Schaue. Das ist der Weg, dein Auge zu schulen, und mehr. Schaue, forsche, höre, horche. Sterbe, etwas wissend. Du bist nicht lange hier.

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Die Kamera-Auftragsfertiger

Foxconn LogoWer baut eigentlich all die digitalen Kompaktkameras, die unter so vielen Markennamen verkauft werden? – Praktisch alle Modelle kommen heute aus China, und die Zahl der Hersteller ist deutlich geringer, als die Markenvielfalt suggerieren mag:

Sieben ODMs (Original Design Manufacturer) bzw. OEMs (Original Equipment Manufacturer) teilen sich heute die Produktion der digitalen Kompaktkameras für den Massenmarkt. Von ihren Bändern kommen nicht nur fast alle Handelsmarken, sondern auch so manches Modell bekannter japanischer Hersteller. Die meisten dieser Kameramodelle werden in einem Los über einen Zeitraum von etwa sechs bis zwölf Wochen produziert. Danach folgen das nächste Modell oder die nächste Marke.

Die bekanntesten Hersteller von digitalen Kompaktkameras (DSC = Digital Still Camera) sind derzeit Hon Hai Precision Industry Co., Ltd. (Foxconn), Ability Enterprise, Asia Optical, Chicony Electronics, DXG Technology, DigiLife und Aiptek International.

Einige Hersteller wie Skanhex Technology Inc., und ihre Tochterfirma Sinpo Optical Co. Ltd., die in der Anfangszeit der Digitalkameras zahlreiche Modelle für Minolta, Rollei und verschiedene Handelsmarken produzierten, sind inzwischen weitgehend von der Bildfläche verschwunden. Auch die World Wide Liceneses Ltd. aus Kowloon, Hongkong, die 2005 mit der mit einem Foveon-Sensor ausgestatteten Polaroid x530 Schiffbruch erlitt, hat sich offensichtlich aus dem Kamerageschäft zurückgezogen. Das Unternehmen war 2006 mitsamt der neuen Fabrik in Shenzen vom damaligen Eigentümer The Character Group plc an die Flextronics Sales and Marketing (A-P) Limited verkauft worden. Ob die 1996 gegründete Tekom Technologies, Inc. mit der Zentrale in Taipei und einer Fabrik in Quangdong heute noch als Kamerahersteller aktiv ist, ließ sich nicht ermitteln. Auch um den noch aus der analogen Zeit bekannten Hersteller W. Haking Enterprises Ltd. aus Hong Kong, der auf der photokina 2008 noch vertreten war, ist es inzwischen wieder etwas still geworden. Anstelle eines Standes auf der Messe hatte Haking in diesem Jahr nur eine Suite im Marriott Hotel gebucht. (Siehe auch: Haking - die Legende lebt)

Das japanische Unternehmen Sanyo, das inzwischen im Panasonic-Konzern aufgeht, hat das OEM-Geschäft für die bekannteren Kameramarken inzwischen wohl auch weitgehend aufgegeben.

Hon Hai Precision Industry Co., Ltd. (Foxconn)

Foxconn Logo Das in Deutschland vorwiegend als Fertiger von Produkten des amerikanischen Herstellers Apple bekannt gewordene Unternehmen Foxconn wurde 1974 von Terry Gou mit einem Startkapital von 7.500 US$ gegründet und im Jahre 2006 mit der Übernahme der Premier Image Technology Corp. schlagartig zum größten Hersteller von digitalen Kompaktkameras.

Foto der Premier / Vivitar V8400 Die Premier Image Technology Corp. war 1983 als Premier Camera Taiwan Ltd. gegründet worden. Erste Produkte waren eine Disc- und eine Pocketkamera. Mit dem Einbau eines elektrischen Filmtransportmotors in eine Pocketkamera machte das Unternehmen auf sich aufmerksam und erweiterte das Sortiment 1986 um Kleinbild- und 1996 um APS-Kameras. Drei Jahre darauf folgten die erste digitale Kompaktkamera und der Gang an die Börse in Taipei. Im Folgejahr wurde mit der Pretec Corporation ein Wettbewerber im gerade aufkommenden Digitalkameramarkt übernommen und Premier wurde zum größten Digitalkamerahersteller in Taiwan, der für Ricoh, Pentax und Rollei genauso produzierte wie für Handelsmarken wie Traveler.

Mit der Übernahme durch Hon Hai im Jahre 2006 verschwand der Name Premier von der Bildfläche, die Kameras werden heute unter dem Namen Foxconn produziert. Vermarktet werden sie aber wie zuvor unter den Namen der eingeführten Handelsmarken. Premier kann durch die Eingliederung in den Hon-Hai-Konzern auf dessen digitales Fertigungs-Know-How zurückgreifen und Hon Hai hat durch die Integration Zugriff auf den optischen Bereich gewonnen.

Gemeinsam mit der deutschen Metro-Gruppe hat Hon Hai / Foxconn ein Joint Venture in China gegründet, das am 17. November 2010 in Shanghai seinen ersten Media Markt eröffnen will. Die Verkaufsfläche des Marktes beträgt 18,000 m2. Bis zum Ende des kommenden Jahres will Media Markt 9-11 Märkte im Raum Shanghai errichten und nach Aussagen von Foxconn soll die Zahl bis 2015 auf mindestens 100 Märkte in ganz China ausgeweitet werden.

Altek Corp.

Altek Logo Altek wurde 1996 als Joint Venture der Yulon Gruppe und der China Development Industrial Bank gegründet. Schwerpunkt des Unternehmens mit Sitz im Hsinchu Science Park war von Beginn die Entwicklung und Fertigung von Digitalkameras. Seit 2002 ist das Unternehmen an der Börse in Taipei gelistet. Im Jahre 2008 soll das Unternehmen der weltweit größte ODM-Hersteller für Digitalkameras geworden sein. Von Altek gefertigte Kameras werden nach vorliegenden Informationen von HP, Kodak, Pentax und in Zukunft wohl auch von Nikon und Samsung verkauft.

Die Altek Corporation beschäftigt nach eigener Aussage 5.500 Mitarbeiter. Forschung und Entwicklung erfolgen im Altek Research & Development Center in Taipei , Neihu (Taiwan) und in der Zweigstelle in Los Angeles. Seit 2000 wird in Kunshan bei Shanghai produziert. Die Fertigungskapazität soll heute 3 Millionen Stück pro Monat umfassen. 2008 stellte Altek die erste Kamera mit integriertem GPS vor und beabsichtigt in Zukunft weitere Funktionen in die Geräte zu integrieren. Auch Altek bewegt sich von der Fertigung von Digitalkameras zur Fertigung von digitalen Videokameras. (Siehe auch: Altek im Aufwind)

Ability Enterprise Co., Ltd.

Ability Logo Ability Enterprise wurde im Jahre 1965 in Taipei von den beiden Brüdern Tong Ching-Hsi und Tong Chiung-Shiung gegründet. Geschäftszweck war der Vertrieb von Canon-Taschenrechnern in Taiwan. Später würde das Sortiment um weitere Bürotechnik aus dem Canon-Sortiment erweitert. Dazu zählten Kopierer und Drucker und die amerikanischen NEXT Computer. Seit 1995 ist das Unternehmen an der Börse in Taipei gelistet.

Foto einer Gehäuseschalen für Nikon Coolpix Im Jahre 2001 verstärkte Ability sein Engagement beim 1975 gegründeten Tochterunternehmen AVY Industrial Co., Ltd. Die zur Gruppe zählende AVY Precision Technology Inc. ist ein Zulieferer für die Kameraindustrie. Begonnen hatte man mit Zuschnitten für die Kamerabelederung und Gehäuseteilen sowie Mikro-Motoren. Heute wird in Werken auf dem chinesischen Festland China produziert, beispielsweise Gehäuseschalen für Nikon-Coolpix- oder Casio-Exilim-Kameras.

Nach 2001 übernahm Ability eine Beteiligung an der Minton Optical Industrial Ltd. oder Minton Optic Industry Co., Ltd. Minton wurde 1985 in Taiwan gegründet, produzierte analoge Kleinbildkameras und später digitale Kompaktkameras, und belieferte als OEM- / ODM-Hersteller zahlreiche Marken weltweit. Um das Jahr 2000 hatte Minton in vier Werken eine Fertigungskapazität von 700.000 Analog- und 200.000 Digitalkameras pro Monat. Unter dem Namen „Brica“ wurden Kameras von Minton in Asien vertrieben. In Deutschland engagierte sich Ability mit der Grandtech GmbH in Jena, die Kameras unter der Marke „Jenoptik“ vertrieben: Die wechselvolle Geschichte der Marke Jenoptik.

Asia Optical Co. Inc.

Asia Optical Logo Asia Optical wurde 1981 in Taiwan als Hersteller von optischen Produkten gegründet. 1982 begann die Firma, Objektive für Kleinbild-Autofokuskameras an Ricoh Taiwan zu liefern. Für Kenko Co., Ltd. und Tasco wurden in den Folgejahren Teleskope produziert. Aus der Zulieferung für Ricoh entstand ein Gemeinschaftsunternehmen für die Autofokuskameraproduktion. 1999 erfolgte gemeinsam mit Nikon die Gründung der Hang Zhou Nikon Camera Co., LTD. für die Herstellung von Kameraobjektiven. Im Jahre 2004 übernahm Asia Optical 85,5 % der Taiwan Ricoh Co., Ltd.

Foto der FS015 von Asia Optical Nachdem zuvor schon auf den Philippinen eine optische Fertigung für Zielfernrohre eingerichtet wurde, gründete Asia Optical im Jahre 2004 die Myanmar Asia Optical International Co. Ltd,. (MAOI). Beabsichtigt war, mit 5000 Beschäftigten etwa 10 Millionen Objektive pro Jahr in der Fabrik im Mingalardon Industrial Park nahe der Hauptstadt Rangun zu produzieren. Im Jahre 2008 wurden jedoch erst 2500 Burmesen beschäftigt, die 100.000 Objektive pro Monat produzierten. Auf den Markt kommen die Objektive unter den Marken Ricoh, Canon, Nikon und Olympus. Bei der Gründung des Werks wurden auch Sony, Panasonic, Kodak und Konica als Kunden genannt.

2009 übernahm Asia Optical von Flextronics die Mehrheit an deren Kamerawerk, das in die AOF Imaging Technology eingebracht wurde. Am Joint-Venture AOF beteiligte sich Flextronics mit 20 %. Flextronics selbst hatte den Bereich im Jahre 2006 von Kodak gekauft. Die Einheit geht zurück auf den früheren japanischen Kamerahersteller Chinon.

Chinon Industries Inc. war neben Cosina einer der führenden Hersteller von Hausmarken-Kameras. Als OEM-Hersteller belieferte Chinon Agfa mit den Selectronic-Spiegelreflexkameras und Alpa mit den Modellen 2000 und 3000. Chinon entwickelte in den 1990er Jahren eine erste Digitalkamera, die in modifizierter Form auch von Kodak verkauft wurde. Kodak erwarb 1997 eine Mehrheitsbeteiligung und übernahm das Unternehmen 2004 komplett als Kodak Digital Product Center, Japan Ltd. Im Sommer 2006 trennte sich Kodak von der eigenen Entwicklung und Produktion von digitalen Kompaktkameras.  Der Bereich mit den japanischen Entwicklungszentren in Chino und Yokohama und der Fertigung in Shanghai ging an an den Auftragsfertiger Flextronics in Singapur. Der japanische Bereich wurde umbenannt in Flextronics Digital Design Japan. Die Hoffnung von Flextronics, mit dem Kunden Kodak weitere Abnehmer zu gewinnen, wurde jedoch bald enttäuscht und so trennte sich Flextronics 2009 weitgehend von diesem Bereich.

DXG Technology Corp.

DXG Logo Das Unternehmen mit Sitz in Taipei, Taiwan, wurde im Jahre 2000 gegründet. DXG produziert und vermarktet Digitalkameras und digitale Videokameras. Neben der Verwaltung in Taiwan hat DXG, wie es für diese Branche inzwischen üblich ist, Tochtergesellschaften auf dem chinesischen Festland in Guan Tong und Hong Kong. Der Schwerpunkt der Produktion hat sich im Laufe der letzten Jahre von Digitalkameras zu HD-Videokamera verlagert. Beabsichtigt ist, in Zukunft professionelle Digitalkameras zu produzieren, wobei die genaue Zielrichtung offen bleibt.

Foto der Chicony D34 Chicony Electronics Co., Ltd.

Chicony Logo Ähnlich sieht die Entwicklung auch bei der Chicony Electronics Co., Ltd. aus. Auch Chicony produziert inzwischen zunehmend Videokameras und fährt den Digitalkamera-Bereich zurück. Das Unternehmen wurde 1983 als Hersteller von PC-Tastaturen und Netzteilen gegründet. Im Jahre 1989 wurde in Bangparkong, Thailand, die erste Auslandsfertigung gegründet. Zehn Jahre später stieg Chicony in die Fertigung von Digitalkameras ein und produziert heute überwiegend auf dem chinesischen Festland.

DigiLife Technologies Co., Ltd.

Logo DigiLifeZu den jüngsten Unternehmen der Branche zählt die 2002 gegründete DigiLife Technologies Co., Ltd. mit der Zentrale in Taipei City und der Fertigung in DongGuan Houjie. Neben digitalen Kompaktkameras werden heute vorwiegend digitale Camcorder und Mediaplayer produziert.

Foto der PenCam von Aiptek AIPTEK International Inc.

Aiptek Logo Das 1997 gegründete Unternehmen AIPTEK (Advanced Intelligent Personal Technologies) hat seine Zentrale im Science-Based Industrial Park in HsinChu, Taiwan. Bekannt wurde das Unternehmen mit der im Jahre 2000 vorgestellten PenCam (rechts), die bis heute über 2,5 Millionen mal verkauft wurde und immer noch erhältlich sein soll. Aiptek liefert neben den Kameras der eigenen Marke auch für Dritte.

Weitere Zulieferer

Neben der schon erwähnten AVY Precision Technology gibt es weitere spezialisierte Zulieferer. Dazu zählt die 2003 gegründete Konica Minolta Opto, Inc, die zurückgeht auf die Konica Opto Corporation und die Optikabteilung der ehemaligen Minolta Co., Ltd.

Die 1988 gegründete Suning Mings Co., Ltd. (S.M.C.) liefert vom fertig bedruckten Objektivfrontring über spezielle Schrauben bis zum Namensschild alles, was die Kamerahersteller an Kleinteilen benötigen.

Auf optische Komponenten hat sich die 1993 gegründete Kintin Optotronic Co., Ltd. spezialisiert. Die Unternehmenszentrale befindet sich im Nang-Gang Industry Park von Nantou, Taiwan, und ein Tochterunternehmen (Dong-Guan Kintin Optotronic Co., LTD.) in Dong-Guan, China. Kintin gehört zur Kinko Group (Kinko Optical Co., LTD.). Produzierte man ursprünglich vorwiegend Kunststofflinsen für analoge Kompaktkameras und belieferte beispielsweise Sinpo Precision mit einem Zoom 5,6/30-60 mm für APS-Kameras, so fertigte Kintin ab 2002 Sucherkomponenten für Fujinon und Canon Taiwan. Ab 2003 wandte sich die Firma der Produktion von Objektiven für Mobiltelefonen zu und gründete 2006 mit Altek das Joint Venture Jinjing (Suzhou) Optical Technology Co., Ltd. in Suzhou, China.

Ein weiterer Zulieferer ist die 1987 in Taichung City im Nantun District von Taiwan gegründete Largan Precision Co.,Ltd. Sie begann 1991 mit der Fertigung von asphärischen Kunststofflinsen und konnte kurz darauf die Serienproduktion von hybriden Objektiven für Kleinbildkompaktkameras aufnehmen. Heute werden neben Objektiven für digitale Kompaktkameras auch Objektive für Scanner, Handy-Kameras und optische Mäuse produziert.

Im Vergleich zu den Kameraherstellern in Japan handelt es sich bei den vorwiegend in Taiwan und auf dem chinesischen Festland aktiven Herstellern digitaler Kompaktkamerahersteller um sehr junge Unternehmen. Die elektronische Basis hat hier in den vergangenen Jahren eindeutig das Übergewicht gegenüber der optischen und mechanischen Kompetenz bekommen und es scheint sich abzuzeichnen, dass in erster Linie hochintegrierte oder extrem kostengünstig produzierende, spezialisierte Zuliefer-Unternehmen in diesem Markt überleben.

(CJ)
 

Hersteller

Bild von PKD
Eingetragen von
PKD
(Stammgast)
am Freitag, 12. November 2010 - 12:10

Danke!

Saubere Recherche.

Die Welt ist ein Dorf, die Wirtschaftswelt sowieso.

Gruß

PKD

Danke

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 12. November 2010 - 12:24

Vielen Dank an Herrn Jehle für die interessante Zusammenstellung.

---------------

Respekt,

Bild von silberlocke
Eingetragen von
silberlocke
(Liebhaber)
am Freitag, 12. November 2010 - 18:34

das nenne ich Aufklärung
Großes Kompliment

Schöne Geschichte

Bild von Rumpelstilzken
Eingetragen von
Rumpelstilzken
(Ehrengast)
am Freitag, 12. November 2010 - 23:06

Chapeau!
Und wer baut die elektronischen Sucher ausser Kopin und Epson?


"I love my job, it's the work, I hate."

Vielen Dank

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 13. November 2010 - 12:14

Wunderbar --- endlich mal ein Artikel für die Marken Fetischisten. Kein Kommentar von den meine ist schneller, größer, besser? Wo seit ihr denn? Macht keinen Spaß wenn Fakten gefordert sind?

Eine wirklich gute Reportage über die Hintergründe in der Fotoindustrie. Vielleicht könnte ( CJ ) von der Photoscala sich mal die Mühe machen und in Sachen Sensoren bohren. Ich bin richtig begeistert von dem Artikel, rückt er doch das heutige weltweite Produktions Team Work ins Licht. Nochmals vielen Dank an Photoscala.

Eigentlich ist es doch erstaunlich,

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 14. November 2010 - 11:50

dass es so viele Menschen gibt, sprich Anwender und hier speziell Fotografen immer wieder darüber hinweg täuschen lassen, dass der heutige industrielle Prozess praktisch weltweit funktioniert. Viele kleine und mittlere Unternehmen produzierten Bestandteile von komplexen Geräten, die nur in der Zusammenarbeit und flexibler Optimierung der Erstellung zu diesen Preisen überhaupt zu vermarkten sind. Das Endprodukt wird natürlich über Marken verkauft. Anders wäre es für die breite Käuferschicht nicht zu vermitteln, was da auf den Ladentisch, den eShop oder sonstwas kommt. Die großen Markennamen stehen in dem Fall für Entwicklungs- und Vermarktungskompetenz. Im Detail nutzen aber die Markenträger natürlich das Know-How kleiner und mittlerer Zulieferer. Wobei beispielsweise die Sensorenhersteller u. U. sogar deutlich größer sein können, als der eigentliche Markenhersteller. Ein konzertiertes Zusammenspiel vieler Bereiche und Zulieferer ist nötig, um heute ein komplexes Produkt auf den Markt zu bringen. "Marken" sind da nur das Aushängeschild.

Die kleinen und mittleren Unternehmen

Bild von Christoph Jehle
Eingetragen von
Christoph Jehle
(Stammgast)
am Sonntag, 14. November 2010 - 20:38

haben im Bereich der Kompaktkameras praktisch keine Überlebenschance. Foxconn beschäftigt allein in seinem Werk in Shenzen bis zu 450.000 Mitarbeiter, die auch in den Fabrik-eigenen Schlafsälen übernachten. Das Asia Optical Werk in Myanmar ist auf 1 Mio. Optiken pro Monat ausgelegt. Die Entwicklung der Kameras geschieht übrigens vollständig in Fernost. Die europäischen Marken suchen sich ihre jeweiligen Modelle aus den Komponenten der 7 Fertiger aus. Die meisten Marken kaufen nicht nur von einem Anbieter. Selbst Kodak kauft nicht mehr nur aus seiner ehemals eigenen Fertigung in Shanghai. Aufgrund der immer größeren Ähnlichkeit der Produkte wird es für einige der derzeit vertriebenen Marken keine Zukunft geben. (CJ)

Klein bis Mittel

Eingetragen von
Gast
am Montag, 15. November 2010 - 07:45

meinte Kleinteile und zugekaufte Komponenten.
In der Tat: da wird es auf Dauer zu Bereinigungen kommen. Die Asiaten empfinden mikroide Veränderungen bereits als vollständig anderes Produkt. Das ist allerdings für den Rest der Märkte so nicht unbedingt verkaufbar.
Wie man im Fall von Apple sehen kann, bestimmen die großen Marken durchaus Design und auch die technische Ausrichtung eines Produktes. Allerdings haben die großen Fertiger in sofern einen guten Stand, weil die Alternativen inzwischen eher ab- als zugenommen haben. "Die Welt" ist in der letzten Zeit von wenigen "Werkbänken" in China und Asien abhängig geworden. Keine gute Entwicklung.

Danke!

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 13. November 2010 - 12:50

Vielen Dank für diesen interessanten Bericht!

So ist das.

Bild von Plaubel
Eingetragen von
Plaubel
(Ehrengast)
am Sonntag, 14. November 2010 - 19:08

Wir (Industrieationen, sog. 1. Welt, EU+USA) entwickeln neue Geräte. Weil wir bei uns sehr auf das Einkommen und die Umwelt achten, lassen wir sie in den Schwellenländern fertigen. Da wir weiterentwickeln und uns nichts wirklich gut genug ist (siehe Diskussionen hier), werfen wir die Dinge bald fort. Wegen der Umweltstandards bleibt der Schrott natürlich nicht bei uns, sondern wird (illegal) nach Afrika exportiert, wo unter primitivsten Bedingungen und dauerhafter Umweltvergiftung die Rohstoffe extrahiert werden. Anschließend landen die Rohstoffe in Dubai (derzeit weltgrößter Umschlagplatz für Metalle dubioser Herkunft). Wegen der immer schnelleren Entwicklung müssen auf diesem Markt zunehmend höhere Preise gezahlt werden. Der Kreis schließt
sich.

Auch das ein Unterschied zwischen mechanischer Kamera, Film, Reparatur und Elektronikgeräten kurzer Lebenszeit.

Ja, so ist das

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 14. November 2010 - 20:54

Nur wollen Sie uns bitte die Alternative dazu nennen?
Das Zurück zur feinen Mechanischen wird's wohl nicht spielen. Aber für die 90% Ramsch, der heute den Markt flutet, allein die nachhaltig verdummten Konsumenten verantwortlich zu machen, ist eine billige Masche jener, die die Produktion dieses Mülls zu verantworten, und nicht wenig daran zu verdienen haben. Wofür dann doch der Aufwand, Konsumenten schön im Zustand der Unmündigkeit zu halten, nie groß genug ausfallen kann. Womit sich auch dieser Kreis schließt.

Es wird wohl eher

Eingetragen von
Gast
am Montag, 15. November 2010 - 08:11

darauf raus laufen, dass es über kurz oder lang zu einer Beruhigung des Marktes kommen wird und Innovationszyklen deutlich langsamer ablaufen. Elektronische Kameras oberhalb 20 Mpx machen für die meisten Anwender betimmt keinen Sinn. In absehbarer Zukunft werden die meisten Kameras sowohl höhere ISOs, als auch zumindest höher auflösend Video so beherrschen, dass man mit praktisch jedem angebotenen Produkt sehr gute bis hervorragende Foto in technischer Hinsicht machen kann. Da wird es dann nur noch darauf ankommen, dem Kunden über Useability einen höheren Nutzwert verkaufen zu können. Usw. Die Entwicklung wird da ähnlich verlaufen, wie bei den Computern und den Fernsehern. Außerdem wird das Thema Rückgewinnung von eingesetzten Rohstoffen ein zentrales Anliegen der Hersteller werden, weil schon heute es lukrativer ist, seltene Rohstoffe aus Altgeräten günstiger zu gewinnen, als durch Abbau.

Im Übrigen ist es ja so, dass der Kunde selbst bestimmt, in wie weit er sich an dem Technologierennen beteiligt. Wenn man jeden 2 Mpx-Sprung mitmacht, den einem die Hersteller unter die Nase halten, wird eben viel weggeschmissen, obwohl das in der Sache, also im Gewinn von Bildinformation, so gut wie nichts bringt. Wer sich vor ca. 1-2 Jahren eine halbwegs gute 10 Mpx-Kamera gekauft hat, kann seelenruhig warten, bis die 20 und mehr Mpx-Kameras der nächsten Generation heraus kommen (Canon und vermutlich auch Nikon). Da lässt sich dann wirklich ein höherer Bildinformationsgewinn ablesen. Alles dazwischen ist wohl eher unwesentlich und effektiv verzichtbar.

Andere Wertung

Eingetragen von
Gast
am Montag, 15. November 2010 - 12:04

Zeig mir eine Optik die diese Mini Sensoren bei 20 Mio Pixel auflöst. Selbst bei 14 Mio wie momentan üblich reicht die Auflösung nicht hin. Für Glassorten und Vergütungen ist genau so eine physikalische Grenze wie in der Elektronik vorgegeben. Eine schlechte Bilddatei wird nicht besser weil sie mehr Pixel hat. Im Forum ist bestimmt jemand der die Zahlen genauer kennt. Ich habe jedenfalls festgestellt das bei gleichem Bildausschnitt zwischen 12 Mio APSC und 24 Mio Vollformat bei der Betrachtung im 100 Prozent Modus kaum ein Unterschied war. Natürlich ist im Ausdruck bei 300 DPI eine doppelte Bildgröße gegeben, aber das hat mit der Auflösung bei 100% nichts zu tun. Ich fände eine Angabe für aufgelöste Linien pro mm für Sinnvoller, weil diese bei allen Sensoren funktioniert.

Wie auch immer,

Eingetragen von
Gast
am Montag, 15. November 2010 - 16:27

diese Detailbetrachtungen spielen nicht wirklich so die Rolle. Dass Objektive sehr wohl jeden Auflösungsgang mit machen können, sieht man ja schon an den "kleinen" Objektiven, die mit dahinter gehängten Winzigsensoren jede Menge Bildinformationen mit hoher Qualität raus holen. Es ist technisch machbar und wird technisch umgesetzt, da kann man davon ausgehen. Es gibt vielleicht dann Qualitätsunterschiede, selbstverständlich, die sich auch im Preis bemerkbar machen. Aber die Grundausrichtung wird so gehen. Und das ist gut so.

12 MP auf APS

Eingetragen von
Gast
am Montag, 15. November 2010 - 18:42

entspricht recht genau 24 MP auf KB (wenn auch nur auf einer halbierten Fläche) - die Pixelgröße ist gleich groß.

Fotografiere ich das gleiche Motiv auf gleiche Distanz mit derselben Brennweite auf APS und KB, dann ist der KB-Ausschnitt größer gegenüber APS (oder halt APS gecropt gegenüber KB). Die Auflösung des Motivs ist tatsächlich gleich.

Fotografiere ich hingegen das gleiche Motiv im selben Ausschnitt mit APS und KB - dann sollte die Auflösung der KB-Aufnahme gegenüber APS etwa 1,4x besser sein. Erst bei 4-facher APS-Auflösung (das wären dann 48 MP) könnte das KB dann (theoretisch) doppelt so gut auflösen, wie APS ...

Was uns auch schön zeigt, dass man KB mitnichten allein wegen der höheren Auflösung wählt, sondern weil sich bildgestalterisch mehr aus dem größeren Format herausholen läßt (gleiche Auflösung über eine größere Fläche, geänderte Schärfentiefe-Verhältnisse) - bis hin zum, dann vielleicht APS entsprechenden Ausschnitt (ohne Qualitätsverlust gegenüber dem kleineren Format).

Bla bla, blablabla,

Eingetragen von
Gast
am Montag, 15. November 2010 - 21:59

bla bla, blablablabla, bla bla . . .

Das Thema kann gar nicht weit weg genug sein, damit ein paar Auflösungsartisten mit Hang zu KB und Co. nicht irgenwie ihr Lieblingsthema abfeiern. Kaum zu glauben.

Habt Dank

Eingetragen von
Gast
am Montag, 15. November 2010 - 23:35
Gast schrieb:

bla bla, blablablabla, bla bla . . .

auch für Euer, aus wenigen, pointierten Silben geformte Beitragshäufchen ... 8-)

Gerne

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 16. November 2010 - 17:50

und immer wieder!

Dufte!

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 16. November 2010 - 20:28

...