Foto Ralf JannkeFoto Sony alpha 3000Mit der alpha 3000 bietet Sony eine Systemkamera mit E-Bajonett und 20 Megapixeln für 399 Euro an – das stabilisierte Kit-Zoom 3,5-5,6/18-55 mm OSS (SEL-1855) ist in dem Preis schon mit drin. Kann, was so wenig kostet, was sein? Nunja, sagt die Praxis:

 
 
 
 
 

Foto Sony alpha 3000

 
Neben einer „anständigen“ DSLR-Ausrüstung ist seit 2010 auch eine brave Sony NEX-3 in meinem Bestand, dazu das Pancake 2,8/16 mm, dessen Brennweite gelegentlich durch den Ultra WW-Vorsatz VCL-ECU auf 12 mm (≈ 18 mm entspr. Kleinbild) verkürzt wird, und ein AF 3,5/30 mm Makro von Sony. Da kam die alpha 3000 gerade recht, bietet sie doch gegenüber den 1280x720p HD der alten NEX-3 Full-HD-Video 1920x1080p, und bewegte Bilder rücken mehr und mehr in meinen Blick. NEX-6 wie NEX-7 waren mir für das derzeit eher gelegentlich genutzte Filmen aber dann doch zu teuer. Und ein stabilisiertes 3,5-5,6/18-55 mm Kitzoom gibt es ja sozusagen „gratis“ dazu. Als Bonbon ist in der alpha 3000 auch noch der gleiche Akku, der schon in der NEX-3 steckt. Keine Selbstverständlichkeit bei den heutigen Modellwechseln.
 

Foto Sony alpha 3000
 
 
Foto der Rückseite der Sony alpha 3000
 
 
Foto der Oberseite der Sony alpha 3000

Die flammneue alpha 3000 tut nur so bzw. sieht nur so aus, als wäre sie eine Spiegelreflexkamera, ist aber eine „Spiegellose“ mit E-Bajonett für NEX-Objektive.

 
Plaste und Elaste

Hier ein paar Eindrücke von der alpha 3000, beginnend mit dem Auspacken. Das erste Gefühl: Die Kamera kann „schwimmen“, ist sehr „luftig“: Plaste und Elaste aus Fernost ... Nach dem zweiten, genaueren Hinschauen: sieht doch nicht so billig aus – und noch viel wichtiger: liegt angenehm in der Hand. E-Sucher und Monitor? Weniger schlimm als angesichts der mickrigen Auflösung (je rund 200K) befürchtet. Auch der Sucher zeigt alle wichtigen Parameter und kann auf Wunsch ein Histogramm einblenden. Dann eine angenehme Überraschung: das stabilisierte Kitzoom. Im äußeren Erscheinungsbild im Vergleich zum optisch nicht schlechten, von der Anmutung aber gruseligen Nikon-Pendant (Kunststoff-Bajonett), geradezu professionell gefertigt und stärker in Metall gehalten. Die optische Qualität ist auch gut. So kann man ein Kitzoom auch anbieten!

Nach Bestücken der alpha 3000 mit Akku und Speicherkarte noch schnell der Test, ob auch wirklich alles kompatibel ist. Akkus identisch, Fremdakku läuft allerdings nicht, 16er wie 30er Sony funktionieren problemlos.

Um die alpha 3000 möglichst schnell dem Gespött der Kollegen auszusetzen – „Wer hat dich denn hier reingelassen?“ – ging sie als Zweitkamera ins vertraute Testareal der Sporthalle. Mit dem 2,8/16 mm plus Super-WW-Konverter und 3,5/30 mm, was die alpha 3000 bei offener Blende mit ISO 1600 / 3200 und 3,5 B/s nicht vor unüberwindbare Hürden stellt. Wird zusätzlich parallel in RAW gespeichert, ist im Gegensatz zu den 13 JPEG-Bildern mit 3,5 B/s in Serie erstmal bereits nach 5 Bildern Schluss mit der Serie.

Um es deutlich zu sagen: Ein Nachführ- oder Prädikations-Autofokus, der versucht, zu berechnen, wohin sich ein bewegtes Motiv innerhalb einer Serie bewegt, findet in der alpha 3000 nicht statt. In der AF-C-Einstellung, die zwar genau das bewirken soll, ist diese spiegellose Systemkamera zumindest mit den genannten Objektiven nicht in der Lage, sich schneller bewegende Objekte einzufangen, der Fokus läuft in die Unschärfe.

Der vorausberechnende Prädikations-Autofokus wird wohl noch eine Weile Domäne der immer wieder totgesagten Kamera mit „Klapperspiegel“ und altertümlichem Glasprismensucher bleiben. Das den spiegellosen Systemkameras nachgesagte schnelle AF-Ansprechverhalten bewirkt allerdings, dass in der Einstellung AF-S (für Einzel-AF) doch ein paar Basketballbilder von Spielszenen gelangen.
 

Foto Ralf Jannke    Foto Ralf Jannke

Die beiden Actionszenen sind Ausschnitte aus Fotos mit dem Pancake 2,8/16 mm bei ISO 1600 (links) und mit dem AF 3,5/30 mm Makro bei ISO 3200 (rechts); jeweils Blende 3,5 und Zeitautomatik.
(Klick aufs Bild!)

 
 
Foto Ralf Jannke

Aufnahme mit 2,8/16 mm plus Superweitwinkelvorsatz (≈ 18 mm entsprechend Kleinbild) bei ISO 1600 und mit Zeitautomatik
(Klick aufs Bild!)

 
Sympathisches Teil

Man kann über die Machart der alpha 3000 denken, was man will: Mir ist das Teil sympathisch und an der den Kosten geschuldeten reduzierten Ausstattung ist nicht so viel auszusetzen. Zumal sich der Preis von derzeit 399 Euro sicherlich noch „normalisiert“. An den fototechnischen Möglichkeiten gibt es kaum was zu mäkeln. Nutzer, die verschmierte Monitore mögen – man sagt auch Tatsch-, pardon, Touchscreen, dazu – und ebenso vehement die „Sollbruchstelle“, den Klappmonitor, fordern, müssen sich eben anderweitig umsehen. Ich war jedenfalls froh, keinen Touchscreen zu haben – mir genügt dazu das iPhone – und ziehe auch die manuelle Umstellung von Monitor auf E-Sucher jeder mir lästigen Automatik vor, die gerne zur unpassenden Gelegenheit den „falschen“ Sucher wählt.
 

Foto Ralf Jannke

Die Welt besteht nicht nur aus Sport und High-ISO ...

 
Wi-Fi, WLAN, höhere Monitorauflösungen? Kommen in Nachfolgemodellen mit ziemlicher Sicherheit. Wer es unbedingt möchte, setzt zur drahtlosen Bildübertragung eine WiFi-fähige Speicherkarte ein. Die Unsitte, die technisch möglichen Features nicht gleich einzubauen, sondern lieber scheibchenweise von Modell zu Modell nachzuliefern, pflegt selbstverständlich auch Sony (*). Nach den wenigen Tagen mit der alpha 3000 wage ich (für mich) die Prognose, in Zukunft zumindest für die unbeschwerte Urlaubsfamilienknipserei keine der mir vertrauten Einsteiger-DSLRs mehr anzufassen. Und die alpha 3000 ist immer noch die „richtigere“ Kamera als eine x-beliebige Bridge oder so.

Um wenigstens mal kurz ins Sony eigene Rohdatenformat zu schauen, wurden ein paar Dateien mit der Sony-Software „Image Data Converter“ in Version 4.x geöffnet, um die arw-Datei ohne jegliches Schieben an den Reglern in eine 3x16 bit TIFF-Datei zu konvertieren. Kann man machen, muss aber nicht.
 

Foto Ralf Jannke

JPEG (links) vs. RAW
(Klick aufs Bild!)

 
Mir genügt die Fine-JPEG-Einstellung, die in 100-%-Monitoransicht einen Hauch weniger Details als die aus der Rohdatei entwickelte TIFF-Datei zeigt. Was teilweise aber auch daran liegt, dass in der Rohdatei nichts entrauscht oder sonstwie geglättet wurde. Interessant an dieser Stelle: Die JPEGs sind im direkten Vergleich sehr maßvoll kameraintern geschärft. Möglicherweise lässt sich mit Lightroom & Co noch etwas mehr raus kitzeln. Wer's braucht...

Wenn Sony sich jetzt noch erbarmen würde, das kompakte AF 2,8/85 mm SAM für das NEX-Bajonett umzurechnen ...

(Ralf Jannke)
 

Foto Ralf Jannke

Aufnahme mit 3,5-5,6/18-55 mm OSS bei ISO 100; 100-%-Ausschnitt

 
* An der Stelle sei eingeworfen, dass es im Nachhinein oft unverständlich erscheint, warum dieses oder jenes nicht gleich eingebaut wurde. Das ist oft schlicht und einfach eine Kostenfrage, zumal bei den Modellen am unteren Ende der Preisskala: Wi-Fi- oder GPS-Chips kosten anfangs deutlich mehr als später: wenn immer größere Mengen gefertigt werden sinkt der Stückpreis. Wobei Manches dann doch, das sei zugestanden, auch reinen Marketing-Erwägungen geschuldet ist: die Kameras sollen sich doch bitteschön ein wenig unterscheiden. – thoMas

Beispielfotos: Ralf Jannke
Produktfotos: Sony
 

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