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Jeder kann knipsen. Auch ein Automat. Aber nicht jeder kann beobachten. Photographieren ist nur insofern Kunst, als sich seiner die Kunst des Beobachtens bedient. Beobachten ist ein elementar dichterischer Vorgang. Auch die Wirklichkeit muss geformt werden, will man sie zum Sprechen bringen.
Am 19.5.
- 1924: * Chargesheimer (Carl-Heinz Hargesheimer, + 1971); deutscher Fotograf
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Das koloniale Auge - Frühe Porträtfotografie in Indien
Indien. Im Dienste von Wissenschaft und Kolonialismus sollten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Land und seine Bewohner durch Beobachten und Inventarisieren, Zergliedern und Vermessen durchdrungen werden:
Albert Thomas Watson Penn, Toda-Frau, 1870-80
Albuminabzug
© Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum
Pressemitteilung des Berliner Museums für Fotografie:
Das Koloniale Auge Frühe Porträtfotografie in Indien ist eine gemeinsame Ausstellung der Kunstbibliothek, des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst Staatliche Museen zu Berlin, im Museum für Fotografie, vom 20.7.2012 bis zum 21.10.2012.
Erstmals wird einer der an Umfang und Qualität weltweit bedeutendsten Bestände historischer Porträtfotografie Indiens in einer Ausstellung präsentiert. Die Sammlung aus dem Ethnologischen Museum galt ursprünglich als Kriegsverlust und gelangte in großen Teilen erst in den 1990er Jahren wieder zurück nach Berlin. Rund 300 Fotografien und 10 Bücher sind auf ca. 650 qm Ausstellungsfläche zu sehen. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick zur Porträtfotografie des indischen Subkontinents aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
John Burke, Mann mit Jagdtrophäen, um 1880
Albuminabzug
© Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum
Neben Bildern namhafter Fotografen und Studios wie Samuel Bourne, Shepherd & Robertson, A.T.W. Penn und John Burke sind auch Arbeiten kaum bekannter Autoren zu sehen. Die in jener Zeit populäre und ungeahnt facettenreiche ethnografische Fotografie wird kontrastiert mit genrehaften Straßenaufnahmen von Handwerkern und mit Adelsporträts islamischer Fürsten und Prinzessinnen, Maharajas und Clan-Chefs, die sich im eigenen Palast oder im Studio kunstvoll in Szene setzen ließen.
Ein verbindender Aspekt der meisten frühen Porträts in Indien ist der spezifisch europäische Blick - „Das Koloniale Auge“. Im „Dienste“ von Wissenschaft und Kolonialismus sollte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Land und seine Bewohner inventarisiert, zergliedert und vermessen werden. Die Faszination galt gleichermaßen den Ureinwohnern, dem Kastensystem, dem Prunk des Adels und dem enthaltsamen Leben der Asketen.
Mit den Worten des berühmten Fotografen Samuel Bourne lassen sich die historischen Verflechtungen von Ethnologie und Fotografie im Zeitalter des Kolonialismus erahnen: „Seit den ersten Tagen der Kalotypie setzte der eigenartige Dreifuß mit seiner geheimnisvollen Kammer und seinem Messingmund die Einwohner dieses Landes davon in Kenntnis, daß ihre Eroberer auch andere Instrumente als die prächtigen Kanonen ihrer Artillerie erfunden haben, Instrumente, deren Erscheinungsbild vielleicht nicht minder verdächtig anmutete, die ihr Ziel jedoch mit weniger Lärm und Rauch erreichten.“
A.W.A. Platé & Co, Shakuntala-Schauspieler, um 1900
Albuminabzug
© Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum

Westfield & Co, Fakire, 1870-80
Carte de Visite
© Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum
Die umfangreichen fotografischen Bestände des Ethnologischen Museums Berlin reichen bis weit in die zweite Hälfe des 19. Jahrhunderts zurück, eine Zeit, in der eine Kamera noch einen ähnlichen Schrecken verbreiten konnte wie ein Gewehr. Wie ein roter Faden zieht sich dieses Thema durch die Ausstellung.
Schon ab den 1850er Jahren wurden von Forschungsreisenden und Sammlern Fotografien aus allen Regionen der Welt zusammengetragen, um einen möglichst umfassenden Überblick über die fremden Kulturen zu geben. Viele der Aufnahmen zeigen gestellte Porträts von Gruppen oder Einzelpersonen, deren Körperhaltung aufgrund der damals noch langen Belichtungszeiten fast erstarrt wirkt. Zahlreiche Bildmotive geben Auskunft über den kolonialen Zusammenhang von Ethnologie und Fotografie. Fotografien von der großen Hungersnot Südindiens aus den Jahren 1877/1878 oder von nackten Ureinwohnern sind extreme Zeugnisse des Selbstverständnisses weißer Kolonialherren. Sie sind fotografische Dokumente, die der britischen Kolonialmacht zur Rechtfertigung des Eindringens in die fremde Kultur dienten und die vermeintlich zivilisatorischen Errungenschaften festhielten.
Darüber hinaus befinden sich in der Sammlung meisterhafte Vintage-Abzüge von hinduistischen Maharajas und Clan-Chefs, islamischen Fürsten und Prinzessinnen, die die Porträtierten auch zur Selbstdarstellung verwendeten. Das Interesse der britischen Kolonialherren für das Kastenwesen spiegelt sich ebenfalls in der Sammlung wider. So gleichen die zahlreichen Porträts von Brahmanen, Kriegern, Handwerkern, Bauern, Dienern und von so genannten „Unberührbaren“ einer fotografischen Inventarisierung des Kastenwesens. Eine ähnlich systematische Herangehensweise zeigt sich bei den Porträts der Ureinwohner, den Adivasi. Die ethnische Vielfalt Südasiens spiegelt sich in den Fotografien, die sich von den im Himalaya lebenden Leptscha und Bhutia über die in Zentralindien lebenden Bhil, die verschiedenen Stämme Südindiens, die Vedda auf Sri Lanka und die Bewohner der Andamanen-Inseln erstreckt.
Die singhalesischen Porträtaufnahmen sind in Umfang und Qualität den indischen Porträts ebenbürtig und bilden aufgrund ihrer einheitlich wirkenden Inszenierung einen reizvollen Kontrast zu den indischen Porträts. Als fotografische Besonderheit zeigt die Ausstellung Penns Fotografien von Jagdtrophäen aus den Nilgiri-Bergen Südindiens.
Fotograf unbekannt, Jüdische Familie aus Cochin, Malabar, um 1880
Albuminabzug
© Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum

Shepherd & Robertson, Goldschmied, 1862-63
Albuminabzug
© Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum
Ausstellung:
Das Koloniale Auge Frühe Porträtfotografie in Indien
20.7.2012 bis zum 21.10.2012
Öffnungszeiten der Ausstellung: Di So 10 18 Uhr, Do 10 22 Uhr
Museum für Fotografie
Jebensstr. 2
10623 Berlin-Charlottenburg
Katalog:
Koehler & Amelang, Seemann Henschel GmbH & Co. KG
Das Koloniale Auge. Frühe Porträtfotografie in Indien / The Colonial Eye. Early Portrait Photography in India
Ludger Derenthal / Raffael Dedo Gadebusch / Katrin Specht (Hg.)
208 Seiten, 200 farbige Abbildungen, Hardcover, 25 x 31 cm
ISBN 978-3-7338-0387-2 (dt.); ISBN 978-3-7338-0389-6 (engl.)
Preis: € 39,90
Bourne & Shepherd, Shah Jahan, Begum von Bhopal, 1877
Albuminabzug
© Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum
(thoMas)
Zum Thema:
- Das koloniale Auge - Frühe Porträtfotografie in Indien; Berlin
- Frühe Fotografie in Indien
- Ein neuer Blick
- Wolfgang Tillmans in Berlin: Lighter
- FASHION FOOD; Mode zum Anbeißen; Berlin
- Ai Weiwei in New York – Fotografien 1983-1993; Berlin
- Eva Besnyö – Fotografin 1910-2003; Berlin
- Leipzig. Fotografie seit 1839; Leipzig
- Unsere Zeit hat ein neues Formgefühl; Essen
- „Das Fotografieren hat mir das Sehen auf eine neue Art gesteigert.“
- Visions & Fashion, Bilder der Mode 1980|2010; Berlin
- Hijacked 2; Mannheim





Hochachtung ...
... und Respekt, was die Fotografen damals bereits geleistet haben.
Wenn ich es irgendwie einrichten kann, werde ich mir die Bilder in Berlin anschauen.
Schööön
Wie schön, endlich einmal keine "Fotokunst!"
Ich bin immer wieder
Ich bin immer wieder fasziniert von der Tonalität und der Tiefe der GF-Aufnahmen.
Noch eine Ergänzung zum Albuminabzug, weil sich die Wenigsten etwas darunter vorstellen können:
Albuminpapier (1850 - ca. 1920)
war im 19. Jahrhundert aufgrund seiner Detailtreue das gebräuchlichste Fotopapier. Albumin wird aus tierischem Eiweiß gewonnen, mit Natriumchlorid oder Ammoniumchlorid versetzt und auf ein besonders dünnes Trägerpapier aufgetragen. Das nach zweimaliger Beschichtung matt glänzende Papier wird erst unmittelbar vor dem Gebrauch in einem Bad aus konzentrierter Silbernitratlösung sensibilisiert. Aufgrund der dünnen Papierträger wurden die meisten Abzüge auf Kartons kaschiert. Albuminabzüge sind leicht an ihrer gelblich bis rötlichbraunen Grundfärbung zu erkennen und – da sie die Tendenz haben, rasch zu verblassen bzw. zu vergilben – an den gelblich gewordenen Spitzlichtern. Gut erhaltene Abzüge weisen zum Teil hohe Bildweißen und kräftige Schatten mit guter Zeichnung auf. Ein stark purpurner Bildton deutet auf eine Restaurierung hin. In der einst vermutlich größten Albuminpapierfabrik in Dresden wurden bis zu 68.000 Eier täglich verbraucht. Da die Qualität des Papiers besonders hoch war, wenn bereits denaturiertes Eiweiß zum Einsatz kam, müssen die olfaktorischen Bedingungen für Arbeiter und Anrainer erbärmlich gewesen sein.
Quelle: http://tinyurl.com/d795lkm
Das "Geheimnis"
alter SW-Filme: An Silber wurde nicht gespart ...
Das Penispiercing
auf der Visitenkarte ist cool. Werde ich mir auch machen lassen...
Das diente nur der
Das diente nur der Vorbereitung für die Penis-Resektion ;-))
Fotografie als Jagd und das
Fotografie als Jagd und das Bild als Trophäe.
Da waren sie
Fotografie als Jagd und das Bild als Trophäe.
auch schon mal entrückter: Kolonialherren auf Jagd, und der Wilde als Trophäe ... 8-/