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Kunst kann nicht durch hübsch ersetzt werden.
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Nie ist die Nacht ganz Dunkel
Ist man nachts dem Wesen der Dinge näher? So fragt man sich, wenn man in „Bangkok Noir“, einem Buch über das nächtliche Bangkok, blättert. Ralf Tooten fotografierte Roger Willemsen steuerte einen wundervollen Text bei:
Fotografie ist manchmal so etwas wie ein Rufer in der Dämmerung. Taucht auf, aus dem Nichts. Chimäre, ein Bild, das sich aus der Dunkelheit formt oder in der Dämmerung zu versinken droht. Der Fotografie ist das Dunkel manchmal Licht genug, Finsternis ist für sie der Ort luzider Welterkenntnis. Nie ist die Nacht ganz Dunkel, nie ist der Schleier der Dämmerung undurchdringlich, nie ist die Finsternis vollkommen. Licht ist immer, überall.
Roger Willemsen und Ralf Tooten
„Bangkok Noir“ ist ein Fotobuch des 1958 geborenen, seit einigen Jahren in Bangkok arbeitenden Fotografen Ralf Tooten. Ein Buch, das ganz der Nacht, der Finsternis zugetan ist. Ist man nachts dem Wesen der Dinge näher? Fragt man sich, wenn man in dem Band blättert. Er versammelt Streifzüge durch die Stadt, fixiert verborgene Bilder im Zwielicht. 300 Fotografien des „Hasselblad Master Award“-Preisträgers von großer suggestiver Kraft begleitet von einem Essay Roger Willemsens, der drei Monate lang in der Stadt gelebt hat.

Fotos: Ralf Tooten
Wir sehen eine dunkle, reichlich exotische Welt der Nachtclubs, Karaoke-Bars und Massage-Salons, bestaunen die Kämpfer in den Kickbox-Studios, streifen über Nachtmärkte, beschauen Tempel, schwimmende Restaurants, Armenviertel, Ambulanzen und riesige Baustellen. Da gibt es Wahrsager, Tätowierer, Glücksspieler, Garküchen, die Insekten grillen, Elefanten, die im Ödland unter Brücken kampieren, ja sogar einen „Penis-Schrein“, der auf Opfergaben wartet. Ein schillernder nächtlicher Kosmos der Absonderlichkeiten Südostasiens nur wenige Flugstunden von Mitteleuropa entfernt.

Was das Buch zu etwas Besonderem macht ist die Kombination aus Bild und Text. Beides zusammen ergibt ein kleines Kunstwerk, eine flirrende Momentaufnahme, eine Hommage an das „schwarze Bangkok“, an das nächtliche Leben, das Leben selbst. Ein Reisebericht der anderen Sorte, den zu lesen größtes Vergnügen macht.
(Marc Peschke)
Buch:
Roger Willemsen, Ralf Tooten
Bangkok Noir (bei amazon.de)
368 Seiten
S. Fischer Verlag, September 2009
ISBN 978-3-10-092106-2
€ 26,95
Zum Thema:
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Nur wenige Flugstunden von Mitteleuropa,
aber dennoch Welten entfernt, wo für Geld Alles möglich ist und ohne Nichts. Abseits der Neonlichter der Vergnügungstempel kann die Nacht auch in Bangkok ziemlich schwarz sein. Nicht alle Sois (Nebenstraßen) verfügen über Straßenlampen und manchmal werden sie von genauso schwarzen Klongs (Kanälen) gesäumt, in die man weder Tags noch Nachts fallen möchte. Nichts ist in Bangkok, wo die schönsten Frauen Männer waren, wie es scheint und dennoch immer spannend.