Zum Fotografieren braucht man Zeit. Wer keine Zeit hat, kann ja knipsen.

— Unbekannt

Am 27.8.

  • 1890: * Man Ray (+ 1976); amerikanischer Fotograf und Maler

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Florence Henri. Compositionen.

Florence Henri Selbstporträt, 1928Die Fotografien und Fotomontagen von Florence Henri zeugen von einer ungewöhnlichen Offenheit für neue Strömungen in der Kunst ihrer Zeit. Eine Münchener Ausstellung richtet jetzt das Augenmerk auf diesen Schaffensaspekt der Künstlerin, die vor allem als Malerin bekannt ist:

 
 
 
 
 

Florence Henri Selbstporträt, 1928

Florence Henri, Selbstporträt, 1928
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München
© Galleria Martini & Ronchetti, Genua, Italien

 
Presseinformation der Pinakotheken im Kunstareal:

FLORENCE HENRI. COMPOSITIONEN

Stiftung Ann und Jürgen Wilde

Die Fotografien und fotografischen Montagen von Florence Henri (1893 – 1982) zeugen von einer weitläufigen künstlerischen Bildung und ungewöhnlichen Offenheit für neue Strömungen in der Kunst ihrer Zeit.

Die Künstlerin, die Klavier bei Ferruccio Busoni in Rom, Malerei in Paris bei Fernand Léger, bei Johann Walter-Kurau in Berlin und bei Hans Hofmann in München studiert hatte, verbrachte 1927 ein knappes Gastsemester am Bauhaus in Dessau.

Obwohl die Fotografie zu dieser Zeit noch nicht als Unterrichtsfach in das Curriculum am Bauhaus aufgenommen war, experimentierten Lehrer wie László Moholy-Nagy oder Georg Muche, und Schüler wie Walter Funkat und Edmund Collein intensiv mit dem Medium. Hier fand Florence Henri die Anregung, selbst zu fotografieren.

Noch im gleichen Jahr kehrte sie nach Paris zurück, gab die Malerei auf und widmete sich intensiv der Fotografie. Es entstanden umfangreiche Serien von Stillleben-, Porträt- und Selbstporträtkompositionen, in denen die Künstlerin unter Verwendung von Spiegeln und reflektierenden Kugeln den Bildraum zergliederte und auf konstruktive Weise erweiterte. Die in dieser Art fragmentierten Ansichten verweisen auf Florence Henris Inspiration durch Bildkonzepte des Kubismus und des Konstruktivismus. Schnell avancierte Florence Henri mit ihren experimentellen Fotografien zu einer viel beachteten Vertreterin der Fotografie der Moderne und war an zahlreichen internationalen Ausstellungen beteiligt, wie beispielsweise 1929 an der wegweisenden Werkbundausstellung „Film und Foto“. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Künstlerin ihr fotografisches Schaffen nicht mehr in der vorangegangenen Intensität auf, sondern widmete sich fast ausschließlich der Malerei. Wohl auch aus diesem Grund gerieten ihre Fotografien nach 1945 weitgehend in Vergessenheit.
 

Florence Henri, Composition, 1932

Florence Henri, Composition, 1932
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München
© Galleria Martini & Ronchetti, Genua, Italien

 
Die Ausstellung „Florence Henri. Compositionen“ in der Pinakothek der Moderne legt den Schwerpunkt auf die Spiegelkompositionen und fotografischen Montagen der Künstlerin. Sie umfasst ca. 65 Fotografien, darunter auch das 1974 veröffentlichte Portfolio, Dokumente und historische Publikationen aus den Beständen der Stiftung Ann und Jürgen Wilde.

Ann und Jürgen Wilde lernten die betagte Künstlerin 1973 persönlich kennen. In intensiver Zusammenarbeit erarbeiteten sie mit Florence Henri ein Portfolio, das zwölf ihrer experimentellen Fotografien aus den 1920er und 1930er Jahren neu auflegte, und richteten ihr 1974 in ihrer Kölner Galerie die erste fotografische Einzelausstellung nach dem Krieg in Deutschland aus. Ann und Jürgen Wilde trugen damit maßgeblich zur Wiederentdeckung dieser außergewöhnlichen Künstlerin bei, deren fotografisches Oeuvre heute einen festen Platz inmitten der Kunst der Avantgarde hat.

Die Ausstellung stellt nicht nur das bedeutende Werk einer experimentierfreudigen Fotografin in den Fokus der Öffentlichkeit, sondern bietet auch einen Einblick in den hochrangigen Bestand, den Ann und Jürgen Wilde in den vergangenen vier Jahrzehnten durch aufwendige Recherchen und unermüdliches Engagement zu Florence Henri zusammengetragen haben.
Das begleitende Magazin, das unter anderem ein Interview mit Ann und Jürgen Wilde und eine Bestandsliste zu Florence Henri umfasst, stellt den zweiten Band einer Reihe dar, die mit „Die neue Wirklichkeit“ 2011 begonnen wurde und in den nächsten Jahren weitere herausragende Stiftungsbestände erschließen wird. Es erscheint in dt./engl. und ist zum Preis von 16 EUR im CEDON Museumsshop erhältlich.

Verantwortliche Kuratorin:
Dr. Simone Förster
Kuratorin der Stiftung Ann und Jürgen Wilde
 

Florence Henri, Abstrakte Composition, 1928

Florence Henri, Abstrakte Composition, 1928
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München
© Galleria Martini & Ronchetti, Genua, Italien

 
Ausstellung:
Florence Henri. Compositionen
21.03.– 14.09.2014

Pinakotheken im Kunstareal
Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Barer Straße 29
80799 München
 

(thoMas)