Ich habe die Fotografie entdeckt. Jetzt kann ich mich umbringen. Ich kann nichts mehr lernen.

— Pablo Picasso

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Eine Entdeckung: Hermann Landshoff

Das Modell Cora Hemmet auf der Schloßtreppe, Versailles 1934-38Dem berühmten Richard Avedon war er Vorbild und Inspiration, der zu Unrecht in Vergessenheit geratene Fotograf Hermann Landshoff (1905-1986). In einer lohnenden Münchener Ausstellung kann man ihn jetzt wiederentdecken:

 
 
 

Selbstporträt Hermann Landshoff, New York um 1942

Selbstporträt Hermann Landshoff, New York um 1942
© Münchner Stadtmuseum Archiv, Hermann Landshoff

 
Pressemitteilung des des Münchner Stadtmuseums:

Hermann Landshoff – eine Retrospektive.
Photographien 1930-1970

29. November 2013 – 21. April 2014
Ausstellung des Münchner Stadtmuseums

Seit Frühjahr 2012 hat die Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums einen sensationellen Zuwachs ihrer Archive zu verzeichnen. Der vollständige Nachlass des deutsch-amerikanischen Fotografen Hermann Landshoff (1905-1986) mit 3.600 Originalabzügen aus dem Zeitraum von 1927 bis 1970 ist dem Museum im Namen der Familie durch den Verleger Andreas Landshoff, Amsterdam als Schenkung überlassen worden.
 

Das Modell Cora Hemmet auf der Schloßtreppe, Versailles 1934-38

Das Modell Cora Hemmet auf der Schloßtreppe, Versailles 1934-38
© Münchner Stadtmuseum Archiv, Hermann Landshoff

 
In München-Solln ist der Fotograf als Sproß einer wohlhabenden jüdischen Familie aufgewachsen, die im Kunst-, Literatur- und Musikleben der Stadt eine zentrale Rolle spielte. Sein Vater Ludwig Landshoff war ein international renommierter Musikwissenschaftler, Komponist, Dirigent und Leiter des Bach Vereins (1917-1928), seine Mutter war die Königliche Hofopernsängerin Philippine Wiesengrund, seine Schwester Ruth, verheiratete Vollmer, wurde eine der Begründerinnen der Konzeptionellen Kunst in den USA. Im elterlichen Haus verkehrten u.a. Schriftsteller wie Thomas Mann, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Rainer Maria Rilke, Karl Wolfskehl und Franziska zu Reventlow. Die verwandte Schriftstellerin Ruth Landshoff-Yorck, Muse von Otto Umbehr und Paul Citroen führte in Berlin einen Salon, der zu den aufregenden Treffpunkten der künstlerischen Avantgarde in der Weimarer Republik zählte.

Zur weiteren Verwandtschaft der Familie gehören außerdem bedeutende Verlegerpersönlichkeiten wie Samuel Fischer, Gründer des S. Fischer Verlages, und Fritz H. Landshoff, der nach 1933 mit dem Querido-Verlag in Amsterdam das wichtigste Forum für die deutsche Exilliteratur aufbaute und die Romane von u.a. Heinrich Mann, Klaus Mann, Hermann Kesten, Joseph Roth, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Anna Seghers, Ernst Toller und Arnold Zweig verlegte.
 

Die Schauspielerin Lauren Bacall, New York 1945

Die Schauspielerin Lauren Bacall, New York 1945
© Münchner Stadtmuseum Archiv, Hermann Landshoff

 
Bereits in jungen Lebensjahren hatte Hermann Landshoff einige Aufmerksamkeit erlangt mit seinen Karikaturen und als Fotograf einer Reportage über Albert Einstein, erschienen in der „Münchner Illustrierten Zeitung“. Nach einer Ausbildung an der Münchner Kunstgewerbeschule zählte er zu dem Kreis des bekannten Typografen und Buchkünstlers Fritz Helmuth Ehmcke. In diesem Umfeld lernte Landshoff auch den Nürnberger Zeichner Richard Lindner kennen, als dessen Kollege er bei dem Verlag Knorr & Hirth gestalterisch tätig wurde. 1933 durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten zur Emigration gezwungen, ließ Landshoff sich zunächst in Paris nieder, um sich dort der Modefotografie zuzuwenden. Seine Aufnahmen erschienen in der populären „femina“ und der französischen „Vogue“ zwischen 1936 und 1939. Auf abenteuerlichen Wegen gelang ihm 1940/41 die Flucht nach New York. Dort gehörte Landshoff bald zu den interessantesten Modefotografen, die in Zusammenarbeit mit dem legendären Art Director Alexey Brodovitch für Modejournale wie „Harper's Bazaar“, „Junior Bazaar“ und später für „Mademoiselle“ wirkten. Als Modefotograf entwickelte er einen eigenen Stil, der die Modelle in lebensnahen Situationen im Alltag wiedergab. Der amerikanische Modefotograf Richard Avedon fühlte sich nachhaltig von Landshoff inspiriert, was ihn zu dem Statement veranlasste: „I owe everthing to Landshoff“.
 

Auf der Dachterrasse von SaKs Fifth Avenue, New York 1942

Auf der Dachterrasse von SaKs Fifth Avenue, New York 1942
© Münchner Stadtmuseum Archiv, Hermann Landshoff
 
 
Das Modell Beth Wilson an der Rip Van Winkle Bridge am Hudson, New York 1946

Das Modell Beth Wilson an der Rip Van Winkle Bridge am Hudson, New York 1946
© Münchner Stadtmuseum Archiv, Hermann Landshoff

 
Hermann Landshoff gehört zweifelsohne zu den letzten großen Unbekannten der Fotografie(geschichte) des 20. Jahrhunderts, der zu Unrecht weitestgehend in Vergessenheit geraten ist und den es nunmehr wiederzuentdecken gilt. Sein vielschichtiges Werk spiegelt auf vielfältige Weise die Zeitgeschichte und Situation der aus Europa exilierten Künstler in den USA wider. Erstmals präsentiert werden Landshoffs Porträts von europäischen Künstlern wie Max Ernst, Richard Lindner, Leonora Carrington oder Frederick Kiessler, die in New York im Umfeld der Galeristin Peggy Guggenheim eine neue künstlerische Heimat fanden. Spektakulär sind auch mehrere Gruppen- und Einzelporträts von Mitgliedern der Surrealisten um André Breton und Marcel Duchamp. Schließlich verdanken wir Hermann Landshoff einen einzigartigen Zyklus von etwa 70 Fotografenporträts aus dem Zeitraum zwischen 1942 und 1960. Neben den berühmten Altmeistern Walker Evans, Paul Strand, Alfred Stieglitz, Ansel Adams, Berenice Abbott, Margaret Bourke-White, Alfred Eisenstädt, Andreas Feininger oder WeeGee sind auch die jungen, noch am Anfang ihrer Karriere stehenden Fotografen Robert Frank, Irving Penn und Richard Avedon in außergewöhnlichen Bildnissen überliefert. Dieses Pantheon an bedeutenden Fotografen ist in der Geschichte des Mediums einzigartig.

Weitere Bildserien sind der Stadtarchitektur von New York und ihrer Bewohner gewidmet mit besonderem Fokus auf die von der Gesellschaft ausgegrenzten Bevölkerungsschichten. Außerdem existieren zahlreiche Porträts prominenter Physiker wie Albert Einstein und Mitglieder des Los Alamos-Projektes, wie Richard Oppenheimer und seines Cousins Rolf Landshoff, die an der Konstruktion der ersten Atombombe beteiligt waren.

Die unterschiedlichen Themenbereiche Mode, Porträt und Architektur dieses spannenden Werkes werden in der Ausstellung erstmals in einer Auswahl von mehr als 250 Aufnahmen vorgestellt.

Anläßlich der Ausstellung erscheint im Schirmer/ Mosel Verlag eine umfangreiche Monografie. Herausgegeben von Ulrich Pohlmann in Zusammenarbeit mit Andreas Landshoff.
 

Foto Max Ernst im Haus von Peggy Guggenheim, New York, Herbst 1942

Max Ernst im Haus von Peggy Guggenheim, New York, Herbst 1942
© Münchner Stadtmuseum Archiv, Hermann Landshoff

 
Ausstellung:
Hermann Landshoff – eine Retrospektive
29. November 2013 – 21. April 2014

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10.00-18.00 Uhr; Montags geschlossen
 

(thoMas)
 

Klasse !!!!

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 29. November 2013 - 08:23

Schade, München ist 700 Kilometer entfernt. Die Ausstellung würde ich gerne sehen.

Wow!

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 06. Dezember 2013 - 10:16

Den Namen Landshoff hatte ich vorher noch nie gehört. Da weiß ich schon, wo ich im Weihnachtsurlaub mal hingehe. Allein diese Fotos hier sind zum Niederknien.