Auf nach Zingst! Bereits zum zehnten Mal findet nun das Umwelt­fo­to­fes­tival »horizonte zingst« statt, das sich zu einem der großen deutschen Fotofes­tivals entwi­ckelt hat. Was ist das Besondere an dem Festival im Ostsee­heilbad Zingst? Für photoscala hat sich Marc Peschke mit dem Kurator Klaus Tiedge unter­halten, der von Anfang an dabei ist.

Bereits zum zehnten Mal findet es vom 20. Mai bis zum 5. Juni statt, das Umwelt­fo­to­fes­tival »horizonte zingst«. Doch was ist eigentlich ein „Umweltfoto“? Der Begriff wird in Zingst sehr frei inter­pre­tiert, wie die „horizonte“ beweisen – so nennt man hier die Bilder­schauen renom­mierter Fotografen und Künstler. Dazu kommen Workshops, Multi­vi­si­ons­shows, Vorträge, Gespräche, Präsen­ta­tionen von Hochschulen – zudem stellen bekannte Kamera­her­steller ihre Produkte vor. Und abends gibt es immer etwas ganz Beson­deres, nämlich die „Bilderflut am Strand“: Projek­tionen auf der XXL-Leinwand inklusive Cocktail-Bar. Und gerade das macht dieses Festival zu etwas Beson­derem: Fototechnik, Fotokunst, Natur­fo­to­grafie: Hier kommt alles in schönster Atmosphäre zusammen.

Natürlich darf man nicht vergessen: Die Faszi­nation des Festivals hat auch mit dem Ort zu tun: das Ostsee­heilbad in Mecklenburg-Vorpommern, inmitten einer fantas­ti­schen Landschaft zwischen Bodden und Meer gelegen, mit seinem 15 km Strand, seinem Bodden­hafen und seinen vielen Ausstel­lungs­orten wie dem Max Hünten Haus, dem  Zentrum der Erleb­niswelt Fotografie, in dem das ganze Jahr über ausge­wählte Produkte verschie­dener Kamera­her­steller präsen­tiert werden, in dem Schulungen statt­finden, eine Fotobi­bliothek und ein Fotoprint­studio unter­ge­bracht sind und der Leica Galerie.

(c) Frank Becker

Doch was ist in diesem Jahr zu sehen? Die ausge­stellten Fotografien dokumen­tieren die Schönheit der Welt, die Vielfalt, aber auch ihre Bedrohung. In Zingst wird die Fotografie stets auch als Werkzeug verstanden, die Natur­wunder der Welt, aber auch ihre Gefährdung sichtbar zu machen. „Fotografie als Medium für die Kommu­ni­kation von Natur- und Umwelt­schutz“, so definieren die Veran­stalter ihr Anliegen, deren Festival an einem Ort statt­findet, der Landschafts- und Tierfo­to­grafen seit jeher anlockt.

Klaus Tiedge im Interview mit Marc Peschke für photoscala

photoscala: Im Jahr 2008 wurden die „horizonte“ gegründet. Immerhin 7000 Besucher hatten Sie schon im ersten Jahr! Im Jahr 2016 hatte das Festival über 40.000 Gäste. Besteht da nicht die Gefahr, dass mit der Größe auch etwas verloren geht?

Klaus Tiedge: Nicht immer ist weniger mehr. Das Ostsee­heilbad Zingst ist ein sehr erfolg­reicher, populärer Urlaubsort mit 335.000 Gäste­an­reisen und 1,82 Millionen Übernach­tungen im Jahr 2016.  Da es kaum eine logischere Verbindung als Reisen und Fotogra­fieren gibt, sind die Rahmen­be­din­gungen für ein Festival geradezu ideal. Dazu kommt selbst­ver­ständlich die absolut großartige Motivwelt der wunder­schönen Natur. So erklärt sich auch der Titel der Veran­staltung. Wer heute Natur sagt, muss sich auch zum Engagement für die Umwelt bekennen.

photoscala: Leitmotiv in diesem Jahr ist die Vermüllung der Ozeane mit Plastik. Was werden Besucher sehen können? Schöne Bilder – grausige Bilder?

Kurator Klaus Tiedge

Kurator Klaus Tiedge

Klaus Tiedge: Es kann nicht unsere Aufgabe sein, unser Publikum zu schockieren. Die Mischung macht’s. Wir zeigen grandiose Natur, wecken damit die Liebe und das Bewusstsein, diese zu bewahren und machen mit kriti­schen Fotografien auf die Bedrohung aufmerksam. Unser zentrales Motto in diesem Jahr heißt »S.O.S. SAVE OUR SEAS«. Der Plastikmüll in den Meeren und an den Stränden geht Jeden etwas an. Jede Plastiktüte, die wir mit unseren Aktionen verhindern können, ist ein Gewinn für die Umwelt. »Mensch ist Meer« heißt beispiels­weise eine Aktion mit Studie­renden von Hochschulen, begleitet von profi­lierten Profes­sionals. Parallel gib es aber auch Mitmach­ak­tionen mit sehr populärer Ausrichtung.

photoscala: Wer wird in diesem Jahr Schirmherr des Festivals sein?

Klaus Tiedge: Wir haben 2017 die große Freude, dass ein inter­na­tional bedeu­tender Fotograf, der in vieler Hinsicht als Vorbild gelten kann, nämlich Walter Schels, der die Erleb­niswelt Fotografie Zingst seit Jahren begleitet, die Schirm­herr­schaft übernommen hat.

photoscala: Weiterhin ist die Natur­fo­to­grafie – oder die Darstellung von Natur in Beziehung zum Menschen – ein Schwer­punkt in Zingst. Wie inter­pre­tieren Sie den Begriff der „Natur­fo­to­grafie“?

Klaus Tiedge: Wie ich schon eingangs erwähnt habe. Wer Natur sagt, muss auch ein Bekenntnis zum Umwelt­schutz abgeben. Das Umwelt­fo­to­fes­tival »horizonte zingst« ist eben mehr als ein Naturfoto-Event. Wir sind program­ma­tisch ausge­richtet, aber nie dogma­tisch eingeengt. Die Arten­vielfalt ist unsere Sache, aber gleich­zeitig auch die Vielfalt fotogra­fi­scher Phänomene. Von der ambitio­nierten Hobby­fo­to­grafie über die grandiose Natur­dar­stellung bis hin zur künst­le­ri­schen Fotografie mit höchstem Anspruch. Wir nennen es das „Zingster Spektrum“.

photoscala: Wie kann man den „Geist“ von Zingst beschreiben?

Klaus Tiedge: Der Geist von Zingst heißt Integration. Wir suchen das Verbin­dende in allen Aktivi­täten. Sehens­werte Ausstel­lungen, motivie­rende und infor­mie­rende Workshops, begeis­ternde Vorträge und unter­haltsame Festi­valat­mo­sphäre mit Party­stimmung am Strand mit der XXL-Großpro­jektion, die wir Bilderflut nennen.

photoscala: Immer wieder ist es auch die Gefährdung der Natur, die Bedrohung, die Thema der Ausstel­lungen ist. Umwelt­schutz, auch das ist ein Schwer­punkt in Zingst. Was hat die Macher bewogen, sich program­ma­tisch diesem Thema zu widmen?

Klaus Tiedge: Weil wir unseren wachsenden Erfolg nicht zuletzt deshalb erzielen, weil wir authen­tisch sind. Wir sind inspi­rie­render Schau­platz, motivie­render Spiel­platz und nicht zuletzt auch ein ehrlicher Markt­platz.

photoscala: Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Wie soll sich Zingst weiter­ent­wi­ckeln?

Klaus Tiedge: Zingst muss so lebendig bleiben wie die Fotografie. Wir sind aufge­schlossen für immer neue Impulse. Still­stand gibt es nicht. Wir haben so wunderbare Neuerungen wie den Olympus Fotokunstpfad, einen sich dynamisch entwi­ckelnden Fotomarkt und tragfähige Medien­part­ner­schaften mit großer Trag- und Reich­weite – online Medien inklusive. Ich wünsche mir vor allem, dass wir immer mehr Menschen die Freude an der Fotografie und dem besseren Bild vermitteln können.

Informationen

Umweltfotofestival »horizonte zingst« 2017
20. Mai bis 5. Juni 2017
Max Hünten Haus
038232 165110
Kur- und Tourismus GmbH
Seestraße 56/57
18374 Ostsee­heilbad Zingst