch verfügbar- auf Industrieoptik (verschraubbare Blende) umgestellt wurden. Den derzeitigen Boom bei S16-Objektiven mit c-Mount zur Anpassung an mft-Kameras und kleine Kinokameras wie die d16 und BMPC etc verpassen sie einfach ganz locker, obwohl die Neuaufnahme der Produktion dieser Objektive bestimmt interessant wäre.

Thyl