Ich wollte nur meine Stimmung mit der von Paris in Einklang bringen. Schönheit tut weh, und wenn es am meisten weh tat, löste ich aus.

— Ernst Haas

Pressefotografie: Aktualität wird wichtiger, Qualität unwichtiger

Pressefotografie wird für Pressefotografen immer mehr zum brotlosen Geschäft. Der ungebrochene Trend zu mehr Aktualität und weniger Qualität setzt der Branche zu; gegen den Smartphone-Nutzer vor Ort ist schwer anzukommen:

Neue Internatplattformen ermöglichen es jedem Smartphone-Nutzer, seine Schnappschüsse direkt an die Medien zu verkaufen. „Die Welt ändert sich. Wie andere Berufsgruppen auch, müssen wir uns weiterentwickeln. Wer nur abwartet und jammert, wird untergehen“, sagt der Schweizer Pressefotograf Thomas Studhalter.

Die andauernd besser werdenden Kameras der Smartphones haben dazu geführt, dass Amateurfotos langsam Einzug in die Medien halten. Apps wie Scoopshot oder Tackable befördern diesen Prozess. Jedes Foto kann damit direkt an Medienunternehmen verkauft werden. Die Preise bewegen sich typischerweise bei etwa 30 Euro pro Aufnahme. „Das ist gar nicht so schlimm. Große Fotoagenturen setzen die Fotografen viel stärker unter Druck. Sie zahlen üblicherweise nur wenige Cent pro Foto. Außerdem zerstören sie im Gegensatz zu den Amateuren auch das lukrative Geschäft mit den Magazinen“, so Studhalter.

Tagesaktuelle Medien zahlen seit jeher verhältnismäßig wenig für Fotos. Durch den wirtschaftlichen und zeitlichen Konkurrenzdruck aus dem Internet bricht der Markt aber zusehend zusammen. „Auch bei Qualitätsmedien spielt die Qualität der Fotos immer seltener eine Rolle. Schnelligkeit ist alles, was zählt“, so Studhalter. Auch an anderer Front bedrängt die technische Entwicklung die Fotografen. „In wenigen Jahren wird die Qualität von Videoaufnahmen so gut sein, dass man perfekte Standbilder extrahieren kann. Dann werden keine Fotografen mehr ausgeschickt, sondern nur noch VJs“, glaubt Studhalter.

Durch die Veränderungen im Geschäft mit Pressefotos tun sich auch Chancen für Fotografen auf. „Die Wirtschaft grenzt sich gerne von den tendenziellen schlechter werdenden Pressefotos ab. Hier gibt es Möglichkeiten für Fotografen. Der Nachwuchs sollte außerdem auch bewegte Bilder schießen lernen. In Zukunft werden sich auch in der direkten Zusammenarbeit mit Online-Portalen neue Geschäftsfelder auftun. Ich bin optimistisch“, sagt Studhalter. Auch technisches Know-how zahlt sich laut dem Profi aus. 3D-Fotografie und Panoramafotos beispielsweise eröffnen neue Märkte.

(pte / Markus Keßler)
 

Pressefotografie...

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Gast
am Mittwoch, 19. Oktober 2011 - 18:14

Ein Satz ist mir besonders hängengeblieben:

>> Der Nachwuchs sollte außerdem auch bewegte Bilder schießen lernen. <<

Vor Wochen in einer schwedischen Tageszeitung (Onlineausgabe) gesehen und vor kurzem im „Spiegel“. Auf dem Tisch eines zu interviewenden Gegenübers auf einem Ministativ stand eine aktuelle Systemkamera oder DSLR, wo das komplette Interview gleich in Full HD auf Video aufgezeichnet wurde. Eben nicht irgendwelchen Dreck mit dem „Häääändi“ zusammengewackelt. Zur Sicherheit und einem möglicherweise (technisch) besserem Ton, stand zusätzlich noch ein digitales Diktiergerät auf dem Tisch. Was den Interviewer nicht hinderte, die eine oder andere Notiz auch in einen gewöhnlichen Block zu schreiben. Das Porträt schießt man dann noch schnell nach dem Interview. In diese Richtung wird es noch viel mehr gehen. Und dann ist es nicht mehr „nur“ Photoshop oder eine EBV der freien Wahl. Da muss man sich ganz schnell auch „ein bisschen“ Videoschnitt beibringen.

Man darf auch Youtube benutzen, um ein kurzes Filmchen vom Aufhängen der Ausstellungsfotos mit ein paar begleitenden Worten ins Netz zu stellen. Gesehen hier:

http://www.michaelklevenhaus.de/

JJ

Solang

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Gast
am Mittwoch, 19. Oktober 2011 - 22:12

der Nachwuchs nicht auch noch schießen lernen muss, sollten wenigstens die Sitten gewahrt bleiben ... 8-)

Jo

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Gast
am Mittwoch, 19. Oktober 2011 - 18:41

genau so isses.

Es gibt noch andere

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Der Spanier. Viva.
(Inventar)
am Mittwoch, 19. Oktober 2011 - 22:53

Es gibt noch andere Fachgebiete im Bereich der Fotografie, die hier leider unter den Tisch fallen. Ich denke nicht, dass es ein 'entweder/oder' geben wird, sondern eher ein Auffächerung der Anwendungen und eine Orientierung nach Anforderung der Zielgruppen.

Digitalfotografie war schon immer auf Schnelligkeit ausgelegt, nie auf Präzision. Somit ist die Entwicklung im Pressebereich nur eine logische Konsequenz dessen, was bereits vor über 10 Jahren losgetreten wurde.

Digitalfotografie war schon

Eingetragen von
Globres
(Liebhaber)
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 09:10

Digitalfotografie war schon immer auf Schnelligkeit ausgelegt, nie auf Präzision.

Mode-. Produkt-, Reisefotografie wird also grundsätzlich unpräzise und unprofessionell digital produziert? Eine wohl sehr einseitige Betrachtung der Realität.
Im Bereich der tagesaktuellen Pressefotografie haben Sie, leider, recht.

Nicht ganz!

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 19:55
Globres schrieb:

Digitalfotografie war schon immer auf Schnelligkeit ausgelegt, nie auf Präzision.

Mode-. Produkt-, Reisefotografie wird also grundsätzlich unpräzise und unprofessionell digital produziert? Eine wohl sehr einseitige Betrachtung der Realität.
Im Bereich der tagesaktuellen Pressefotografie haben Sie, leider, recht.

Auch zu analogen Zeiten war die tagesaktuelle Pressefotografie auf Schnelligkeit mit wenig Qualität ausgelegt. Dies ist keine Folge der Digitalisierung der Fotografie!

Sein und Schein, Können und Müssen

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 11:26
Der Spanier. Viva. schrieb:

Digitalfotografie war schon immer auf Schnelligkeit ausgelegt, nie auf Präzision.

Digitalfotografie erlaubt Schnelligkeit. Man kann auch digital präzise fotografieren. Man muss sich dabei nur beherrschen und nicht dem Tempowahn verfallen. Ausserdem gestattet die Digitalfotografie, kostenlos Tausende Fotos zu schiessen und damit aus einer grösseren Auswahl die besten Bilder zu wählen. Ob man damit nur noch Ramsch produziert liegt nur am Fotografen und seiner Disziplin.

Zum Thema Video vs Standbild

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 09:07

Siehe http://bythom.com/2011%20Nikon%20News.htm
("Video, the Killer")

"As of 2007, over 90% of the top 100 US newspapers had video presence on their Web site, and this was propelling requests for video in the still cameras newspapers bought. But an AP study of 100 US newspapers earlier this year shows that most are cutting down on their Web video presence and laying off video journalists. "

Ich persönlich mag keine Videos, wenn ich einen Artikel lesen will. Ich bevorzuge Fotos. Fotos sind einfach schneller auf den Punkt. Und hier liegt ja gerade die Kunst.

In dem Zusammenhang frage

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Der Spanier. Viva.
(Inventar)
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 10:08

In dem Zusammenhang frage ich mich, welchen Sinn die Entwicklung der neuen Canon 1D x macht. Für lausige Qualität ist sie viel zu teuer, lange Teles oder Zooms gehen richtig ins Geld, was offenbar kein Pressefotograf je wieder erwirtschaften kann. Eine Fuji HS 20 wäre da flexibler und den Boliden haushoch überlegen. Offenbar muss aber ein Image gepflegt werden: Ohne weisse Monster-Tüten ist 'man' in dem Bereich ein Amateur.

Welch Wahnsinn, der sich da abspielt... Ich bin heilfroh, nicht in dem Bereich arbeiten zu müssen.

Wenn Qualität keine Rolle mehr spielt, dann frage ich mich allen Ernstes, welchen Sinn diese überteuerten Knipsen überhaupt noch haben, denn für Architektur, Mode, Dokumentation, Industrie gibt es PhaseOne & Co mit mehr Auflösung. Da kommt es auf Geschwindigkeit nicht an, sondern auf Präzision.

Und bei dem Paradigmenwechsel nach Erscheinen der Lightfield Kamera zählen in Zukunft keine Megapixel mehr, sondern Megarays, die einer einfachen pixelbasierten Lösung überlegen sind.

Das wird richtig spannend werden. Ein Grund für mich, die Entwicklung einfach abzuwarten und mit vorhandenem Equipment weiter zu arbeiten.

Der Spanier. Viva. schrieb:

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 11:18
Der Spanier. Viva. schrieb:

lange Teles oder Zooms gehen richtig ins Geld, was offenbar kein Pressefotograf je wieder erwirtschaften kann.

Diese Ausrüstung ist ja auch für feiste Rentner, die damit auf Safari gehen oder - schlimmer - in den Zoo.

Der Spanier. Viva. schrieb:

Welch Wahnsinn, der sich da abspielt... Ich bin heilfroh, nicht in dem Bereich arbeiten zu müssen.

Wie allseits bekannt arbeiten Sie gar nicht sondern sind Hartzer.

Der Spanier. Viva. schrieb:

Ein Grund für mich, die Entwicklung einfach abzuwarten und mit vorhandenem Equipment weiter zu arbeiten.

Die neuen Casio Exilims bieten auch nicht viel mehr als die alte, die Sie haben.

Digitalisierte Dias mit

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Der Spanier. Viva.
(Inventar)
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 13:34

Digitalisierte Dias mit einem Format von 25.800 x 7.200 Pixeln @ 48bit Farbtiefe dürften wohl kaum aus einer Kamera stammen, die Sie Kleingeist kennen.

Huch?!

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Gast
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 13:39

Was ist denn mit Dir passiert, dass du jetzt auf einmal nur noch von 48 Bit schwadronierst? Letztes mal lief bei Dir unter 64 Bit doch gar nichts, erst bei 3x256 Bit wollteste mal gucken, wie das mit dem Digital so geht....

Schwachkopf.

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Der Spanier. Viva.
(Inventar)
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 14:22
Zitat:

erst bei 3x256 Bit wollteste mal gucken, wie das mit dem Digital so geht....

Schwachkopf.

Der Spanier. Viva. schrieb:

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Eingetragen von
Der Spaniel
(Ehrengast)
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 19:17
Der Spanier. Viva. schrieb:
Zitat:

erst bei 3x256 Bit wollteste mal gucken, wie das mit dem Digital so geht....

Schwachkopf.

Jetzt aber bitte nicht pampig werden!

Der Spaniel. Wau!

Der Spanier. Viva. schrieb:

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Eingetragen von
Der Spaniel
(Ehrengast)
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 19:15
Der Spanier. Viva. schrieb:

Digitalisierte Dias mit einem Format von 25.800 x 7.200 Pixeln @ 48bit Farbtiefe dürften wohl kaum aus einer Kamera stammen, die Sie Kleingeist kennen.

Hast Du deine Casio nicht mehr?

Der Spaniel. Wau!

Schwächen sichtbar..

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 12:04

Das alles kommt mir bekannt vor. Das dauert noch Jahre, die Qualität reicht nicht und so weiter. Ich rede von der Einführung der ersten digitalen Kameras.

Momentan läuft genau das Selbe in der Automobilindustrie mit den elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Mit allen Mitteln wird dort das Neue schlecht gemacht, weil man selbst in der Entwicklung anderer Konzepte geschlafen hat.

Ich bestelle mir jedenfalls kein neues Auto weil es sicher ist das es in wenigen Monaten unverkäuflich in der Ecke verrottet weil sich niemand dafür interessieren wird wenn ich es wieder verkaufen möchte. Schneller kann man sein Geld nicht vernichten wie mit einer falschen Investition.

Genau so haben es die Zeitungsverlage verschlafen auf die digitale Welt entsprechend zu reagieren. Wer sich von zufälligen Dingen wie ohne Auftrag entstandener Fotos oder Berichte abhängig macht, der muss sich über die Reaktion der Abonnenten nicht wundern.Wer seine eigene Arbeit sabotiert ist selber schuld.

Wenn ich als Selbstständiger mit Sport- Pressefotografie zu tun hätte würde ich sofort aufhören. Es hilft nicht zusätzlich ein Filmchen zu drehen, denn dieses kann das Smartphone genau so gut und es bringt eben so wenig ein vernünftiges Honorar.

Online Portale und damit als Fotograf Geld zum Leben verdienen? Mein Gelächter kann jeder ohne digitalen Verstärker bis nach China hören.

Der Spanier hat Recht mit seiner Einschätzung das sich zukünftig Präzision und fotografische Qualität durchsetzen wird. So Dinge wie 3-D Rendering oder Panorama Drehteller sind schöne Spielzeuge für Wenige. Sie sind sicher nicht ein allgemeines Rettungssystem.

So lange es Anwender gibt die sich einbilden Fotograf zu sein weil sie den Auslöser gefunden haben, so lange werden die Druckerbesitzer glauben sie seien Journalisten oder wenigstens Herausgeber wichtiger Informationen.

Es darf bei uns Gott sei Dank jeder machen was er will, ob er es gelernt hat oder nicht spielt dabei keine Rolle. Das dieses System auch seine Schwächen hat sieht man an allen Ecken und Enden. Momentan sieht man gerade die Schwächen besonders deutlich.

Ist ja nicht so

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Gast
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 12:47

dass Qualität gar nix mehr zählt - nur findet halt ein permanentes, von außen gesteuertes, Downgrading statt; dem beispielsweise auch schon das Niveau der Schreibe zum Opfer gefallen ist. Glücklich, wer dabei noch nicht unter die Räder gekommen ist. Was man aber auch ein wenig selbst in der Hand hat ...

Mal langsam mit den jungen Pferden...

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 13:28
Zitat:

ungebrochene Trend zu mehr Aktualität und weniger Qualität

Aktualität ist auch eine Form von Qualität. Nehmen wir z.B. die verheerenden Ereignisse in Japan. Erdbeben und Tsunami passierten am Freitag nach Redaktionsschluss der Samstagsausgabe. D.h. am Samstag stand davon nichts in der Zeitung. Am Sonntag gab's erst keine Ausgabe und am Montag... da war die Lage bereits eskaliert. Wollten wir wirklich dann noch die Vorabmeldung lesen: "Japan wurde von einem schweren Erbeben getroffen"? Und was nützen uns da künstlerische Fotos vom Fotografenmeister, meinetwegen auch aus einer Profi-Nikon D3X D3s & Co, wenn die Bilder im Moment der Veröffentlichung schon aus einer grauen Vorzeit stammen?

Es waren die Videos der Fotofans mit den Immerdabeikameras, die die Tsunamiwelle gefilmt und so dokumentiert haben. Kein einziges professionelles Filmteam hat es geschafft, in der Zeit, wo die Welle am Horizont sichtbar wurde bis sie Schiffe an Land gespült und Häuser weggerissen hat, ein Stativ aufzubauen -- geschweige denn rechtzeitig an der Location zu sein.

Auch die Notlandung im Hudson-River wurde von lausigen Überwachungskamera gefilmt. Die Fotos hinterher vom Flugzeug im Wasser waren zwar nett, aber nicht so dramatisch wie die Landung selber...

Mal voll eine in die Presse hauen.

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 15:05

Ich darf die p.t. Community beruhigen. Auch dieser Kopfschmerz geht vorbei. Ich habe einmal ein x-beliebiges dieser Handyfotografenportale besucht. 80% der Bilder waren Autowracks am Straßenrand vom Unfall vor zwei Tagen. Soviel zur Aktualität. Wäre ich Träger eines Hutes, würde ich denselben dann ziehen, wenn gerade ein Bolide durch die Luft segeln würde. Wenn es schon unbedingt Katastrophenvoyeurismus sein muss. Und das muss es offensichtlich, wenn man sich die jährlichen World Press Photos ansieht.

Als die ersten PCs unter umgerechnet € 5.000 fielen, hat sich jeder Abiturent mit Papas Urlaubsgeld als "Computerfachhändler" selbstständig gemacht. Zwei Jahre später fuhr er einen Porsche, fünf Jahre später ein Fahrrad, das er am Gerichtsvollzieher vorbei geschleust hatte. Marktbereinigung eben. Wer heute noch im Geschäft ist und bei den aktuellen Gewinnmargen Profit raus holt, hat wohl begriffen, dass man bei Geschäftskunden mit Service und Beratung besser punktet als bei Wühltischdesperados mit Centpreisen.

Genau so liegt heute das Geld bei Microstocks auf der Straße, aber es sind Münzen, keine Scheine. Und bei weitem nicht jeder der sich bückt wird auch nur seine Fixkosten abdecken. Warten wir ab, bis die Gerichtsvollzieher mit denen fertig sind und sehen wir mal, welches Geschäftsmodell dann auf diesem neuen Ökosystem gedeihen mag.

Ah ja, übrigens

> Aktualität wird wichtiger, Qualität unwichtiger
oder
> Digitalfotografie war schon immer auf Schnelligkeit ausgelegt, nie auf Präzision.

Die ganz ausgeschlafenen unter uns werden sich vielleicht noch an den "Mexikanischen Koffer" mit verloren geglaubten Negativen von Gerda Taro, David Seymour und Robert Capa http://museum.icp.org/mexican_suitcase/ erinnern. Das sind Aufnahmen von enormer zeitgeschichtlicher Bedeutung, weil sie einen unzensurierten Blick in den Kriegsalltag republikanischer Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg liefern. Aber die fotografische Qualität ist teilweise auf einem Niveau, welches heute in jedem Anfängerforum tot geprügelt würde. Und Robert Capa und seine Mitstreiter waren garantiert keine bekifften Digitalknipser mit direkter Standleitung vom Handy zum Facebookaccount. Damals war ganz einfach Authentizität wichtiger als Qualität und im Krieg kann man es sich ohnehin nicht aussuchen. Und die Kameras, welche die Drei verwendet haben, waren schlicht die iPhone Kameras der Dreissiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Klein, einfach, immer dabei, immer schussbereit. Während z. B. ein "richtiger Fotograf" wie Ansel Adams zu gleicher Zeit mit Großformatkamera und Stativ unterwegs war. Der hatte aber auch weniger Stress bei der Arbeit.

Das war schon früher so...

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Gast
am Donnerstag, 20. Oktober 2011 - 16:39

Aus dem Leben gegriffen:
Anruf einer Redaktion einer großen deutschen Tageszeitung gegen 13:30 :"um 14.00 im Hotel xyz wartet ein Redakteur für ein Interview mit Promi "abc", sie machen die Bilder. Auf dem Rückweg noch schnell in einer Galerie vorbei, da ist eine Vernisage, da brauchen wir auch ein Bild. Redaktionschluß ist 17:00, bis dahin bitte die Bilder auf dem Tisch"

Also ins Auto und los.
14:00 den Promi im Hotel abgelichtet
15:00 (scheiß Stau) ein paar Bilder in der Galerie gemacht
15:40 zu Hause, Film entwickelt und mit Fön getrocknet, Vergrößerer angeworfen und ein paar Abzüge gemacht; entwickelt, mit Fön...
16:20 ins Auto, Bilder zur Redaktion, kurz vor 17:00 dem Redakteur auf den Tisch gelegt, zurück am Auto Strafzettel über 10.- wegen Parken im Halteverbot...

Ach ja, das Galeriebild wurde nicht gebracht, da kam Tagesaktuell etwas dazwischen, der Platz wurde anderweitig benötigt.
Von dem Promi wurde ein Bild gebracht, das ergab ein Honorar von damals DM 30.-
Für diese horrenden Honorare musste man als Fotograf eine Kamerausrüstung haben, eine Dunkelkammerausrüstung, ein Fahrzeug, sich selber versteuern und versichern... und die Strafzettel natürlich auch selber zahlen... und dann so profane Dinge wie Miete, Essen und Trinken...

Wer gut war, hatte pro Tag im Monatsschnitt 2 Veröffentlichungen, das gab bei 7 Tage Woche gerade mal um die DM 1800.- Rohertrag... viele waren aber nicht so gut...

Heute gibt es € 30.-/Bild...

Pressefotografen haben schon vor Jahrzehnten von ihrem Archiv gelebt, nicht von der reinen Pressefotografie - zumindest nicht die in normalen deutschen Großstädten... die in Bonn oder Berlin hatten es da eh schon etwas besser, dafür aber auch mehr Konkurrenz.

Ich habe sehr schnell dieses Geschäft aufgegeben und mich spezialisiert, und ich kenne keinen reinrassigen Pressefotografen, mit dem ich tauschen möchte. Bis auf wenige Ausnahmen waren und sind das allesamt arme Schweine. Wobei ich mit Pressefotograf reine Tageszeitungsfotografen auf freiberuflicher Basis meine, die paar festen Stellen bekamen bei uns die Söhne der Redakteure und die Krönung war eine Stelle bei einem Magazin.

Soweit nichts neues

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 21. Oktober 2011 - 12:11
Zitat:

Die Welt ändert sich [...] Durch den wirtschaftlichen und zeitlichen Konkurrenzdruck aus dem Internet bricht der Markt aber zusehend zusammen. [...] Schnelligkeit ist alles, was zählt

Diese Art Zusandsbeschreibungen hört, bzw. liest, man doch nun bereits seit mehreren Jahren.

Zitat:

Der Nachwuchs sollte außerdem auch bewegte Bilder schießen lernen.

Ein ganz besonders heißer Tipp. Fürs bewegte Bilder schießen sind bereits genügend "freie" Kameraleute vorhanden, die, wen wunderts, das gleiche Lied vom "wirtschaftlichen und zeitlichen Konkurrenzdruck" angestimmt haben.