Foto David Maitland, Großbritannien, FrühlingsschnakeAll­jähr­lich wird der „Euro­päi­sche Natur­fo­to­graf des Jahres“ von der Gesell­schaft Deut­scher Tier­fo­to­gra­fen (GDT) gekürt. Wir zeigen den Sieger, sowie wei­tere preis­ge­krönte Fotos, dazu einige der schöns­ten von annä­hernd 12.500 ein­ge­reich­ten Arbei­ten:

Die Gesellschaft Deutscher Tierfotografen infor­miert:

GDT Euro­päi­scher Natur­fo­to­graf des Jahres 2012“ wurde der fin­ni­sche Foto­graf Tommy Vikars mit seinem Bild „Der Ster­nen­gu­cker“. Das Bild zeigt in Finn­land aus­ge­wil­derte Weiß­we­del­hir­sche in einer Win­ter­nacht an ihrem Fut­ter­platz.

Für diese Auf­nahme ver­brachte Vikars viele Stun­den im nächt­li­chen Wald: „Es war in der Dun­kel­heit oft nur sehr schwer zu erken­nen, was sich am Fut­ter­platz abspielte, und so miss­lan­gen viele Bilder. Oft beweg­ten sich die Tiere wäh­rend der langen Belich­tung zu schnell oder in eine fal­sche Rich­tung.“

Tommy Vikars arbei­tete mit einer ver­steck­ten Kamera, die er per Fern­aus­lö­ser bedie­nen konnte. Er selbst saß etwa 50 Meter vom Fut­ter­platz ent­fernt in einer Hütte und beob­ach­tete das Gesche­hen auf dem Dis­play einer zwei­ten Kamera, die er mit einem 300er bestückt hatte.

Die inter­na­tio­nale Jury nahm dieses Bild auf Anhieb in die engste Aus­wahl: das Motiv ist traum­haft schön, atmo­sphä­ri­sch sehr dicht und abso­lut über­zeu­gend. Juror Manuel Presti weiter: „Das Bild ver­ei­nigte Ästhe­tik, tech­ni­sches Können, Emo­tio­nen, Magie und Inno­va­tion und erzählte dar­über hinaus auch eine Geschichte über das Leben wilder Tiere. Umso mehr haben wir uns alle bei der Kon­trolle der RAW-Datei gefreut, fest­stel­len zu können, dass der Autor auch sehr ehr­lich bei der Nach­be­ar­bei­tung vor­ge­gan­gen war.“
 

Foto Gesamtsieger Tommy Vikars, Finnland, Der Sterngucker

Gesamt­sie­ger Tommy Vikars, Finn­land
Der Stern­gu­cker

In meinem Dorf leben zwei Brüder, die das Wild in harten Win­tern mit Heu ver­sor­gen. Die beiden erlaub­ten mir, an einem ihrer Fut­ter­plätze zu foto­gra­fie­ren. Mein Ziel war es, die in Finn­land aus­ge­wil­der­ten Weiß­we­del­hir­sche wäh­rend der Nacht auf­zu­neh­men. Dazu steckte ich meine Kamera in eine iso­lierte Box und ver­steckte sie am Fut­ter­platz. Ich selbst saß etwa 50 Meter ent­fernt in einer Hütte, von wo aus ich den Fern­aus­lö­ser bedie­nen konnte. Um den rich­ti­gen Moment abzu­pas­sen, schaute ich auf das Dis­play meiner ande­ren Kamera, die ich mit einem 300er bestückt hatte. Es war in der Dun­kel­heit oft nur sehr schwer zu erken­nen, was sich am Fut­ter­platz abspielte, und so miss­lan­gen viele Bilder. Oft beweg­ten sich die Tiere wäh­rend der langen Belich­tung zu schnell oder in eine fal­sche Rich­tung. Aber als ich dann dieses Bild auf meinem Laptop sah, war ich außer­or­dent­lich zufrie­den – der Auf­wand hatte sich gelohnt.

Nikon D700, 4,0/16–35 mm VR, ISO 2000, f4, 30 s, Funk­aus­lö­ser

 
Tommy Vikars ist ein „Wald­men­sch“ mit Leib und Seele: „In man­chen Jahren ver­brachte ich fast meine gesamte Frei­zeit im Wald. Anfangs foto­gra­fierte ich gar nicht so viel, wan­derte lieber umher und dachte dar­über nach, welche Fas­zi­na­tion der Wald auf den Men­schen ausübt, wie viele Geheim­nisse dort zu ent­de­cken sind, und dass ich mich bei diesen Wan­de­run­gen glück­lich und gesund fühlte und viel mehr bei mir war als an ande­ren Orten. Diese Gefühle ver­suchte ich auch, mit meinen Bil­dern zum Aus­druck zu brin­gen. Ich wollte das Wesen des Waldes, seinen Geist, ein­fan­gen. Noch immer ist mein Block­haus eine Art Rück­zugs­ort für mich, doch inzwi­schen foto­gra­fiere ich ver­mehrt in der Nähe meiner Hei­mat­stadt Norr­näs, die an der Küste liegt. Es gibt dort mehr Tier­ar­ten, die ich foto­gra­fie­ren kann, und ich liebe das späte Abend­licht in dieser Region. Die meis­ten Auf­nah­men ent­ste­hen ganz in der Nähe, inner­halb eines Umkrei­ses von etwa 30 Kilo­me­tern.“

Vikars  erhält damit den von der Firma CANON gespon­ser­ten und mit 2.000 Euro dotier­ten Preis. Mit seinem Bild setzte er sich gegen rund 12.500 ein­ge­reichte Arbei­ten von Foto­gra­fen aus 27 Län­dern durch. Der Preis wurde von der Gesell­schaft Deut­scher Tier­fo­to­gra­fen zum 12. Mal ver­ge­ben und rich­tet sich an Ama­teur- und Pro­fi­fo­to­gra­fen aus ganz Europa.

Den eben­falls mit 2.000 Euro dotier­ten inter­na­tio­na­len Son­der­preis „Fritz-Pöl­king-Preis“, den die GDT in Koope­ra­tion mit dem Teck­len­borg-Verlag aus­lobt, konnte bereits zum zwei­ten Mal der Deut­sche Ingo Arndt für sich ent­schei­den. Juror Theo Bos­boom: „Wir Juro­ren waren uns einig, dass er mit seinem Foto­pro­jekt „Neues Leben“, das sich mit dem Schlupf von Insek­ten und Rep­ti­lien beschäf­tigt, ein unge­wöhn­li­ches Thema gewählt hat, das foto­gra­fi­sch durch­gän­gig auf höchs­tem Niveau aus­ge­ar­bei­tet wurde, und das uns Bilder prä­sen­tiert, die man so noch nie zuvor gese­hen hat.“

Wieder einmal war die Jury posi­tiv über­rascht von den Ein­sen­dun­gen zum „Fritz Pöl­king Nach­wuchs­preis“. „Die jungen Foto­gra­fen schei­nen oft viel krea­ti­ver zu sein, muti­ger in ihrer Bild­spra­che und weni­ger ver­haf­tet im alten Regel­werk der Foto­gra­fie.“ Am Ende fiel die Wahl ein­stim­mig auf Zoltán Ger­gely Nagy, einen jungen Foto­gra­fen aus Rumä­nien. Seine Story über die Stare in Black­pool wurde krea­tiv und kohä­rent umge­setzt und umfasst zudem eine Reihe von aus­ge­spro­chen star­ken Ein­zel­bil­dern.
 

Foto David Maitland, Großbritannien, Frühlingsschnake

Kate­go­rie 3 – Andere Tiere. Lobende Erwäh­nung: David Mait­land, Groß­bri­tan­nien
Früh­lings­schnake

Das Bild zeigt den Kopf einer Früh­lings­schnake (Tipula ver­na­lis), in Groß­bri­tan­nien auch „Daddy-Long-Legs“ genannt. Diese Schna­ken­art hat metal­li­sch grüne Augen – unge­wöhn­lich für Schna­ken, die zumeist unauf­fäl­lige schwärz­li­che Augen haben. Ob die leuch­tende Augen­farbe eine bestimmte Funk­tion hat, ist nicht bekannt. In Groß­bri­tan­nien gibt es 88 Schna­ken­ar­ten.

Canon EOS 5D Mark II, Mikro­sko­pi­sches Objek­tiv 10x, ISO 50
 
 
 
Foto Bart Siebelink, Niederlande, Hephaistos

Kate­go­rie 3 – Andere Tiere. Lobende Erwäh­nung: Bart Sie­be­link, Nie­der­lande
Hephais­tos

Im Hafen der Küs­ten­stadt Ulcinje (Mon­te­ne­gro) fanden wir bei Nacht einige kleine Krab­ben, die sich im Bran­dungs­be­reich auf­hiel­ten. Immer wieder wurden sie von den star­ken Wellen über­spült, doch sie klam­mer­ten sich hart­nä­ckig an die Felsen. Das warme, oran­ge­far­bene Licht der Stra­ßen­la­ter­nen ließ die Gischt wie Feuer aus­se­hen. Ich stellte eine lange Belich­tungs­zeit ein, um eine wilde, vul­ka­ni­sche Stim­mung zu erzie­len, in der die Krabbe wie ein geheim­nis­vol­les mytho­lo­gi­sches Wesen wirkt.

Nikon D300, 2,8/105 mm Makro, ISO 200, Reiss­ack, Win­kel­su­cher
 
 
 
Foto Frank Krahmer (GDT), Deutschland, Regenbogen über dem Two Medicine Lake

Kate­go­rie 5 – Land­schaf­ten. Lobende Erwäh­nung: Frank Krah­mer (GDT), Deutsch­land
Regen­bo­gen über dem Two Medi­cine Lake

Einer der magischs­ten Momente, die ich je erlebt habe! Nach einer reg­ne­ri­schen Nacht und mit nur sehr gerin­gen Aus­sich­ten auf Erfolg, fuhren wir zum Son­nen­auf­gang in den Gla­cier Natio­nal Park an den Two Medi­cine Lake. Die Chan­cen waren eigent­lich gleich null; der Hori­zont Rich­tung Son­nen­auf­gang war durch Berge ver­deckt. Aber wie durch ein Wunder erstrahlte die Pyra­mide des Sino­pah Moun­tain grell orange in genau dem Moment, als sich eine Regen­front von Westen her auf mich zu bewegte. Immer noch kein Wind, aber Regen über dem Berg und per­fekte Mor­gen­sonne und somit ein per­fek­ter Regen­bo­gen.

Canon EOS 1Ds Mark III, 2,8/16–35 mm L II USM, ISO 100, Stativ

 
 
 
Foto Cristóbal Serrano Pérez, Spanien

Kate­go­rie 6 – Unter Wasser. Sieger: Cris­tó­bal Ser­rano Pérez, Spa­nien
Ver­fol­gungs­jagd

In 20 Metern Tiefe, auf dem san­di­gen Grund der Cortez See (Baja Cali­for­nia, Mexico), ver­suchte ich, einen Kor­moran­beim Fischen zu foto­gra­fie­ren. Ich musste stän­dig meine Posi­tion ver­än­dern, denn es war schwer vor­her­zu­sa­gen, aus wel­cher Rich­tung der Vogel kommen würde. Außer­dem musste ich mit dem Fis­heye aus­ge­spro­chen nah am Gesche­hen sein. Dann stimmte end­lich alles: Der Kor­mo­ran raste ganz in meiner Nähe wie eine Geschoss in einen Schwarm von Grun­zer­fi­schen und trieb sie aus­ein­an­der, um die Fische zu iso­lie­ren.

Canon EOS 5D Mark II, 4,0/8–15 mm L Fis­heye USM, ISO 100, Seacam UW-Gehäuse, UW-Blitze
 
 
 
Foto Angel Fitor, Spanien

Kate­go­rie 6 – Unter Wasser. Lobende Erwäh­nung: Angel Fitor, Spa­nien
Warten auf Licht

Die Spie­geleiqualle (Coty­lor­hiza tuber­cu­lata) ernährt sich von Plank­ton und von Koh­len­hy­dra­ten, die von den in der Qualle sym­bio­ti­sch leben­den Algen syn­the­ti­siert werden. In der Lagune Mar Menor (Spa­nien) gibt es nicht viel Plank­ton, doch die Son­nen­ein­strah­lung ist dort sehr inten­siv. Das macht die Lagune zu einem Para­dies für Spie­geleiqual­len, die sich im warmen Wasser explo­si­ons­ar­tig ver­meh­ren können. In der Mor­gen­däm­me­rung bege­ben sich die Qual­len an die Was­ser­ober­flä­che, um den sym­bio­ti­schen Algen nach der Dun­kel­heit der Nacht bes­sere Vor­aus­set­zun­gen für die Pho­to­syn­these zu bieten.

Nikon D200, Tokina AF 3,5–4,5/10–17 mm, ISO 100, Stativ für den Über­was­ser­blitz, Blitz­dif­fu­so­ren
 
 
 
Foto

Kate­go­rie 2 –Säu­ge­tiere. 2. Platz: Ole Jørgen Liod­den, Nor­we­gen
Eis­bä­ren­welt

Ich habe schon hun­derte von Eis­bä­ren auf Spitz­ber­gen foto­gra­fiert, aber im Juli 2011 ergab sich eine wirk­lich außer­ge­wöhn­lich gute Situa­tion. Ein Bär kam sehr nah an unser Expe­di­ti­ons­schiff heran, das Licht war genau rich­tig und ebenso die Ver­tei­lung der Eis­schol­len. Die Fuß­spu­ren des Eis­bä­ren im Vor­der­grund und die kleine Insel am Hori­zont mach­ten die Kom­po­si­tion per­fekt. Doch abge­se­hen von aller Schön­heit erzählt dieses Bild auch eine trau­rige Geschichte: Das Treib­eis im Nord­po­lar­meer schwin­det zuse­hends als Folge des Kli­ma­wan­dels und damit auch der Lebens­raum der Eis­bä­ren.

Nikon D3S, 2,8/14–24 mm, ISO 1000
 
 
 
Foto Leopold Kanzler, Österreich

Kate­go­rie 2 – Säu­ge­tiere. Lobende Erwäh­nung: Leo­pold Kanz­ler, Öster­reich
Der Gour­met

Es war die Zeit der Reh­brunft, und ich hoffte auf das Erschei­nen eines kapi­ta­len Bockes. Aus meinem Tarn­ver­steck in einem Mais­feld beob­ach­tete ich immer wieder einen Hasen, der gelang­weilt an den dürren Grä­sern knab­berte. Ich hatte den Ein­druck, dass mich der Hase ebenso bemerkt hatte wie ich ihn, und er ließ mich daher nicht aus dem Auge. Als ich das Bild anschlie­ßend im Dis­play betrach­tete, war ich ihm für sein Miss­trauen dank­bar.

Canon EOS 1D Mark III, 4,0/600 mm, 1,4x Kon­ver­ter, ISO 400, Stativ, Tarn­netz und Tar­num­hang
 
 
 
Foto Gregoire Bouguereau, Frankreich

Kate­go­rie 2 – Säu­ge­tiere. Lobende Erwäh­nung: Gre­go­ire Bou­gue­reau, Frank­reich
Thom­son­ga­zelle im Fokus

Junge Thom­son­ga­zel­len sind eine ein­fa­che Beute für Geparde. Sie sind auch die ersten Beu­te­tiere, mit denen junge Geparde die Kunst des Jagens erler­nen. Diese Situa­tion konnte ich Ende April 2011 im Seren­geti Natio­nal­park (Tan­sa­nia) beob­ach­ten. Die Gepar­den­mut­ter hatte das Thom­son­kitz lebend erbeu­tet und ihren Jungen über­las­sen. Diese zeig­ten sich zunächst nicht son­der­lich inter­es­siert, doch als das Kitz die Flucht ergrei­fen wollte, wurde ihr Jagd­in­stinkt augen­blick­lich geweckt. Ich hatte großes Glück, dass die Gazelle genau in meine Rich­tung lief, so dass ich diesen inten­si­ven Moment im Bild fest­hal­ten konnte.

Nikon D3, 2,8/300 mm G VR, ISO 400
 
 
 
Foto

Kate­go­rie 1 – Vögel. 2. Platz: Her­mann Hirsch (GDT), Deutsch­land
Der König des Waldes

Anfang des Jahres machte ich in einem Stadt­wald in Dort­mund meh­rere Zaun­kö­nige aus, die laut­stark anfin­gen, ihre Reviere abzu­ste­cken. Am nächs­ten Tag fuhr ich sofort nach Schu­lende mit dem Rad wieder an diese Stelle. Die Sonne ging bereits unter und zau­berte ein zartes oran­ge­far­be­nes Licht in den ohne­hin vor Farben nur so explo­die­ren­den Wald. Die Zaun­kö­nige waren immer noch sehr aktiv und ließen sich nicht im Gerings­ten von mir stören. Ohne Tar­nung und Stativ machte ich dann einige Fotos von den klei­nen Star­ten­ö­ren, unter ande­rem auch dieses.

Canon EOS 5D Mark II, 4,0/500 mm L IS USM, ISO 640
 
 
 
Foto Florent Cardinaux, Frankreich

Kate­go­rie 2 – Säu­ge­tiere. Sieger: Flo­rent Car­din­aux, Frank­reich
Dachs im Unter­holz bei Däm­mer­licht

Zwei Sommer lang habe ich Dachse in der Nähe ihres Baus mit Schwarz-Weiß-Nega­tiv­film foto­gra­fiert. Diese Gegen­licht­auf­nahme stellte eine echte Her­aus­for­de­rung dar: Der Dachs musste sich an einen ganz bestimm­ten Platz bege­ben, an dem der Hin­ter­grund eine schöne Struk­tur auf­wies und Licht­re­flexe zu sehen waren. Und dort musste er dann noch den Kopf heben. Schwie­rig – aber nach zwei Wochen gedul­di­gen War­tens war der rich­tige Moment end­lich auf Film gebannt.

Nikon FE2, AIP 4,0/500 mm, Ilford DELTA 3200 gepusht auf 6400 ISO, Stativ
 
 
 
Foto István Kerekes, Ungarn

Kate­go­rie 8 – Ate­lier Natur. 2. Platz: István Kere­kes, Ungarn
Yin-Yang

Im Februar 2012 foto­gra­fierte ich auf einem Altarm der Donau nahe des Dorfes Rajka (Ungarn) Eis­struk­tu­ren. Es herrschte star­ker Kahl­frost – ideale Vor­aus­set­zun­gen also, um Eis zu foto­gra­fie­ren. Als ich mir dieses Foto am Com­pu­ter ansah, sah ich sofort, dass die Eis­for­ma­tion, wenn man das Bild um 180° drehte, wie das Symbol für Yin und Yang aussah, zwei ele­men­tare Begriffe der tao­is­ti­schen Phi­lo­so­phie.

Nikon D3, 4,0/24–120 mm G VR, ISO 250
 
 
 
Foto Knut-Sverre Horn, Norwegen

Kate­go­rie 8 – Ate­lier Natur. Sieger: Knut-Sverre Horn, Nor­we­gen
Happy feet

Eigent­lich bevor­zuge ich einen eher jour­na­lis­ti­schen Stil bei der Vogel­fo­to­gra­fie, um Ver­hal­tens­wei­sen oder den Kon­text zum Lebens­raum dar­zu­stel­len, aber manch­mal reizt es mich auch, abs­trakte Bilder zu machen. Die Methode, den Schär­fe­punkt hinter das Motiv zu legen und einen kon­tur­lo­sen, hellen Hin­ter­grund zu wählen, wird oft von Pflan­zen­fo­to­gra­fen ange­wandt, sel­te­ner in der Vogel­fo­to­gra­fie. Meine Idee war es, die signi­fi­kan­ten Kon­tu­ren eini­ger Lummen unscharf in den Vor­der­grund zu posi­tio­nie­ren und dann darauf zu warten, dass wei­tere Vögel ins Bild flie­gen. Dieses Foto wurde nicht beschnit­ten. Es ent­stand wäh­rend eines Foto-Work­shops auf der nor­we­gi­schen Insel Hornøya, im Früh­jahr 2011.

Nikon D3s, 4,0/600 mm, ISO 200, Stativ
 
 
 
Foto Rosa Isabel Vazquez, Spanien

Kate­go­rie 4 – Pflan­zen und Pilze. Lobende Erwäh­nung: Rosa Isabel Vaz­quez, Spa­nien
Pflan­zen in Bewe­gung

Es war der letzte Abend einer Reise durch Schott­land, und ich beschloss,noch ein wenig am Loch Lomond zu foto­gra­fie­ren. Das Wetter war schlecht, aber wenigs­tens hatte es auf­ge­hört zu regnen, so wie in der ganzen Woche zuvor. Der starke Wind bewegte das Wasser des Sees und auch die Bäume und Sträu­cher an seinem Ufer. Es war ein schö­ner Anblick, und ich ent­schied mich, eine lange Belich­tungs­zeit von 13 Sekun­den zu nehmen, um die Bewe­gung der Pflan­zen dar­zu­stel­len, dem Wasser aber eine ruhige, weiche Anmu­tung zu geben.

Canon EOS 5D Mark II, 4,0/70–200 mm L USM, ISO 50, Grau­fil­ter, Stativ, Kabel­aus­lö­ser
 
 
 
Foto Audun Rikardsen, Norwegen

Kate­go­rie 7 – Mensch und Natur. 2. Platz: Audun Rikard­sen, Nor­we­gen
Leben und Tod in Grön­land

Dieses Bild ent­stand an der West­küste von Grön­land, an Bord eines rund 12 Meter langen Wal­fän­gers, der auch zum Fisch­fang ein­ge­setzt wird. Die tra­di­tio­nelle Kultur der Inuit basiert darauf, die mari­nen Res­sour­cen auf Grund­lage der Selbst­ver­sor­gung zu nutzen – hierzu gehört auch die Jagd auf grö­ßere Wale. Viele Fami­lien und Gemein­den sind bis heute darauf ange­wie­sen, Wale zu jagen, für ihren Eigen­be­darf oder wegen des Ein­kom­mens, das mit dem Ver­kauf des Flei­sches erzielt wird. Die wenigs­ten Inuit jagen heute noch mit dem tra­di­tio­nel­len Kajak. Sie benut­zen grö­ßere Schiffe mit Har­pu­n­en­ka­no­nen oder sie jagen in Grup­pen von klei­ne­ren Booten mit Außen­bor­dern.

Canon EOS 5D Mark II, 2,8/16–35 mm, ISO 100, Pol­fil­ter
 
 
 
Foto David Maitland, Großbritannien

Kate­go­rie 8 – Ate­lier Natur. Lobende Erwäh­nung: David Mait­land, Groß­bri­tan­nien
Koral­len­sand

Viele wir­bel­lose Riff­be­woh­ner wie Gor­go­nen­häup­ter, Schwämme oder See­gur­ken tragen in ihren wei­chen Kör­pern nadel­för­mige Struk­tu­ren aus Kalk, die der Abwehr von Fein­den dienen. Zusam­men mit den Ske­let­ten der Stein­ko­ral­len bilden sie den berühm­ten Koral­len­sand“ der tro­pi­schen Strände.

Canon EOS 5D Mark II, Mikro­sko­pi­sches Objek­tiv 10x, ISO 50
 
 
 
Foto Ferenc Somodi, Ungarn

Kate­go­rie 7 – Mensch und Natur. Sieger: Ferenc Somodi, Ungarn
Ret­ten­der Sprung

Frö­sche gehö­ren zu meinen Lieb­lings­mo­ti­ven. Wenn­gleich in Ungarn in den letz­ten Jahren eine Reihe von Maß­nah­men zum Schutz der wan­dern­den Amphi­bien ein­ge­lei­tet wurde, ster­ben doch immer noch sehr viele von ihnen im Stra­ßen­ver­kehr. Ich wollte mich dieser Pro­ble­ma­tik foto­gra­fi­sch widmen, und nach einer Reihe von Fehl­schlä­gen gelang es mir schließ­lich, eine typi­sche Situa­tion abzu­lich­ten.

Nikon D700, 2,8/16 mm Fis­heye, ISO 320, Blitz

 
Schirm­her­rin Prof. Dr. Beate Jessel vom Bun­des­amt für Natur­schutz (BfN):
Wieder einmal kann der Wett­be­werb „GDT Euro­päi­scher Natur­fo­to­graf des Jahres“ mit einer Viel­zahl meist unge­wöhn­li­cher, in jedem Fall aber authen­ti­scher Fotos über­zeu­gen. Was mich dabei beson­ders beein­druckt, ist, dass es gar nicht immer die zwei­fels­frei fas­zi­nie­rende Natur exo­ti­scher Desti­na­tio­nen ist, die hier den Ton angibt. Im Gegen­teil, es sind für mich die eher „nor­ma­len“ Motive, an denen die Künst­ler ihre beson­de­ren foto­gra­fi­schen Fähig­kei­ten bewei­sen: Mit ihren Kame­ras kom­po­nie­ren sie wit­zige, über­ra­schende oder poe­ti­sche Bilder, die sich für jeden Betrach­ter indi­vi­du­ell zu klei­nen oder großen Geschich­ten ent­wi­ckeln lassen.

Ein sol­ches Bild voller Geschich­ten ist auch das Sie­ger­foto des dies­jäh­ri­gen Wett­be­werbs. Der Titel „Stern­gu­cker“ steht für die stim­mungs­volle, dichte Atmo­sphäre dieses ein­ma­li­gen Fotos des Finnen Tommy Vikars. Ich kann mir kaum vor­stel­len, dass sich viele Betrach­ter seinem Bann ent­zie­hen können. Bei den Tieren, die hier so fried­lich im Bilde stehen, han­delt es sich übri­gens um „Neu­bür­ger“ – soge­nannte Neo­biota. Die Weiß­we­del­hir­sche sind näm­lich ursprüng­lich in Nord­ame­rika hei­mi­sch.

Der Wett­be­werb „GDT Euro­päi­scher Natur­fo­to­gra­fen des Jahres“ wird jähr­lich von der Gesell­schaft Deut­scher Tier­fo­to­gra­fen aus­ge­schrie­ben. In acht ver­schie­de­nen Kate­go­rien sowie dem „Fritz Pöl­king Preis“ und dem „Fritz Pöl­king Jugend­preis“ können  Arbei­ten ein­ge­reicht werden. Die mit Markus Botzek (Natur­fo­to­graf, Deutsch­land), Anders Gei­de­mark (Natur­fo­to­graf, Schwe­den), Rosa­mund Kidman Cox (Bild-Redak­teu­rin und Auto­rin, Groß­bri­tan­nien), Lau­rent Geslin (Natur­fo­to­graf, Frank­reich), Manuel Presti (Natur­fo­to­graf, Ita­lien), Dieter Dam­schen (Natur­fo­to­graf, Deutsch­land) und Sven Za?ek  (Natur­fo­to­graf, Est­land)  hoch­ka­rä­tig besetzte Jury machte sich ihre Ent­schei­dung auch in diesem Jahr nicht leicht.

Die Sieger der ein­zel­nen Kate­go­rien:
In der Kate­go­rie Vögel gewann das Bild „Mys­ti­sch und geheim­nis­voll“ des  Ita­lie­n­ers Markus Zadra. Mit der Auf­nahme „Dachs im Unter­holz bei Däm­mer­licht„ konnte sich Flo­rent Car­din­aux aus Frank­reich in der Kate­go­rie Säu­ge­tiere durch­set­zen. „Im flie­gen­den Sand“ heißt das Sie­ger­bild des Deut­schen Uwe Hasu­bek, GDT, in der Kate­go­rie Andere Tiere. Séba­tien Lama­don aus Frank­reich siegte mit seinem Bild  „Im Herzen des Früh­lings“ in der Kate­go­rie Pflan­zen und Pilze. Die Kate­go­rie Land­schaf­ten ent­schied der Nor­we­ger  Lars Andreas Dybvik mit „Win­ter­wald“ für sich, in der Kate­go­rie Unter Wasser siegte Cris­tó­bal Ser­rano Pérez aus Spa­nien mit dem Bild „Ver­fol­gungs­jagd“. „Ret­ten­der Sprung“ nannte Ferenc Somodi aus Ungarn sein Sie­ger­bild in der Kate­go­rie Mensch und Natur, und mit „Happy feet“ gewann Knut-Sverre Horn, eben­falls aus Nor­we­gen, die Kate­go­rie „Ate­lier Natur“.

Kon­takt­da­ten „GDT Euro­päi­scher Natur­fo­to­graf des Jahres 2012“
Tommy Vikars
Email: vikarstommy@gmail.com
 

(thoMas)