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Der lange Fluss Jangtse

Foto Nadav Kander, Chongqing XI, Chongqing Municipality, 2007Bizarre Momente und Absurdität, aber auch Ruhe und verzauberte Schönheit – Nadav Kanders Fotostrecke „Yangtze – The Long River“ dokumentiert den rasanten strukturellen Wandel entlang des chinesischen Flusses Jangtse:

Der 1961 in Israel geborene Fotograf Nadav Kander wuchs in Südafrika auf, doch schon bald zog er nach London: ein Leben, das früh durch den Blick auf andere Länder geprägt wurde. Kander fotografierte für die wichtigsten englischen Zeitungen und Magazine,  mit seiner Serie „Obama's People“ wurde er international bekannt. Vor kurzem ist sein Fotobuch „Yangtze – The Long River“ erschienen.

Die in China fotografierte Bildfolge „Yangtze – The Long River“ ist eine fotografische Arbeit, die sich den gewaltigen Veränderungen behutsam nähert. Der Brutalität des Faktischen setzt Kander eine poetische Bildsprache entgegen. Ein diffuser Schleier liegt über diesen Bildern, ein leichter Nebel, der die Grausamkeiten zwar nicht verdeckt, doch etwas mildert.
 

Foto Nadav Kander, Chongqing II, Chongqing Municipality, 2006

© Nadav Kander, Chongqing II, Chongqing Municipality, 2006
 
 
Foto Nadav Kander, Yibin V, Sichuan Province, 2007

© Nadav Kander, Yibin V, Sichuan Province, 2007

 
Still sind diese Fotografien, die zeigen, wie die Menschen mit den Veränderungen ihres Lebensraumes umgehen. „Elegisch“ kann man sie nennen, denn die Serie ist ein Abgesang auf das China der Vergangenheit, das mit der Inbetriebnahme des Drei-Schluchten-Damms am Jangtse in eine neue Ära der Modernisierung tritt. China springt mit großen Schritten in eine neue Zeit, doch Kander zeigt die Momente dazwischen: ruhende Bauarbeiten, Menschen, die beisammen sitzen, am Ufer stehen, auf den Fluss blicken, auf die einstige Lebensader Chinas. 

Wir sehen Bilder des Umbruchs, welche die Menschen in ihrer Winzigkeit vor Augen führen. Diese sind nicht Akteure der Handlung, sondern stumme Zuschauer, die vor der Monumentalität der neuen Bauten erstarren. Kein Land auf der Erde wirft sich mit solcher Schnelligkeit in eine neue Zeit, lässt das Alte so rigoros hinter sich.

„Yangtze – The Long River“ ist eine Serie über den größten Fluss Asiens, über seinen Verlauf von der Mündung bis zu der Quelle im Himalaja, aber noch mehr über die Menschen in dieser Landschaft. Noch gibt es Reste der Vergangenheit, archaische Hausboote etwa, doch auch diese wird es bald nicht mehr geben. Neue Wohnblocks entstehen in austauschbarer internationaler Architektur. Sie werden keine Heimat bieten.
 

Foto Nadav Kander, Chongqing VII (washing Bike), Chongqing Municipality, 2006

© Nadav Kander, Chongqing VII (washing Bike), Chongqing Municipality, 2006
 
 
Foto Nadav Kander, Chongqing XI, Chongqing Municipality, 2007

© Nadav Kander, Chongqing XI, Chongqing Municipality, 2007

 
Kander legt in seinen von 2005 bis 2007 entstandenen Bildern die Absurdität bloß, mit welcher sich der Mensch selbst seiner Vergangenheit beraubt – und die Fotografie dient ihm als zwingendes Beweismittel. Bizarre Momente – etwa das Picknick unter Brückenpfeilern – lassen nur für wenige Sekunden schmunzeln. „Warum müssen wir unsere Kultur zerstören, um uns zu entwickeln“, so hat ein Arbeiter des Bauprojekts die Entwicklung kommentiert.

Kein Sonnenstrahl erhellt diese sonderbar farblosen Szenen aus Baukränen, Schlamm, Wasser und Beton: Fotografien, die – trotz allem – auch Ruhe und verzauberte Schönheit ausstrahlen. Dazwischen, immer wieder: Menschen, in ihrer Kleinheit, in ihrer Hilflosigkeit angesichts der rücksichtslosen Entwicklung, die sie im Tiefsten erschüttern muss. 

(Marc Peschke)
 
 
Ausstellung:
Nadav Kander „Yangtze - The Long River”
22. Januar bis 12. März 2011

Foto

Galerie CAMERA WORK
Kantstraße 149
10623 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag – Samstag 11:00 – 18:00 Uhr

Buch:
Nadav Kander
Yangtze – The Long River (bei amazon.de)
Einführung von Kofi Annan, Texte von Nadav Kander und Jean Paul Tchang
Deutsch/Englisch
188 Seiten
Verlag Hatje Cantz 2010
ISBN 978-3-7757-2683-2
€ 58
 

Respekt!

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 23. Januar 2011 - 10:04

...

Gefällt mir nicht!

Eingetragen von
Gast
am Montag, 24. Januar 2011 - 22:09

Gewiss, super Aufnahmen. Aber was soll der wahnsinnige Gelbstich? Ist warscheinlich mit einer Nikon aufgenommen und per Kontrast und Farbe noch verstärkt. Wirklich schade, alles wirkt so warm und undramatisch. Wirklich exzellente Aufnahmen, aber der Farbeindruck ist einfach mies. Die Aufnahmen würden bei dem in China üblichen Nebel oder Smog erst richtig monumental, wenn sie düster ausschauen. So wirken sie völlig überzogen weich und unrealistisch. So sieht China gewiss nicht aus, wer schon mal da war kenn es bestätigen!

Nkon...

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 25. Januar 2011 - 10:35

... eher nicht. Großformatkamera, eher ja.

Zum Rest braucht man wohl nichts sagen.

Fantastisch.

Bild von Der Spanier. Viva.
Eingetragen von
Der Spanier. Viva.
(Inventar)
am Montag, 24. Januar 2011 - 10:54

Fantastisch. Sehr schön umgesetzt, welche Bedeutung oder Wert der (einzelne) Mensch in China hat (keinen).

Sehr gut die Spannung zwischen Brücken, die eigentlich verbinden sollen, aber dennoch für 'die da unten' unerreichbar bleiben.

Das erste Foto zeigt sehr schön den Kontrast der Mega-Cities in China zum Land: in der Provinz Chongqing leben 32 Millionen Menschen auf einer Fläche die ¼ so gross ist wie Deutschland. Weit über 80% der Fläche sind ländlich mit sehr geringer Bevölkerungsdichte (knapp 2 Millionen Menschen), 30 Millionen leben in den Monster-Städten Chongqing und Wuxi. Für Europäer kaum vorstellbar.

Der Spanier. Viva!

Die Fotos

Bild von Plaubel
Eingetragen von
Plaubel
(Inventar)
am Montag, 24. Januar 2011 - 13:13

folgen einem simplen Schema, das sich stetig wiederholt. Die Menschen auf den Bildern wirken plaziert. Ähnliche Bilder können an jedem Großbauprojekt arrangiert werden. Was zu der Frage führt, ob hier eine einzigartige, besondere Situation in China beschrieben wird, oder ob die Bilder nur eine Meinung illustrieren sollen.

Das Wesen

Eingetragen von
Gast
am Montag, 24. Januar 2011 - 12:46
Plaubel schrieb:

folgen einem simplen Schema, das sich stetig wiederholt.

von Bildserien ... Thema und Variation, auf musikinesisch. 8-)

Von der Lomo-Kanzel?

Eingetragen von
Gast
am Montag, 24. Januar 2011 - 13:49
Plaubel schrieb:

Die Fotos folgen einem simplen Schema, das sich stetig wiederholt.

Sie meinen: Scharfstellen, Belichtung einstellen, Auslösen?

Eine herbe Kritik am Wesen der Fotografie, die nicht ungehört verhallen darf!

Wenn man

Eingetragen von
Gast
am Montag, 24. Januar 2011 - 17:45
Plaubel schrieb:

folgen einem simplen Schema, das sich stetig wiederholt. Die Menschen auf den Bildern wirken plaziert. Ähnliche Bilder können an jedem Großbauprojekt arrangiert werden. Was zu der Frage führt, ob hier eine einzigartige, besondere Situation in China beschrieben wird, oder ob die Bilder nur eine Meinung illustrieren sollen.

den Beitrag nachträglich ändert, führt das nicht nur zu missverständlichen Antworten, sondern ist auch keine Gewähr dafür, dass der nun neue Beitrag wesentlich geistreicher wirkt, lieber Verweser eines glorreichen Markennamens ... 8-)

Ah this man knows the

Bild von Plaubel
Eingetragen von
Plaubel
(Inventar)
am Montag, 24. Januar 2011 - 20:30

Ah this man knows the truth! I am SO thankful!

Plaubel schrieb: Ah this

Eingetragen von
Gast
am Montag, 24. Januar 2011 - 20:49
Plaubel schrieb:

Ah this man knows the truth! I am SO thankful!

Ey, super, ey! Wir Dir diese sinnfreie Kommentiererei nicht langweilig? Ein Kritiker von deinem Format hat doch sicherlich kaum Zeit für Photoscala und kann sich vor Anfragen kaum retten. Oder?

Tolle Fotos...

Eingetragen von
Gast
am Montag, 24. Januar 2011 - 21:00

das sollte hier so mancher "Profi" der sich dazu äußert erstmal
hinbekommen.