Der nicht immer unumstrittene Fotograf Martin Parr erhält den Ehren­preis der Sony World Photo­graphy Awards 2017 für „Heraus­ra­gende Leistungen für die Fotografie“. Geehrt wird der britische Fotograf für seinen neuen Weg der Dokumen­tar­fo­to­grafie. Seine selten gezeigten Werke werden im Rahmen der Ausstellung im Somerset House vom 21. April bis 7. Mai in London zu sehen sein.

Parr ist dafür bekannt, ein sehr ungeschminktes Bild der Wirklichkeit wieder­zu­geben und damit bisweilen zu provo­zieren. So wurde er erst nach langer Debatte 1994 Vollmit­glied von Magnum Photos, seit 2014 ist Martin Parr Präsident der Bildagentur.

Pressemitteilung von Sony Deutschland:

Martin Parr bekommt den Ehrenpreis der Sony World Photography Awards 2017

Der britische Dokumen­tar­fo­tograf wird beim größten Fotowett­bewerb der Welt mit dem Preis für „Heraus­ra­gende Leistungen für die Fotografie“ ausge­zeichnet. Im Rahmen der Award-Gala am 20. April wird Martin Parr die Auszeichnung in London persönlich entge­gen­nehmen. Seine selten gezeigten Werke werden im Rahmen der Ausstellung im Somerset House vom 21. April bis 7. Mai in London zu sehen sein.

Berlin, 17. Januar 2017. Martin Paar steht für einen neuen Weg der Dokumen­tar­fo­to­grafie. Im Lauf seiner mehr als 40-jährigen Karriere setzte er sich immer wieder mit Themen aus den Bereichen Freizeit, Konsum und Kommu­ni­kation ausein­ander. Sein einzig­ar­tiger, doppel­deu­tiger Blick auf das Weltge­schehen, bringt Menschen rund um den Globus dazu, die Dramatik im Alltäg­lichen zu entdecken. In minutiösen Details hält Parr die Welt so fest, wie er sie sieht und reflek­tiert dabei ohne Scheu nationale Eigen­heiten wie auch inter­na­tionale Phänomene.

Für diese Hingabe zur Fotografie und sein ständiges Bestreben, Grenzen zu überwinden, wird er von der World Photo­graphy Organi­sation dieses Jahr geehrt. Trotz seiner Aussage: „Wenn ich wüsste, wie man ein großar­tiges Foto schießt, würde ich aufhören.“

 Martin Parr / Venice, Italy, 2005

Martin Parr / Venice, Italy, 2005

Martin Parr hat mit seinen Arbeiten alle herkömm­lichen Grenzen der Fotografie überwunden und gezeigt, dass dieses Medium ein ungemein wirkungs­volles Kommu­ni­ka­ti­ons­mittel ist.“, sagt Scott Gray, CEO der World Photo­graphy Organi­sation. „Als Künstler hat Parr eine einzig­artige visuelle Sprache geschaffen, die zwar zutiefst ernsthaft ist, zugleich aber eine Komik besitzt, dank derer seine Arbeiten nahezu weltweit verstanden werden. Hohe Integrität und ein starkes Engagement für die Fotografie sind der rote Faden, der alle bishe­rigen Empfänger unseres Preises für ‚Heraus­ra­gende Leistungen für die Fotografie‘ verbindet.“

Für Martin Parr ist diese bedeutsame Auszeichnung etwas ganz Beson­deres: „Den Preis für ‚Heraus­ra­gende Leistungen für die Fotografie‘ zu erhalten ist eine große Ehre. Zudem ist es sehr ermutigend zu sehen, dass die World Photo­graphy Organi­sation und Sony mit dieser Ausstellung und den diesjäh­rigen Awards die moderne Fotografie in allen ihren Aspekten weiter unter­stützen. “Zu den bishe­rigen Empfängern des Preises für ‚Heraus­ra­gende Leistungen für die Fotografie‘ zählen Mary Ellen Mark, Eve Arnold, Bruce Davidson und Elliott Erwitt.

Martin Parr, geboren 1952 in Epsom, Surrey, wurde als Teenager durch seinen Großvater zum Fotogra­fieren inspi­riert. Für seine frühen Jahre sind Schwarz­weiß­auf­nahmen charak­te­ris­tisch. Angeregt durch Fotografen wie Stephan Shore, William Eggleston, Peter Fraser und Joel Meyerowitz, verlegte Parr sich in den 1980ern auf wirkungs­starke Farbfotos, mit denen er seither assoziiert wird.

Martin Parr zwingt den Betrachter, Vertrautes mit neuen Augen zu sehen, was ihm immer wieder den Vorwurf einge­bracht hat, er würde sich über seine Motive lustig machen. Die Ausstellung The Last Resort (1985) gilt weithin als sein Durch­bruch, und seither ist er zu einer Inspi­ration für eine ganze Generation jüngerer Fotografen geworden. Parr ist ein leiden­schaft­licher Sammler von Fotobü­chern und hat selbst zahlreiche verfasst.

Seit 1988 ist Parr Mitglied von Magnum Photos und wurde 2014 zum Präsi­denten von Magnum Photos Inter­na­tional gewählt.

Ausstellung zu den Sony World Photography Awards 2017 & Martin Parr

Die Ausstellung der Sony World Photo­graphy Awards 2017 im berühmten Somerset House in London zeigt einen eigens zusam­men­ge­stellten und umfang­reichen Einblick in die Werke von Martin Parr. Neben einer Reihe von seinen bekann­testen Fotos, Büchern und Filmen werden auch selten gezeigte Schwarz­weiß­fotos aus den Anfangs­jahren seiner Karriere ausge­stellt. Kuratiert wurden sie von Zelda Cheatle.

Eindrucksvoll ist die Auswahl selten gezeigter Arbeiten aus Parrs Serie Abandoned Morris Minors, die zwischen 1980 und 1983 an der Westküste Irlands entstanden. Auch Origi­nal­plakate zur ersten Ausstellung dieser Fotos sind zu sehen. Im Kontrast dazu stehen eine Reihe der belieb­testen Arbeiten von Martin Parr, auf denen der Fotograf den inter­na­tio­nalen Tourismus ins Visier nahm.

Martin Parr / Sorrento, Italy, 2014

Martin Parr / Sorrento, Italy, 2014

Kuratorin Zelda Cheatle erklärt ihre Auswahl so: „Martin Parrs typischer Stil ist leicht wieder­erkennbar: Die Kombi­nation aus Blitz- und Tages­licht und vor allem seine ganz besondere Art, die Engländer bei der Arbeit und in der Freizeit zu fotogra­fieren – das Eintönige und Alltäg­liche aufzu­greifen und daraus eine Mischung aus trockener Beobachtung und ironi­scher Gesell­schafts­dar­stellung zu machen.

Ich kenne Martin Parr schon seit seinen Anfängen als Fotograf und wollte unbedingt seine weitgehend unbekannten sanften Schwarz­weiß­bilder von der irischen Westküste zeigen. Diese Aufnahmen verlas­sener Morris Minors lassen eine echte Liebe zur irischen Landschaft erkennen. Hier gibt es keinen Spott – jedoch definitiv eine Prise seines typischen Humors und auch eine leise Poesie.

Martins Beschäf­tigung mit dem Massen­tou­rismus erscheint als perfekte Ergänzung seiner frühen Arbeiten. Der Tourismus ist ein notwen­diges Übel – die Wirtschaft vieler Länder hängt von ihm ab, doch zugleich droht er sich selbst zu verschlingen.“

Die Sony World Photo­graphy Awards sind der größte Fotowett­bewerb der Welt. Die Shortlist für die Awards 2017 wird am 28. Februar bekannt gegeben.

Die Ausstellung wird zudem in diesem Jahr erneut im Willy-Brandt-Haus in Berlin gastieren. Bereits zum dritten Mal in Folge werden die besten Bilder und Serien der Sony World Photo­graphy Awards ausge­stellt.