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SLR Magic kündigt anamorphe Objektive für Videofilmer an

SLR Magic, Hersteller bezahlbarer Filmoptiken, hat ein neue Familie anamorpher Objektive angekündigt, die sich an unterschiedliche Bajonettanschlüsse adaptieren lassen. Anamorphe Objektive ermöglichen die Aufzeichnung eines besonders breiten Bildes ohne Beschnitt. Die jetzt angekündigten Objektive weisen eine Brennweite von 35, 50 und 70 Millimeter auf. Sie sollen noch im ersten Quartal 2016 erhältlich sein, Preise stehen noch nicht fest.

DSLRs und spiegellose Systemkameras ersetzen bei Filmmachern immer mehr klassische Filmkameras –nicht nur bei Low-Budget-Produktionen. Doch spezielle Filmobjektive sind recht kostspielig und meist erst ab einem fünfstelligen Betrag zu haben.

Dass es auch deutlich günstiger geht, zeigt unter anderem SLR Magic. Der Hersteller hat nun drei neue Objektive seiner „Anamorphot Cine“-Reihe vorgestellt. Sie erlauben die Aufnahme eines besonders breiten Bildes ohne Datenverlust durch Beschnitt der oberen und unteren Bildränder. Dazu stauchen anamorphe Objektive das Bild, bei der Wiedergabe oder in der Postproduktion wird der Film dann wieder entsprechend entzerrt.

Die neu vorgestellten „Anamorphot Cine“-Objektive stauchen das Bild um den Faktor 1,33. Sie ergänzen damit die anamorphen Optiken von SLR Magic, die um den Faktor 2 stauchen. Sie sind mit einem PL-Bajonett ausgestattet, lassen sich jedoch einfach an andere Bajonettanschlüsse adaptieren. Die neue Reihe besteht zunächst aus drei Objektiven:

  • SLR Magic Anamorphot Cine 35mm T2.4
  • SLR Magic Anamorphot Cine 50mm T2.8
  • SLR Magic Anamorphot Cine 70mm T4

Das 35er deckt einen Bildkreis entsprechend Super-35 ab (wie APS-C, Seitenverhältnis jedoch 16:9), die anderen beiden Objektive eignen sich auch für Kameras mit Kleinbildsensoren. Erstmals zu sehen sein werden die Objektive auf der BVE Expo in London vom 23. bis 25. Februar auf dem Stand von Atomos.

(Redaktion photoscala)
 

... die Aufzeichnung eines besonders

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 11. Februar 2016 - 15:46

" die Aufzeichnung eines besonders breiten Bildes ohne Beschnitt. "
Das verstehe ich irgendwie nicht. das Format ist doch vorgegeben, z.B. 16:9. Und wenn ich mehr auf das Bild haben möchte, nehme ich ein Weitwinkel.
Oder mache ich einen Denkfehler?

Ich hab das auch zwei mal

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 11. Februar 2016 - 17:23

Ich hab das auch zwei mal lesen müssen.
"Dazu stauchen anamorphe Objektive das Bild, bei der Wiedergabe oder in der Postproduktion wird der Film dann wieder entsprechend entzerrt."
Das heißt du kannst den Sensor der Kamera in seiner vollen Auflösung ohne Beschnitt und damit Verlust an Auflösung nutzen. Du filmst auf einen Sensor in 3:2 Seitenverhältnis einen 16:9 Film.

Ein echter Qualitätskommentar...

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 11. Februar 2016 - 17:24

...eine vorherige Beschäftigung mit der Materie wäre sicher hilfreich gewesen. Da reicht Wikipedia allemal.

Morph.

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 11. Februar 2016 - 20:13
Gast schrieb:

" die Aufzeichnung eines besonders breiten Bildes ohne Beschnitt. "

Die Technik stammt aus den großen Tagen der Filmindustrie, als Fred Astaire noch über die Leinwand steppte. Der klassische 35mm Film hat eine Kadergröße von etwa 18x24mm. Durch die Zusammenlegung von zwei Filmbildern entstand bekanntlich das Kleinbildformat. Von den 24mm Breite wurden aber mit der Erfindung des Lichttons noch 2mm abgesäbelt. Blieben also 18x22mm, was kaum für die Flimmerkiste reichte. Im Kino war aber bald die Breitleinwand der neue Quotenbringer. Um diese Leinwand mit Inhalt zu füllen, wurde eine ganze Reihe von Systemen entwickelt. Einige davon verwendeten anamorphe Objektive. Deren Optik war so gestaltet, dass sie das Filmbild in der Breite stauchte, in der Höhe aber unverändert ließ. Damit passte das breite Bild auf den schmalen Film. Die Projektion im Kino erfolgte dann über ein ebenfalls anamorphes Objektiv, sodass der Effekt wieder umgekeht wurde. Das heisst, das seitlich gestauchte Bild wurde wieder auf seine urprüngliche Breite entzerrt.

Das ganze noch mal in Zeitlupe zum Mitdenken:

Leinwandformat 1,85:1. In diesem Format wird gedreht. Der 1.5x Anamorphot vor der Kamera staucht es in der Breite um den Faktor 1,5, ergibt ein Seitenverhältnis von 1,23, das sind 18x22,2mm. Passt perfekt auf unseren Kinofilm. Der Anamorphot vor dem Projektor dehnt das Bild in der Breite um den Faktor 1,5. Es hat wieder ein Seitenverhältnis von 1,85 und passt perfekt auf die Standard Kinoleinwand.

Da Bildinhalte gestaucht und gedehnt werden, nimmt die effektive horizontale Auflösung um diesen Faktor (plus dem was die Optik verbricht) ab. Bei einem digitalen Workflow kommt die anamorphe Optik nur bei der Aufnahme zum Zug, das Entzerren erfolgt am Computer. Allerdings ist man bei heute existierenden Kameras nicht mehr an ein Seitenverhältnis gebunden, da die aktuellen Sensoren so viele Pixel haben, dass die Hälfte noch locker reicht. Selbst 4K hat nur 8 Megapixel. Da wird eher die Frage schlagend, wie gut sich die fernöstliche Billigoptik hier schlägt. Ultra High Definition macht nur Sinn, wenn das was am Ende der Kuh raus kommt, wirklich noch scharf ist.

Anamorphic bokeh

Bild von Sekundogenitur
Eingetragen von
Sekundogenitur
(Hausfreund)
am Donnerstag, 11. Februar 2016 - 21:11

Nach Aussage von ZEISS, dem Hersteller der von ARRI eingesetzten Master Anamorphic Objektive, bieten diese Optiken nicht nur die Möglichkeit der breiten Filmaufzeichnung auf einem schmaleren Sensor (Cinemascope), sondern zeichen sich auch durch ein besonders angenehmes anamorphotisches Bokeh aus:

ZEISS/ARRI Master Anamorphic Lenses

Gruß

MR

Auch die Chipindustrie setzt in Zukunft ...

Bild von Sekundogenitur
Eingetragen von
Sekundogenitur
(Hausfreund)
am Donnerstag, 11. Februar 2016 - 23:46

auf anamorphotische Projektionssysteme:

What do Quentin Tarantino and ASML have in common? Anamorphic lenses.

Gruß

MR