Foto Helga Pasch, Tennisball in Wasserpfütze, um 1989Dinge, Menschen, und die Fotografie an sich – eine Wiener Ausstellung unter­nimmt eine Bestands­auf­nahme der öster­rei­chi­schen Kunst­fo­to­grafie von den 1930ern bis heute:

Pressetext vom 21er Haus:

Fotos

Öster­rei­chische Fotografien von den 1930ern bis heute

Fotos – Öster­rei­chische Fotografien von den 1930ern bis heute zeigt knapp 100 künst­le­rische Arbeiten aus dem breiten Spektrum heimi­scher Fotokunst der vergan­genen Jahrzehnte, beginnend 1936 mit Herbert Bayer bis hin zu aktuellen Positionen wie etwa Nadim Vardag. Drei Leitmotive liegen der Werkauswahl zugrunde: die Menschen, die Dinge, die uns umgeben, und die Linse zwischen all dem – also die Fotografie selbst. Die Ausstellung vereint Werke aus den Sammlungen des Belvedere, der Artothek des Bundes sowie der Fotosammlung des Bundes der Öster­rei­chi­schen Fotoga­lerie und des Museums der Moderne Salzburg.
 

Foto Bernhard Fuchs Ohne Titel, 1993

Bernhard Fuchs, Ohne Titel, 1993
Silber­ge­latine auf Baryt­papier, 30 x 23 cm
© Bernhard Fuchs, Öster­rei­chische Fotoga­lerie / Museum der Moderne Salzburg, Foto: Hubert Auer
 
 
Foto Manfred Willmann, Branko Lenart, 1975

Manfred Willmann, Branko Lenart, 1975
SW-Fotografie, 30,5 x 40,4 cm
© Öster­rei­chische Fotoga­lerie / Museum der Moderne Salzburg

 
Fotografie ist überall

In der Kunst längst als Medium anerkannt, ist Fotografie als populäres Kommu­ni­ka­ti­ons­mittel unser ständiger Begleiter. Wie begegnen wir ihr und der ungeord­neten Flut von Bildern, mit der wir im Alltag konfron­tiert sind? Wie steht es um die öster­rei­chische Fotografie heute? Und was sagt sie über den Stand der Dinge aus? Diese Fragen bilden den Ausgangs­punkt der Ausstellung, die Fotografie als festen Bestandteil der öster­rei­chi­schen Kunst­ge­schichte lesbar macht. „Das Belvedere ist dem öster­rei­chi­schen Kunst­schaffen in allen seinen Ausfor­mungen verpflichtet. Es war mir daher seit 2007 ein beson­deres Anliegen, eine Fotogra­fie­sammlung auf- und auszu­bauen und der Öffent­lichkeit zugänglich zu machen“, erklärt Agnes Husslein-Arco. „Ich freue mich sehr über die verstärkte Positio­nierung der Fotografie innerhalb der Sammlung des Hauses und die Präsen­tation in einer allein diesem Medium gewid­meten Ausstellung“, so die Direk­torin des Belvedere weiter.

Looking at things – Fotografie als Geschichte des Blicks

Nie zuvor waren die Anwen­dungs­be­reiche von Fotografie so vielfältig wie heute. Neben künst­le­ri­scher und dokumen­ta­ri­scher Fotografie, Bildjour­na­lismus, Werbung und Wissen­schaft ist die Gebrauchs­fo­to­grafie nun bedeu­tender denn je. Vor diesem Hinter­grund wirft die Ausstellung einen genauen Blick auf das Medium und sein Potenzial. Denn neben den oft beiläufig wirkenden Alltags­bildern existiert eine Form der Fotografie, die die Dinge aus ihrem Gebrauchs­kontext heraushebt und sich künst­le­risch mit ihren eigenen techni­schen Möglich­keiten ausein­an­der­setzt. Das Medium verfügt über eine eigene Geschichte, zeigt zugleich eine Geschichte des Blicks und birgt darüber hinaus eine Alltags-, Kultur- und Sozial­ge­schichte in sich. „Unser Blick im Heute kommt nicht darum herum, unser Vorwissen in unsere Wahrnehmung einfließen zu lassen. Das passiert auch bei geogra­fi­schen Kontextua­li­sie­rungen von Werken“, so Kurator Severin Dünser. Durch den natio­nalen Fokus der Ausstellung schwinge auch immer die Frage nach dem spezi­fisch Öster­rei­chi­schen mit, sei es als Resultat von Projek­tionen oder von Erwar­tungs­hal­tungen.
 

Foto Werner Kaligofsky, Aus der Serie „Das Licht auf den Leser richten“: L'écran (Detail), 1999
Werner Kalig­ofsky, Aus der Serie „Das Licht auf den Leser richten“: L’écran (Detail), 1999
C-Print, 64 x 76 cm
Foto © Werner Kalig­ofsky
© Artothek des Bundes, Dauer­leihgabe im Institut für Kunst­ge­schichte, Univer­sität Innsbruck
 
 
Foto Thomas Freiler Case Studies, Resolution, 2011/12

Thomas Freiler Case Studies, Resolution, 2011/12
Kodak Profes­sional Paper, Unikat, 30 x 24 cm
© Belvedere, Wien

 
Motiv­findung – Dinge, Menschen und die Fotografie an sich

Die drei bestim­menden Parameter der Fotografie liegen der Ausstellung als Leitmotive zugrunde: Objekt, Subjekt und deren In-Beziehung-Setzen – also Dinge, Menschen und die Fotografie an sich. Der Fokus liegt auf den Motiven, welche sich dem Betrachter frei von thema­ti­scher oder zeitlicher Kontextua­li­sierung, Hierar­chi­sierung oder Chrono­logie offen­baren. Fotos zeigt verschiedene Genres ohne jegliche Katego­ri­sierung,

beispiels­weise Still­le­ben­fo­to­grafie, künst­le­rische sowie dokumen­ta­rische Fotografie, Porträt- und Aktfo­to­grafie, Presse- oder Repor­ta­ge­fo­to­grafie. Digitale, nachbe­ar­beitete Bilder finden ihren Platz neben analogen Fotos, und aus gewissen Serien werden einzelne, isolierte Motive gezeigt. Somit steht es jedem Betrachter frei, indivi­duelle Zuord­nungen zu treffen, Bezüge herzu­stellen oder für sich selbst Erzäh­lungen zu finden. Die eigens entwi­ckelte Ausstel­lungs­ar­chi­tektur von Clegg & Guttmann, deren Zwischen­wände sich an der Konstruktion des von Karl Schwanzer geplanten 21er Haus orien­tieren, eröffnet immer wieder neue Sicht­achsen und unter­stützt so das Schweifen durch die Schau.

Von der Still­le­ben­fo­to­grafie bis hin zu Foto-Fotos

Histo­rische und zeitge­nös­sische Still­le­ben­fo­to­grafie wird sowohl in ihrer klassi­schen als auch in ihrer abstrakten Gestal­tungsform gezeigt und legt einen klaren, lakoni­schen Blick auf die Dinge des Alltags frei. Diese Objekt­be­zo­genheit kommt beispiels­weise bei Gerald Domenigs Insze­nierung zum Ausdruck, in der er Schoko­la­de­kekse wie Ziegel­blöcke im leeren Raum stapelt. Oder in Robert F. Hammer­stiels Insze­nie­rungen von Plasti­kobst, deren Arran­ge­ments an histo­rische Still­le­ben­ma­lerei erinnern. Die Abbil­dungen von Menschen, Blicken oder Moment­auf­nahmen kleiner Gesten offen­baren Zwischen­mensch­liches, das u.a. in den Arbeiten von Herbert de Colle, Clegg & Guttmann, Bernhard Fuchs und Matthias Herrmann zum Ausdruck kommt. Einige Werke widmen sich dem Medium Fotografie selbst: „Die Insignien der Fotografen tauchen an allen Ecken und Enden auf, seien es nun Filmdosen, Kamera­deckel, Dunkel­kammern als Attribute bei Werner Kalig­ofsky und Paul Albert Leitner oder das Licht als Protagonist der Fotografie bei Peter Weibel, Michael Part, Herwig Kempinger, Günther und Loredana Selichar und Inge Dick“, erläutert Kurator Axel Köhne.
 

Foto Richard Kratochwill, Ikonen des 20. Jahrhunderts (Blatt 8), 1974

Richard Kratochwill, Ikonen des 20. Jahrhun­derts (Blatt 8), 1974
SW-Fotografie, 32 x 25 cm
© Öster­rei­chische Fotoga­lerie / Museum der Moderne Salzburg
 
 
Foto Helga Pasch, Tennisball in Wasserpfütze, um 1989

Helga Pasch, Tennisball in Wasser­pfütze, um 1989
Schenkung der Künst­lerin
© Belvedere, Wien, Schenkung der Künst­lerin
 
 
Foto Branko Lenart, Subjektive Fotografie I, 1979-1981

Branko Lenart, Subjektive Fotografie I, 1979–1981
Silber­ge­latine auf Baryt­papier, 22,8 x 33 cm
© Fotosammlung des Bundes / Öster­rei­chische Fotoga­lerie / Museum der Moderne Salzburg

 
Drei Sammlungen spiegeln öster­rei­chische Fotogra­fie­ge­schichte wider

Die Exponate bieten einen Einblick in knapp 80 Jahre öster­rei­chische Fotografie von Doyens wie Franz Hubmann und Ernst Haas bis zu jungen Kunst­schaf­fenden wie Kathi Hofer oder Anja Ronacher. Sie stammen aus jenen Sammlungen, in denen sich das Schaffen öster­rei­chi­scher Fotografen wider­spiegelt: der Artothek des Bundes, die seit Herbst 2012 im 21er Haus behei­matet ist, der Fotosammlung des Bundes der Öster­rei­chi­schen Fotoga­lerie und des Museums der Moderne Salzburg sowie dem Belvedere. Durch gezielte Ankäufe wurden die Fotobe­stände des Hauses seit 2007 konti­nu­ierlich erweitert. Im Zusam­menhang mit Die Sammlung #2, die im Oberge­schoß zu sehen ist, zeigt Fotos einmal mehr den zeitge­nös­si­schen öster­rei­chi­schen Sammlungs­be­stand des Hauses.

 
 
Ausstellung:
Fotos – Öster­rei­chische Fotografien von den 1930ern bis heute
30. Jänner bis 5. Mai 2013

21er Haus
Schwei­zer­garten, Arsen­al­straße 1
1030 Wien

Mittwoch 10 bis 21 Uhr; Donnerstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

Katalog:
Fotos – öster­rei­chische Fotografien von den 1930ern bis heute
Heraus­geber: Agnes Husslein-Arco, Severin Dünser, Axel Köhne und das Bundes­mi­nis­terium für Unter­richt, Kunst und Kultur
Softcover, 288 S., 19 x 24 cm
Verlag für moderne Kunst Nürnberg GmbH
ISBN 978–3-86984–403-9 (Buchhan­dels­ausgabe) ISBN 978–3-902805–06-5 (Museums­ausgabe) € 34,-
 

(thoMas)