Ich hatte gerade die Leica entdeckt. Sie wurde zur Erweiterung meines Auges und ich war nie mehr von ihr getrennt seit ich sie fand.

— Henri Cartier-Bresson

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Gegenlicht

Foto Kurt Blum, Stahlwerke Cornigliano, Genua, 1959Der in Bern geborene Kurt Blum (1922–2005) zählt zur Avantgarde der Schweizer Fotografie der Nachkriegszeit. Jetzt ist erstmals eine umfassende Gesamtschau seines fotografischen Werkes zu sehen:

Pressemitteilung der Fotostiftung Schweiz:

Gegenlicht. Kurt Blum – Fotografien

Fotostiftung Schweiz, Winterthur, 9. Juni bis 14. Oktober 2012

Der in Bern geborene Kurt Blum (1922–2005) gehört zu den herausragenden Schweizer Fotografen der Nachkriegszeit. Neben zahlreichen Reportagen für illustrierte Zeitschriften schuf er ab den 1950er-Jahren auch freie künstlerische und experimentelle Arbeiten, die er in Ausstellungen und Büchern präsentierte. Schwerpunkte in seinem Schaffen sind die ab den späten 1940er-Jahren entstandenen Künstlerporträts, größere Werkgruppen zu den Themen Tanz und Oper sowie eine intensive fotografische und filmische Auseinandersetzung mit Industrie und Arbeit. Dabei verstand sich Blum immer als Künstler und kämpfte für die Anerkennung der Fotografie als eigenständiges künstlerisches Medium. Über das Dokumentarische hinaus suchte er den persönlichen Ausdruck, den atmosphärisch dichten Augenblick, den bewusst gestalteten fotografischen Abzug. Damit gehörte Blum zur Avantgarde der Schweizer Fotografie und es erstaunt nicht, dass er Anfang der 1950er-Jahre auch im Kreis der «subjektiven fotografie» um Otto Steinert in Deutschland eine Rolle spielte.
 

Foto Kurt Blum, Mailand, 1956

Kurt Blum, Mailand, 1956
© Kurt Blum / Fotostiftung Schweiz

 
Kurt Blum verdiente ab 1943, nach einer Lehre bei Eugen Fehlmann in Burgdorf, seinen Lebensunterhalt als Fotograf der Schweizerischen Landesbibliothek in Bern. Daneben entwickelte er eine Leidenschaft für die Kunst und ließ sich von der Dynamik einer aufstrebenden Berner Kunstszene mitreißen und inspirieren. Durch die Bekanntschaft mit Arnold Rüdlinger, dem damaligen Leiter der Kunsthalle Bern, kam er darüber hinaus in Kontakt mit bedeutenden internationalen Künstlern seiner Zeit, von denen er viele in ihren Ateliers fotografierte. So entstand eine einmalige Porträtserie von Künstlern wie Pablo Picasso, Alberto Giacometti, Willem de Kooning, Mark Rothko und Sam Francis, die er 1994, zusammen mit Bildern der Berner Szene, als Buch mit dem Titel Au milieu des artistes veröffentlichte. Nach einem Intermezzo als Experte für Fotografie und Film für die UNESCO in Pakistan (1957/58) arbeitete Kurt Blum für große Industriebetriebe in Norditalien, was 1959 zum Buch Pictures of a Factory führte (deutsch Lebendiger Stahl, 1960), in dem er mit kontrastreichen Schwarzweiß-Fotografien ein funkensprühendes, beinahe infernalisch wirkendes Bild eines Stahlwerks entwarf. Unter ebenfalls schwierigen Lichtverhältnissen entstanden danach in den großen Opernhäusern der Welt Aufnahmen zum Buch J'aime l'Opéra (1962). Das in der Reihe J'aime... (deutsch Eintritt frei:...) der Editions Rencontre herausgegebene und von Jacques Plancherel gestaltete Buch zeigt eine Art strahlende Gegenwelt zur dunklen Fabrik, ist aber vom gleichen, subjektiven Gestaltungswillen des Fotografen geprägt.

Blum beschäftigte sich auch intensiv mit dem Film und bereits in einem seiner ersten Versuche, L’uomo il fuoco il ferro (deutscher Verleihtitel Symphonie in Stahl,1960), gelingt Blum zur mitreißenden Musik von Sergej Prokofjew ein meisterhafter, farbig-abstrakter Experimentalfilm im Cinemascope-Format. Daneben experimentierte Kurt Blum immer auch mit dem Medium Fotografie und versuchte seine technischen Fähigkeiten, sein visuelles Vokabular und seinen gestalterischen Horizont zu erweitern. Inspiriert von Versuchen der Fotopioniere des 19. Jahrhunderts, der Künstler des Surrealismus und Fotografen aus dem Kreis der «subjektiven fotografie», beschäftigte er sich deshalb auch vertieft mit Fotogrammen und Lichtzeichnungen, die er 1997 erstmals als Großformate im Kunstmuseum Solothurn ausstellte.
 

Foto Kurt Blum, Stahlwerke Cornigliano, Genua, 1959

Kurt Blum, Stahlwerke Cornigliano, Genua, 1959
© Kurt Blum / Fotostiftung Schweiz
 
 
Foto Kurt Blum, Metropolitan Opera, New York 1960/61

Kurt Blum, Metropolitan Opera, New York 1960/61
© Kurt Blum / Fotostiftung Schweiz

 
Kurt Blum war kein Mann der großen Worte, sondern ein intensiver Bildermensch, ein sensibler, aber selbstbewusster Künstler und ein präziser Handwerker, der die klassische Fotografie nicht nur beherrschte, sondern sie bis an die Grenzen auslotete. Zwar ehrte ihn der Kanton Bern 1983 mit dem «Großen Preis für Photo und Film», doch eine umfassende Gesamtschau seines fotografischen Werkes kam Zeit seines Lebens nie zustande. Die Fotostiftung Schweiz holt dies nun nach – quasi zum 90. Geburtstag des Fotografen – mit einer Ausstellung und einer Begleitpublikation, welche auf der detaillierten Aufarbeitung und der wissenschaftlichen Erschließung des Kurt Blum-Archivs beruhen.

Die Ausstellung «Gegenlicht. Kurt Blum – Fotografien», kuratiert von Martin Gasser, zeigt neben wenigen Neuabzügen ab Originalnegativen ausschließlich Vintage-Prints aus dem Kurt Blum-Archiv, darunter auch eine Reihe von großformatigen Abzügen, die Blum für die Ausstellungen Photographie als Ausdruck (Helmhaus Zürich, 1955) und Fotoexperimente (Kunstmuseum Solothurn, 1997) produziert hat. Daneben geben Kontaktabzüge, Buchmaquetten und andere Dokumente einen vertieften Einblick ins Kurt Blum-Archiv, das seit 2008 von der Fotostiftung Schweiz betreut wird.
 

Foto Kurt Blum, Twist, New York 1962

Kurt Blum, Twist, New York 1962
© Kurt Blum / Fotostiftung Schweiz

 
Ausstellung:
Gegenlicht. Kurt Blum – Fotografien
9. Juni bis 14. Oktober 2012

Fotostiftung Schweiz
Winterthur

Begleitpublikation:
«Gegenlicht. Kurt Blum – Fotografien», Limmat Verlag, herausgegeben von der Fotostiftung Schweiz mit Texten von Nanni Baltzer, Martin Gasser, Sylvie Henguely, Thilo Koenig und Fred Zaugg (240 Seiten, ca. 200 Abbildungen in Duplex und in Farbe).
 

Foto Kurt Blum, Lichtzeichnung (Selbstporträt), 1986

Kurt Blum, Lichtzeichnung (Selbstporträt), 1986
© Kurt Blum / Fotostiftung Schweiz

 
(thoMas)
 

Sehr schön.

Bild von Der Spanier. Viva.
Eingetragen von
Der Spanier. Viva.
(Inventar)
am Donnerstag, 14. Juni 2012 - 19:42

Wieder Fotos, die mich dazu bewegen, einen Delta 100 in das Rollfilm-Rückteil meiner GF einzulegen.

Es kommt auf den Fotografen an

Bild von OhWeh
Eingetragen von
OhWeh
(Inventar)
am Freitag, 15. Juni 2012 - 09:53

Nicht auf den Delta im GF-Rückteil.

Und warum denn Rollfim? Wieso nicht 8 x 10 inch Planfilm?
Ist doch viel besser zum Angeben so ein Kontakt.
Sie stehen doch so darauf, dass Sie den größten haben.

OhWeh

Keine Ahnung, aber Labern!

Bild von Der Spanier. Viva.
Eingetragen von
Der Spanier. Viva.
(Inventar)
am Freitag, 15. Juni 2012 - 09:58
Zitat:

Wieso nicht 8 x 10 inch Planfilm?

Weil es den für 8x10 nicht gibt, nur bis 5x7. Aber zum 'Spielen' muss man doch keine grossen Formate nehmen, oder?

Und ich dachte schon,

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 15. Juni 2012 - 10:19

spielen und labern sei Sinn und Zweck der Übung.

Spielen mit kleinen Formaten

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Eingetragen von
OhWeh
(Inventar)
am Freitag, 15. Juni 2012 - 11:40
Der Spanier. Viva. schrieb:

Aber zum 'Spielen' muss man doch keine grossen Formate nehmen, oder?

Da stimme ich Ihnen zu, dazu reicht APS-C oder FT.

Von den noch verfügbaren Filmen habe ich tatsächlich keine Ahnung. Analog ist für mich zum Glück Vergangenheit, sowohl bei Foto als bei Audio.

OhWeh

OhWeh][quote=Der Spanier.

Eingetragen von
Plaubel
(Inventar)
am Freitag, 15. Juni 2012 - 11:59
OhWeh][quote=Der Spanier. Viva. schrieb:

Analog ist für mich zum Glück Vergangenheit, sowohl bei Foto als bei Audio.

OhWeh

Wenn man alt wird und schlechter sieht und schlechter hört reicht digitaler Murks vollkommen.

Ja, ja die Jungen - OffTopic

Bild von OhWeh
Eingetragen von
OhWeh
(Inventar)
am Freitag, 15. Juni 2012 - 12:17

In meinem Alter freut man sich nicht mehr über rumpeln, rauschen, knistern, kratzen. Nostalgie ist für junge Leute, die das alles nicht im Alltag mitgemacht haben, sondern verklären. Die auch keine 3% Verzerrungen beim Aussteuern in Kauf nehmen mussten, weil sonst der Geräuschspannungsabstand vom 38er Tonbandgerät unter 60dB war. Die gar nicht wissen, dass eine Kanaltrennung von 30db bei 1kHz gemessen so ziemlich das höchste der Tonabnehmergefühle ist, und von gerade mal 5dB bei 15kHz erst recht keine Ahnung haben.

Ich bevorzuge CDs und SACDs beim Hören (am liebsten allerdings live, min 1 mal in der Woche)

OhWeh

Schönheit kann man nicht messen

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 15. Juni 2012 - 13:05

Die Diskussion driftet hier in einen Bereich, der nicht nur nichts mehr mit dem eigentlichen Thema, sondern schon gar nichts mit Kunst und Musik zu tun hat. Schönheit kann man nicht messen. Und der Reiz einer Schallplatte liegt gar nicht in ihrer "Korrektheit", sondern gerade in ihren Wiedergabe-Fehlern und Verzerrungen ... Auch das ist ja mittlerweile hinlänglich bekannt ... Und warum faszinieren uns alte Fotos und Filme? Gerade weil sie die Wirklichkeit doch gar nicht "wirklich" zeigen, sondern im Gegenteil mit einem analogen "Schleier" einhüllen ... So wie unsere Erinnerung uns die Vergangenheit doch auch stets durch einen Filter präsentiert. Wer sagt denn, Technicolor-Farben wären auch nur annähernd "real" gewesen? Trotzdem begeistert uns doch gerade diese Überzeichnung an den Klassikern ...

Jedem das seine, da gebe ich Ihnen recht.

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Eingetragen von
OhWeh
(Inventar)
am Montag, 18. Juni 2012 - 13:31
Gast schrieb:

....Schönheit kann man nicht messen. Und der Reiz einer Schallplatte liegt gar nicht in ihrer "Korrektheit", sondern gerade in ihren Wiedergabe-Fehlern und Verzerrungen ...

Dieses Argument akzeptiere ich sofort. Wenn jemand nicht ausschließlich Musik, sondern Musik + typische Nebengeräusche hören will, das schön findet, ist das vollkommen in Ordnung. Ähnliches gilt für Farbstiche, Fussel, etc. bei Film.

Das Pseudoargument LP klingt besser im Sinne "reproduziert Musik besser", das ist Unsinn. Das gilt auch für zum Beispiel "KB-Film entspricht min. 50 MP Auflösung".

OhWeh

In Verunstaltungen

Eingetragen von
Gast
am Montag, 18. Juni 2012 - 14:25
Gast schrieb:

Die Diskussion driftet hier in einen Bereich, der nicht nur nichts mehr mit dem eigentlichen Thema, sondern schon gar nichts mit Kunst und Musik zu tun hat. Schönheit kann man nicht messen. Und der Reiz einer Schallplatte liegt gar nicht in ihrer "Korrektheit", sondern gerade in ihren Wiedergabe-Fehlern und Verzerrungen ... Auch das ist ja mittlerweile hinlänglich bekannt ... Und warum faszinieren uns alte Fotos und Filme? Gerade weil sie die Wirklichkeit doch gar nicht "wirklich" zeigen, sondern im Gegenteil mit einem analogen "Schleier" einhüllen ... So wie unsere Erinnerung uns die Vergangenheit doch auch stets durch einen Filter präsentiert. Wer sagt denn, Technicolor-Farben wären auch nur annähernd "real" gewesen? Trotzdem begeistert uns doch gerade diese Überzeichnung an den Klassikern ...

liegt kein Reiz. Allenfalls ein perverser.

Und wieder eine weitere Runde analog vs digital

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 17. Juni 2012 - 21:10

Ich kann es nicht mehr lesen. Sucht euch bitte ein anderes Hobby!

Danke für den Hinweis!

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Eingetragen von
OhWeh
(Inventar)
am Freitag, 15. Juni 2012 - 09:08

Auf der nächsten Fahrt nach Zürich werde ich einen Halt einlegen.

OhWeh