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Experimenteller Universalkünstler
Der 1895 geborene ungarische Künstler László Moholy-Nagy, der durch seine Arbeit als Lehrer am Bauhaus Dessau in den zwanziger Jahren bekannt wurde, ist eine der schillernden Persönlichkeiten der Kunst des 20. Jahrhunderts. Moholy-Nagy war ein Universaltalent, selbst Künstler, der sich in vielen Disziplinen ausdrücken konnte aber vor allem auch Kunsttheoretiker, dessen Gedanken bis heute nachwirken:
Moholy-Nagy, der Vielfältige: „Alle Gestaltungsgebiete des Lebens sind eng miteinander verknüpft“, schrieb er einmal. Und machte Experimental-Filme, schuf Skulpturen und Bühnendekorationen, entwickelte Typografien, war einer der wichtigsten Maler des Konstruktivismus, doch vor allem ist er als Fotograf in Erinnerung geblieben. Zur Zeit ist in der Frankfurter Schirn eine große Retrospektive zu sehen die erste seit einer Ausstellung in Kassel im Jahr 1991. Parallel zur Frankfurter Schau ist bei Hatje Cantz nun mit „Moholy-Nagy. The Photograms“ erstmals ein Werkverzeichnis der Fotogramme Moholy-Nagys erschienen.
In seinen fotografischen Arbeiten wird die Idee des seit 1920 in Berlin lebenden, 1946 in Chicago verstorbenen Künstlers deutlich, Kunst als ein, wie einmal geschrieben worden ist, „Versuchsfeld für neue Ausdrucksformen“ zu begreifen. Stets war Moholy-Nagy dem fotografischen Experiment zugetan. In der Fotografie sah er die Möglichkeit eines „Neuen Sehens“, einer neuen Wahrnehmung der sich immer stärker verändernden Welt. Seit 1923 machte als erster Lehrer am Bauhaus Foto-Experimente zum fundamentalen Teil der Lehre: Montagen, Collagen, Mehrfachbelichtungen und vor allem Fotogramme fertigte er an, ein früher multimedialer Künstler, ein Wegbereiter der Kunstfotografie.

Vor allem die etwa 450 bis heute bekannt gewordenen Fotogramme, die Moholy-Nagy seit 1922 entwickelt und bis 1943 weiterverfolgt, sind sein fotografisches Erbe. Glas, Stoffe, Kristalle, Spiegel, Metalle oder Schablonen legt er auf lichtempfindliches Material und lässt durch Licht wundervolle Bilder entstehen: Bilder, denen stets ein besonderes Geheimnis innezuwohnen scheint. Zu Recht werden diese Arbeiten in dem neuen Werkverzeichnis als „Ikonen des Mediums“ beschrieben.

Auch wenn Künstler wie Christian Schad oder auch Man Ray nahezu zeitgleich an der Entwicklung des Fotogramms als künstlerische Technik arbeiteten, so ist dennoch László Moholy-Nagy der bedeutendste Fotogramm-Künstler: Denn er war es, der in seinen Schriften das theoretische Fundament für die Fotogramm-Kunst des 20. Jahrhunderts schuf.
Mohly-Nagy hatte viele Nachfolger gerade in der deutschen Nachkriegsfotografie. Otto Steinert, Peter Keetman, Heinz Hajek-Halke, Chargesheimer, Lotte Jacobi, Timm Rautert, Gottfried Jäger oder auch Floris Michael Neusüss sie alle verdanken dem Wirken von Moholy-Nagy, dem großen Universalkünstlers des 20. Jahrhunderts, viel
(Marc Peschke)

Buch:
Renate Heyne, Floris M. Neusüss, Hattula Moholy-Nagy (Hrsg.)
Moholy-Nagy. The Photograms. Catalogue Raisonné (bei amazon.de)
Vorwort von Hattula Moholy-Nagy, Einführung von Floris M. Neusüss, Text von Herbert Molderings, Renate Heyne
Gebunden mit Schutzumschlag. 312 Seiten, 616 Abbildungen
Englisch
Verlag Hatje Cantz 2009
ISBN 978-3-7757-2341-1
€ 78 / CHF 137
Ausstellung:
László Moholy-Nagy. Retrospektive
Bis 7. Februar 2010
Schirn-Kunsthalle
Römerberg
D-60311 Frankfurt
Dienstag, Freitag bis Sonntag 10 19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 10 22 Uhr
Literaturtipps:
Floris M. Neusüss: Das Fotogramm in der Kunst des 20. Jahrhunderts, DuMont, Köln 1990, ISBN 3-7701-1767-0
Laszlo Moholy-Nagy: Fotogramme 1922-1943, Schirmer/Mosel, München 1996, ISBN 3-8881-4806-5
Thomas Maschke und Thomas Heinemann: Fotografieren ohne Kamera. Fotogramme - der direkte Weg zu außergewöhnlichen Bildern, Augustus Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-8043-5125-5
Webtipp:
www.bauhaus-archiv.de
Zum Thema:
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