Foto Hanns Zischler: Selbstportrait vor rauher See, 2010Bei seinen Auf­nah­men mit der Camera obscura geht es Hans Zisch­ler darum, das flie­ßende Spiel der Ele­mente zu über­lis­ten, sie in einem ein­zi­gen Zeit­bild zu zähmen. Seine wun­der­vol­len Auf­nah­men sind jetzt in Berlin zu sehen:

 
 
 
 
 
 
 

Foto Hanns Zischler, Fels will zurück ins Meer, 2010

Hanns Zisch­ler, Fels will zurück ins Meer, 2010
60x50 cm Digi­tal Fine Art Print auf Hah­ne­mühle Photo Rag
© Hanns Zisch­ler
Auf­lage: 5

 
Pres­se­mit­tei­lung der Alfred Ehr­hardt Stif­tung:

HANNS ZISCHLER – Nach der Natur (camera obscura)

Am 24. Mai 2013 eröff­net die Ber­li­ner Alfred Ehr­hardt Stif­tung die Aus­stel­lung Hanns Zisch­ler – Nach der Natur (camera obscura).

Hanns Zisch­ler ist als Schau­spie­ler und Publi­zist bekannt. Seit 1970 arbei­tet er im Wind­schat­ten seiner ande­ren Tätig­kei­ten auch als Foto­graf. Seit den 1990er Jahren widmet er sich nach dem Kauf einer Rigby-pin-hole-camera (4x5 inch) ver­stärkt der Loch­bild­fo­to­gra­fie.

Es geht bei dieser Art der Foto­gra­fie für mich darum, das flie­ßende Spiel der beweg­ten Ele­mente (wie die Götter im Mythos sind es Wind, Welle und Wolke) mit den unbe­weg­li­chen Gegen­stän­den zu über­lis­ten und zu einem ein­zi­gen Zeit­bild (von zwei Minu­ten und mehr) zu zähmen, ins Gehäuse zu locken und auf dem Plan­film in einem durch­aus wört­li­chen Sinn zu domes­ti­zie­ren. ‚Die Sonne bringt es an den Tag‘, sagte einmal Adel­bert von Cha­misso. Diese Maxime beschreibt hin­rei­chend meine Arbeit mit der camera obscura. Die Wahl der Motive ist von kaum benenn­ba­ren Vor­ah­nun­gen beglei­tet, die jen­seits der bloß tech­ni­schen Mut­ma­ßun­gen über das Ergeb­nis – Schat­ten­ver­lauf, Leucht­kraft der Farben, Ausmaß der Bewe­gungs­un­schärfe – liegen. Unver­zicht­bare Vor­aus­set­zung ist die ruhige Betrach­tung, ehe an die Bestim­mung des Stand­orts und der dort herr­schen­den Licht­ver­hält­nisse zu denken ist. Die unmit­tel­bar gegen­über der Blen­den­öff­nung lie­gende Fläche emp­fängt mehr Licht­par­ti­kel als die Ränder, so dass am Ende der Belich­tung eine von der hellen, sola­ren Mitte des Bildes nach außen dunk­ler wer­dende, pul­sie­rende Lichtstreu­ung zu beob­ach­ten ist. Die Frage der Schärfe bzw. Unschärfe ist aus phy­si­ka­li­schen Grün­den für diese Art der Foto­gra­fie uner­heb­lich.“ (Hanns Zisch­ler)
 

Foto Hanns Zischler, Das Blitzen der Blüten, 2010

Hanns Zisch­ler, Das Blit­zen der Blüten, 2010
50x60 cm Digi­tal Fine Art Print auf Hah­ne­mühle Photo Rag
© Hanns Zisch­ler
Auf­lage: 5

 
camera obscura: Der eng­li­sche Fein­me­cha­ni­ker Rigby stellt für die klas­si­schen Foto­for­mate 4x5 inch und 10x13 inch soge­nannte „pin-hole came­ras“ her. Es sind fest ver­nu­tete, recht­eckige Eichen­holz­käs­ten mit einer prä­zise durch­bohr­ten Mes­sing­s­cheibe – Blende 1 / 164 – in der Mitte der Vor­der­seite (mit einer aus­wär­ti­gen Ver­schluss­klappe) und einer offe­nen Rück­wand für die Hal­te­rung und den Wech­sel der Plan­film­kas­set­ten. Zwei Schraub­boh­run­gen im Gehäuse erlau­ben die Fixie­rung eines Sta­tivs für Auf­nah­men im Hoch- und Quer­for­mat. Da es für die camera obscura keinen exter­nen „Sucher“ gibt, kann nur die indi­vi­du­elle Erfah­rung bei der Bestim­mung der Cadrage (mit einer Öff­nung von ca. 105 Grad) behilf­lich sein. Glei­ches gilt für die Dauer der Belich­tung.
 

Foto Hanns Zischler, Hummelflug, meerwärts, 2012

Hanns Zisch­ler, Hum­mel­flug, meer­wärts, 2012
88x112 cm Digi­tal Fine Art Print auf Hah­ne­mühle Photo Rag
© Hanns Zisch­ler
Auf­lage: 5


Hanns Zisch­ler (*1947 in Nürn­berg) lebt und arbei­tet seit Ende der 1960er Jahre in Berlin. Als Schau­spie­ler hat er u.a. unter der Regie von Wim Wen­ders, Jean-Luc Godard, Claude Chab­rol und Steven Spiel­berg gear­bei­tet. 2006 grün­dete er den Alpheus Verlag. Neben zahl­rei­chen Auf­sät­zen erschien 1996 im Rowohlt Verlag sein Roman Kafka geht ins Kino. 2010 gab Zisch­ler, zusam­men mit der Künst­le­rin Hanna Zeckau den Schmet­ter­lings­kof­fer sowie mit Ulrich Moritz und Agnies­zka Pufelska Vor­stoß ins Innere – Streif­züge durch das Ber­li­ner Natur­kun­de­mu­seum heraus. Im Monat April werden seine beiden neu­es­ten Publi­ka­tio­nen Berlin ist zu groß für Berlin (Galiani Berlin) und, zusam­men mit Elke Schmit­ter Gale­rie der Namen­lo­sen (Alpheus Verlag) vor­ge­stellt. 2009 erhielt er den Hein­rich-Mann-Preis der Aka­de­mie der Künste, Berlin. Für sein kul­tu­rel­les Schaf­fen und Enga­ge­ment wird dem Autor im März der Preis der Deut­schen Lite­ra­tur­häu­ser ver­lie­hen.

Zur Aus­stel­lung in der Alfred Ehr­hardt Stif­tung erscheint das gleich­na­mige Buch Hanns Zisch­ler – Nach der Natur (camera obscura) im Kehrer Verlag. Mit Texten von Jean- Chris­to­phe Bailly, Chris­tiane Stahl und Hanns Zisch­ler; 16,5 x 22 cm; 72 Seiten, 24 Farb­ab­bil­dun­gen, Deutsch/Englisch, 24,80 EUR.
 
 
Aus­stel­lung:
Hanns Zisch­ler
Nach der Natur (camera obscura)
25. Mai bis 30. Juni 2013

Alfred Ehrhardt Stiftung
August­str. 75
10117 Berlin
Öff­nungs­zei­ten: Di – So 11–18 h; Do 11–21 h
 

Foto Hanns Zischler: Selbstportrait vor rauher See, 2010

Hanns Zisch­ler: Selbst­por­trait vor rauher See, 2010
60x50 cm Digi­tal Fine Art Print auf Hah­ne­mühle Photo Rag
© Hanns Zisch­ler
Auf­lage: 5

 
(thoMas)