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Im Nebensächlichen das Typische: Peter Rigaud fotografiert Wien
Die schönsten Fotobücher sind jene, die gar nicht viele Worte nötig haben. So wie dieses: ein kleines Taschenbuch, mit dem schlichten Titel „Wien. Vienna“
Als eine Liebeserklärung will der Fotograf Peter Rigaud den Band verstanden wissen. Und das ist er wohl auch: eine Liebeserklärung an eine Stadt. Besonders an ihre, wie Rigaud in seinem kurzen Vorwort schreibt, „Ecken und Kanten“.

Rigaud, geboren 1968 in Salzburg, der für viele renommierte Magazine fotografiert, flaniert durch die Bundeshauptstadt und findet im Nebensächlichen das Typische: Da kuschelt sich ein Pärchen aneinander, verschwindet hinter einer Zeitung, da spielt ein Vater mit seinen Töchtern in sommerlicher Idylle Minigolf, da liegen zwei Sonnenanbeter im Gras, blicken über die Stadt. Einige Seiten weiter sehen wir ein Tablett mit Wiener Kaffee-Spezialitäten von oben fotografiert. Der Naschmarkt im Winter, DJs im Nachtleben, prächtige Theaterlogen, all das zeigt Rigaud auf eine ungewöhnlich freie Art und Weise.

Mal streng komponiert, dann schnell geschossen, sehr unterschiedlich sind die fotografischen Techniken Rigauds, der sich augenzwinkernd nicht davor scheut, die Wien-Bilder im Kopf, die Klischees über die Stadt zu bedienen. Die Kaffeehäuser mit ihrem ehrwürdigen Personal, die Würstl-Stände, die Theatergäste, die vielen alten Wirtshäuser, die Spanische Hofreitschule, die, wie es hier heißt, „Gastgärten“, überhaupt, der Kult um alles Kulinarische all das ist hier zu sehen. Aber eben auch noch viel mehr. Und das zu einem wirklich sehr günstigen Preis. Ein Buch für Wien-Liebhaber und solche, die es werden wollen. Drei kurze Essays von Clarissa Stadler, Bert Gamerschlag und Michael Frank runden den überaus lohnenswerten Band ab.
(Marc Peschke)

Peter Rigaud
Wien Vienna (bei amazon.de)
Gebunden. 208 Seiten
echomedia Verlag. Wien 2008
ISBN 978-3-901761-94-2
14,90 Euro
Zum Thema:
- Jude sein - Vienna Jewish Identity Project. Fotografien von Peter Rigaud; Wien
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