Ohne Titel, JVA Frankfurt III, 1996Foto­gra­fien aus 30 Jahren Frau­en­gefäng­nis prä­sen­tiert eine Aus­stel­lung in der DZ BANK in Koope­ra­tion mit der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Frank­furt am Main III:

Pres­se­infor­ma­tion:

Tage in Schwarz-Weiß

Die DZ BANK zeigt die Aus­stel­lung „Blitz­licht­git­ter – Foto­gra­fien aus 30 Jahren Frau­en­gefäng­nis“ von Insas­sin­nen der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Pre­unges­heim

Blitz­licht­git­ter – Foto­gra­fien aus 30 Jahren Frau­en­gefäng­nis“ ist der Titel einer Aus­stel­lung in der DZ BANK in Koope­ra­tion mit der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Frank­furt am Main III. Vom 29. Novem­ber 2013 bis 10. Januar 2014 sind rund 25 foto­gra­fi­sche Arbei­ten von straf­ge­fan­ge­nen Frauen im DZ BANK SCHAUFENSTER im City­haus 2 in Frank­furt zu sehen. Die Arbei­ten sind in drei­ßig Jahren ent­stan­den und zeigen den Blick der inhaf­tier­ten Frauen auf Mit­ge­fan­gene, auf sich selbst – direkt oder im Spie­gel – auf die Gitter, die sie umge­ben, die Zel­len­tü­ren, die hinter ihnen ins Schloss fallen, auf einen klei­nen Raum, der ihren Alltag bedeu­tet. Die Schwarz-Weiß-Foto­gra­fien erzäh­len von einer frem­den Welt, vom Alltag in einem Aus­nah­me­zu­stand.
 

Foto Ohne Titel, JVA Frankfurt III, vor 1986

Ohne Titel, JVA Frank­furt III, vor 1986

 
Anfang der Sieb­zi­ger Jahre erhielt die Foto­gra­fin Hanne Katz von Dr. Helga Ein­sele, der dama­li­gen Lei­te­rin der Frau­en­an­stalt, die Anfrage, einen Foto­kurs für die Insas­sin­nen anzu­bie­ten. 1972 war es ein Novum, einen Kurs für Foto­gra­fie im Voll­zug ein­zu­rich­ten. Das Kon­zept der Foto­kurse beruhte darauf, einer­seits die Tech­nik und ande­rer­seits die krea­tive Seite wie Motiv­su­che und Bild­auf­bau zu ver­mit­teln, aber vor allem auch das Zutrauen der Inhaf­tier­ten in die eigene Bega­bung zu stär­ken und zu för­dern.

Die meist­ge­wähl­ten Motive war dabei stets Per­so­nen und Gesich­ter, also ein star­ker Bezug auf die (eigene) Kör­per­lich­keit und weni­ger die Situa­tion des „Ein­ge­sperrt­s­eins“ zu doku­men­tie­ren. Und es galt auch, immer wieder neue Themen zu finden und Dinge aus­zu­pro­bie­ren, trotz der Beschrän­kung auf die Zelle, den Flur oder die Treppe davor und der gele­gent­li­chen Erlaub­nis, im Hof zu foto­gra­fie­ren. Dabei ent­stan­den Foto­gra­fien von Kör­pern oder Kör­per­tei­len, Figu­ren in der Bewe­gung, beim Tanzen, von geschmink­ten Gesich­tern oder unter einer Maske, ebenso wie Still­le­ben mit Blumen oder All­tags­ge­gen­stän­den, zum Teil abs­trakt als gleich­lau­fende Linien oder Drei­ecken. Es ent­stan­den aber auch Foto­gra­fien von Emo­tio­nen wie Trauer, Freude oder Wut.
 

Ohne Titel, JVA Frankfurt III, 1978

Ohne Titel, JVA Frank­furt III, 1978
 
 
Ohne Titel, JVA Frankfurt III, 1996

Ohne Titel, JVA Frank­furt III, 1996

 
Vor allem in den ersten zehn Jahren, als das Foto­pa­pier noch beson­ders knapp war, erstell­ten die Frauen Col­la­gen. Das erste Thema war „Meine Ver­haf­tung“. Aus mit­ge­brach­ten Illus­trier­ten wurden Szenen oder Hin­ter­gründe aus­ge­schnit­ten und diese mit den eige­nen Fotos kom­bi­niert, oft­mals sind dies Doku­men­ta­tio­nen über Lebens­ab­schnitte der Frauen.

Es fanden sogar bereits ein­zelne kleine Aus­stel­lun­gen außer­halb des Gefäng­nis­ses statt, die mit den Frauen vor­be­rei­tet und orga­ni­siert wurden. Als sich die Mit­ar­bei­ter der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt an die DZ BANK Kunst­samm­lung wand­ten, stieß die Idee einer Aus­stel­lung in den Räumen des Spit­zen­in­sti­tuts der Volks­ban­ken Raiff­ei­sen­ban­ken auf ein­hel­lige Zustim­mung. Thomas Ull­rich, Mit­glied des Vor­stands der DZ BANK, erläu­tert: „Diese Foto­gra­fien zeigen eine Par­al­lel­ge­sell­schaft, die den meis­ten Men­schen völlig unbe­kannt ist. Sie sind aber auch Aus­druck von unge­ahn­ter Krea­ti­vi­tät und unent­deck­ten Talen­ten. Wir möch­ten im Sinne unse­rer sozia­len Ver­ant­wor­tung mit dieser Aus­stel­lung zum Nach­den­ken anre­gen. Diese ein­dring­li­chen und beein­dru­cken­den Arbei­ten soll­ten einem grö­ße­rem Publi­kum zugäng­lich sein.“

Jus­tiz­mi­nis­ter Jörg-Uwe Hahn erklärt im Gruß­wort des Aus­stel­lungs­ka­ta­logs: „Kunst im Straf­voll­zug, die sich im vor­lie­gen­den Pro­jekt über die Foto­gra­fie aus­drückt, leis­tet mit ihren the­ra­peu­ti­schen Effek­ten und ihren kon­struk­ti­ven Gestal­tungs­pro­zes­sen einen wich­ti­gen Bei­trag zur Reso­zia­li­sie­rung von Gefan­ge­nen. Den Haft­all­tag durch das Kame­ra­ob­jek­tiv zu betrach­ten, lässt diesen nicht ver­schwin­den, son­dern schafft die Mög­lich­keit, die Dinge aus einer ande­ren Per­spek­tive zu sehen. Das Objek­tiv gibt die Chance, einen Moment aus der Fremd­be­stim­mung durch Regeln und Pflich­ten her­aus­zu­tre­ten und eine beson­dere Form von Pri­vat­heit zu schaf­fen, ver­bun­den mit Krea­ti­vi­tät und Expe­ri­men­tier­freu­dig­keit.“

Die Aus­stel­lung wurde kura­tiert von Hanne Katz, Petra Hen­schel und Stefan Schwab von der JVA FFM III sowie Dr. Chris­tina Leber, Lei­te­rin der DZ BANK Kunst­samm­lung.

Zur Aus­stel­lung erscheint ein Kata­log (erhält­lich bei der Aus­stel­lungs­er­öff­nung oder c/o Stefan Schwab; E-Mail Stefan.Schwab@JVA-Frankfurt3.Justiz.Hessen.de; Tele­fon: 069‑1367-1308).
 

Ohne Titel, JVA Frankfurt III, 2003

Ohne Titel, JVA Frank­furt III, 2003

 
Aus­stel­lung:
Blitz­licht­git­ter – Foto­gra­fien aus 30 Jahren Frau­en­gefäng­nis
29. Novem­ber 2013 bis 10. Januar 2014

DZ Bank Schau­fens­ter, City­haus II
Platz der Repu­blik
60325 Frankfurt/Main

Öff­nungs­zei­ten:
Mo. – Fr. 10 bis 19 Uhr
 

(thoMas)