Dass mich die neue Olym­pus PEN-F bereits bei meiner ersten Begeg­nung gefes­selt hat, war ja bereits auf photoscala nachzulesen. Doch der erste Kon­takt mit der schi­cken Klei­nen fiel viel zu kurz aus, um mich ein­ge­hend mit der Tech­nik und den Mög­lich­kei­ten der Kamera zu beschäf­ti­gen. Das habe ich in den letz­ten zwei Wochen nach­ge­holt, viel mit der Olym­pus PEN-F foto­gra­fiert und expe­ri­men­tiert.

 

Design und Hand­ha­bung

Schön­heit liegt ja bekannt­lich im Auge des Betrach­ters. So muss die PEN-F nicht unbe­dingt jedem gefal­len – mich aber spricht ihr Retro-Design an, auch noch nach 14 Tagen inten­si­ver Beschäf­ti­gung mit der Kamera. Kri­ti­ker mögen viel­leicht anmer­ken, dass die die Top-Platte mit ihrer Viel­zahl an unter­schied­lich geform­ten Wahl- und Ein­stell­rä­der etwas zer­klüf­tet wirkt – doch das war ja bei vielen Kame­ras der 60er Jahre, die die PEN-F zitiert, ja nicht anders. Dass jedes Bedien­ele­ment seine ganz eigene Form bekom­men hat, erweist sich im Ein­satz zudem als prak­ti­sch. Auch im Schum­mer­licht ist jedes Räd­chen klar aus­zu­ma­chen und not­falls zu ertas­ten. Das gilt leider nicht so für die Knöpf­chen auf der Rück­seite, sie wirken ver­wech­sel­bar wie bei jeder belie­bi­gen Digi­tal­ka­mera.

Olympus PEN-F: Design-Skizze

Das Design der PEN-F ist bereits Mitte 2014 ent­stan­den – wie Skiz­zen von Olym­pus doku­men­tie­ren.
 

Zum Retros­til passt dage­gen die genarbte, leder­ähn­li­che Ober­flä­che auf der Kame­ra­front sowie auf der Rück­seite des Moni­tors. Wird der Moni­tor mit seinem Rücken nach vorne ange­klappt, ver­stärkt das nicht nur den „ana­lo­gen Look“ der Kamera, gleich­zei­tig wird die Dis­play-Ober­flä­che geschützt. Retro ist auch das grif­fige Ein­stell­rad auf der Kame­ra­front, mit dem man die Effek­top­tio­nen wählt (dazu später noch mehr). Mir ersetzt dieses Ein­stell­rad eine Griff­wulst an der Front. Mit dem Fron­trad und der Daum­auf­lage auf der Rück­seite kann ich die Kamera zwi­schen Mit­tel­fin­ger und Daumen „ein­hän­gen“, was ange­sichts des gerin­gen Gewichts der PEN-F durch­aus bequem ist.

Das wirk­lich hand­li­che Gewicht der PEN-F geht aber nicht etwa auf den Ein­satz güns­ti­ger Mate­ria­lien aus der petro­che­mi­schen Indus­trie zurück – nein, Olym­pus hat der Kamera ein wer­ti­ges Metall­ge­häuse spen­diert. Zum hoch­wer­ti­gen Ein­druck trägt auch bei, dass es keine sicht­ba­ren Schrau­ben gibt. Einzig die Schnitt­stel­len­ab­de­ckung rechts an der Kamera mutet etwas klapp­rig an. Schade auch, dass die PEN-F nicht spe­zi­ell gegen Staub oder Spritz­was­ser abge­dich­tet ist – das gibt es nur bei der OM-D-Serie.

Olympus PEN-F

Auch dank der sehr kom­pak­ten Objek­tive avan­ciert die Olym­pus PEN-F
zu einer leich­ten und unauf­fäl­li­gen Sys­tem­ka­mera.

 

Olym­pus hat es sich ja von je her auf die Fahne geschrie­ben, kleine und leichte Sys­tem­ka­me­ras zu bauen. Mög­lich wird dies unter ande­rem dadurch, dass Olym­pus auf einen Sensor im Micro-Four-Thirds-Format setzt. Seine Dia­go­nale misst nur etwa die Hälfte eines Sen­sors im Klein­bild­for­mat, ent­spre­chend kom­pakt können MFT-Kame­ras aus­fal­len – und vor allem die Objek­tive!

Bei­spiel gefäl­lig? Zusam­men mit dem von mir ein­ge­setz­ten M.Zuiko Digi­tal 17mm 1:1.8 wiegt die Pen-F gerade einmal 540 Gramm. Eine Sony Alpha 7 II bestückt mit einem FE 35 mm 1.4 Dis­t­a­gon T* ZA (das aller­dings licht­stär­ker ist) kommt auf 1230 Gramm. Und eine Nikon mit dem Nikkor AF-S 35 mm 1.8 DX drückt 1150 Gramm auf die Waage. Auch mit dem eben­falls von mir ver­wen­de­ten Por­trät­ob­jek­tiv M.Zuiko Digi­tal 45mm 1:1.8 wiegt die PEN-F nur rund die Hälfte der beiden Klein­bild­ka­me­ras mit ent­spre­chen­den Fest­brenn­wei­ten.

Der Faktor 0,5 bezie­hungs­weise dessen Kehr­wert 2 wird noch­mals Thema sein, wenn es um Bild­ge­stal­tung und –qua­li­tät geht. Vor Ort über­zeugt das kom­pakte Package der PEN-F jeden­falls schon einmal durch seine Unauf­fäl­lig­keit. Dass die Kamera für Außen­ste­hende kei­nes­wegs pro­fes­sio­nell oder klot­zig wirkt, eröff­nete mir so manche Foto­ge­le­gen­heit, die mir mit einem Klein­bild­bo­li­den wohl ver­wehrt geblie­ben wäre. Gar nicht davon zu reden, wie wenig Platz die PEN-F in der Foto­ta­sche braucht. Ich hatte jeden­falls keine Tasche, die für die Kamera mit den beiden 1,8er Fest­brenn­wei­ten nicht hoff­nungs­los über­di­men­sio­niert gewe­sen wäre.

Sucher und Dis­play

Bei der spiel­lo­sen PEN-F blickt man in einen elek­tro­ni­schen Sucher (EVF) und nicht durch einen opti­schen. Das hat Vor- und Nach­teile. Unbe­strit­te­ner Vor­teil ist sicher­lich, dass die Kamera bereits im Sucher die Aus­wir­kun­gen der aktu­el­len Ein­stel­lun­gen wie Belich­tungs­kor­rek­tur, Weiß­ab­gleich etc. auf die Auf­nahme simu­lie­ren kann. Anhän­ger des opti­schen Suchers werfen dage­gen gerne ein, dass das Sucherbild eines EVF bei schnel­len Kame­ra­schwenks schliert und im schlech­ten Licht zit­tert. Wenn man kon­zen­triert darauf achtet, zieht beim schnel­len Schwenk im Schum­mer­licht auch das Sucherbild bei der PEN-F etwas nach, sta­bi­li­siert sich aber augen­blick­lich wieder, sobald die Kamera zur Ruhe gekom­men ist. Mich stört das in keiner Weise. Wer das anders sieht, kann bei der PEN-F den elek­tro­ni­schen Sucher in einen spe­zi­el­len Modus („LV-Erwei­te­rung“) schal­ten, bei der die Anzeige auch unter wid­rigs­ten Licht­be­din­gun­gen wie fest­ge­ta­ckert steht. Aller­dings gibt es dann keine Simu­la­tion der Belich­tung mehr – wes­we­gen ich diesen Modus nicht so gern ver­wen­det habe.

Wenn es etwas am Sucher der PEN-F zu kri­ti­sie­ren gibt, dann das, dass er viel­leicht etwas klein gera­ten ist. Bezo­gen auf Klein­bild beträgt die Sucherbild­ver­grö­ße­rung 0,62fach, das Sucherbild ist also noch etwas klei­ner als bei einer APS-C-DSLR. Als Pro­blem habe ich das vor allem dann emp­fun­den, wenn ich mit der Brille auf der Nase in den Sucher blicke. Dank der Diop­tri­en­kor­rek­tur am Suche­ro­ku­lar habe ich es mir schnell ange­wöhnt, die Brille auf die Stirn zu schie­ben und ohne Seh­hilfe in den Sucher zu sehen.

Olympus PEN-F: Beispielbild

Wie gut, dass die PEN-F ein klapp- und dreh­ba­res Dis­play auf­weist –
das erleich­tert boden­nahe Auf­nah­men unge­mein.

 

In meinen zwei Wochen mit der PEN-F habe ich das rück­wär­tige Dis­play sicher­lich genauso häufig benutzt wie den Sucher. Es lässt sich zunächst nach links aus­schwen­ken und dann in sehr weit vor- oder zurück­dre­hen. Man kann also sein Motiv prak­ti­sch immer im Blick halten, egal ob man die Kamera weit über den Kopf hebt, vor dem Bauch hält oder in Boden­nähe foto­gra­fiert. Sicher, wenn die Sonne direkt von hinten auf den Moni­tor scheint, ist er nahezu unnütz. Von unschätz­ba­rem Vor­teil habe ich das Dis­play zur Auf­nah­me­kon­trolle jedoch immer dann emp­fun­den, wenn die PEN-F fest auf ein Stativ mon­tiert war und ein Blick in den Sucher nur unter argen Ver­ren­kun­gen mög­lich gewe­sen wäre.

Das Dis­play ist berüh­rungs­emp­find­lich, leider nicht in allen Situa­tio­nen. So lässt sich etwa das Fokus­feld mit einem Fin­ger­tip­per fest­le­gen, auch durchs Schnell­menü navi­giert man mit dem Finger. Das Haupt­menü will indes mit den Pfeil­tas­ten auf der Vier­we­ge­wippe bezie­hungs­weise mit Daumen- und Fron­trad durch­fors­tet werden, auf Berüh­run­gen reagiert es nicht. Viel­leicht ist das auch gut so, denn die Ein­träge sind dicht gedrängt, die Gefahr sich zu „ver­tip­pen“ wäre da nicht zu unter­schät­zen. Die Frage, wie man umfang­rei­che Kame­ra­me­nüs (ins­be­son­dere derart umfang­rei­che wie das der PEN-F) sinn­voll struk­tu­riert, ver­sucht jeder Kame­ra­her­stel­ler auf seine Weise zu beant­wor­ten – mich hat noch keine der Ant­wor­ten wirk­lich über­zeugt, auch nicht bei der PEN-F. Mit dieser Kamera muss man sich länger beschäf­ti­gen als zwei Wochen, um die Bedie­nungs­an­lei­tung end­gül­tig ad acta legen zu können. Immer­hin hat ihr Olym­pus einen klei­nen Assis­ten­ten spen­diert, der auf Knopf­druck meist (aber nicht immer) erhel­lende Erläu­te­run­gen zum aktu­ell gewähl­ten Menü­pos­ten auf den Schirm bringt.

In der Praxis haben mir einige Dinge beim Umgang mit der PEN-F gut gefal­len, andere weni­ger. Sehr schön finde ich, dass sich über das Modus­wähl­rad bis zu vier (zuvor fest­ge­legte) Indi­vi­dual­kon­fi­gu­ra­tio­nen abru­fen lassen. Und dass sich dieses Modus­wähl­rad ver­rie­geln lässt – so ist es gegen ver­se­hent­li­ches Ver­stel­len geschützt. Das gilt auch für das Rad zur Belich­tungs­kor­rek­tur, das ange­nehm schwer­gän­gig ist. Das Front- und vor allem das Dau­men­rad drehen sich dage­gen viel zu leicht, da ver­stellt sich die Kamera bereits, wenn sie nicht mit großer Vor­sicht in die Tasche gelegt wird. Dass die PEN-F direkt nach dem Ein­schal­ten hell­wach ist und über­haupt sehr direkt auf alle Ein­ga­ben reagiert, ist mir dage­gen posi­tiv auf­ge­fal­len. Auch das ange­nehm sanfte Ver­schluss­ge­räusch ist so ganz nach meinem Geschmack, optio­nal bietet der PEN-F zudem einen völlig laut­lo­sen, voll-elek­tro­ni­schen Ver­schluss.

Aus­stat­tung und Leis­tung

Olym­pus hat die PEN-F derart reich­hal­tig mit Funk­tio­nen aus­ge­stat­tet, dass es fast leich­ter fällt auf­zu­zäh­len, was ihr fehlt, als was sie hat. So war zum Bei­spiel im schmu­cken Gehäuse kein Platz mehr für einen Bord­blitz. Statt­des­sen legt Olym­pus der Kamera einen klei­nen Auf­steck­blitz (LZ 13 bei ISO 200) bei, mit dreh- und schwenk­ba­rem Reflek­tor. Der Blick aufs Modus­wähl­rad macht zudem deut­lich, dass sich die PEN-F eher an erfah­rene Foto­gra­fen wendet als an Anfän­ger – dedi­zierte Motiv­pro­gramme fehlen ihr. Immer­hin gibt es mit iAuto eine „Rundum-Sorg­los-Auto­ma­tik“, die sich in gewis­sen Gren­zen sogar den Wün­schen des Foto­gra­fen unter­ord­net.

Olympus PEN-F: Aufsteckblitz

Ein Bord­blitz fand keinen Platz mehr in der PEN-F. Olym­pus legt ihr aber einen
klei­nen Auf­steck­blitz bei, dessen Reflek­tor sogar dreh- und schwenk­bar ist.

 

Die große Stärke der PEN-F liegt aber sicher­lich darin, dass sich das Ver­hal­ten ihrer diver­sen Auto­ma­ti­ken und die Bild­auf­be­rei­tung in sehr weiten Berei­chen ein­stel­len lässt. So gibt es bei­spiels­weise eine „Belich­tungs­jus­tage“ mit der man die Belich­tungs­mes­sung der Kamera gene­rell über­steu­ern kann – und zwar getrennt für jeden der drei Mess­modi „Mehr­feld­mes­sung“, „mit­ten­be­tonte Inte­gral­mes­sung“ und „Spot­mes­sung“. Etwas mager habe ich hin­ge­gen die Ein­stell­mög­lich­kei­ten für die ISO-Auto­ma­tik emp­fun­den, mehr als eine Ober- und Unter­grenze lässt sich nicht fest­le­gen. Die Kamera regelt dadurch stur die ISO-Zahl hoch, sobald die Belich­tungs­zeit den Wert 1/Kleinbild-Brennweite unter­schrei­tet – dabei ließe ihr her­vor­ra­gen­der Bild­sta­bi­li­sa­tor durch­aus län­gere Belich­tungs­zei­ten zu.

Eine Stärke (andere meinen auch eine Schwä­che) der Digi­tal­fo­to­gra­fie ist es sicher­lich, dass sich die ursprüng­li­chen Bild­da­ten jeder­zeit weit­rei­chend mani­pu­lie­ren lassen. Übli­cher­weise geschieht das lange nach der Auf­nahme, im RAW-Kon­ver­ter oder Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm bequem am PC-Bild­schirm. Dadurch ist der Pro­zess, in dem das eigent­li­che Bild ent­steht, vom Zeit­punkt der Auf­nahme los­ge­löst. Mit der PEN-F möchte Olym­pus nun den Foto­gra­fen dazu ani­mie­ren, sein Bild wieder mit der Auf­nahme ent­ste­hen zu lassen. Dazu ist die Kamera mit einer fast schon über­bor­den­den Viel­zahl an Effek­top­tio­nen aus­ge­stat­tet. Zunächst einmal gibt es die nicht nur von frü­he­ren Olym­pus-Kame­ras bekann­ten Effekt­fil­ter wie „Weich­zeich­ner“, „Pop-Art“ oder „Cross-Ent­wick­lung“ sowie der „Color Crea­tor“ zur far­bi­gen Tonung. Neu hin­zu­ge­kom­men sind die sehr fle­xi­blere Farb­pro­fil­steue­rung (Color­fil­ter) sowie der mäch­tige Mono­chrom-Filter.

Olympus PEN-F: Art-Filter

Die PEN-F bietet gera­dezu über­bor­dende Mög­lich­kei­ten
zur Beein­flus­sung des Bil­d­er­geb­nis­ses.
Die Bedie­nung hat Olym­pus schlüs­sig gelöst.

 

Damit bietet die PEN-F also vier gänz­lich unter­schied­li­che Effek­top­tio­nen, zu deren Aus­wahl eigens ein klei­nes Wähl­rad auf der Kame­ra­front dient. Ein­ge­stellt werden die viel­fäl­ti­gen Effek­top­tio­nen dann mit einem spe­zi­el­len Wipp­tas­ter aber auch mit dem Daum- und dem Fron­trad. Das geht recht intui­tiv, auch weil die Aus­wir­kun­gen der aktu­ell gewähl­ten Kon­fi­gu­ra­tion sofort im Sucherbild sicht­bar sind. Schade nur, dass künst­li­ches Film­korn beim Mono­chrom-Effekt nicht in den Effekt­ein­stel­lun­gen son­dern via Schnell­menü ein­ge­rich­tet werden kann – da ist die Kamera nicht ganz kon­sis­tent.

Wer sich ein­ge­hend mit den Mög­lich­kei­ten des Krea­tiv-Rads beschäf­tigt, ist zunächst einmal gezwun­gen, sich vor der Auf­nahme Gedan­ken über sein Bild zu machen. Glück­li­cher­weise lassen sich für die Farb­pro­fil­steue­rung sowie den Mono­chrom-Filter jeweils drei Vor­ga­ben spei­chern und dann fix via Schnell­menü aus­wäh­len. Wem auch das noch zu lange dauert (oder sich nicht ent­schei­den kann), dem hat Olym­pus in Sachen Effekte zudem eine Hin­ter­tür in die PEN-F ein­ge­baut: Im Wie­der­ga­be­mo­dus ist es näm­lich mög­lich, die zuvor gespei­cher­ten Effekt­vor­ga­ben auf eine RAW-Datei anzu­wen­den – sogar im Batch-Betrieb –, sodass auf einen Schlag eine Reihe unter­schied­li­cher Vari­an­ten der ursprüng­li­chen Auf­nahme ent­ste­hen. Was mir indes gefehlt hat, ist eine Desk­top-Soft­ware, mit der ich alles das abends nach der Rück­kehr von der Foto­tour bequem am PC-Bild­schirm hätte erle­di­gen können.

Der Auto­fo­kus der PEN-F ermit­telt die kor­rekte Ent­fer­nungs­ein­stel­lung per Kon­trast­mes­sung direkt auf dem Bild­sen­sor. Anders als bei der Pha­sen­ver­gleichs­mes­sung einer DSLR gilt das Ver­fah­ren als sehr genau aber auch etwas lang­sam. Doch Olym­pus macht dem AF der PEN-F mit schie­rer Pro­zes­sor­leis­tung gehö­rig Beine, gefühlt stellt ebenso schnell scharf wie eine DSLR ihrer Preis­klasse. Wenn aller­dings das Licht schwin­det oder bei sehr kon­tras­t­ar­men Moti­ven, geneh­migt sich der Auto­fo­kus schon einmal eine Gedenk­se­kunde, bis er das Ziel erfasst hat.

In der Praxis habe ich den vor­wie­gend ver­wen­de­ten Einzel-AF immer als hin­rei­chend schnell emp­fun­den – zumal die 81 AF-Felder der PEN-F einen sehr großen Bereich des Sucherbilds abde­cken. Da ist es ein Leich­tes, das AF-Feld direkt auf die bevor­zugte Bild­par­tie zu legen, anstatt erst nach der AF-Mes­sung auf den gewünsch­ten Bild­aus­schnitt zu schwen­ken. Die Aus­wahl des gewünsch­ten AF-Feldes macht einen die PEN-F übri­gens beson­ders leicht, da ihr Moni­tor berüh­rungs­emp­find­lich ist: ein­fach auf die gewünsch­ten Motiv­par­tie tippen, und schon ist sie im Fokus. Das funk­tio­niert sogar beim Blick in den elek­tro­ni­schen Sucher. Das an sich sehr bequeme Ver­fah­ren hat indes einen klei­nen Schön­heits­feh­ler: Ein per Fin­ger­tip­per ange­for­der­tes AF-Feld spei­chert die PEN-F nicht dau­er­haft – für alle wei­tere Auf­nah­men nimmt sie wieder das Feld, das kon­ven­tio­nell mit der Vier­wege-Wippe aus­ge­wählt wurde.

Sport- und Action­auf­nah­men stan­den wäh­rend meiner zwei Wochen mit PEN-F nicht auf dem Pro­gramm. Nomi­nell sollte sie aber auch typi­sche Schnapp­schuss-Reihen ordent­lich auf­neh­men, schafft sie doch bis zu 5 Bilder/Sekunde (fps) mit AF-Nach­füh­rung (ohne AF-Nach­füh­rung sind es 10 fps, mit dem voll­elek­tro­ni­schen Ver­schluss sogar 20 fps). Wie gut die funk­tio­niert, habe ich mit eini­gen kurzen Video­schwenks von nah auf fern (und wieder zurück) aus­pro­biert. Dabei zögert die PEN-F etwas, bis sie mit der Fokus­nach­füh­rung beginnt. Die geän­derte Ent­fer­nungs­ein­stel­lung fährt sie dann aber ohne läs­ti­ges Fokus­pum­pen an.

Über­haupt mach die PEN-F auch als sehr hand­li­che Video­ka­mera eine gute Figur. Zwar bietet sie keine 4K-Auf­lö­sung, aber in Full-HD filmt sie mit 60 Voll­bil­dern pro Sekunde. Einen außer­or­dent­lich guten Ein­druck hat bei mir der Bild­sta­bi­li­sa­tor hin­ter­las­sen, mit dessen Hilfe auch Video­drehs aus der Hand ver­blüf­fend wenig wackeln. Schade nur, dass die PEN-F keine Mög­lich­keit zum Anschluss eines exter­nen Mikro­fons bietet.

Bild­qua­li­tät

Unter Foto­gra­fen gilt meist die alte Faust­for­mel: Grö­ße­res Film-/Sensorformat = bes­sere Bild­qua­li­tät. So gese­hen bringt die PEN-F denk­bar schlechte Vor­aus­set­zun­gen für eine gute Bild­qua­li­tät mit. Ihr Sensor im Micro-Four-Thirds-Format weist gerade einmal die halbe Bild­dia­go­nale (und daraus resul­tie­rend nur ein Vier­tel der Fläche) eines Klein­bild­sen­sor auf. Bei iden­ti­scher Auf­lö­sung müssen also die ein­zel­nen Pixel (Sen­sor­zel­len) auf einem klei­ne­ren Sensor dich­ter gepackt werden als auf einem grö­ße­ren. Das hat jedoch wie­derum nega­tive Aus­wir­kun­gen auf die abso­lute Licht­emp­find­lich­keit, sie ist bei einem klei­ne­ren Sensor gerin­ger, der dadurch früher soge­nann­tes ISO-Rau­schen pro­du­ziert.

Grö­ßere Sen­sor­zel­len auf einem klei­ne­ren Sensor gibt es nur bei redu­zier­ter Auf­lö­sung. Diesen Weg ist Olym­pus lange gegan­gen, bei 16 Mega­pi­xel war bis­lang Schluss. Bei der PEN-F ist die Auf­lö­sung nun aber auf 20 Mega­pi­xel ange­wach­sen, ihr Pixel­pitch beträgt 3,36 µm (bei der Canon EOS 7D Mark II mit annä­hernd iden­ti­scher Auf­lö­sung an APS-C sind es 4,11 µm).

Olympus PEN-F: ISO-Reihe

100%-Ansicht einer ISO-Reihe mit der Vor­gabe „JPEG natür­lich“ und „Rausch­un­ter­drü­ckung nied­rig“:
Ab ISO 1600 werden Struk­tur­ver­luste deut­lich sicht­bar, ISO 3200 eignen sich nur
noch bei ver­min­der­ter Auf­lö­sung.

 

Ist die PEN-F also eine Schön­wet­ter­ka­mera, die ledig­lich bei gerin­ger ISO-Emp­find­lich­keit zu gebrau­chen ist? Auf keinen Fall! Bis etwa ISO 800 lassen sich in der 100%-Ansicht weder Bild­rau­schen noch stö­rende Ein­flüsse der Rausch­un­ter­drü­ckung aus­ma­chen. Ein­ge­hen­der begut­ach­ten konnte ich zwar nur die JPEG-Dateien aus der Kamera, da Light­room die RAW-Daten der PEN-F erst seit sehr Kurzem unter­stützt. Aller­dings habe ich die RAW-Ent­wick­lung bei den Fotos aus der PEN-F kaum ver­misst, denn ihr Bild­pro­zes­sor lie­fert JPEGs, die sich nach meinem Ein­druck durch­aus sehen lassen können.

Das gilt jedoch erst dann, wenn die Bild­be­ar­bei­tung in der Kamera ent­spre­chend ange­passt wird. Etwa die Rausch­un­ter­drü­ckung: Sie bietet vier Stufen von „aus“ über „nied­rig“ und „Stan­dard“ bis „hoch“. Die Vor­gabe „Stan­dard“ greift für meinen Geschmack bei Werten ab ISO 1600 fein­ste Bild­de­tails bereits zu kräf­tig an, ich habe die Ein­stel­lung „nied­rig“ klar bevor­zugt. Außer­dem fand ich den Bild­ein­druck im Bild­mo­dus „i-Enhance“ (Stan­dard) schon recht kna­ckig – die meis­ten Fotos habe ich habe daher mit der Vor­gabe „Natür­lich“ auf­ge­nom­men.

Olympus PEN-F: ISO 6400

Je höher die ISO-Emp­find­lich­keit ist, desto stär­ker unter­schei­den sich die vier Stufen der
Rausch­un­ter­drü­ckung von­ein­an­der. Daher zeige ich hier einen 100%-Ausschnitt jeweils bei ISO 6400.

 

So gut die JPEG-Engine der PEN-F auch ist – zwei Dinge sind mir doch etwas unan­ge­nehm auf­ge­fal­len: Zum einen schwin­det bei stark gesät­tig­ten Farben ihre Fähig­keit zur Farb­dif­fe­ren­zie­rung – selbst im Bild­mo­dus „Natür­lich“. Und zum ande­ren scheint es, als würde Olym­pus die Kon­traste kom­pri­mie­ren. Dadurch erhal­ten zwar hellste und dun­kelste Töne mehr Zeich­nung, in den Mitten schwin­den aber die Mikro­kon­traste, sodass sich ein etwas blut­lee­rer Bild­ein­druck ergibt. Mag sein, dass auch dies wieder dem von mir bevor­zug­ten Bild­mo­dus „Natür­lich“ geschul­det ist.

Olympus PEN-F: ISO 1600

ISO 1600 (wie hier) ist die Emp­find­lich­keit, bis der sich die PEN-F gut ver­wen­den lässt.
Wer dabei in RAW auf­zeich­net, pro­fi­tiert von einer bes­se­ren Farb­dif­fe­ren­zie­rung sowie der Mög­lich­keit,
die Rauschmin­de­rung indi­vi­du­ell abstim­men zu können.

 

Bis ISO 1600 würde ich die PEN-F not­falls ver­wen­den, falls Fotos in voller Auf­lö­sung (also unge­fähr DIN A3 bei 300 ppi) gefor­dert sind. Das hört sich jetzt nicht danach an, als sei die PEN-F ein High-ISO-Mons­ter. Stimmt, muss sie aber auch gar nicht sein. Denn durch ihren klei­nen Sensor wird man wesent­lich sel­te­ner zu eine hohen ISO-Zahl gezwun­gen als bei einer Klein­bild­ka­mera. Dazu eine kleine Bei­spiel­rech­nung: Por­träts foto­gra­fiere ich mit meiner Klein­bild­ka­mera gerne bei ca. 90 Mil­li­me­ter Brenn­weite und Blende F/4. Die Belich­tungs­zeit sollte dabei 1/100 Sekunde nicht über­schrei­ten. Nehmen wir einmal an, das Licht ist schlecht, meine Klein­bild­ka­mera regelt daher die Emp­find­lich­keit auf ISO 3200 hoch. 

Mit der PEN-F erziele ich ein (annä­hernd) iden­ti­sches Ergeb­nis bei ISO 800. Denn durch ihren um den Faktor 0,5 klei­ne­ren Sensor erziele ich mit ihr die­selbe Tie­fen­schärfe wie bei 90 mm und F/4 an Klein­bild mit 45 mm und F/2. Ich gewinne also zwei Blen­den­stu­fen, die ich einer ent­spre­chend ver­rin­ger­ten ISO-Emp­find­lich­keit (oder kür­ze­ren Ver­schluss­zeit) zuschla­gen kann. Im Prin­zip fällt der Gewinn sogar noch deut­lich größer aus, weil die PEN-F mit einem wirk­lich her­vor­ra­gen­den Bild­sta­bi­li­sa­tor aus­ge­stat­tet ist, der min­des­tens um zwei Licht­wert­stu­fen län­gere Belich­tungs­zei­ten erlaubt. Auf­nah­men bei 90 Mil­li­me­ter klein­bil­d­äqui­va­len­ter Brenn­weite und 1/20 Sekunde sind da kein Pro­blem – so das Motiv still hält.

Olympus PEN-F: Beispielbild

Trotz ihres klei­nen Sen­sors ist die PEN-F durch­aus auch für
Avail­able-Light-Auf­nah­men zu gebrau­chen.
(17 mm, F/2.2, Pus­h­ent­wick­lung ent­spre­chend ISO 2560).

 

Anfreun­den muss man sich bei der PEN-F mit dem Sei­ten­for­mat von 4:3. Mir liegt es nicht so sehr, das von mir bevor­zugte Format 3:2 ist deut­lich näher am Sei­ten­ver­hält­nis der DIN-A-For­mate. Natür­lich kann die PEN-F auch im Format 3:2 auf­zeich­nen, dann redu­ziert sich die Auf­lö­sung jedoch auf rund 18 Mega­pi­xel – also gerade noch genug für einen DIN-A3-Bogen bei 300 ppi Druck­auf­lö­sung. Sollte einmal eine deut­lich höhere Auf­lö­sung gefor­dert sein, lässt einem die PEN-F indes nicht im Stich. Im soge­nann­ten „High Resolution“-Modus zeich­net sie rund 50 Mega­pi­xel auf. Dabei nimmt die Kamera grob gesagt acht­mal auf, ver­schiebt aber zwi­schen den Auf­nah­men den Sensor um jeweils ein halbes Pixel. Anschlie­ßend rech­net sie ein paar Sekun­den, bis die 50-Mega­pi­xel-Datei fertig und gespei­chert ist. Es liegt auf der Hand, dass dieses Ver­fah­ren nur funk­tio­nie­ren kann, wenn Kamera und Motiv abso­lut sta­ti­sch sind. Dann aber lie­fert es beein­dru­ckende Bil­d­er­geb­nisse. Das funk­tio­niert sogar im Zusam­men­spiel mit einem Blitz­ge­rät. Auf Wunsch fügt die PEN-F näm­lich zwi­schen den Ein­zel­auf­nah­men des High-Res-Modus Pausen ein, damit sich der Gene­ra­tor auf­la­den kann.

Olympus PEN-F: High Resolution-Modus

Der „High Resolution“-Modus lie­fert JPEG-Dateien mit rund 50 Mega­pi­xel
(in RAW ist die Auf­lö­sung noch etwas höher). Unten ein 100%-Ausschnitt.

 

Ins­ge­samt spricht mich die Bild­qua­li­tät der PEN-F sehr an. Dazu zählt auch, dass die RAWs eine beein­dru­ckende Tie­fen­dy­na­mik lie­fern. Daher ist es mög­lich, durch­aus um –2 EV knap­per zu belich­ten und erst im RAW-Kon­ver­ter die Hel­lig­keit dann auf das gewünschte Maß anzu­he­ben, ohne dass es dabei zu Struk­tur­ver­lus­ten oder gar Ton­wert­ab­ris­sen in den Tiefen kommt. Man kann bei der PEN-F indes gut auf RAW-Dateien ver­zich­ten, sollte dann aber die JPEG-Auf­be­rei­tung sorg­fäl­tig an den eige­nen Geschmack bezie­hungs­weise den Erfor­der­nis­sen des Motivs ein­stel­len.

Nicht ganz begeis­tert war ich aller­dings vom Weiß­ab­gleich der Kamera. Die Auto­ma­tik ver­sucht, die unter dem vor­herr­schen­den Licht ent­ste­hende Farb­stim­mung zu wahren – und schießt dabei übers Ziel hinaus. Auf­nah­men im Schum­mer­licht eines bay­ri­schen Wirts­hau­ses waren nicht ein­fach nur warm, son­dern zeig­ten einen aus­ge­präg­ten Oran­ge­stich. Auch mit dem Ein­stell­licht im Studio (das ich aus Grün­den der Bequem­lich­keit für meine ISO-Reihe ver­wen­det habe), kam der auto­ma­ti­sche Weiß­ab­gleich nicht zurecht.

Mein Fazit

Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Ich habe die Olym­pus PEN-F gerne dabei gehabt. Sie ist klein und leicht und bietet den­noch eine sehr gute Bild­qua­li­tät. Befürch­tun­gen, dass der recht kleine Micro-Four-Thirds-Sensor Ein­schrän­kun­gen mit sich bringt, etwa bei Avail­able Light, haben sich nicht bewahr­hei­tet. Aber das kom­pakte Package ist nicht alles. Hinzu kommen bei der PEN-F die ein­zig­ar­ti­gen „Kreativ“-Funktionen, die auch mich immer wieder zum Expe­ri­men­tie­ren ani­miert haben. Und natür­lich der „High Resolution“-Modus, der bei Stills Auf­nah­men fast schon auf Mit­tel­for­mat-Niveau lie­fert.

Olympus PEN-F: People-Fotografie

Gerade auch bei der People-Foto­gra­fie hat sich die unauf­fäl­lige PEN-F bes­tens bewährt.
 

Die Liste meiner Kri­tik­punkte ist rela­tiv kurz: Der elek­tro­ni­sche Sucher dürfte gerne noch etwas größer sein, die ISO-Auto­ma­tik sollte Olym­pus fle­xi­bler gestal­ten. Etwas gestört hat mich auch, dass sich die AF-Feld-Wahl unter­schied­lich ver­hält, je nach­dem, ob man das Feld per Fin­ger­tip­per auf dem Touch-Dis­play setzt oder mit den Navi­ga­ti­ons­tas­ten. Und dann ist da noch der Weiß­ab­gleich, der unter Kunst­licht eine arg warme Farb­wie­der­gabe bevor­zugt.

Unterm Strich hat bei mir aber die Freude am Umgang mit der inter­es­sant gestal­te­ten Kamera über­wo­gen. Wer eine kleine, zuver­läs­sige und leis­tungs­starke Beglei­te­rin sucht (nicht nur als Ergän­zung, auch als Alter­na­tive zur kilo­schwe­ren DSLR), sollte sich die PEN-F unbe­dingt einmal anse­hen.

(Martin Vieten)