Dass mich die neue Olympus PEN-F bereits bei meiner ersten Begegnung gefesselt hat, war ja bereits auf photoscala nachzulesen. Doch der erste Kontakt mit der schicken Kleinen fiel viel zu kurz aus, um mich eingehend mit der Technik und den Möglich­keiten der Kamera zu beschäf­tigen. Das habe ich in den letzten zwei Wochen nachgeholt, viel mit der Olympus PEN-F fotogra­fiert und experi­men­tiert.

 

Design und Handhabung

Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. So muss die PEN-F nicht unbedingt jedem gefallen – mich aber spricht ihr Retro-Design an, auch noch nach 14 Tagen inten­siver Beschäf­tigung mit der Kamera. Kritiker mögen vielleicht anmerken, dass die die Top-Platte mit ihrer Vielzahl an unter­schiedlich geformten Wahl- und Einstell­räder etwas zerklüftet wirkt – doch das war ja bei vielen Kameras der 60er Jahre, die die PEN-F zitiert, ja nicht anders. Dass jedes Bedien­element seine ganz eigene Form bekommen hat, erweist sich im Einsatz zudem als praktisch. Auch im Schum­mer­licht ist jedes Rädchen klar auszu­machen und notfalls zu ertasten. Das gilt leider nicht so für die Knöpfchen auf der Rückseite, sie wirken verwech­selbar wie bei jeder belie­bigen Digital­kamera.

Olympus PEN-F: Design-Skizze

Das Design der PEN-F ist bereits Mitte 2014 entstanden – wie Skizzen von Olympus dokumen­tieren.
 

Zum Retrostil passt dagegen die genarbte, leder­ähn­liche Oberfläche auf der Kamera­front sowie auf der Rückseite des Monitors. Wird der Monitor mit seinem Rücken nach vorne angeklappt, verstärkt das nicht nur den „analogen Look“ der Kamera, gleich­zeitig wird die Display-Oberfläche geschützt. Retro ist auch das griffige Einstellrad auf der Kamera­front, mit dem man die Effek­top­tionen wählt (dazu später noch mehr). Mir ersetzt dieses Einstellrad eine Griff­wulst an der Front. Mit dem Frontrad und der Daumauflage auf der Rückseite kann ich die Kamera zwischen Mittel­finger und Daumen „einhängen“, was angesichts des geringen Gewichts der PEN-F durchaus bequem ist.

Das wirklich handliche Gewicht der PEN-F geht aber nicht etwa auf den Einsatz günstiger Materialien aus der petro­che­mi­schen Industrie zurück – nein, Olympus hat der Kamera ein wertiges Metall­ge­häuse spendiert. Zum hochwer­tigen Eindruck trägt auch bei, dass es keine sicht­baren Schrauben gibt. Einzig die Schnitt­stel­len­ab­de­ckung rechts an der Kamera mutet etwas klapprig an. Schade auch, dass die PEN-F nicht speziell gegen Staub oder Spritz­wasser abgedichtet ist – das gibt es nur bei der OM-D-Serie.

Olympus PEN-F

Auch dank der sehr kompakten Objektive avanciert die Olympus PEN-F
zu einer leichten und unauf­fäl­ligen System­kamera.

 

Olympus hat es sich ja von je her auf die Fahne geschrieben, kleine und leichte System­ka­meras zu bauen. Möglich wird dies unter anderem dadurch, dass Olympus auf einen Sensor im Micro-Four-Thirds-Format setzt. Seine Diagonale misst nur etwa die Hälfte eines Sensors im Klein­bild­format, entspre­chend kompakt können MFT-Kameras ausfallen – und vor allem die Objektive!

Beispiel gefällig? Zusammen mit dem von mir einge­setzten M.Zuiko Digital 17mm 1:1.8 wiegt die Pen-F gerade einmal 540 Gramm. Eine Sony Alpha 7 II bestückt mit einem FE 35 mm 1.4 Distagon T* ZA (das aller­dings licht­stärker ist) kommt auf 1230 Gramm. Und eine Nikon mit dem Nikkor AF-S 35 mm 1.8 DX drückt 1150 Gramm auf die Waage. Auch mit dem ebenfalls von mir verwen­deten Porträt­ob­jektiv M.Zuiko Digital 45mm 1:1.8 wiegt die PEN-F nur rund die Hälfte der beiden Klein­bild­ka­meras mit entspre­chenden Festbrenn­weiten.

Der Faktor 0,5 bezie­hungs­weise dessen Kehrwert 2 wird nochmals Thema sein, wenn es um Bildge­staltung und –qualität geht. Vor Ort überzeugt das kompakte Package der PEN-F jeden­falls schon einmal durch seine Unauf­fäl­ligkeit. Dass die Kamera für Außen­ste­hende keineswegs profes­sionell oder klotzig wirkt, eröffnete mir so manche Fotoge­le­genheit, die mir mit einem Klein­bild­bo­liden wohl verwehrt geblieben wäre. Gar nicht davon zu reden, wie wenig Platz die PEN-F in der Fototasche braucht. Ich hatte jeden­falls keine Tasche, die für die Kamera mit den beiden 1,8er Festbrenn­weiten nicht hoffnungslos überdi­men­sio­niert gewesen wäre.

Sucher und Display

Bei der spiel­losen PEN-F blickt man in einen elektro­ni­schen Sucher (EVF) und nicht durch einen optischen. Das hat Vor- und Nachteile. Unbestrit­tener Vorteil ist sicherlich, dass die Kamera bereits im Sucher die Auswir­kungen der aktuellen Einstel­lungen wie Belich­tungs­kor­rektur, Weißab­gleich etc. auf die Aufnahme simulieren kann. Anhänger des optischen Suchers werfen dagegen gerne ein, dass das Sucherbild eines EVF bei schnellen Kamera­schwenks schliert und im schlechten Licht zittert. Wenn man konzen­triert darauf achtet, zieht beim schnellen Schwenk im Schum­mer­licht auch das Sucherbild bei der PEN-F etwas nach, stabi­li­siert sich aber augen­blicklich wieder, sobald die Kamera zur Ruhe gekommen ist. Mich stört das in keiner Weise. Wer das anders sieht, kann bei der PEN-F den elektro­ni­schen Sucher in einen spezi­ellen Modus („LV-Erwei­terung“) schalten, bei der die Anzeige auch unter widrigsten Licht­be­din­gungen wie festge­ta­ckert steht. Aller­dings gibt es dann keine Simulation der Belichtung mehr – weswegen ich diesen Modus nicht so gern verwendet habe.

Wenn es etwas am Sucher der PEN-F zu kriti­sieren gibt, dann das, dass er vielleicht etwas klein geraten ist. Bezogen auf Kleinbild beträgt die Sucherbild­ver­grö­ßerung 0,62fach, das Sucherbild ist also noch etwas kleiner als bei einer APS-C-DSLR. Als Problem habe ich das vor allem dann empfunden, wenn ich mit der Brille auf der Nase in den Sucher blicke. Dank der Dioptri­en­kor­rektur am Suche­ro­kular habe ich es mir schnell angewöhnt, die Brille auf die Stirn zu schieben und ohne Sehhilfe in den Sucher zu sehen.

Olympus PEN-F: Beispielbild

Wie gut, dass die PEN-F ein klapp- und drehbares Display aufweist –
das erleichtert bodennahe Aufnahmen ungemein.

 

In meinen zwei Wochen mit der PEN-F habe ich das rückwärtige Display sicherlich genauso häufig benutzt wie den Sucher. Es lässt sich zunächst nach links ausschwenken und dann in sehr weit vor- oder zurück­drehen. Man kann also sein Motiv praktisch immer im Blick halten, egal ob man die Kamera weit über den Kopf hebt, vor dem Bauch hält oder in Bodennähe fotogra­fiert. Sicher, wenn die Sonne direkt von hinten auf den Monitor scheint, ist er nahezu unnütz. Von unschätz­barem Vorteil habe ich das Display zur Aufnah­me­kon­trolle jedoch immer dann empfunden, wenn die PEN-F fest auf ein Stativ montiert war und ein Blick in den Sucher nur unter argen Verren­kungen möglich gewesen wäre.

Das Display ist berüh­rungs­emp­findlich, leider nicht in allen Situa­tionen. So lässt sich etwa das Fokusfeld mit einem Finger­tipper festlegen, auch durchs Schnellmenü navigiert man mit dem Finger. Das Hauptmenü will indes mit den Pfeil­tasten auf der Vierwe­ge­wippe bezie­hungs­weise mit Daumen- und Frontrad durch­forstet werden, auf Berüh­rungen reagiert es nicht. Vielleicht ist das auch gut so, denn die Einträge sind dicht gedrängt, die Gefahr sich zu „vertippen“ wäre da nicht zu unter­schätzen. Die Frage, wie man umfang­reiche Kamera­menüs (insbe­sondere derart umfang­reiche wie das der PEN-F) sinnvoll struk­tu­riert, versucht jeder Kamera­her­steller auf seine Weise zu beant­worten – mich hat noch keine der Antworten wirklich überzeugt, auch nicht bei der PEN-F. Mit dieser Kamera muss man sich länger beschäf­tigen als zwei Wochen, um die Bedie­nungs­an­leitung endgültig ad acta legen zu können. Immerhin hat ihr Olympus einen kleinen Assis­tenten spendiert, der auf Knopf­druck meist (aber nicht immer) erhel­lende Erläu­te­rungen zum aktuell gewählten Menüposten auf den Schirm bringt.

In der Praxis haben mir einige Dinge beim Umgang mit der PEN-F gut gefallen, andere weniger. Sehr schön finde ich, dass sich über das Modus­wählrad bis zu vier (zuvor festge­legte) Indivi­dual­kon­fi­gu­ra­tionen abrufen lassen. Und dass sich dieses Modus­wählrad verriegeln lässt – so ist es gegen verse­hent­liches Verstellen geschützt. Das gilt auch für das Rad zur Belich­tungs­kor­rektur, das angenehm schwer­gängig ist. Das Front- und vor allem das Daumenrad drehen sich dagegen viel zu leicht, da verstellt sich die Kamera bereits, wenn sie nicht mit großer Vorsicht in die Tasche gelegt wird. Dass die PEN-F direkt nach dem Einschalten hellwach ist und überhaupt sehr direkt auf alle Eingaben reagiert, ist mir dagegen positiv aufge­fallen. Auch das angenehm sanfte Verschluss­ge­räusch ist so ganz nach meinem Geschmack, optional bietet der PEN-F zudem einen völlig lautlosen, voll-elektro­ni­schen Verschluss.

Ausstattung und Leistung

Olympus hat die PEN-F derart reich­haltig mit Funktionen ausge­stattet, dass es fast leichter fällt aufzu­zählen, was ihr fehlt, als was sie hat. So war zum Beispiel im schmucken Gehäuse kein Platz mehr für einen Bordblitz. Statt­dessen legt Olympus der Kamera einen kleinen Aufsteck­blitz (LZ 13 bei ISO 200) bei, mit dreh- und schwenk­barem Reflektor. Der Blick aufs Modus­wählrad macht zudem deutlich, dass sich die PEN-F eher an erfahrene Fotografen wendet als an Anfänger – dedizierte Motiv­pro­gramme fehlen ihr. Immerhin gibt es mit iAuto eine „Rundum-Sorglos-Automatik“, die sich in gewissen Grenzen sogar den Wünschen des Fotografen unter­ordnet.

Olympus PEN-F: Aufsteckblitz

Ein Bordblitz fand keinen Platz mehr in der PEN-F. Olympus legt ihr aber einen
kleinen Aufsteck­blitz bei, dessen Reflektor sogar dreh- und schwenkbar ist.

 

Die große Stärke der PEN-F liegt aber sicherlich darin, dass sich das Verhalten ihrer diversen Automa­tiken und die Bildauf­be­reitung in sehr weiten Bereichen einstellen lässt. So gibt es beispiels­weise eine „Belich­tungs­justage“ mit der man die Belich­tungs­messung der Kamera generell übersteuern kann – und zwar getrennt für jeden der drei Messmodi „Mehrfeld­messung“, „mitten­be­tonte Integral­messung“ und „Spotmessung“. Etwas mager habe ich hingegen die Einstell­mög­lich­keiten für die ISO-Automatik empfunden, mehr als eine Ober- und Unter­grenze lässt sich nicht festlegen. Die Kamera regelt dadurch stur die ISO-Zahl hoch, sobald die Belich­tungszeit den Wert 1/Kleinbild-Brennweite unter­schreitet – dabei ließe ihr hervor­ra­gender Bildsta­bi­li­sator durchaus längere Belich­tungs­zeiten zu.

Eine Stärke (andere meinen auch eine Schwäche) der Digital­fo­to­grafie ist es sicherlich, dass sich die ursprüng­lichen Bilddaten jederzeit weitrei­chend manipu­lieren lassen. Üblicher­weise geschieht das lange nach der Aufnahme, im RAW-Konverter oder Bildbe­ar­bei­tungs­pro­gramm bequem am PC-Bildschirm. Dadurch ist der Prozess, in dem das eigent­liche Bild entsteht, vom Zeitpunkt der Aufnahme losgelöst. Mit der PEN-F möchte Olympus nun den Fotografen dazu animieren, sein Bild wieder mit der Aufnahme entstehen zu lassen. Dazu ist die Kamera mit einer fast schon überbor­denden Vielzahl an Effek­top­tionen ausge­stattet. Zunächst einmal gibt es die nicht nur von früheren Olympus-Kameras bekannten Effekt­filter wie „Weich­zeichner“, „Pop-Art“ oder „Cross-Entwicklung“ sowie der „Color Creator“ zur farbigen Tonung. Neu hinzu­ge­kommen sind die sehr flexi­blere Farbpro­fil­steuerung (Color­filter) sowie der mächtige Monochrom-Filter.

Olympus PEN-F: Art-Filter

Die PEN-F bietet geradezu überbor­dende Möglich­keiten
zur Beein­flussung des Bilder­geb­nisses.
Die Bedienung hat Olympus schlüssig gelöst.

 

Damit bietet die PEN-F also vier gänzlich unter­schied­liche Effek­top­tionen, zu deren Auswahl eigens ein kleines Wählrad auf der Kamera­front dient. Einge­stellt werden die vielfäl­tigen Effek­top­tionen dann mit einem spezi­ellen Wipptaster aber auch mit dem Daum- und dem Frontrad. Das geht recht intuitiv, auch weil die Auswir­kungen der aktuell gewählten Konfi­gu­ration sofort im Sucherbild sichtbar sind. Schade nur, dass künst­liches Filmkorn beim Monochrom-Effekt nicht in den Effekt­ein­stel­lungen sondern via Schnellmenü einge­richtet werden kann – da ist die Kamera nicht ganz konsistent.

Wer sich eingehend mit den Möglich­keiten des Kreativ-Rads beschäftigt, ist zunächst einmal gezwungen, sich vor der Aufnahme Gedanken über sein Bild zu machen. Glück­li­cher­weise lassen sich für die Farbpro­fil­steuerung sowie den Monochrom-Filter jeweils drei Vorgaben speichern und dann fix via Schnellmenü auswählen. Wem auch das noch zu lange dauert (oder sich nicht entscheiden kann), dem hat Olympus in Sachen Effekte zudem eine Hintertür in die PEN-F eingebaut: Im Wieder­ga­be­modus ist es nämlich möglich, die zuvor gespei­cherten Effekt­vor­gaben auf eine RAW-Datei anzuwenden – sogar im Batch-Betrieb –, sodass auf einen Schlag eine Reihe unter­schied­licher Varianten der ursprüng­lichen Aufnahme entstehen. Was mir indes gefehlt hat, ist eine Desktop-Software, mit der ich alles das abends nach der Rückkehr von der Fototour bequem am PC-Bildschirm hätte erledigen können.

Der Autofokus der PEN-F ermittelt die korrekte Entfer­nungs­ein­stellung per Kontrast­messung direkt auf dem Bildsensor. Anders als bei der Phasen­ver­gleichs­messung einer DSLR gilt das Verfahren als sehr genau aber auch etwas langsam. Doch Olympus macht dem AF der PEN-F mit schierer Prozes­sor­leistung gehörig Beine, gefühlt stellt ebenso schnell scharf wie eine DSLR ihrer Preis­klasse. Wenn aller­dings das Licht schwindet oder bei sehr kontras­t­armen Motiven, genehmigt sich der Autofokus schon einmal eine Gedenk­se­kunde, bis er das Ziel erfasst hat.

In der Praxis habe ich den vorwiegend verwen­deten Einzel-AF immer als hinrei­chend schnell empfunden – zumal die 81 AF-Felder der PEN-F einen sehr großen Bereich des Sucherbilds abdecken. Da ist es ein Leichtes, das AF-Feld direkt auf die bevor­zugte Bildpartie zu legen, anstatt erst nach der AF-Messung auf den gewünschten Bildaus­schnitt zu schwenken. Die Auswahl des gewünschten AF-Feldes macht einen die PEN-F übrigens besonders leicht, da ihr Monitor berüh­rungs­emp­findlich ist: einfach auf die gewünschten Motiv­partie tippen, und schon ist sie im Fokus. Das funktio­niert sogar beim Blick in den elektro­ni­schen Sucher. Das an sich sehr bequeme Verfahren hat indes einen kleinen Schön­heits­fehler: Ein per Finger­tipper angefor­dertes AF-Feld speichert die PEN-F nicht dauerhaft – für alle weitere Aufnahmen nimmt sie wieder das Feld, das konven­tionell mit der Vierwege-Wippe ausge­wählt wurde.

Sport- und Action­auf­nahmen standen während meiner zwei Wochen mit PEN-F nicht auf dem Programm. Nominell sollte sie aber auch typische Schnapp­schuss-Reihen ordentlich aufnehmen, schafft sie doch bis zu 5 Bilder/Sekunde (fps) mit AF-Nachführung (ohne AF-Nachführung sind es 10 fps, mit dem vollelek­tro­ni­schen Verschluss sogar 20 fps). Wie gut die funktio­niert, habe ich mit einigen kurzen Video­schwenks von nah auf fern (und wieder zurück) auspro­biert. Dabei zögert die PEN-F etwas, bis sie mit der Fokus­nach­führung beginnt. Die geänderte Entfer­nungs­ein­stellung fährt sie dann aber ohne lästiges Fokus­pumpen an.

Überhaupt mach die PEN-F auch als sehr handliche Video­kamera eine gute Figur. Zwar bietet sie keine 4K-Auflösung, aber in Full-HD filmt sie mit 60 Vollbildern pro Sekunde. Einen außer­or­dentlich guten Eindruck hat bei mir der Bildsta­bi­li­sator hinter­lassen, mit dessen Hilfe auch Video­drehs aus der Hand verblüffend wenig wackeln. Schade nur, dass die PEN-F keine Möglichkeit zum Anschluss eines externen Mikrofons bietet.

Bildqua­lität

Unter Fotografen gilt meist die alte Faust­formel: Größeres Film-/Sensorformat = bessere Bildqua­lität. So gesehen bringt die PEN-F denkbar schlechte Voraus­set­zungen für eine gute Bildqua­lität mit. Ihr Sensor im Micro-Four-Thirds-Format weist gerade einmal die halbe Bilddia­gonale (und daraus resul­tierend nur ein Viertel der Fläche) eines Klein­bild­sensor auf. Bei identi­scher Auflösung müssen also die einzelnen Pixel (Sensor­zellen) auf einem kleineren Sensor dichter gepackt werden als auf einem größeren. Das hat jedoch wiederum negative Auswir­kungen auf die absolute Licht­emp­find­lichkeit, sie ist bei einem kleineren Sensor geringer, der dadurch früher sogenanntes ISO-Rauschen produ­ziert.

Größere Sensor­zellen auf einem kleineren Sensor gibt es nur bei reduzierter Auflösung. Diesen Weg ist Olympus lange gegangen, bei 16 Megapixel war bislang Schluss. Bei der PEN-F ist die Auflösung nun aber auf 20 Megapixel angewachsen, ihr Pixel­pitch beträgt 3,36 µm (bei der Canon EOS 7D Mark II mit annähernd identi­scher Auflösung an APS-C sind es 4,11 µm).

Olympus PEN-F: ISO-Reihe

100%-Ansicht einer ISO-Reihe mit der Vorgabe „JPEG natürlich“ und „Rausch­un­ter­drü­ckung niedrig“:
Ab ISO 1600 werden Struk­tur­ver­luste deutlich sichtbar, ISO 3200 eignen sich nur
noch bei vermin­derter Auflösung.

 

Ist die PEN-F also eine Schön­wet­ter­kamera, die lediglich bei geringer ISO-Empfind­lichkeit zu gebrauchen ist? Auf keinen Fall! Bis etwa ISO 800 lassen sich in der 100%-Ansicht weder Bildrau­schen noch störende Einflüsse der Rausch­un­ter­drü­ckung ausmachen. Einge­hender begut­achten konnte ich zwar nur die JPEG-Dateien aus der Kamera, da Lightroom die RAW-Daten der PEN-F erst seit sehr Kurzem unter­stützt. Aller­dings habe ich die RAW-Entwicklung bei den Fotos aus der PEN-F kaum vermisst, denn ihr Bildpro­zessor liefert JPEGs, die sich nach meinem Eindruck durchaus sehen lassen können.

Das gilt jedoch erst dann, wenn die Bildbe­ar­beitung in der Kamera entspre­chend angepasst wird. Etwa die Rausch­un­ter­drü­ckung: Sie bietet vier Stufen von „aus“ über „niedrig“ und „Standard“ bis „hoch“. Die Vorgabe „Standard“ greift für meinen Geschmack bei Werten ab ISO 1600 feinste Bildde­tails bereits zu kräftig an, ich habe die Einstellung „niedrig“ klar bevorzugt. Außerdem fand ich den Bildein­druck im Bildmodus „i-Enhance“ (Standard) schon recht knackig – die meisten Fotos habe ich habe daher mit der Vorgabe „Natürlich“ aufge­nommen.

Olympus PEN-F: ISO 6400

Je höher die ISO-Empfind­lichkeit ist, desto stärker unter­scheiden sich die vier Stufen der
Rausch­un­ter­drü­ckung vonein­ander. Daher zeige ich hier einen 100%-Ausschnitt jeweils bei ISO 6400.

 

So gut die JPEG-Engine der PEN-F auch ist – zwei Dinge sind mir doch etwas unangenehm aufge­fallen: Zum einen schwindet bei stark gesät­tigten Farben ihre Fähigkeit zur Farbdif­fe­ren­zierung – selbst im Bildmodus „Natürlich“. Und zum anderen scheint es, als würde Olympus die Kontraste kompri­mieren. Dadurch erhalten zwar hellste und dunkelste Töne mehr Zeichnung, in den Mitten schwinden aber die Mikro­kon­traste, sodass sich ein etwas blutleerer Bildein­druck ergibt. Mag sein, dass auch dies wieder dem von mir bevor­zugten Bildmodus „Natürlich“ geschuldet ist.

Olympus PEN-F: ISO 1600

ISO 1600 (wie hier) ist die Empfind­lichkeit, bis der sich die PEN-F gut verwenden lässt.
Wer dabei in RAW aufzeichnet, profi­tiert von einer besseren Farbdif­fe­ren­zierung sowie der Möglichkeit,
die Rauschmin­derung indivi­duell abstimmen zu können.

 

Bis ISO 1600 würde ich die PEN-F notfalls verwenden, falls Fotos in voller Auflösung (also ungefähr DIN A3 bei 300 ppi) gefordert sind. Das hört sich jetzt nicht danach an, als sei die PEN-F ein High-ISO-Monster. Stimmt, muss sie aber auch gar nicht sein. Denn durch ihren kleinen Sensor wird man wesentlich seltener zu eine hohen ISO-Zahl gezwungen als bei einer Klein­bild­kamera. Dazu eine kleine Beispiel­rechnung: Porträts fotogra­fiere ich mit meiner Klein­bild­kamera gerne bei ca. 90 Milli­meter Brenn­weite und Blende F/4. Die Belich­tungszeit sollte dabei 1/100 Sekunde nicht überschreiten. Nehmen wir einmal an, das Licht ist schlecht, meine Klein­bild­kamera regelt daher die Empfind­lichkeit auf ISO 3200 hoch. 

Mit der PEN-F erziele ich ein (annähernd) identi­sches Ergebnis bei ISO 800. Denn durch ihren um den Faktor 0,5 kleineren Sensor erziele ich mit ihr dieselbe Tiefen­schärfe wie bei 90 mm und F/4 an Kleinbild mit 45 mm und F/2. Ich gewinne also zwei Blenden­stufen, die ich einer entspre­chend verrin­gerten ISO-Empfind­lichkeit (oder kürzeren Verschlusszeit) zuschlagen kann. Im Prinzip fällt der Gewinn sogar noch deutlich größer aus, weil die PEN-F mit einem wirklich hervor­ra­genden Bildsta­bi­li­sator ausge­stattet ist, der mindestens um zwei Licht­wert­stufen längere Belich­tungs­zeiten erlaubt. Aufnahmen bei 90 Milli­meter klein­bil­d­äqui­va­lenter Brenn­weite und 1/20 Sekunde sind da kein Problem – so das Motiv still hält.

Olympus PEN-F: Beispielbild

Trotz ihres kleinen Sensors ist die PEN-F durchaus auch für
Available-Light-Aufnahmen zu gebrauchen.
(17 mm, F/2.2, Pushent­wicklung entspre­chend ISO 2560).

 

Anfreunden muss man sich bei der PEN-F mit dem Seiten­format von 4:3. Mir liegt es nicht so sehr, das von mir bevor­zugte Format 3:2 ist deutlich näher am Seiten­ver­hältnis der DIN-A-Formate. Natürlich kann die PEN-F auch im Format 3:2 aufzeichnen, dann reduziert sich die Auflösung jedoch auf rund 18 Megapixel – also gerade noch genug für einen DIN-A3-Bogen bei 300 ppi Druck­auf­lösung. Sollte einmal eine deutlich höhere Auflösung gefordert sein, lässt einem die PEN-F indes nicht im Stich. Im sogenannten „High Resolution“-Modus zeichnet sie rund 50 Megapixel auf. Dabei nimmt die Kamera grob gesagt achtmal auf, verschiebt aber zwischen den Aufnahmen den Sensor um jeweils ein halbes Pixel. Anschließend rechnet sie ein paar Sekunden, bis die 50-Megapixel-Datei fertig und gespei­chert ist. Es liegt auf der Hand, dass dieses Verfahren nur funktio­nieren kann, wenn Kamera und Motiv absolut statisch sind. Dann aber liefert es beein­dru­ckende Bilder­geb­nisse. Das funktio­niert sogar im Zusam­men­spiel mit einem Blitz­gerät. Auf Wunsch fügt die PEN-F nämlich zwischen den Einzel­auf­nahmen des High-Res-Modus Pausen ein, damit sich der Generator aufladen kann.

Olympus PEN-F: High Resolution-Modus

Der „High Resolution“-Modus liefert JPEG-Dateien mit rund 50 Megapixel
(in RAW ist die Auflösung noch etwas höher). Unten ein 100%-Ausschnitt.

 

Insgesamt spricht mich die Bildqua­lität der PEN-F sehr an. Dazu zählt auch, dass die RAWs eine beein­dru­ckende Tiefen­dy­namik liefern. Daher ist es möglich, durchaus um –2 EV knapper zu belichten und erst im RAW-Konverter die Helligkeit dann auf das gewünschte Maß anzuheben, ohne dass es dabei zu Struk­tur­ver­lusten oder gar Tonwert­ab­rissen in den Tiefen kommt. Man kann bei der PEN-F indes gut auf RAW-Dateien verzichten, sollte dann aber die JPEG-Aufbe­reitung sorgfältig an den eigenen Geschmack bezie­hungs­weise den Erfor­der­nissen des Motivs einstellen.

Nicht ganz begeistert war ich aller­dings vom Weißab­gleich der Kamera. Die Automatik versucht, die unter dem vorherr­schenden Licht entste­hende Farbstimmung zu wahren – und schießt dabei übers Ziel hinaus. Aufnahmen im Schum­mer­licht eines bayri­schen Wirts­hauses waren nicht einfach nur warm, sondern zeigten einen ausge­prägten Orange­stich. Auch mit dem Einstell­licht im Studio (das ich aus Gründen der Bequem­lichkeit für meine ISO-Reihe verwendet habe), kam der automa­tische Weißab­gleich nicht zurecht.

Mein Fazit

Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Ich habe die Olympus PEN-F gerne dabei gehabt. Sie ist klein und leicht und bietet dennoch eine sehr gute Bildqua­lität. Befürch­tungen, dass der recht kleine Micro-Four-Thirds-Sensor Einschrän­kungen mit sich bringt, etwa bei Available Light, haben sich nicht bewahr­heitet. Aber das kompakte Package ist nicht alles. Hinzu kommen bei der PEN-F die einzig­ar­tigen „Kreativ“-Funktionen, die auch mich immer wieder zum Experi­men­tieren animiert haben. Und natürlich der „High Resolution“-Modus, der bei Stills Aufnahmen fast schon auf Mittel­format-Niveau liefert.

Olympus PEN-F: People-Fotografie

Gerade auch bei der People-Fotografie hat sich die unauf­fällige PEN-F bestens bewährt.
 

Die Liste meiner Kritik­punkte ist relativ kurz: Der elektro­nische Sucher dürfte gerne noch etwas größer sein, die ISO-Automatik sollte Olympus flexibler gestalten. Etwas gestört hat mich auch, dass sich die AF-Feld-Wahl unter­schiedlich verhält, je nachdem, ob man das Feld per Finger­tipper auf dem Touch-Display setzt oder mit den Naviga­ti­ons­tasten. Und dann ist da noch der Weißab­gleich, der unter Kunst­licht eine arg warme Farbwie­dergabe bevorzugt.

Unterm Strich hat bei mir aber die Freude am Umgang mit der inter­essant gestal­teten Kamera überwogen. Wer eine kleine, zuver­lässige und leistungs­starke Beglei­terin sucht (nicht nur als Ergänzung, auch als Alter­native zur kiloschweren DSLR), sollte sich die PEN-F unbedingt einmal ansehen.

(Martin Vieten)