Logo Creative CloudAdobe möchte jetzt ganz auf ein Mietmodell umstellen: die Creative Cloud / Photoshop CC kostet monatlich, wohin­gegen die (nicht mehr weiter­ent­wi­ckelte) Creative Suite / Photoshop CS einmalig zu bezahlen sind:

Mit der Ankündigung, auf ein Mietmodell umzustellen, hat Adobe gehörigen Staub aufge­wirbelt und auch für viel Unmut unter seinen Anwendern gesorgt. Wir wollen hier einmal versuchen, das Für und Wider abzuwägen.

Zunächst einmal: die komplette Creative Suite komplett zu ersetzen, das dürfte so einfach nicht werden – außer eben durch die Creative Cloud. Hier die wichtigsten Bestand­teile der Suite im Überblick:

Logos Creative Cloud

• InDesign (Layout und Satz)
• Photoshop (RAW-Konver­tierung und Bildbe­ar­beitung)
• Illus­trator (Zeichnung und Illus­tration)
• Acrobat X (PDF-Erstellung; –Editierung)
• Diverse Flash-Werkzeuge
• Dream­weaver (HTML-Editor)
• Fireworks (Grafik­pro­gramm)
• Premiere (Video­schnitt und –bearbeitung)
• Encore (Film-Postpro­duktion)
• Audition (Audio­be­ar­beitung)

Auf jeden Fall in den Bereichen „Bildbe­ar­beitung“ (Photoshop), „PDF-Erstellung“ (Acrobat) und „Layout und Satz“ (InDesign) setzt Adobe dabei den Standard bzw. ist markt­be­herr­schend.

Kosten

  monatlich einmalig (bzw. 24 Monate)
Creative Cloud 61,49 € (1475,67 € *)
Creative Suite Master Collection (148,68 € *) 3568,23 Euro
Photoshop CC 24,59 € (590,16 € *)
Photoshop CS (42,10 € *) 1010,31 €

* Ausgehend von einer angenommen Nutzungs­dauer von zwei Jahren (dann in etwa erschien jeweils eine neue CS-Version). Bei der CC wurden die Jahres-Mietpreise zugrunde gelegt. Angegeben sind die Brutto­preise.

Eindeutig ein Punkt für die Creative Cloud: die Creative Suite muss man gleich bezahlen und rund vier Jahre lang nutzen, bis sie in etwa die Kosten der CC einholt. Bei kürzerer Nutzungs­dauer ist die CS teuerer (auch die preis­ver­güns­tigten Updates helfen nicht: die kommen bei der CS obendrauf, wohin­gegen sie bei der CC mit dem Mietpreis abgeglichen sind).

Nutzen

Pro Kaufpro­gramme spricht:

  • Nach einma­liger Zahlung kann das Programm zeitlich unbegrenzt genutzt werden (aller­dings nur mit der altbe­kannten Funktio­na­lität und ggfs. ohne Fehler­be­rei­ni­gungen)
  • Die Programm-Lizenz kann wieder verkauft werden (was die Kosten-Rechnung oben u. U. günstiger aussehen lässt)
  • Daten­si­cherheit: so lange das Programm auf der Festplatte ist (oder die CD im Schrank ist und das Programm noch – im Emulator / Virtua­li­sierer – instal­liert werden kann), können alle Dateien geöffnet, bearbeitet, gespei­chert und auch konver­tiert werden

Pro Mietpro­gramme spricht:

  • Kosten (siehe oben)
  • Ständig aktuelle Programm­ver­sionen; Fehler können gleich behoben, Features hinzu­gefügt werden

Mögliche Missver­ständ­nisse ausge­räumt

Trotz des Namens „Creative Cloud“ ist es nicht so, dass die Programme oder deren Daten in der Wolke liegen und nur dort zu erreichen sind. Nach wie vor werden die Programme und Dateien auf der eigenen Festplatte gespei­chert und können von dort, auch offline, ausge­führt werden. Einmal im Monat wird die Lizenz abgefragt; 180 Tage nach erfolg­loser Abfrage wird das Programm deakti­viert, was u. a. nach der Miet-Kündigung Zeit genug geben sollte, die Daten passend zu konver­tieren und zu sichern.

Alter­na­tiven

Wir konzen­trieren uns hier auf die Alter­na­tiven zu Photoshop. Viele grund­le­gende Dinge – Skalieren, Beschneiden, Schärfen, Farban­pas­sungen, … – beherr­schen mittler­weile alle Bildbe­ar­bei­tungs­pro­gramme. Für diverse Sonder­fälle – Panora­ma­er­stellung und HDR etwa – lassen sich gleich­falls sehr gute Alter­na­tiven finden; es muss ja nicht alles partout in einem Programm vereint sein.

Beschränken wir uns auf den klassi­schen Bildbe­ar­bei­tungs-Workflow „Bilddaten einlesen – bearbeiten – ausgeben“, so stellt sich die Sache so dar: So bequem Photoshop ist, was das angeht, so gibt es doch viele Alter­na­tiven. Nicht zuletzt bietet jeder Kamera­her­steller auch ein Programm an, das seine RAW-Daten lesen, konver­tieren und (rudimentär) bearbeiten und ausgeben kann.

Ein immer wieder genanntes Programm, das dem Photoshop-Umfang sehr weit entspricht (inkl. Ebenen­ver­waltung und ICC-Farbpro­fil­un­ter­stützung und –konver­tierung), ist PhotoLine, das mit 59 Euro zudem sehr preiswert ist (und vielleicht auch deshalb von manchem nicht ganz so ernst genommen wird). Aller­dings bedarf die andere Arbeits­ober­fläche und –philo­sophie der Um- und Einge­wöhnung. Über die Qualität der RAW-Konver­tierung liegen hier keine Erfah­rungen vor.

Wer für den rein fotogra­fi­schen Arbeits­fluss – Bild in maximaler Qualität (= RAW) einlesen, korri­gieren, skalieren, ausgeben – Alter­na­tiven sucht, dem bieten sich u. a. folgende Alter­na­tiven:

GIMP – das GNU Image Manipu­lation Program – ist unzwei­felhaft so berühmt wie berüchtigt, und eine Sache für sich. Leistungs­fähig, aber mit sehr gewöh­nungs­be­dürf­tiger Bedienung und auf manche Funktionen müssen die Anwender sehr, sehr lange warten. Auf CMYK bzw. ein ICC-Farbma­nagement viele Jahre.

Empfeh­lenswert für den grund­le­genden Foto-Workflow sind unseres Erachtens v. a. Capture One Pro, Photoshop Lightroom und DxO Optics Pro. Alle drei beherr­schen alle wichtigen Schritte von der RAW-Konver­tierung über die Bildver­bes­serung bis zur Ausgabe und bieten beim Einlesen der Fotos auch die Möglichkeit der Korrektur von Objek­tiv­fehlern. An der Stelle sei nochmals erwähnt: all diese Funktionen beherrscht (meist) auch die der Kamera beige­fügte Software: Nikons Capture NX, Canons Digital Photo Profes­sional, … – aller­dings bleiben die Konver­tie­rungs- und Korrek­tur­op­tionen dabei auf die Geräte des jewei­ligen Hauses beschränkt.

Wer Fotos anspruchsvoll bearbeiten, retuschieren und montieren will, der kann – ggfs. fußend auf einer RAW-Konver­tierung mit einem der oben genannten Programme – zum Beispiel folgende Programme nutzen:

PhotoLine – 59 Euro
Corel Photo-Paint X5 Ultimate (nur Windows) – 89,99 Euro
Corel Photo-Paint X6 (nur Windows; nur im Paket der Graphics Suite X6) – 629,51 Euro

Bleibt letztlich zu bedenken, dass sehr viele Plug-ins allein Photoshop-kompa­tibel sind. Die Nik Collection etwa setzt Photoshop, Lightroom oder Elements voraus.

Fazit

Sofern Sie bereit sind, den Bearbei­tungs­prozess ggfs. auf mehrere Schritte / Programme aufzu­teilen, dann ist Photoshop durchaus ersetzbar. Für den reinen Foto-Workflow „Einlesen – Korri­gieren – Ausgeben“ gibt es viele alter­native Programme, von denen hier einige ernst­zu­neh­mende genannt sind. Werden die Anfor­de­rungen anspruchs­voller, dann müssen Sie ggfs. ein weiteres Programm dazu nehmen, das mit Ebenen­ver­waltung, Maskie­rungen, usw. zurecht­kommt. Was Photoshop alleine kann, machen dann eben mehrere.

Bleibt aller­dings die Frage, warum das nicht schon bislang genutzt wurde; die Alter­na­tiven sind nicht neu. Und so bleibt es letztlich bei der Antwort: Photoshop CC ist deutlich preis­werter als Photoshop CS.

(thoMas)
 

Nachtrag (21.5.2013; 21:10 Uhr): Die Kommen­ta­toren haben recht. Der Vergleich einer nur zweijäh­rigen Nutzungs­dauer in der Kosten­ta­belle trifft nicht das Gesamt-Kostenbild; insbe­sondere nicht jenes der Versions-Überspringer und der Upgrade-Möglich­keiten.

Nach Adobes altem Upgrade-Modell (man konnte auch nach zwei, drei Versi­ons­sprüngen noch upgraden) sieht die Kosten­auf­stellung für Photoshop CS ungefähr so aus: CS (1010 Euro), dann CS3 (Upgrade 272 Euro), dann CS6 (Upgrade 272 Euro) = 1554 Euro für 10 Jahre Photoshop = 12,95 Euro monatlich.

Ende letzten Jahres hatte Adobe aller­dings angekündigt, dass Upgrades künftig nurmehr von der direkten Vorgän­ger­version möglich sein sollten. Das hätte für die Zukunft und für 10 Jahre in etwa bedeutet: einmal 1010 Euro plus 5x 272 Euro = 2370 Euro gleich 19,75 Euro monatlich.