Foto Alberto Korda, Che Guevara, 1960In Salzburg sind derzeit Fotografien von der Revolution in Kuba zu sehen, darunter die berühmten Porträts von El Coman­dante Che Guevara von Alberto Korda und René Burri:

 
 
 
 

Foto Osvaldo Salas, Einzug in Havanna

Osvaldo Salas, Einzug in Havanna
Aus der Skrein Photo Collection

 
Das Museum der Moderne Salzburg Ruper­tinum infor­miert:

Che Guevara. Bilder der Revolution

Fotografien aus der Skrein Photo Collection

Christian Skrein, geboren 1945 in Wien, hat in den letzten 15 Jahren eine einzig­artige Sammlung von über 4.500 Fotografien über die Revolution in Kuba zusam­men­ge­tragen. Aus diesem umfas­senden Konvolut präsen­tiert das MdM RUPERTINUM eine Schau, die sich aus rund 150 bedeu­tenden Arbeiten zusam­men­setzt, darunter die berühmten Porträts von El Coman­dante Che Guevara von Alberto Korda und René Burri. Zu sehen sind aber auch weniger spekta­kuläre Motive, die Hinter­grund und soziales Leben im Kuba der 1950er bis 1970er Jahre beleuchten. Nach einer Präsen­tation wesent­licher Teile der Skrein Photo Collection im Getty Museum (Los Angeles, USA, 2011), wird die Ausstellung erstmals in Öster­reich in diesem Umfang gezeigt. Die ausge­wählten Arbeiten eröffnen Einblicke in die entschei­denden Jahre seit dem Beginn der Revolution (1956) und fokus­sieren die mediale Präsenz des Revolu­ti­ons­führers Che Guevara und seiner Compañeros. Kein politi­sches Ereignis war zu dieser Zeit fotogra­fisch derart präsent wie die tausendfach repro­du­zierten Bilder der Revolu­ti­ons­helden. In- und auslän­dische Fotografen waren als Bericht­erstatter, Sympa­thi­santen, Journa­listen und Abenteurer in die politi­schen Ereig­nisse invol­viert und dienten oft auch als Verbreiter revolu­tio­närer Ideologien. Große Fotogra­fen­per­sön­lich­keiten aus Europa reisten in das unruhige Land mit den brodelnden Gesell­schafts­ver­än­de­rungen und machten aus den charis­ma­ti­schen Revolu­ti­ons­führern Ikonen und Inbilder einer unzufrie­denen Jugend am Vorabend der 1968er-Bewegungen in aller Welt.
 

Foto

Anonym, Fidel Castro lesend
Aus der Skrein Photo Collection

 
Der seit 1952 durch einen Militär­putsch an die Macht gekommene Staats­prä­sident Fulgencio Batista führte ein korruptes und dikta­to­ri­sches Regime in Kuba. Hier setzte die revolu­tionäre Bewegung ein, die bis heute andauert. 1953 organi­sierte Fidel Castro mit seinen Getreuen mit dem Angriff auf die Moncada-Kaserne einen Putsch, der vom Batista-Regime brutal nieder­ge­schlagen wurde. Unaus­löschlich prägte sich das Zeichen der Revolution für die Gesin­nungs­ge­nossen ein: M-26–7 ist das Datum dieser Erhebung und es ist gleich­zeitig der Beginn der Kubani­schen Revolution. Der 26. Juli 1953 bedeutete die Festnahme der Protago­nisten der Revolution, Gefäng­nis­strafen für Fidel und Raul Castro, die Hinrichtung von etlichen Kombat­tanten. Batista entließ 1955 Castro aus dem Gefängnis, dieser ging ins Exil nach Mexico, wo sich Che Guevara, ein aus Argen­tinien stammender Arzt, seiner Bewegung anschloss. 1956 kehrten sie mit 82 Kämpfern aus Mexico zurück nach Kuba und landeten südlich von Havanna in der Provinz Granma, deren Name mit der Bergwelt der Sierra Maestra ebenfalls zu einem Synonym für die Revolution werden sollte.

An diesem Zeitpunkt setzt die Sammlung Skrein ein: mit der Vorbe­reitung des Gueril­la­kriegs, mit neuen Kämpfern die hinzu­kamen, wie etwa Camilo Cienfuegos, der mit Che Guevara und Fidel Castro das führende Trium­virat der Revolution bildete. Mit Celia Sánchez schloss sich eine der ersten Frauen der Revolu­ti­ons­be­wegung an. Eine breite Gefolg­schaft in der Bevöl­kerung und große Unter­stützung kennzeich­neten die Aktivi­täten der Revolu­tionäre, bis 1959 mit der Einnahme von Havanna der endgültige Sieg erreicht war. Es folgte eine Phase der Konso­li­dierung, in der Castro, Guevara und andere Revolu­tionäre politische Ämter und Minis­ter­po­si­tionen übernahmen. Die Invasion in der Schwei­ne­bucht von 1961 war für die USA ein Desaster, es folgte das totale Embargo der USA, das zur Isolierung der Karibik­insel und ihrer Führung beitrug.
 

Foto Alberto Korda, Che Guevara, 1960

Alberto Korda, Che Guevara, 1960
Aus der Skrein Photo Collection

 
Berufs­fo­to­grafen entdeckten die ?Gesichter der Revolution? und ihre Protago­nisten im Wesent­lichen erst ab 1959. Ab diesem Moment entstanden die zahlreichen Porträts von Che Guevara, von Fidel und Raúl Castro und ihren Kombat­tanten sowie Aufnahmen des histo­ri­schen Einzugs in Havanna am 8.1.1959 mit der berühmten Rede von Fidel Castro. Die Fotografen entwi­ckelten eine Bildsprache, die zwischen Dokumen­tation und Huldigung zu einem epischen Stil wurde, der die politische Tragweite der Revolution unter­stützte. Unter dem Titel ?La Cabal­leria? (1960) wurde ein Foto von Raúl Corrales weltbe­rühmt –  obwohl der Anlass – das Eindringen auf das Gelände der ameri­ka­ni­schen Fruit Company – nicht in erster Linie heroisch war. Das Bild schuf die Identität von Ereignis und Ideologie  und wurde damit zu einem politi­schen Statement.

Der Stil der Fotografen von Alberto Korda bis Liborio Noval und Osvaldo Salas, von Raúl Corrales bis Tirso Mártinez und Mario Garcia Joya (?Mayito?) war geprägt von einer medial verwert­baren Bilddra­ma­turgie: gut gesetzte Kontraste, wenig Binnen­zeichnung, silhou­et­ten­hafte Figuren vor zurück­wei­chendem Hinter­grund ? im Grunde die Kriterien einer guten Repor­ta­ge­fo­to­grafie, wie sie seit den 1940er Jahren üblich war. Was bei den sympa­thi­sie­renden und invol­vierten Fotografen dazukam, war ein Gespür für Pathos und Insze­nierung und ein Augenmerk für kleine Szenen am Rande der großen Ereig­nisse.
 
 
Ausstellung:
Che Guevara. Bilder der Revolution
Fotografien aus der Skrein Photo Collection
24.11.12 – 3.2.2013

MdM Salzburg
Museum der Moderne - Rupertinum
Mönchsberg 32
5020 Salzburg
 

(thoMas)