Logo 175 Jahre FotografieFoto Daguerrotypiekamera, 1839Diese Ent­de­ckung erscheint wie ein unglaub­li­ches Wunder. Sie spricht allen wis­sen­schaft­li­chen Theo­rien über Licht und Optik Hohn“

Vor 175 Jahren, am 6. Januar 1839, berich­tete die Pari­ser Zei­tung „Gazette de France“ über „eine wich­tige Erfin­dung, die Dagu­erre gemacht hat, der berühmte Maler und Besit­zer des Diorama. Seine Ent­de­ckung erscheint wie ein unglaub­li­ches Wunder. Sie spricht allen wis­sen­schaft­li­chen Theo­rien über Licht und Optik Hohn und ver­spricht, falls sie sich bewahr­hei­tet, eine wahre Revo­lu­tion in den male­ri­schen Küns­ten zu bewir­ken. Dagu­erre hat eine Methode ent­deckt, mit wel­cher er die Bilder, die sich in einer Camera obscura zeigen, fixie­ren kann – so dass also diese Bilder nicht ledig­lich eine vor­über­ge­hende Refle­xion der natür­li­chen Gegen­stände sind, son­dern eine dau­er­hafte Wie­der­gabe der­sel­ben, die man ebenso nach Hause tragen kann, wie ein Gemälde oder einen Kup­fer­stich.“

Foto Louis Jacques Mandé Daguerre

Bereits einen Tag später bestä­tigte der ange­se­hene Astro­nom François Arago – in einer Rede vor der Aka­de­mie den Bericht der Gazette de France. „Herr Dagu­erre hat“, so Arago, „drei Mit­glie­dern der Aka­de­mie, den Herren Hum­boldt, Biot und Arago, die Haupt­er­geb­nisse seines Ver­fah­rens vor­ge­legt: Eine Ansicht der großen Gale­rie, die den Louvre mit den Tui­le­rien ver­bin­det, eine Ansicht der Innen­stadt mit den Türmen von Notre Dame; Ansich­ten der Seine mit meh­re­ren ihrer Brü­cken und Bilder eini­ger Bar­rie­ren in der Haupt­stadt. Alle diese Bilder ver­tru­gen die Prü­fung mit einer Lupe, ohne an Klar­heit ein­zu­bü­ßen, wenigs­tens gilt dies für die Objekte, die sich wäh­rend der Auf­nahme nicht beweg­ten.“

Das erste Foto jedoch hat ein ande­rer gemacht.

Die Väter der Foto­gra­fie

Foto Joseph Nicéphore Niépce

Joseph Nicé­phore Niépce (1765 – 1833, links im Bild) aus Chalon-sur-Saône, zunächst Offi­zier, später Erfin­der auf ver­schie­de­nen Gebie­ten, war es, der die erste foto­gra­fi­sche Auf­nahme der Welt machte. Er war durch die von dem Deut­schen Alois Sene­fel­der (1771 – 1834) geschaf­fene Litho­gra­fie (1799) zu Ver­su­chen ange­regt worden, die Bilder der Camera obscura halt­bar zu machen. Die Idee: Wenn man den Stein selbst licht­emp­find­lich machen und darauf in der Camera obscura das Abbild der Natur fixie­ren könnte, würde man schlie­ßend den Stein ätzen und Abzüge auf Papier her­stel­len können. Die über­aus langen Belich­tungs­zei­ten von einem ganzen Tag auf der nur sehr lang­sam arbei­ten­den Bitu­men-Schicht, (die sich unter Licht­ein­fluss härtet, wäh­rend die unbe­lich­te­ten Teile in Laven­delöl lös­lich sind), erga­ben zwar 1824 ein befrie­di­gen­des Bild, doch erwies sich das Bild als zu schwach für das zweite Ver­fah­ren, die Ätzung.

Bei Ver­su­chen mit ande­ren Schicht­trä­gern benutzte Niépce das ein­fa­chere Kon­takt­ver­fah­ren mit Sti­chen, die er mit Öl trans­pa­rent gemacht hatte. Sie zeig­ten nach zwei- bis drei­stün­di­ger Belich­tung in der Sonne ein kräf­ti­ge­res Bild als die Auf­nahme in der Kamera, die selbst nach acht Stun­den noch unter­be­lich­tet und für die Ätzung unge­eig­net waren. Im Januar 1826 erwarb Niépce bei dem Pari­ser Opti­ker Charles Che­va­lier seine erste berufs­mä­ßige her­ge­stellte Camera obscura. Mit ihr gelang Niépce im Laufe des Som­mers 1826 die erste erfolg­rei­che Auf­nahme in der Kamera.

Der Lie­fe­rant der Kamera, Charles Che­va­lier, war es, der Niépce im Jahre 1826 darauf auf­merk­sam machte, dass der Thea­ter­ma­ler und Besit­zer des Diorama, Louis Jac­ques Mandé Dagu­erre (rechts oben im Bild, 1787 – 1851) in Paris mit ähn­li­chen Ver­su­chen beschäf­tigt sei. Umge­kehrt hörte auch Dagu­erre durch Che­va­lier von den Ver­su­chen von Niépce und wandte sich bald darauf brief­lich an diesen. Als Niépce ein Jahr später durch Paris reiste, lernte er Dagu­erre per­sön­lich kennen. Es kam zum (brief­li­chen) Gedan­ken­aus­tau­sch und zum Abschluss eines Ver­tra­ges über die wei­tere Zusam­men­ar­beit „der von Niépce gemach­ten und von Dagu­erre ver­voll­komm­ne­ten Erfin­dung“.

Dieser Ver­trag kam am 14. Dezem­ber 1829 zustande und sollte zehn Jahre gelten. Schon im Jahr 1833 starb Niépce, Dagu­erre einigte sich mit dem Sohn Isi­dore Niépce (1805 – 1868), der in die ver­trag­li­chen Rechte seines ver­stor­be­nen Vaters ein­trat. Niépce hatte bereits Ver­su­che mit Sil­ber­plat­ten ange­stellt, die er Jod­dämp­fen aus­setzte, um blanke Stel­len abzu­de­cken. Dagu­erre fand heraus (1831), dass das gebil­dete Jod­sil­ber licht­emp­find­lich ist. Durch einen Zufalls­fund stieß Dagu­erre 1835 auf die Ent­wi­ckel­bar­keit des laten­ten, d.h. durch Belich­tung erzeug­ten unsicht­ba­ren, Bildes auf Jod­sil­ber­schich­ten durch Queck­sil­ber­dämpfe. Bei der Nach­be­hand­lung der belich­te­ten Sil­ber­jo­did­platte mit Queck­sil­ber­dampf wurde auf den belich­te­ten Teilen der Platte ein weiß­li­ches Amal­gam gebil­det. Es han­delt sich in einem gewis­sen Sinne um „Ent­wick­lung“. Wenn Licht auf Jod­sil­ber ein­wirkte, so redu­zierte es diese Ver­bin­dung zu freiem Silber; an der Ober­flä­che wurden an jenen Stel­len Queck­sil­be­ra­tome auf­ge­nom­men. Auf die unbe­lich­te­ten Berei­che hin­ge­gen hatte das Queck­sil­ber keine Wir­kung. Wie das – was man die „Queck­sil­ber­be­hand­lung“ getauft hat – zustande kam, wissen wir nicht. Eine Anek­dote berich­tet, dass Dagu­erre durch Zufall auf dieses Ver­fah­ren gesto­ßen sei, er habe, so wird erzählt, eine Anzahl expo­nier­ter Sil­ber­jo­did­plat­ten in einem Schrank unter­ge­bracht, die ver­schie­dene Che­mi­ka­lien ent­hiel­ten. Nach eini­gen Wochen bemerkte er ein sehr schö­nes kräf­ti­ges Bild auf einer Platte. Er expo­nierte fri­sche Plat­ten und legte sie in den Schrank. Nach eini­gen Stun­den waren auf ihnen eben­falls gute Bilder ent­stan­den. Indem er eine Sub­stanz nach der ande­ren aus dem Schrank ent­fernte, ent­deckte Dagu­erre schließ­lich, dass der Stoff der die Bilder hatte her­aus­kom­men lassen, Queck­sil­ber gewe­sen war. Zwei Jahre später schließ­lich fand Dagu­erre im Koch­salz ein Fixier­mit­tel, und auf dieses Jahr datiert ist auch seine erste erhal­ten geblie­bene Auf­nahme.
 

Daguerrotypie, Sammlung Uwe Scheid

Dagu­er­ro­ty­pie
Samm­lung Uwe Scheid

 
Am 19. August 1839 wurde die Foto­gra­fie offi­zi­ell mit allen tech­ni­schen Details in Paris öffent­lich bekannt­ge­macht. Auf Aragos Emp­feh­lung hin wurde Dagu­er­res Ver­fah­ren von der fran­zö­si­schen Regie­rung auf­ge­kauft, als spek­ta­ku­lä­res Geschenk der Grande Nation an die ganze Welt. Auf Antrag Aragos und des Phy­si­kers und Che­mi­kers Gay-Lussac erhielt Dagu­erre folg­lich als Gegen­leis­tung eine lebens­lange Rente von 6000 Franc, der Erbe von Nièpce, Isidor Nièpce eine solche von 4000 Franc.

Das Nega­tiv-Posi­tiv-Ver­fah­ren

Foto William Henry Fox Talbot

Der eng­li­sche Pri­vat­ge­lehrte Wil­liam Henry Fox Talbot (rechts im Bild, 1800 – 1877) war ein Mann umfas­sen­der Bil­dung. Ein guter Bota­ni­ker, ein fähi­ger Mathe­ma­ti­ker, er konnte assy­ri­sche Keil­schrif­ten ent­zif­fern und über­set­zen und wid­mete sich haupt­säch­lich phy­si­ka­li­schen Pro­ble­men. Fox Talbot machte große Reisen. Im Jahre 1833 war ihm bei einem Ver­such, eine Land­schafts­zeich­nung am Comer See mit­tels Camera obscura zu fer­ti­gen, der Gedanke gekom­men, das opti­sche Bild che­mi­sch fest­zu­hal­ten. Bereits im Jahr 1834 begann er mit ent­spre­chen­den Ver­su­chen unter Ver­wen­dung von Chlor­sil­ber­schich­ten. Die geringe Licht­emp­find­lich­keit zwang ihn zu außer­or­dent­lich langen, prak­ti­sch unmög­li­chen Belich­tungs­zei­ten. Das ent­ste­hende Bild war nega­tiv, d.h. die in der Natur hellen Bild­teile erschie­nen dunkel, die Fixie­rung der Bilder gelang Fox Talbot nur mit größ­ten Schwie­rig­kei­ten, bis ihn später Her­schel auf das Natri­um­thio­sulp­hat als Lösungs­mit­tel der unver­brauch­ten Sil­ber­salze hin­wies.

Als Fox Talbot im Januar 1839 von den Ergeb­nis­sen Dagu­er­res hörte, ver­wies er sogleich auf sein eige­nes, noch unfer­ti­ges Ver­fah­ren und bean­spruchte die Aner­ken­nung der Erst­rechte – aller­dings ohne Erfolg, da Niépce und Dagu­erre schon viel früher mit ihren Arbei­ten begon­nen hatten. Seine Papier­bil­der konn­ten sich zunächst auch nicht mit den fein detail­lier­ten Dagu­er­reo­ty­pien messen. Aber Fox Talbot wusste, dass sein Ver­fah­ren noch zu ver­bes­sern war. Dass er als Erfin­der des Nega­tiv-Posi­tiv-Ver­fah­rens der eigent­li­che Vater der moder­nen Foto­gra­fie werden würde, ahnte er jedoch nicht.

Die Foto­gra­fie erobert die Welt

Minia­tur­ma­ler und Che­mi­ker, Glücks­rit­ter und Spe­ku­lan­ten, Künst­ler, Dilet­tan­ten und Gelehrte begeis­ter­ten sich glei­cher­ma­ßen für das neu­ar­tige Ver­fah­ren, ein prä­zi­ses Abbild ohne Zuhil­fe­nahme von Zeich­nung oder Male­rei fest­zu­hal­ten. Ein Mensch­heits­traum war Wirk­lich­keit gewor­den. Schät­zungs­weise eine Mil­lion – aus heu­ti­ger Sicht eine geringe Anzahl – der meist klein­for­ma­ti­gen, ohne Nega­tiv auf ver­sil­ber­ten Kup­fer­plat­ten fixier­ten Dagu­er­reo­ty­pien sind in den ersten zwan­zig Jahren der Foto­gra­fie­ge­schichte ange­fer­tigt worden, die Mehr­zahl Por­träts.

Tech­ni­sche Neue­run­gen, die die soge­nannte Zeit der moder­nen Foto­gra­fie um 1880 ein­läu­ten, sind Tro­cken­plat­ten, Ama­teur­ka­me­ras mit Roll­film, Ver­grö­ße­rungs­ge­räte und schnelle Ver­schlüsse. Alle Wei­ter­ent­wick­lun­gen haben zum Ziel, die Foto­gra­fie mas­sen­taug­lich zu machen. Die Ama­teur­fo­to­gra­fie ab Ende des 19. Jahr­hun­derts ist gekenn­zeich­net durch die soge­nann­ten Box­ka­me­ras. Das Kon­zept wurde ursprüng­lich in den USA ent­wi­ckelt: eine mög­lichst ein­fach zu bedie­nende, preis­wert her­zu­stel­lende Kamera, die mit Roll­film arbei­tete. (Man denke an Kodaks Slogan „You Press the Button, We Do the Rest“ um 1888.)

In den zwan­zi­ger und drei­ßi­ger Jahren des letz­ten Jahr­hun­derts werden mit der Ent­wick­lung der Klein­bild­fo­to­gra­fie und der Erfin­dung des Farb­films wich­tige Mei­len­steine gesetzt, die die Foto­gra­fie in den fol­gen­den Jahr­zehn­ten maß­geb­lich präg­ten und vor­an­brach­ten.

Die digi­tale Revo­lu­tion

Das erste Digi­tal­bild wurde am 8.12.1975 auf­ge­nom­men, es hatte 100x100 Pixel und es dau­erte 23 Sekun­den, das Bild zu spei­chern.

Der Sie­ges­zug dieser bahn­bre­chen­den Tech­nik hat, wie die meis­ten tech­ni­schen Revo­lu­tio­nen, viele Väter. Bereits 1679 wurde das binäre Zah­len­sys­tem, die Basis aller digi­ta­len Ver­fah­ren, von dem Mathe­ma­ti­ker Gott­fried Wil­helm Leib­niz ent­wi­ckelt. Mitte des 19. Jahr­hun­derts hat es der Eng­län­der George Boole durch ein rech­ne­ri­sches System erwei­tert, das neben den Grund­re­chen­ope­ra­tio­nen die logi­schen Ver­knüp­fun­gen „UND“, „ODER“ und „NEGATIV“ ver­wen­dete. Anders als das Dezi­mal­sys­tem kommt das Dual­sys­tem mit deut­lich weni­ger Spei­cher- bzw. Steu­e­r­ele­men­ten aus. Beim Dezi­mal­sys­tem waren für die elek­tri­sche oder mecha­ni­sche Regis­trie­rung Schal­ter mit zehn mög­li­chen Stel­lun­gen erfor­der­lich. Binäre Sys­teme können mit nur zwei Schal­ter­stel­lun­gen alle Rech­nun­gen und logi­schen Ver­knüp­fun­gen dar­stel­len.

Im Jahr 1936 mel­dete der fran­zö­si­sche Mathe­ma­ti­ker R. Valtat ein Patent für eine auf dem Binärs­ys­tem arbei­tende Rechen­ma­schine an. Zu der Zeit arbei­tete auch der deut­sche Mathe­ma­ti­ker Konrad Zuse an der Ent­wick­lung einer pro­gramm­ge­steu­er­ten Rechen­ma­schine. Beide gelten als die Vor­läu­fer der heu­ti­gen Com­pu­ter­tech­nik, die selbst kom­ple­xeste Rech­nun­gen in Bruch­tei­len von Sekun­den durch­füh­ren kann. Eine der wich­tigs­ten Vor­aus­set­zun­gen, Bilder durch Zah­len­codes schnell und ein­fach dar­stel­len zu können.

Die Geburt der digi­ta­len Foto­gra­fie wird all­ge­mein an dem Bau der ersten Digi­tal­ka­mera in den Kodak-Labo­ren durch Steve Sasson und seinen Mit­ar­bei­ter, dem Tech­ni­ker Jim Schu­eck­ler, fest­ge­macht. Die Vor­aus­set­zung für den Bau dieser Kamera lie­ferte aber der erste CCD-Bild­sen­sor (Charge-Cou­p­led-Device), den die Phy­si­ker Wil­li­ard Boyle und George E. Smith in den Bell Laba­ra­to­ries ent­wi­ckelt hatten. Sie wurden für ihre die Erfin­dung 2009 mit dem Nobel­preis für Physik geehrt.
 

Foto Steve Sasson (* 1950) mit der ersten Digitalkamera

Steve Sasson (* 1950) mit der ersten Digi­tal­ka­mera

 
Ursprüng­lich hatten die Wis­sen­schaft­ler die Chips 1969 für den Ein­satz als Daten­spei­cher ent­wi­ckelt und dabei die Licht­emp­find­lich­keit der Ele­mente ent­deckt. Ein erster CCD-Bild­sen­sor wurde bereits 1970 gebaut und durch stän­dige Minia­tu­ri­sie­rung in den fol­gen­den Jahren zu einem Bau­teil wei­ter­ent­wi­ckelt, das eine aus­rei­chende Auf­lö­sung für TV-Kame­ras bot.

Der Kodak-Mit­ar­bei­ter Steve Sasson ver­wen­dete für den Bau seines, als erste Digi­tal­ka­mera der Welt gel­ten­des Ver­suchs­mo­dells, einen von dem ame­ri­ka­ni­schen Fair­child-Kon­zern gefer­tig­ten CCD-Chip mit einer Auf­lö­sung von 100x100 Pixeln. Damit enstand am 8.12.1975 das erste Digi­tal­foto.

Digi­tale Bild­ver­ar­bei­tung

Aber eine ganz andere Ent­wick­lung stellte die Wei­chen für den tech­no­lo­gi­schen Para­dig­men­wech­sel zur Digi­tal­fo­to­gra­fie: Das rasante Fort­schrei­ten der Digi­tal­tech­nik in den Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gien und in der Tele­kom­mu­ni­ka­tion. Com­pu­ter und Office-Pro­gramme erober­ten die Büro- und andere Arbeits­wel­ten, Per­so­nal und Home Com­pu­ter hiel­ten Einzug in die Pri­vat­haus­halte.

Pro­fes­sio­nelle Bild­be­ar­bei­tungs- und Lay­out­pro­gramme revo­lu­tio­nier­ten die Medi­en­welt. Die Geschichte der Scan­ner, mit denen Fotos elek­tro­ni­sch erfasst und zur Wei­ter­ver­ar­bei­tung in digi­tale Dateien umge­wan­delt wurden, geht bis in die 1920-er Jahre zurück. Als Väter dieser bahn­bre­chen­den Ent­wick­lung gelten der Ame­ri­ka­ner Rus­sell Kirsch, der 1957 am Natio­nal Insti­tut of Stan­dards and Tech­no­logy (NIST) das Schwarz­weiß­foto seines Sohnes mit 176 × 176 qua­dra­ti­schen Pixeln erfasste, sowie der deut­sche Erfin­der Rudolf Hell aus Kiel, der das Tele­fax und den Hell­schrei­ber sowie wei­tere Geräte für die elek­tro­ni­sche Bild- und Daten­er­fas­sung, –bear­bei­tung und –über­tra­gung erfun­den hat.

Bevor es ein mas­sen­taug­li­ches Kon­zept für digi­tale Kame­ras gab, waren Scan­ner zur Erfas­sung von Bil­dern und ihre elek­tro­ni­sche Über­tra­gung in der Medi­en­bran­che und im Bild­jour­na­lis­mus längst eta­bliert. Auch für die Aus­ar­bei­tung der Papier­ab­züge von Nega­ti­ven und spe­zi­ell von Dia­po­si­ti­ven, zeigte die digi­tale Bild­be­ar­bei­tung sehr schnell ihre Stär­ken. Der Ver­sand von Bild­da­ten zunächst über ana­loge und später über digi­tale Tele­fon­lei­tun­gen war lange übli­che Praxis, bevor digi­tal foto­gra­fiert wurde.
 

Foto Mavica von Sony, 1981

Mavica von Sony, 1981

 
Sony rüt­telte 1981 mit seiner Mavica (Magne­tic Video Camera) zum ersten Mal die Welt der film­ba­sier­ten Foto­gra­fie wach. Diese Still-Video-Kamera zeich­nete ein Video­stand­bild auf 2-Zoll-Dis­ket­ten auf. Die Wie­der­gabe der Auf­nah­men erfolgte auf dem Fern­seh­ge­rät. Es dau­erte wei­tere 15 Jahre, bis Sony 1997 seine erste digi­tale Mavica auf den Markt brachte. Ein wesent­li­cher Durch­bruch für die digi­ta­len Bild­tech­ni­ken waren Com­pu­ter auf Basis von Betriebs­sys­te­men mit gra­fi­scher Ober­flä­che Mitte der 1980er Jahre. Xerox und Apple waren hier die Schritt­ma­cher – zunächst beide auf dem pro­fes­sio­nel­len und Apple schließ­lich auch für Anwen­dun­gen im Home-Office. PC-Her­stel­ler wie Atari oder Com­mo­dore erreich­ten nicht zuletzt auch wegen der immer belieb­ter wer­den­den Com­pu­ter­spiele traum­hafte Ver­kaufs­zah­len.

Schnell setze sich die digi­tale Bild­be­ar­bei­tung am Com­pu­ter durch. Das Desk­top-Publis­hing-Pro­gramm „Page Maker“ und die Bild­be­ar­bei­tungs­soft­ware „Photo Styler“ aus dem Soft­ware­haus Aldus, das später in Adobe auf­ging und mit Inde­sign bzw. Pho­to­shop seine Fort­set­zung fand, eroberte die Druck­vor­stufe. Photo Impact, Pic­ture Publis­her Paint Shop Pro oder Corel und Quark Express ver­än­der­ten die Welt der Druck­vor­stufe.

Digi­tale Kame­ras

Erst in den 1990er Jahren begann der Durch­bruch der Digi­tal­ka­me­ras. Zehn Jahre nach Vor­stel­lung der Sony Mavica brachte Kodak die DCS, eine pro­fes­sio­nelle Digi­tal­ka­mera auf der Basis einer modi­fi­zier­ten Nikon F3 heraus. Die Kamera hatte anstelle des Kame­ra­de­ckels zur Film­ab­de­ckung ein Rück­teil mit inte­grier­tem 1,3-Megapixel-Sensor. Gespei­chert wurden die Schwarz­weiß­bil­der auf einer sepa­ra­ten, über der Schul­ter zu tra­gen­dem Spei­che­r­ein­heit. Spä­tere DCS-Modelle, die Serie wurde bis 2005 gebaut, erhiel­ten zur Bild­spei­che­rung inte­grierte Fest­plat­ten­lauf­werke und schließ­lich PCMCIA-Flash­spei­cher­kar­ten. Erst ab 1994 mach­ten minia­tu­ri­sierte Flash-Spei­cher, etwa die auch heute noch erhält­li­che CF-Spei­cher­karte, den Bau kom­pak­ter Digi­tal­ka­mera mit Wech­sel­spei­cher mög­lich.
 

Kodak DCS 100

Kodak DCS 100, basie­rend auf einem Nikon-F3-Gehäuse, mit 1,3-Megapixel-Sensor und exter­ner „Digi­tal Sto­r­age Unit“ (200 MB Spei­cher­ka­pa­zi­tät), vor­ge­stellt im Mai 1991
Foto: John W. Schulze, unter CC-Lizenz

 
Mitte der 1990er Jahre hatte der che­mi­sche Film seinen Höhe­punkt erreicht. Kom­fort, Qua­li­tät und das Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis waren im Ver­gleich zu den ersten digi­ta­len Auf­nah­me­ge­rä­ten unschlag­bar. Den­noch zeich­nete sich der Sie­ges­zug der Digi­tal­fo­to­gra­fie bereits ab. Zu offen­sicht­lich waren die Vor­teile, für die der anfäng­li­che Qua­li­täts­man­gel gern in Kauf genom­men wurde. Der Vorzug der sofor­ti­gen Ver­füg­bar­keit der Bilder ohne Zusatz­kos­ten für Ent­wick­lung und Abzüge wog für immer mehr Ver­brau­cher die Zuge­ständ­nisse einer gerade als „gut genug“ emp­fun­de­nen Bild­qua­li­tät auf.

Vor noch nicht einmal zwan­zig Jahren, näm­lich 1995, kam dann als erste kom­pakte, digi­tale Con­su­mer­ka­mera die Casio QV-10 auf den Markt. Sie ver­zich­tete auf einen Sucher und ver­wen­dete ein Dis­play mit Live­View für die Wahl des Bild­aus­schnitts. Eine kon­struk­tive Beson­der­heit war das schwenk­bare Objek­tiv, wie es später auch Nikon für seine ersten kom­pak­ten Digi­tal­ka­me­ras nutzte.

Ana­loge Ret­tungs­ver­su­che

Kodak trieb die digi­ta­len Bild­tech­ni­ken nicht nur im pro­fes­sio­nel­len Bereich voran. Anfang der 1990er wollte man damit auch den Mas­sen­markt bedie­nen. Mit der 1992 vor­ge­stell­ten Photo CD prä­sen­tierte das Unter­neh­men ein digi­ta­les System zur Digi­ta­li­sie­rung und Archi­vie­rung von Klein­bild­fil­men. Das als geschlos­se­nes System mit einem eige­nen Bild­for­mat ein­ge­führte und auch ziem­lich teure Ver­fah­ren konnte sich aber lang­fris­tig nicht durch­set­zen. Umso erfolg­rei­cher war das Unter­neh­men zunächst im digi­ta­len B2B-Geschäft.

1996 woll­ten es die Film­in­dus­trie und die Her­stel­ler ana­lo­ger Kame­ras noch einmal wissen. Mit dem Advan­ced Photo System (APS) woll­ten Canon, Fuji­film, Kodak, Minolta und Nikon mit einem hybri­den System aus Film- und Digi­tal­tech­nik ihr Geschäft retten. APS sollte viele Vor­gänge im Hand­ling des Films beim Ein­le­gen, Trans­por­tie­ren, Rück­spu­len, Ent­wi­ckeln und Scan­nen erleich­tern. Es bot zudem durch die Magnet­strei­fen auf dem Trä­ger­ma­te­rial die Mög­lich­keit des Daten­aus­tauschs zwi­schen Kamera und Ent­wick­lungs­la­bor. Es erlaubte den unkom­pli­zier­ten Wech­sel teil­be­lich­te­ter Filme und erleich­terte die Ver­ar­bei­tung im Labor. Ange­dacht war sogar die Mög­lich­keit der Spei­che­rung der vom Labor für die Prints erzeug­ten Scans auf der Magnet­schicht des Films. Eine Beson­der­heit war auch das klei­nere Format der APS-Filme und die Mög­lich­keit der Wahl unter­schied­li­cher Sei­ten­ver­hält­nisse und Bild­grö­ßen. Obwohl die meis­ten Her­stel­ler die Pro­duk­tion von APS-Kame­ras bereits um 2002 bis 2003 wieder ein­stell­ten und auch die Film­pro­duk­tion dafür aus­lief, hat sich das APS-C-Format als Sen­sor­größe auch in der Digi­tal­fo­to­gra­fie, vor allem bei DSLR-, kom­pak­ten Sys­tem­ka­me­ras und Pre­mium Kom­pakt­ka­me­ras bis heute gehal­ten.

Sie­ges­zug der Digi­tal­ka­mera

Wäh­rend die Ver­kaufs­zah­len für digi­tale Kame­ras ab Mitte der 1990er Jahre zunächst lang­sam und schließ­lich rasant zunah­men, gingen die Abver­käufe bei Filmen und ana­lo­gen Kame­ras immer weiter zurück. Para­do­xer­weise waren es digi­tale Tech­ni­ken, mit denen die Film­ver­ar­bei­tung immer ein­fa­cher und die Qua­li­tät der Abzüge immer besser wurden. Digi­tale Minil­abs und Groß­la­bor­prin­ter ver­sorg­ten den Mas­sen­markt mit hoch­wer­ti­gen und preis­wer­ten Prints, wäh­rend die Anhän­ger der Digi­tal­fo­to­gra­fie sich anfangs damit begnüg­ten, ihre Fotos auf dem Bild­schirm zu betrach­ten und, ab Anfang des neuen Jahr­tau­sends, über das Inter­net zu teilen.

Viele der klas­si­schen Kame­ra­her­stel­ler taten sich mit dem Ein­stieg in die Digi­tal­fo­to­gra­fie zunächst schwer, es kamen neue Player, wie Pana­so­nic, Samsung, Sony, aus der Unter­hal­tungs­elek­tro­nik hinzu und kur­bel­ten den Markt an. Wurden von den Ver­brau­chern zunächst die Bild­qua­li­tät und die dafür haupt­säch­lich als ver­ant­wort­lich ange­se­hene Pixel­zahl als Qua­li­täts­merk­mal her­an­ge­zo­gen, so hat sich das Pixel­ren­nen mit dem Über­schrei­ten der 20-Mega­pi­xel-Grenze inzwi­schen rela­ti­viert. Neue Ansprü­che wie krea­tive Fle­xi­bi­li­tät, Zoom­be­reich, Sen­sor­grö­ßen und Pro­zes­sor­ge­schwin­dig­kei­ten, wurden zu neuen Kenn­grö­ßen für Qua­li­tät. Das einst von Oskar Bar­nack pro­pa­gierte und von der Foto­welt anfangs oft­mals als zu klein für qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Auf­nah­men belä­chelte Klein­bild­for­mat für ana­loge Kame­ras erhielt in der digi­ta­len Foto­gra­fie die Bezeich­nung „Voll­for­mat“ und wird von den Ver­brau­chern mit höchs­ter Qua­li­tät asso­zi­iert.

Das Smart­phone mit inte­grier­ter Digi­tal­ka­mera für Foto und Video sowie stän­di­ger Ver­bin­dung ins Inter­net, hat sich vom Tele­fon mit foto­gra­fi­schem Notiz­buch zum digi­ta­len Alles­kön­ner ent­wi­ckelt, der auch als Fern­be­die­nung und zusätz­li­ches Dis­play (Sucher) für Digi­tal­ka­me­ras mehr und mehr an Bedeu­tung gewinnt. Es hat bewirkt, dass mehr Men­schen die Foto­gra­fie zur visu­el­len Kom­mu­ni­ka­tion nutzen als je zuvor.

(thoMas)
 
 
Quel­len­nach­weis:
Texte des Pho­to­in­dus­trie-Ver­bands e.V. zu 175 Jahren Foto­gra­fie; gekürzt, zusam­men­ge­fasst und redi­giert.
Bild­ma­te­rial: Pho­to­in­dus­trie-Ver­band e.V. und John W. Schulze
Abdruck mit freund­li­cher Geneh­mi­gung vom Pho­to­in­dus­trie-Ver­band e.V.

 
 
Nach­satz: Das von Pro­fes­sor Wil­fried Korf­ma­cher, Düs­sel­dorf, ent­wi­ckelte Logo für „175 Jahre Foto­gra­fie“ (siehe ein­gangs) sti­li­siert keine Brille und auch kein Fern­glas, son­dern „das Zei­chen für Unend­lich­keit – nicht nur Foto­gra­fen bes­tens bekannt – sti­li­siert ein Augen­paar und kenn­zeich­net zusam­men mit dem Slogan „175 Years Pho­to­gra­phy – Ima­ging Unli­mi­ted“ die gren­zen­lose Dyna­mik und Zukunft des foto­gra­fi­schen Bildes.“ so sagt der Photoindustrie-Verband.