Foto Fred Stein, Marlene Dietrich (1901-1992), New York 1957Dieser Mann hatte ganz zweifellos eine Vision …“ – so Willy Brandt über den Fotografen Fred Stein (1909 – 1967), dem das Jüdische Museum Berlin jetzt die weltweit erste umfas­sende Retro­spektive widmet:

Presse­infor­mation des Jüdischen Museums Berlin:

»Im Augen­blick. Fotografien von Fred Stein«

Laufzeit vom 22. November bis 23. März 2014 im Jüdischen Museum Berlin

Ein Augen­blick kann entscheidend sein – im Leben wie in der Fotografie. Mehr als 130 solcher bewahrten Momente aus den Straßen von Paris und New York sowie Porträts berühmter Persön­lich­keiten zeigt das Jüdische Museum Berlin ab heute. Dem Fotografen Fred Stein ist die weltweit erste umfas­sende Retro­spektive gewidmet. »Im Augen­blick. Fotografien von Fred Stein« präsen­tiert die Arbeiten vom 22. November 2013 bis zum 23. März 2014 in der Eric F. Ross Galerie. Das Herzstück der Retro­spektive bilden mehr als 70 Straßen­an­sichten aus Paris und New York. Sie folgen keiner chrono­lo­gi­schen oder geogra­phi­schen Ordnung, sie orien­tieren sich an zusam­men­hän­genden Bilder­sujets: Stadt­an­sichten und Alltags­mo­mente, Straßen­ver­käufer und Kinder­szenen, Armut und glück­liche Moment­auf­nahmen. Umrahmt werden diese Fotografien von 60 Porträt­bildern berühmter Persön­lich­keiten. Private Dokumente, Origi­nal­abzüge und Kontakt­bögen veran­schau­lichen Biografie und Werk des Fotografen, dessen Bilder heute vertrauter sind als der Name. »Fred Steins Werk zeigt eindrücklich, dass es ihm nicht nur um die Fotografie als Ergebnis seiner Arbeit ging, sondern um die persön­liche Begegnung und das Festhalten beson­derer Momente. Davon zeugen auch die Anekdoten zu einzelnen Aufnahmen«, beschreibt Kuratorin Theresia Ziehe den Fotografen Fred Stein.
 

Foto Fred Stein, Albert Einstein (1879-1955), Princeton 1946    Foto Fred Stein, Zeitungshut, New York 1946

Albert Einstein (1879–1955), Princeton 1946 / Zeitungshut, New York 1946
© Estate of Fred Stein
 
 
Foto Fred Stein, La Rêve (Der Traum), Paris 1934    Foto Fred Stein, Marlene Dietrich (1901-1992), New York 1957

La Rêve (Der Traum), Paris 1934 / Marlene Dietrich (1901–1992), New York 1957
© Estate of Fred Stein

 
Psycho­logie des Porträts

Fred Stein machte zeitlebens mehr als 1.200 Porträts von Zeitge­nossen. Die Fotografien von Sozial­de­mo­kraten und Kommu­nisten, Präsi­denten, Schrift­stellern, Intel­lek­tu­ellen und Künstlern verknüpfen seine Achtung der Person mit seinem Engagement für die jeweilige Sache. Mit Geduld und Spürsinn brachte er Politiker oder Künstler vor seine Kamera, etwa Salvador Dalí, Marc Chagall und Willem de Kooning sowie in die USA ausge­wan­derte Deutsche wie Thomas Mann und Marlene Dietrich. In den Augen der porträ­tierten Hannah Arendt war Stein »einer der besten zeitge­nös­si­schen Porträt­fo­to­grafen«. Auch Willy Brandt schätze seinen Freund Fred Stein 1957 in New York hoch ein: »Dieser Mann hatte ganz zweifellos eine Vision, wovon die Menschen und Sujets, die er auswählte, eindeutig Zeugnis ablegen.« Die ausge­stellten Aufnahmen lesen sich wie ein »Who is who« promi­nenter Persön­lich­keiten des 20. Jahrhun­derts. Die Stein‘sche Bildsprache ist klar und einfach, die Aufnahmen sind weder arran­giert, noch insze­niert. Der Fotograf Fred Stein arbeitete unauf­dringlich, die Porträ­tierten sollten natürlich erscheinen. Meist kannte er ihre Lebenswege und Werke lange im Voraus und vertiefte sich in den Porträt­sit­zungen in intensive Gespräche, während das Fotogra­fieren eher beiläufig geschah. »Ich muss sagen, das ist auch der Sinn, den ich der Porträt­fo­to­grafie gebe: einen Ersatz … für den lebenden Menschen zu schaffen, ein Bild, das über den äußeren und inneren Menschen aussagt«, beschrieb Fred Stein seinen fotogra­fi­schen Anspruch.
 

Foto Fred Stein, Hydrant, New York 1947    Foto Fred Stein, Volksfront, Paris 1936

Hydrant, New York 1947 / Volks­front, Paris 1936
© Estate of Fred Stein
 
 
Foto Fred Stein, Kinder in Harlem, New York 1947    Foto Fred Stein, Mann auf Bank, New York 1941

Kinder in Harlem, New York 1947 / Mann auf Bank, New York 1941
© Estate of Fred Stein

 
Der Anwalt der Straße

Als Sohn eines Rabbiners in Dresden geboren und dort zum Juristen ausge­bildet, musste Fred Stein als Jude und Sozialist mit seiner Frau Lilo 1933 nach Paris und von dort 1941 nach New York emigrieren Im Gepäck hatte er seine Leica, die ihm bis zu seinem Tod ein ständiger Begleiter war. »Dresden vertrieb mich; so wurde ich Fotograf«, sagte Fred Stein im Rückblick. Mit der Klein­bild­kamera und später mit einer Rolleiflex hielt der Autodidakt unzählige Alltags­mo­mente in den Straßen von Paris und New York fest. Die Fotografie wurde zu seinem Beruf, der studierte Jurist zum Anwalt der Straße. Bis heute bestechen die Augen­blicks­auf­nahmen durch ihre Leben­digkeit sowie ihren formalen und kompo­si­to­ri­schen Aufbau. Fred Stein gelang es als exzel­lenter Beobachter und Chronist seiner Zeit das Wesen der beiden grund­ver­schie­denen Metro­polen mit ihren charak­te­ris­ti­schen Stimmungen festzu­halten. In beiden Städten belichtete er Moment­auf­nahmen, die an Szenen berühmter Spiel­filme erinnern.

Ein Nachlass ans Licht gebracht

Für die Ausstel­lungs­vor­be­reitung hat die Kuratorin Theresia Ziehe den Nachlass von Fred Stein in New York ausführlich gesichtet. Seit dem Tod von Lilo Stein im Jahr 1997 befindet er sich im Besitz des Sohnes Peter Stein. Die frühesten Fotografien mit der Leica stammen aus der Dresden, der Geburts­stadt Fred Steins. Sie zählen zu den ältesten erhal­tenen Arbeiten und zeigen Porträts von Lilo und Fred Stein, das Grab seines früh verstor­benen Vaters und eine Außen­auf­nahme der Synagoge von Gottfried Semper. Zwei der drei erhal­tenen Kontakt­bögen werden in der Ausstellung erstmals öffentlich präsen­tiert.
 

Fred Stein, fotografiert von Lilo Stein, Paris 1935

Fred Stein, fotogra­fiert von Lilo Stein, Paris 1935
© Estate of Fred Stein

 
Ausstellung:
Im Augenblick. Fotografien von Fred Stein
22. November 2013 bis 23. März

Jüdisches Museum Berlin
Eric F. Ross Galerie, Neubau
Linden­straße 9–14
10969 Berlin

Begleit­pu­bli­kation:
Fred Stein. Paris New York
Hrsg. von Dawn Freer
Festeinband mit Schutz­um­schlag, 24 x 31 cm, 200 Seiten, 128 Duotonabb., Deutsch/Englisch
Heidelberg/Berlin: Kehrer Verlag 2013.
ISBN 978–3-86828–429-4
49,90 Euro
 

(thoMas)